Marktberichte August 2018

Marktberichte August 2018

Aktien: Schlusslicht Europa

Renten: Politische Risiken dominieren das Marktgeschehen

Aktienmärkte: Im internationalen Vergleich hatten die europäischen Aktienmärkte das Nachsehen. Während die Notierungen in Japan und den USA weiter aufwärts strebten, verbuchten Anleger in Europa Verluste.

Rentenmärkte: Eine drohende Währungskrise in der Türkei und die nahenden Budgetverhandlungen in Italien haben bei Anleihen aus den Peripherie- und den Schwellenländer für Verluste gesorgt. Im Rahmen einer geringeren Risikobereitschaft waren Staatsanleihen aus den USA und aus Deutschland hingegen gefragt.

Die Aktienmärkte

Europa

Risikoaversion überschattet Europas Börsen

Europäische Aktien haben im August Kursverluste verzeichnet. Der EURO STOXX 50-Index gab 3,8 Prozent nach, der marktbreite STOXX Europe 600-Index verbuchte einen Abschlag von 2,4 Prozent. Die im MSCI Europe Small and Mid Caps-Index gelisteten Unternehmen mit niedriger und mittelgroßer Marktkapitalisierung schlossen 0,4 Prozent leichter.

Zum Monatsbeginn lasteten vor allem die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China auf den Notierungen. Später führten geopolitische Spannungen zu einer merklichen Eintrübung der Risikofreude am Kapitalmarkt. Angesichts der Inhaftierung des US-Priesters Brunson schaukelten sich die Spannungen zwischen US-Präsident Trump und dem türkischen Machthaber Erdogan auf. Es kam zu deutlichen Turbulenzen am türkischen Währungsmarkt, die schließlich auch andere Assetklassen in Mitleidenschaft zogen. Europäische Aktien notierten zur Mitte der Berichtsperiode knapp fünf Prozent leichter, konnten sich in der Folge aber wieder etwas erholen.

Die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2018 ist für Europas Konzerne indes gut verlaufen. Rund die Hälfte der Unternehmen schnitten beim Gewinnwachstum besser ab, als von Analysten erwartet. Die im zweiten Quartal einsetzende Euro-Schwäche wird zunehmend zum Unterstützungsfaktor für die exportorientierten europäischen Konzerne. Unter dem Strich konnte die Unternehmen ihr Gewinnwachstum im Vergleich zum Vorjahr um rund fünf Prozent steigern – das ist etwa ein Prozentpunkt mehr, als im Vorfeld erwartet wurde.

Italienische Aktien schnitten schlechter ab als der Gesamtmarkt, nachdem Befürchtungen aufkamen, dass die italienische Regierung im Zuge der anstehenden Haushaltsverhandlungen auf Konfrontationskurs mit der Europäischen Union gehen könnte. Der FTSE MIB Index gab im Berichtszeitraum 8,8 Prozent nach.

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen sind unverändert gut, allerdings bleibt die Anfälligkeit der Aktienmärkte für exogene Störfeuer hoch. Der geldpolitische Richtungswechsel im Euroraum, die von den USA ausgehenden schwelenden Handelsstreitigkeiten und (geo-)politische Risiken können jederzeit zu einem Anstieg der Volatilität führen.

Deutschland

Deutsche Großkonzerne mit Kursverlusten

Deutschlands Großkonzerne haben im August Kursverluste verzeichnet. Der DAX 30-Index mit den größten Konzernen des Landes verzeichnete Abschläge in Höhe von 3,5 Prozent. Besser lief es in der zweiten Reihe: Der MDAX-Index, der sich aus Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung zusammensetzt, schloss unverändert. Die im SDAX-Index geführten kleineren Gesellschaften legten um 0,9 Prozent zu. Die im TecDAX-Index gelisteten Technologiefirmen stiegen sogar um 4,5 Prozent.

Zu den Verlierern zählten der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer und der Automobilzulieferer Continental. Die Bayer-Tochter Monsanto ist in den USA in erster Instanz zu einer Schadensersatzzahlung von rund 250 Millionen Euro verurteilt worden. Ein Mann hatte seine Krebserkrankung auf das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat zurückgeführt. Investoren gingen in Deckung, die Aktien des Leverkusener Unternehmens verloren im Verlauf der Berichtsperiode 15,9 Prozent an Wert. Der Zulieferkonzern Continental hat seine Gewinnziele für das Jahr 2018 kassiert. Bereits im April musste das Unternehmen seine Ziele für 2018 ein erstes Mal zurücknehmen. Das lässt das Vertrauen unter den Anlegern schwinden. Continental-Aktien brachen im August um 19,6 Prozent ein.

Rund läuft es indes für die im TecDAX-index gelisteten deutschen Technologiekonzerne. Mittlerweile hat der Index eine neue Rekordmarke erreicht, das Plus seit Jahresanfang beläuft sich auf 14 Prozent. Wie ihre internationalen Pendants profitieren die deutschen Konzerne vom anhaltenden Digitalisierungstrend und der überdurchschnittlich guten Stimmung in der Branche. Dabei hat der Zahlungsdienstleister Wirecard, der schon bald in den DAX-Index aufsteigen könnte, bislang am besten abgeschnitten. Die Kurse des Münchner Konzerns haben sich seit Anfang 2018 mehr als verdoppelt.

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen sind unverändert gut, allerdings bleibt die Anfälligkeit der Aktienmärkte für exogene Störfeuer hoch. Der geldpolitische Richtungswechsel im Euroraum, die von den USA ausgehenden schwelenden Handelsstreitigkeiten und (geo-)politische Risiken können jederzeit zu einem Anstieg der Volatilität führen.

Osteuropa

Schwache Währungen belasten Osteuropas Börsen

Währungsabwertungen und länderspezifische Probleme prägten die Entwicklung der osteuropäischen Aktienmärkte im August. Der MSCI Emerging Markets Eastern Europe-Index ging zwar in Lokalwährung unverändert aus dem Handel, in US-Dollar stand allerdings ein deutliches Minus (-4,6 Prozent) zu Buche. Der starke Wertverlust der Türkischen Lira, aber auch des Russischen Rubels hinterließ Spuren.

Die Krise in der Türkei spitzte sich weiter zu. Dabei kam es zu erheblichen Verwerfungen am dortigen Kapitalmarkt. Verantwortlich war zum einen die weiterhin ungeklärte Situation um die Inhaftierung des US-Pastors Brunson. Nachdem die Türkei eine Freilassung abgelehnt hatte, reagierten die USA mit Sanktionen gegen türkische Minister und einer Verdopplung der Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte. Zum anderen blieb aber auch die Reaktion von Notenbank und Politik hinter den Erwartungen zurück. Auf kräftige Zinserhöhungen wurde ebenso verzichtet wie auf ein mögliches Hilfeersuchen beim Internationalen Währungsfonds. Nachdem die Lira gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich über 40 Prozent an Wert verloren hatte, kam es Ende August zwar zu einer leichten Entspannung (Monatsverlust: 34,9 Prozent). Ausgestanden ist die Krise aber nicht. Vor allem stark in US-Dollar verschuldete Unternehmen geraten in Schieflage, eine Rezession wird wahrscheinlicher. Immerhin konnte sich der türkische Aktienmarkt (BIST-Index), der in Lokalwährung bis zu zehn Prozent im Minus lag, wieder etwas stabilisieren (Monatsverlust: 4,4 Prozent).

Auch der Russische Rubel, der im Monatsverlauf gegenüber dem US-Dollar 8,4 Prozent an Wert verlor, wurde von der Türkeikrise in Mitleidenschaft gezogen. Daneben litten die russischen Börsen unter neuen US-Sanktionen. Der MICEX-Index schloss in Lokalwährung 1,1 Prozent fester, der auf US-Dollar lautende RTS-Index verlor 6,9 Prozent. Positiv entwickelten sich hingegen weiterhin die Aktien in Ungarn (+4,2 Prozent).

Verschärfungen in der Türkeikrise oder im globalen Handelskonflikt könnten für erhöhte Volatilität an den Aktienmärkten Osteuropas sorgen.

USA

Starke Unternehmenszahlen beflügeln US-Börsen

Die Aktienmärkte in den USA haben im August ihren positiven Trend fortgesetzt und Kurssteigerungen verzeichnet. Der Dow Jones Industrial Average verbesserte sich um 2,2 Prozent, der marktbreite S&P 500-Index kletterte 3,0 Prozent und erreichte ein neues Rekordhoch. Besonders stark schnitten die Sektoren IT und Healthcare ab. Eher schwach entwickelten sich Banken und der Bereich Luftfahrt und Verteidigung.

Nach Abschluss der Berichtssaison stellt sich ein positives Bild für die US-Unternehmenswelt dar: Insgesamt weisen die S&P 500-Konzerne bei einem Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent ein überdurchschnittlich kräftiges Gewinnplus von etwa 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr aus.

Neben starken Konjunkturdaten und guten Unternehmensberichten wurden die Börsen zuletzt auch durch Aktienrückkäufe getrieben. Das Volumen der genehmigten Aktienrückkaufprogramme aller gelisteten US-Unternehmen könnte in 2018 die eine Billion US-Dollar-Schwelle überschreiten. Angesichts einer Kapitalisierung des US-Marktes von etwa 32 Billionen US-Dollar entspricht das gut drei Prozent des Marktvolumens.

Für einen Paukenschlag am Markt sorgte Tesla-Gründer Elon Musk. In einer Mitteilung bei Twitter verkündete er, dass er darüber nachdenke, Tesla von der Börse zu nehmen und die Anteile selbst zurückzukaufen. Dabei brachte er einen Preis von 420 US-Dollar je Aktie ins Spiel, was einem Aufschlag von gut 20 Prozent zum Schlusskurs vom Abend vor der Ankündigung bedeuten würde. Damit sorgte er für eine Achterbahnfahrt des Titels, der erst knapp 28 Prozent zulegte, im Verlauf des Monats diese Gewinne fast vollständig wieder abgab, nachdem Musk zurückrudern musste. Das wiederum rief die US-Börsenaufsicht auf den Plan, die den Fall untersucht. Zudem ziehen Investoren in Erwägung, gegen Musk Klage einzureichen.

Die starke Wachstumsdynamik gibt den US-Konzernen Rückenwind und bietet ein freundliches Umfeld für die Aktienmärkte. Die globale politische Unsicherheit und der von den USA ausgehende Handelskonflikt können aber immer wieder für erhebliche Schwankungen sorgen.

Fernost

Asiatische Schwellenländermärkte im Schatten der Börse in China

Die anhaltende Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China lastete erneute auf den Aktienmärkten der asiatischen Schwellenländer. Im abgelaufenen Monat drohte US-Präsident Trump mit Strafzöllen auf weitere 200 Mrd. US-Dollar an chinesischen Importen in die USA und setzte damit insbesondere die Börsen in Hongkong und Shanghai unter Druck. Der MSCI Far East ex Japan-Index verlor im August 1,4 Prozent in lokaler Währung (-1,5 Prozent auf US-Dollarbasis). Im internationalen Kontext stellte dies eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung dar, da der MSCI World-Index um 1,1 Prozent in lokaler Währung zulegte.

Die Zeichen im Hinblick auf die Konjunkturentwicklung in der dominierenden Volkswirtschaft China stehen auf moderate Abschwächung auf noch erhöhtem Niveau. Die chinesischen Einzelhandelsumsätze stiegen im Juli um 8,8 Prozent (nach +9,0 Prozent im Vormonat) und die Expansion der Industrieproduktion lag unverändert bei einem Plus von 6,0 Prozent. Zum Ende des Monats zeichneten die Einkaufsmanagerindizes in China ein Bild der Stabilisierung - sowohl im Verarbeitenden Gewerbe (+0,1 auf 51,3 Punkte) als auch im Dienstleistungssektor (+0,2 auf 54,2 Punkte). Zuletzt entwickelte sich der wichtige Immobilienmarkt positiv. Die Bauflächen in China stiegen stark an und die Häuserpreise wiesen einen anhaltenden Aufwärtstrend auf.

Belastet von den handelspolitischen Spannungen, zählten die chinesischen Börsen zu den klaren Verlierern. Der Hang Seng-Index in Hongkong verlor weitere 2,3 Prozent (-6,8 Prozent seit Jahresanfang) und der Shanghai Composite-Index gab sogar 5,3 Prozent ab (-17,6 Prozent seit Jahresanfang). Im Gegensatz hierzu verzeichneten nahezu alle anderen Leitindizes der asiatischen Schwellenländer Kursgewinne, allen voran Vietnam (+7,2 Prozent) gefolgt von Indien (+2,8 Prozent), den Philippinen (+2,4 Prozent), Malaysia (+2,0 Prozent), Indonesien (+1,4 Prozent) und Südkorea (+1,2 Prozent).

Trotz anhaltend robuster Wirtschaftsdaten auf globaler Ebene dürfte der Handelsstreit zwischen China und den USA die Volkswirtschaften Asiens je nach Eskalationsniveau mehr oder weniger stark belasten.

Japan

Japanische Leitindizes mit uneinheitlichen Trends

Die wirtschaftliche Entwicklung in Japan erwies sich zuletzt als überraschend robust, wenngleich die anhaltenden handelspolitischen Spannungen durch die US-Regierung weiterhin einen Belastungsfaktor darstellen. Die Leitindizes an der Börse in Tokio verzeichneten in diesem Umfeld eine divergierende Entwicklung. Der NIKKEI 225-Index kratzte mehrmals an der Marke von 23.000 Punkten und legte im August um 1,4 Prozent zu. Hingegen verlor der marktbreitere Topix-Index rund ein Prozent. Im internationalen Kontext stellte dies insgesamt eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung dar, da sich der MSCI World-Index um 1,1 Prozent in lokaler Währung verteuerte.

Deutlich besser als erwartet fiel die Expansion des japanischen Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal aus. Die annualisierte Wachstumsrate der japanischen Volkswirtschaft lag bei 1,9 Prozent und somit deutlich über dem Rückgang von 0,9 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres. Haupttreiber waren äußerst solide Trends beim Privaten Konsum und bei den Unternehmensinvestitionen. Ferner konnte sich der Einkaufsmanager-Index für das Verarbeitende Gewerbe im August bei 52,5 Punkten stabilisieren (Vormonat: 52,3 Punkte). Hingegen setzte sich die moderate Eintrübung des japanischen Konsumentenvertrauens im August zum dritten Mal in Folge fort.

Wichtigster Treiber für die Kursentwicklung an der Börse in Tokio war die Berichtssaison für das zweite Quartal, die im August ihren Höhepunkt erreichte. Überzeugende Unternehmensergebnisse unter den Indexschwergewichten waren beim Technologie- und Telekomkonzern Softbank (+11,2 Prozent), beim Personaldienstleister Recruit Holdings (+10,9 Prozent) und beim Elektronikkonzern Sony (+8,9 Prozent) zu beobachten. Im Gegensatz hierzu zeigten sich die Investoren von den Zahlen der Telekomkonzerne Nippon Telegraph & Telephone (- 4,2 Prozent) und KDDI (-5,5 Prozent) enttäuscht.

Nachdem die insgesamt solide Berichtssaison in Japan weitgehend abgeschlossen ist, dürften sich die Investoren wieder verstärkt auf die weltweite Konjunkturentwicklung und die handelspolitischen Spannungen fokussieren.

Weltweit

Gemischtes Bild an den globalen Börsen

Die globalen Aktienmärkte haben im Juli uneinheitlich tendiert. Unter dem Strich steht für den MSCI World-Index in lokaler Währung ein leichtes Plus von 1,1 Prozent. In den USA haben die Börsen ihren positiven Trend fortgesetzt und Kurssteigerungen verzeichnet. Der Dow Jones Industrial Average verbesserte sich um 2,2 Prozent, der marktbreite S&P 500-Index kletterte 3,0 Prozent und erreichte ein neues Rekordhoch. Neben starken Konjunkturdaten und guten Unternehmensberichten wurden die Börsen zuletzt auch durch Aktienrückkäufe getrieben. Das Volumen der genehmigten Aktienrückkaufprogramme aller gelisteten US-Unternehmen könnte in 2018 die eine Billion US-Dollar-Schwelle überschreiten.

Die europäischen Aktienmärkte hingegen verloren an Boden. Der EURO STOXX 50-Index gab 3,8 Prozent nach, der marktbreite STOXX Europe 600-Index verbuchte einen Abschlag von 2,4 Prozent. Zum Monatsbeginn lasteten vor allem die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China auf den Notierungen. Später führten geopolitische Spannungen zu einer merklichen Eintrübung der Risikofreude am Kapitalmarkt. Angesichts der Inhaftierung des US-Priesters Brunson schaukelten sich die Spannungen zwischen US-Präsident Trump und dem türkischen Machthaber Erdogan auf. Es kam zu deutlichen Turbulenzen am türkischen Währungsmarkt, die schließlich auch andere Assetklassen in Mitleidenschaft zogen.

Die Leitindizes an der japanischen Börse verzeichneten eine divergierende Entwicklung. Der NIKKEI 225-Index kratzte mehrmals an der Marke von 23.000 Punkten und legte im August um 1,4 Prozent zu. Hingegen verlor der marktbreitere Topix-Index rund ein Prozent. In den Schwellenländern liefen leichte Verluste auf, der MSCI Emerging Markets fiel in lokaler Währung um 0,8 Prozent. Vor allem die asiatischen Börsen gaben vor dem Hintergrund des Handelskonflikts zwischen den USA und China nach.

Das weltweit solide Konjunkturumfeld spricht weiterhin für Aktien. Allerdings könnten protektionistische Restriktionen den Welthandel in Zukunft stärker belasten.

Die Rentenmärkte

Eurozone

Budgetverhandlungen in Italien werfen ihre Schatten voraus

Üblicherweise ist der August ein ruhiger Handelsmonat, da sich viele Marktteilnehmer im Urlaub befinden. In diesem Jahr sorgten jedoch der schon lange schwelende Handelskonflikt zwischen China und den USA und auch die demnächst anstehenden Budgetverhandlungen in Italien für Aufruhr. Hinzu kam eine drohende Währungskrise in der Türkei. Hohe Inflationsraten und eine starke Abwertung der Türkischen Lira brachten türkischen Staatsanleihen unter Druck. In diesem Umfeld waren Anleger auch am Euro-Rentenmarkt zunächst nicht bereit größere Risiken einzugehen. Die als sicher geltenden Anleihen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden verzeichneten Kursgewinne, während Papiere aus den Peripherieländern unter Druck gerieten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte dabei zwischenzeitlich wieder die Marke von 0,3 Prozent.

Gute Konjunkturdaten, moderatere Töne zwischen China und den USA und nicht zuletzt überzeugende US-Unternehmensnachrichten sorgten in der zweiten Monatshälfte für eine wieder höhere Risikobereitschaft. Bundesanleihen gaben daher einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Zeitgleich waren alles andere als versöhnliche Töne von den beiden italienischen Regierungsparteien zu vernehmen, was die Sorgen um einen Haushaltsstreit neu entfachte. Peripherieanleihen konnte somit nicht von der Stimmungsverbesserung auf globaler Ebene profitieren. In Italien stiegen die Renditen sogar über das Niveau der Regierungskrise von Ende Mai an. Anleihen aus Spanien, Portugal und Griechenland verbuchten zwar geringere Verluste, wurden aber dennoch in Mithaftung genommen. Griechenland konnte somit kein Kapital aus seinem Ausstieg aus dem Euro-Rettungsschirm schlagen. Zukünftig müssen sich die Hellenen wieder selbst am Kapitalmarkt refinanzieren. Dank eines Liquiditätspolsters von mehr als 20 Milliarden Euro wird dies aber in den kommenden 22 Monaten wohl zunächst nicht nötig sein.

Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index verloren Euro-Staatsanleihen im August 0,6 Prozent an Wert. Auffällig war dabei die erneute Diskrepanz zwischen Kernanleihen (+0,4 Prozent) und Peripherietiteln (-2,0 Prozent).

Euro-Outs

Türkische Anleihen bleiben in schwierigem Fahrwasser

Im abgelaufenen Handelsmonat agierten die Investoren aufgrund einer Reihe von Risiken vorsichtig. Dies machte sich auch in der Kursentwicklung am europäischen Rentenmarkt außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes bemerkbar. Anleihen von Staaten mit besserer Bonität standen in der Gunst der Anleger vorn und verbuchten Kursgewinne, allen voran Papiere aus Norwegen, Schweden und der Schweiz. Große Verluste gab es hingegen erneut in Russland und der Türkei. Russland muss in den kommenden Wochen weitere Sanktionen seitens der USA befürchten. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen stieg daraufhin um knapp 100 Basispunkte an.

Auch am aktuellen Schicksal der Türkei sind die USA nicht unbeteiligt. Dort spitzte sich die Krise weiter zu. Dabei kam es zu erheblichen Verwerfungen, speziell am Währungsmarkt. Verantwortlich war zum einen die weiterhin ungeklärte Situation um die Inhaftierung des US-Pastors Brunson. Nachdem die Türkei eine Freilassung abgelehnt hatte, reagierten die USA mit Sanktionen gegen türkische Minister und einer Verdopplung der Zölle auf türkische Stahl- und Aluminiumimporte. Zum anderen erfüllten aber auch die Reaktion von Notenbank und Politik nicht die Erwartungen. Kräftige Zinserhöhungen blieben ebenso aus wie ein mögliches Hilfeersuchen beim Internationalen Währungsfonds. Nachdem die Türkische Lira gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich über 40 Prozent an Wert verloren hatte, kam es Ende August zwar zu einer leichten Entspannung, die aber wohl nicht von Dauer sein dürfte. Ausgestanden ist die Krise noch nicht. Vor allem stark in US-Dollar verschuldete Unternehmen - und davon gibt es in der Türkei viele - geraten zunehmend in Schieflage, eine Rezession wird somit immer wahrscheinlicher.

In Vereinten Königreich bleiben weiterhin viele Fragen für die Zeit nach dem Brexit offen. Die hohe Unsicherheit zeigt inzwischen Wirkung. So kündigte jüngst der japanische Elektronikkonzern Panasonic an, seine Europazentrale nach Amsterdam zu verlegen.

USA

US-Staatsanleihen dienten Anleger als sicherer Hafen

Der US-Rentenmarkt zeigte sich im August von seiner freundlichen Seite, wenngleich die Gründe dafür wenig Anlass für Euphorie boten. US-Staatsanleihen waren vielmehr über weite Strecken des Monats vor allem aufgrund ihres Status als sicherer Hafen gefragt. US-Präsident Donald Trump befindet sich inzwischen ohne Zweifel im Wahlkampfmodus. Anfang November finden die wichtigen Zwischenwahlen statt, die darüber entscheiden werden, ob die Republikaner die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses behalten werden. Gelingt dies nicht, würde sein innenpolitischer Spielraum stark eingeschränkt werden. Zur Gewinnung von Wählerstimmen erwägt die US-Regierung unter anderem weitere Strafzölle gegenüber China. Darüber hinaus drohen neue Sanktionen gegen Russland. Auch in den Verhandlungen mit Mexiko und Kanada (NAFTA) zeigen sich die USA unnachgiebig

In den letzten Monaten hat sich eine gewisse Handelsspanne herausgebildet, in der die Rendite zehnjähriger US-Schatzanweisungen zwischen 2,8 und 3,0 Prozent schwankt. Zu Monatsbeginn wurde die Marke von drei Prozent kurzzeitig überschritten. Ein Niveau, das sich bereits in den vergangenen Wochen als Wendepunkt erwies und auf dem der Kauf von Anleihen für viele Investoren wohl attraktiv erschien. Gute Konjunkturdaten und weiter anziehende Inflationsraten dürften die US-Notenbank darin bestärken, die Zinsen weiter anzuheben. Die Rendite zweijähriger Staatsanleihen gab daher nicht nach, wodurch sich die US-Zinsstrukturkurve weiter verflachte. Der Zinsunterschied zu deutschen Bundesanleihen blieb indessen erhalten und betrug weiterhin rund 2,5 Prozent.

Zum Monatsende hin spitzte sich die Lage in einigen Schwellenländern (Argentinien, Brasilien und Türkei) zu, sodass die Nachfrage nach US-Bonds hoch blieb. Gemessen am JP Morgan Global Bond US-Index gewannen US-Schatzanweisung daher im August 0,8 Prozent an Wert. Seit Jahresbeginn bedeutet dies nur noch ein Minus von 0,8 Prozent.

Weltweit

Politische Risiken beherrschen das Marktgeschehen

Üblicherweise ist der August ein ruhiger Handelsmonat, da sich viele Marktteilnehmer im Urlaub befinden. In diesem Jahr sorgten jedoch der schon lange schwelende Handelskonflikt zwischen China und den USA und auch die demnächst anstehenden Budgetverhandlungen in Italien für Aufruhr. Hinzu kam eine drohende Währungskrise in der Türkei.

Am Euro-Staatsanleihenmarkt verzeichneten die als sicher geltenden Anleihen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden daher Kursgewinne, wären Papiere aus den Peripherieländern unter Druck gerieten. In Italien stiegen die Renditen sogar über das Niveau der Regierungskrise von Ende Mai an. Anleihen aus Spanien, Portugal und Griechenland verbuchten zwar geringere Verluste, wurden aber dennoch in Mithaftung genommen. Griechenland konnte somit kein Kapital aus seinem Ausstieg aus dem Euro-Rettungsschirm schlagen. Gemessen am iBoxx Euro Sovereign Index verloren Euro-Staatsanleihen im August 0,6 Prozent an Wert. Auffällig war dabei die erneute Diskrepanz zwischen Kernanleihen (+0,4 Prozent) und Peripherietiteln (-2,0 Prozent).

Auch der US-Rentenmarkt konnte von der geringeren Risikobereitschaft der Anleger profitieren. US-Präsident Donald Trump befindet sich überdies im Wahlkampfmodus. Zur Gewinnung von Wählerstimmen erwägt die US-Regierung unter anderem weitere Strafzölle gegenüber China. Darüber hinaus drohen neue Sanktionen gegen Russland. In den letzten Monaten hat sich eine gewisse Handelsspanne herausgebildet, in der die Rendite zehnjähriger US-Schatzanweisungen zwischen 2,8 und 3,0 Prozent schwankt. Zu Monatsbeginn wurde die Marke von drei Prozent kurzzeitig überschritten, dann setzten jedoch wieder Käufe ein, auch weil sich zum Monatsende hin die Lage in einigen Schwellenländern (Argentinien, Brasilien und Türkei) zuspitzte. Gemessen am JP Morgan Global Bond US-Index gewannen US-Schatzanweisung daher im August 0,8 Prozent an Wert.

Europäische Unternehmensanleihen traten im August auf der Stelle (iBoxx Euro Sovereign). Anleihen aus den Schwellenländern mussten hingegen kräftige Verluste in Höhe von 4,5 Prozent (JP Morgan EMBI Global Div.-Index) hinnehmen.

Unternehmensanleihen

Reger Neuemissionsmarkt führt zu steigenden Risikoprämien

Europäische Unternehmensanleihen haben sich im August per Saldo kaum verändert und verzeichneten auf Indexebene (ICE BofA Merrill Lynch Euro Corporate-Index, ER00) einen Wertzuwachs von 0,03 Prozent. Der rege Neuemissionsmarkt führte zum Monatsende zu einem Angebotsdruck und belastete in der Folge auch die Preise des gesamten Corporates-Markt. Die Risikoprämien (Asset Swap Spreads) haben sich im Vergleich zum Vormonatsende um zehn auf 71 Basispunkte ausgeweitet, wodurch auch die relative Attraktivität des Segments wieder zugenommen hat.

Nach einem freundlichen Start in den Monat brachen auf der volkswirtschaftlichen Ebene die bekannten Risikofaktoren wieder durch. Die Entwicklung in Argentinien und der Türkei belastete das Risikosentiment ebenso wie schwächere Staatsanleihenmärkte in Italien. Hybridanleihen aus der Industrie oder Nachrangpapiere aus dem Finanzsektor (ICE BofA Merrill Lynch ENSU- und EBSU-Index) verloren im August auf Indexebene 0,8 respektive 0,5 Prozent an Wert. Die Risikoaufschläge weiteten sich auch hier um knapp zehn Basispunkte aus. Das hochverzinsliche Segment (High Yield) handelte nahezu unverändert, der HEAG-Index gewann 0,03 Prozent hinzu.

Nach der ferienbedingten Ruhe zu Beginn des Augusts treten nun die alten Belastungsfaktoren wieder stärker in den Vordergrund, wie beispielsweise die Handelsstreitigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und China. Außerdem belasten steigende Risikoprämien in Italien und ein Vertrauensverlust der Anleger in einige Rentenmärkte der Schwellenländer. Obwohl der europäische Unternehmensanleihenmarkt hiervon nicht direkt betroffen ist, wird es ihm schwer fallen, diesen Entwicklungen zu entkommen. Vor dem Hintergrund einer weniger expansiven globalen Geldpolitik wird das Umfeld für das Segment im kommenden Jahr herausfordernd bleiben.

Emerging Markets

Währungskrise in der Türkei und in Argentinien

Für die Rentenmärkte der Schwellenländer ging es im August nach der zwischenzeitlichen Erholung im Vormonat wieder abwärts. Die Krise in der Türkei hinterließ auch in anderen Emerging Markets (EM) ihre Spuren. Auf US-Dollar und Euro lautende EM-Staatsanleihen gaben auf Indexebene (JP Morgan EMBI Global Div.-Index) 1,7 Prozent ab. Auch bei den Risikoaufschlägen drehte der Erholungstrend. Sie weiteten sich um 44 auf 370 Basispunkte aus. Eine um elf Basispunkte geringere Rendite der zehnjährigen US-Treasuries und ein um 3,4 Prozent höherer Ölpreis (Brent) konnten den Abverkauf dabei nicht stoppen.

Die Währungskrise in der Türkei spitzte sich dramatisch zu – mit entsprechenden Abstrahleffekten auf andere Länder. Verantwortlich war zum einen die weiterhin ungeklärte Situation um die Inhaftierung des US-Pastors Brunson. Zum anderen blieb aber auch das Krisenmanagement von Notenbank und Politik weit hinter den Erwartungen zurück. Auf kräftige Zinserhöhungen wurde ebenso verzichtet wie auf ein mögliches Hilfeersuchen beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Nachdem die Lira gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich über 40 Prozent an Wert verloren hatte, kam es Ende August zwar zu einer leichten Entspannung (Monatsverlust: 33,7 Prozent). Ausgestanden ist die Krise aber nicht. Vor allem stark in US-Dollar verschuldete Unternehmen geraten in Schieflage, eine Rezession wird wahrscheinlicher. Dem Sog der schwachen Währung konnte sich auch Argentinien in den letzten Handelswochen nicht entziehen. Nachdem der Peso bis Mitte August zum US-Dollar stabil oder sogar fester handelte, ging es in der zweiten Hälfte wieder deutlich abwärts. Die Notenbank intervenierte mithilfe ihrer Währungsreserven, konnte den Verfall aber nicht stoppen (Monatsverlust: 40,9 Prozent). Der IWF prüft auf Bitten der Regierung Argentiniens, ob die bewilligten Finanzhilfen vorzeitig ausgezahlt werden können.

Nach vorne gerichtet bleiben der Fortgang des Handelskonflikts, die globale Renditeentwicklung sowie Einzelländerthemen die größten Risikofaktoren für Schwellenländer-Anleihen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 31. August 2018, soweit nicht anders angegeben.

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