MarktTicker 22. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 25. bis 29. Mai 2020

    Diese Woche: Freundliche Märkte, Erholung setzt sich fort

An den Finanzmärkten setzte sich in der Berichtswoche die freundliche Tendenz fort. Die Aktienbörsen verbuchten teils deutliche Zugewinne. Vor allem wurden Aktien von Unternehmen aus zyklische Sektoren sowie von Banken präferiert. Im Rentenbereich waren vor dem Hintergrund der gestiegenen Risikofreude insbesondere Papiere mit Renditeaufschlag wie etwa Staatanleihen aus der Peripherie und Unternehmensanleihen gesucht. Die als sicher geltenden US-Schatzanweisungen und deutsche Bundesanleihen notierten hingegen unverändert beziehungsweise gaben etwas nach.

Konjunktur: Schlechte Daten, aber bessere Stimmung

Die zuletzt veröffentlichten „harten“ Wirtschaftsdaten waren unverändert schlecht, die Stimmung hat sich von der Talsohle ausgehend zuletzt verbessert. So ließ der am Montag veröffentlichte Ifo-Index Raum für Zuversicht. Die jüngsten Lockerungsmaßnahmen haben im Mai die Stimmung in den deutschen Unternehmen etwas aufgehellt. Die Konjunkturerwartungen, die für die Finanzmärkte entscheidende Komponente, haben nach dem Rekordtief im April ihren Tiefpunkt wohl durchschritten. Die Verbesserung resultiert auch aus den Erfolgen der Eindämmungsmaßnahmen gegen die Pandemieausbreitung sowie der verfolgten Exitstrategie. So sind bei einem möglichen Wiederaufflammen der Infektionsraten nur regionale und keine flächendeckenden Gegenmaßnahmen geplant. Dadurch hat sich die mit der Pandemie verbundene enorme Unsicherheit für die Unternehmen leicht verringert. Auch die Konsumenten können besser planen, was das Wachstum unterstützt. Eine weitere Stimmungsaufhellung ist in der nächsten Zeit deshalb wahrscheinlich. Allerdings wird die Diskrepanz zwischen den besseren Frühindikatoren und den nach wie vor sehr schlechten realen Konjunkturdaten noch eine Zeit weiterbestehen. Die Finanzmärkte werden aber wie bisher in erster Linie auf die Entwicklung der Frühindikatoren achten.

Etwas Hoffnung machten am Freitag die deutschen Einzelhandelsumsätze, die im April mit minus 5,3 Prozent gegen Vormonat bzw. minus 6,5 Prozent gegen Vorjahr deutlich besser als die Erwartungen (minus 12 bzw. minus 14 Prozent) ausfielen. Allerdings waren in einigen Teilkomponenten, wie etwa Bekleidung, drastische Einbrüche zu konstatieren.
Am US-Arbeitsmarkt zeigte sich die Lage mit 2,1 Millionen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche weiterhin angespannt. Die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter waren mit minus 17 Prozent aufgrund des Automobil- und des Luftfahrtsektors ebenfalls sehr schwach.

EU unterbreitet Vorschlag zum Wiederaufbaufonds

Der am Mittwoch von der EU-Kommission zum Wiederaufbaufonds unterbreitete Gegenvorschlag sowohl zum deutsch/französischen Papier als auch zur alternativen Ausarbeitung der als „sparsamen Vier“ bezeichneten Österreich, Dänemark, Niederlande und Schweden sieht ein Gesamtvolumen von 750 Milliarden Euro vor. Die Hilfsgelder verteilen sich auf Kredite im Umfang von 250 Milliarden Euro und auf Zuschüsse im Gegenwert von 500 Milliarden Euro. Die EU-Kommission hat hierfür umfangreiche Anleiheemissionen vorgesehen. Dem Research der Commerzbank zufolge würde die EU mit ihrem ehrgeizigen Wiederaufbaufonds in den nächsten Jahren bis 2024 zum größten Nettoemittenten am europäischen Anleihemarkt werden. Das jährliche EU-Emissionsvolumen dürfte dann bei rund 150 Milliarden Euro liegen. Das Anleihespektrum der für den Aufbaufonds emittierten Papiere wird wohl alle Laufzeiten auf der Zinskurve umfassen und damit auch Langläufer mit Fälligkeiten in 30 Jahren oder darüber hinaus. Als Hauptprofiteure von Zuschüssen und Krediten gelten Italien (173 Milliarden Euro, Spanien (140 Milliarden Euro) und Polen (64 Milliarden Euro). Vor allem dürften die Zuschüsse, die wohl auf „Empfehlung“ verteilt werden sollen, von Interesse sein. Die Aufnahme von Krediten wird wohl im Rahmen der Vermeidung höherer Haushaltsdefizite eine eher untergeordnete Rolle spielen. Letztlich bedarf das gesamte Paket einer einstimmigen Zustimmung von EU-Parlament und den nationalen Parlamenten. Dies dürfte alles andere als einfach werden.

    Aktien: Zyklische Branchen gesucht

Die Pläne für weitere finanzielle Hilfsprogramme in Europa und auch in Japan sowie die Verbesserung der Sentiment-Indikatoren treiben die Aktienmärkte weiter an. Auch hat sich die Lage aus markttechnischer Sicht mittlerweile wieder verbessert. Per Freitagmittag lagen alle großen Aktienbörsen mehr oder weniger deutlich im Plus. Auf Gesamtmarktebene gewann der MSCI World-Index 3,7 Prozent hinzu. Der japanische Nikkei 225-Index verzeichnete mit 7,3 Prozent den höchsten Anstieg. Auch der Hang Seng China Enterprise-Index drehte trotz der wegen Hongkong zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China am Freitag mit plus 1,4 Prozent noch ins positive Terrain.

Im Euroraum legten STOXX Europe 600- sowie EUROSTOXX 50-Index um 2,9 bzw. 5,2 Prozent zu. Der DAX-Index gewann 4,7 Prozent hinzu und stieg dabei deutlich über die 11.000er-Marke. In den USA lagen S&P 500 und Dow Jones Industrial Average vor der Freitagseröffnung mit 2,8 sowie 3,8 Prozent im Plus.

Branchen: Zykliker stark gesucht

Von der Nachfrage nach Dividendentiteln profitierten in der Berichtswoche in erster Linie die Aktien von Unternehmen mit zyklischen Geschäftsmodellen. Diese waren in der jüngsten Corona-Krise massiv unter Druck geraten und verfügen somit über einiges an Erholungspotenzial. Vor allem am US-Aktienmarkt war der Handel in entsprechenden Papieren in der Berichtswoche von einem hohen Handelsvolumen begleitet. Im Euroraum konnten beispielsweise der Reisesektor und Automobile stark hinzugewinnen. Darüber hinaus waren Bankaktien gesucht. Positive Nachrichten aus den USA unterstützten den Bankensektor. Der Vorsitzende von JP Morgan Chase, James Dimon hat sich in der Berichtswoche zuversichtlich gezeigt, dass sein Finanzinstitut im zweiten Halbjahr kaum mehr Abschreibungen werde vornehmen müssen. Der Bankensektor im Euroraum legte um 7,7 Prozent zu.

    Renten: Peripherie profitiert vom geplanten EU-Wiederaufbaufonds

EU-Wiederaufbaufonds treibt Peripherieanleihen

Die Aussicht auf umfangreiche Finanzhilfen für die angeschlagenen Südländer des Euroraumes im Rahmen des EU-Aufbaufonds hielt die Nachfrage nach deren Anleihen hoch. Vor allem in Italien haben sich in der Berichtswoche die Zehnjahresspreads zu deutschen Bundesanleihen deutlich eingeengt. Diese fielen von 208 auf 185 Basispunkte. Auch in Spanien, Portugal und Griechenland waren rückläufige Risikoprämien gegenüber Bundespapieren zu beobachten. In den Kernländern war die Entwicklung verhalten. Die deutsche Zinsstrukturkurve verschob sich ab zwei Jahren Laufzeit renditeseitig um fünf bis sieben Basispunkte nach oben. Der US-Staatsanleihemarkt tendierte seitwärts, lediglich die langen Laufzeiten (20 und 30 Jahre) wiesen einen Renditeanstieg (sechs Basispunkte) auf. Euro-Unternehmensanleihen mit Rating Investment Grade tendierten ebenfalls sehr freundlich. Auch dort waren vor allem Anleihen zyklischer Unternehmen gesucht. Die Risikoprämien engten sich auf Gesamtmarktebene (ICE BofA Euro Corp.-Index) bis Donnerstagabend um 12 auf 137 Basispunkte ein. Ende März lagen die Aufschläge in der Spitze noch bei knapp 200 Basispunkten.

    Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Handelswoche steht die Europäische Zentralbank (EZB) im Blickpunkt. Dabei wird die mögliche Ausweitung des unter PEPP laufenden Ankaufprogramms zentrales Thema sein. Mit der vorab kommunizierten düsteren 2020er BIP-Prognose für den Euroraum dürfte die EZB den Rahmen für eine Verstärkung der Maßnahmen gesetzt haben. Zinsseitig dürften keine Veränderungen beschlossen werden.

Darüber hinaus stehen in den USA wichtige Arbeitsmarktdaten (Donnerstag und Freitag) sowie die Einkaufsmanagerindizes (ISM-Index) zur Veröffentlichung an. In Deutschland dürfte der Auftragseingang in der Industrie am Freitag von übergeordnetem Interesse sein.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 29. Mai 2020, soweit nicht anders angegeben.

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