MarktTicker 50. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 07. bis 11. Dezember 2020

    Diese Woche: Einigung auf EU-Haushalt und Wiederaufbaufonds

Mit der am Donnerstag erzielten Einigung zum EU-Haushalt und dem EU-Wiederaufbaufonds wurde marktseitig ein großer Unsicherheitsfaktor aus dem Weg geräumt. In den USA wird fortgesetzt über ein weiteres Fiskalpaket verhandelt, ein Durchbruch ist derzeit allerdings nicht in Sicht. Der Stand der Verhandlungen beeinflusst die US-Märkte in die eine oder andere Richtung. Die Europäische Zentralbank hat wie erwartet weitere geldpolitische Maßnahmen geliefert, dennoch überwog eine eher leichte Enttäuschung unter den Anlegern. Die Aktienmärkte zeigten sich unter Schwankungen, an den US-Börsen wurden zwischenzeitlich neue Höchststände erreicht, in der Berichtswoche letztlich zumeist nur gering verändert. An den Staatsanleihemärkten sorgten steigende Notierungen bei Bundesanleihen und US-Schatzanweisungen für rückläufige Renditen.

Der EU-Haushalt und Wiederaufbaufonds sind nach dem Kompromiss mit Ungarn und Polen und der folgenden Einigung auf dem EU-Gipfel am Donnerstag auf Kurs. Die Zustimmung der Länderparlamente dürfte kein Problem mehr darstellen. Kritisch erscheint hingegen die Entwicklung bei den Brexit-Verhandlungen. Nach Aussagen der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besteht nach dem jüngsten Treffen in dieser Woche nicht mehr viel Hoffnung auf einen Erfolg der Verhandlungen mit Großbritannien. Auch der britische Premier Boris Johnson hat seine Landsleute aufgefordert, sich auf ein Scheitern der Gespräche mit der EU einzustellen. Das Britische Pfund wertete sowohl gegen den US-Dollar als auch den Euro in der Berichtswoche ab. Darüber hinaus haben die zunehmenden Corona-Infektionen und die damit einhergehenden kursierenden Pläne von politischer Seite hinsichtlich bevorstehender harter Lockdowns zum Wochenschluss für Unsicherheit gesorgt.

Europäische Zentralbank mit vorzeitiger Bescherung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag genau 14 Tage vor dem Weihnachtsfest eine vorgezogene Bescherung vorgenommen. Vor dem Hintergrund der andauernden Corona-Pandemie und der damit einhergehenden ökonomischen Verwerfungen wurde eine Reihe von Anpassungen an das geldpolitische Instrumentarium vorgenommen. Das Gesamtvolumen des Pandemic Emergency Purchase Programms (PEPP) wird um 500 Milliarden auf 1.850 Milliarden Euro aufgestockt und die Laufzeit des Programms von Ende Juni 2021 auf mindestens Ende März 2022 verlängert. Zudem wurden die Bedingungen für die dritte Serie gezielter längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO III) erneut rekalibriert. Darüber hinaus bietet die EZB im Jahr 2021 vier zusätzliche längerfristige Pandemie-Notfallrefinanzierungsgeschäfte (Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operations – PELTROs) an. Die Leitzinsen blieben allesamt unverändert.

Auf der Pressekonferenz hob EZB-Präsidentin Lagarde hervor, dass das Gesamtvolumen von PEPP nicht notwendigerweise voll ausgeschöpft werden müsse. Dies ist ein klarer Unterschied zur bisherigen Kommunikation: Bislang betonte Lagarde immer wieder, dass man anstrebe, das Gesamtvolumen auch voll auszuschöpfen. Grundsätzlich passt die jüngste Aussage von Lagarde jedoch zu der Grundhaltung der EZB: Man strebe mit den geldpolitischen Maßnahmen insbesondere an, die derzeit günstigen Finanzierungsbedingungen zu erhalten – es geht also nicht darum, die Finanzierungsbedingungen noch attraktiver zu gestalten.

In den gleichzeitig veröffentlichten neuen Prognosen des EZB-Mitarbeiterstabs kommt zudem ein etwas ungünstigerer kurzfristiger Wirtschaftsausblick zum Ausdruck. Die neuen Projektionen machen auch deutlich, dass die EZB bis einschließlich 2023 davon ausgeht, dass sie ihr Inflationsziel nicht erreichen wird. Für das Jahr 2023 rechnet der EZB-Stab mit einer Inflationsrate von 1,4 Prozent und damit klar unter dem Inflationsziel von nahe, aber unter zwei Prozent.

Letztlich hat die EZB im Rahmen der Erwartungen geliefert. Die Maßnahmen zielen im Wesentlichen darauf ab, die Finanzierungsbedingungen für Staaten, Banken, Unternehmen und Haushalte in der andauernden Phase der Pandemie günstig zu halten – mehr aber auch nicht.

Dynamik am US-Arbeitsmarkt lässt nach

Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten haben den Trend einer nachlassenden Dynamik in der Erholungsphase bestätigt. Die am Freitag der Vorwoche veröffentlichten neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft lagen mit 245.000 neuen Jobs deutlich unter dem Zuwachs im Vormonat und auch unter den Erwartungen der Analysten (460.000). Gleichzeitig ist die in der Vorwoche ermittelte Zahl an Erstanträgen zur Arbeitslosenversicherung mit 853.000 Neuanträgen wieder deutlich angestiegen. Erwartet waren 725.000 Erstanträge.

Der ZEW-Index sorgte bei den Dezember-Erwartungen in Deutschland für etwas Zuversicht bei den Anlegern. Mit 55 Punkten lag die Erwartungskomponente deutlich sowohl über dem Vormonat (39 Punkte) als auch den Konsensschätzungen (46 Punkte). Verantwortlich für den Umschwung dürfte die baldige Einführung der Corona-Impfstoffe gewesen sein. Bleibt jetzt abzuwarten, ob eine womöglich bevorstehende harte Lockdown-Phase die hoch gesteckten Erwartungen zunichtemachen wird.

    Aktien: Verunsicherung zum Wochenschluss

Die großen Aktienbörsen tendierten bis Freitagmittag entweder nahezu unverändert oder wiesen negative Vorzeichen auf. Der MSCI World-Index gab leicht um 0,4 Prozent nach. Zunächst waren die Anleger optimistisch in die Woche gestartet. An den US-Börsen gab es einhergehend mit der Erwartung auf einen Durchbruch beim Fiskalpaket zunächst neue Rekordstände beim S&P 500, Nasdaq und Dow Jones Industrial Average. Die ausbleibende Einigung zum Fiskalpaket verunsicherte dann jedoch, darüber hinaus kamen im Tech-Sektor dunkle Wolken hinsichtlich Monopolvorwürfen gegenüber dem Unternehmen Facebook zum Tragen. Eine Debatte um härtere Regulierungsmaßnahmen scheint nunmehr in Gang zu kommen. In der Folge korrigierten die US-Märkte nach ihren Höchstständen und lagen vor der Freitagseröffnung unverändert. Ein Highlight war hingegen in der Berichtswoche der Börsengang des US-Unternehmens Airbnb. Der Online-Unterkunftsvermittler kam am Donnerstag zu 68 US-Dollar je Aktie an die Technologiebörse Nasdaq und nahm 3,4 Milliarden US-Dollar auf. Die Aktie stieg sofort bis auf 165 US-Dollar an und legte damit ein beeindruckendes Börsendebüt hin.

STOXX Europe 600: Bankenindex deutlich im Minus

Im Euroraum lagen die großen Indizes wie EUROSTOXX 50-Index und DAX 30-Index mit 1,4 beziehungsweise einem Prozent im Minus. Im marktbreiten STOXX Europe 600-Index führten die Banken die Verliererliste an. Dort machte sich angesichts des erhofften aber letztlich ausbleibenden Statements der Europäischen Zentralbank zum Dividendenbann im Bankensektor Enttäuschung breit. Der Bankensektor verlor bis Freitagmittag 6,5 Prozent. Darüber hinaus verloren Immobilienwerte (minus 4,1 Prozent) sowie Reise- und Freizeit-Titel (minus 3,2 Prozent) an Wert. Chemiewerte stemmten sich mit plus 1,2 Prozent gegen den vorwiegend negativen Trend.

    Renten: Rückläufige Renditen an den Staatsanleihemärkten

Zinsstrukturkurven etwas flacher

Sichere Staatsanleihen konnten von der zuletzt vorherrschenden Verunsicherung profitieren. Die Zinsstrukturkurven tendierten über die langen Laufzeiten etwas flacher. Die Zehnjahresrendite in den USA fiel um acht auf 89 Basispunkte. Auch die Bundkurve tendierte etwas flacher, zehnjährige Bundesanleihen verzinsten sich mit minus 63 Basispunkten um acht Renditestellen tiefer. In der Euro-Peripherie war der Renditetrend unvermindert abwärtsgerichtet. Der Durchbruch im EU-Wiederaufbaufonds wirkte sich dort unterstützend aus. Portugiesische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten mit minus vier Basispunkten erstmals im negativen Bereich. Auf Indexebene (iBoxx € Sovereigns-Index) legte der Gesamtmarkt bis Donnerstagabend 0,4 Prozent zu.

Euro-Unternehmensanleihen sowie in Euro und US-Dollar begebene Anleihen aus den Schwellenländern tendierten in der Berichtswoche auf Gesamtmarktebene stabil bis freundlich.

      Ausblick auf die kommende Woche

Der Datenkalender ist in der kommenden Woche noch einmal gut gefüllt. Neben der US-Notenbank Fed und der Bank von England stehen zahlreiche Einkaufsmanagerindizes für den Dezember im Blickpunkt der Märkte. Den Konsensschätzungen zufolge dürften die Corona-bedingten Rückgänge nicht mehr so stark ausfallen wie dies im Frühjahr der Fall gewesen war. Darüber hinaus sind die US-Einzelhandelsumsätze im November von Bedeutung. Diese werden für den vergangenen Monat schwächer eingeschätzt. Hierfür dürften sich im Wesentlichen der Corona-bedingte Rückgang der Umsätze in den Gaststätten sowie schwächere Automobilabsätze verantwortlich zeigen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 11. Dezember 2020, soweit nicht anders angegeben.

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