Marktrückblick und -ausblick 43. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 25. bis 29. Oktober 2021

    Diese Woche: Europäische Zentralbank vom Preisanstieg unbeeindruckt

Die Europäische Zentralbank (EZB) zeigte sich auf ihrer Sitzung am Donnerstag von den jüngsten Inflationsdaten unbeeindruckt und setzt ihre Geldpolitik zunächst unverändert fort. Den zuletzt vorherrschenden Erwartungen am Markt, die auf eine erste Zinserhöhung bereits 2022 abzielten, wurde eine klare Absage erteilt. Auf der kommenden Dezember-Sitzung könnte die eine oder andere Weichenstellung eingeschlagen werden, zunächst bleibt geldpolitisch aber alles wie gehabt.

An den Kern-Staatsanleihemärkten tendierten sowohl die US- als auch die bundesdeutsche Zinskurve etwas flacher. In der Euro-Peripherie zogen die Renditen leicht an. An den Aktienbörsen bestimmten mehrheitlich positive Vorzeichen das Handelsgeschehen - mit Ausnahme von China.

EZB setzt geldpolitischen Kurs unvermindert fort

„Inflation, Inflation, Inflation“ war EZB-Präsidentin Lagarde zufolge der thematische Schwerpunkt der Sitzung vom Donnerstag. Wer ein geldpolitisches Gegensteuern der EZB erwartet hatte, sah sich aber enttäuscht. Der Rat blieb bei seiner Haltung, die den aktuellen, vor allem durch die Energiekosten verursachten, markanten Anstieg der Preisdaten als vorübergehendes Phänomen betrachtet. Die EZB hielt grundsätzlich daran fest, dass sie für den Inflationsausblick Aufwärts- wie Abwärtsrisiken sieht, passte ihre Einschätzung aber doch etwas an. Lohnwachstum und Inflationserwartungen seien die Faktoren, die aus einem vorübergehenden Inflationsschub einen nachhaltigeren Preisdruck verursachen könnten. Dennoch müssen mehrere bereits im Juli verkündete Faktoren hinsichtlich der Preisentwicklung erfüllt sein, um ein Gegensteuern zu rechtfertigen. Hierbei spielt vor allem die Langfristbetrachtung eine maßgebliche Rolle, und diese gilt derzeit bei weitem nicht als erfüllt. Letztlich hat sich die EZB am Donnerstag dazu bekannt, dass die Zinsen noch lange Zeit, wir denken womöglich bis 2025, auf dem aktuellen Niveau bleiben werden.

Nun kommt dem Dezember-Treffen der EZB eine höhere Bedeutung zu. Das PEPP-Anleiheankaufprogramm wird auslaufen. Viele Fragezeichen ergeben sich derzeit bei den Marktteilnehmern hinsichtlich der Forward Guidance, also der weiteren Marschrichtung der EZB.

Angesichts des im Euroraum deutlich verhalteneren Preisdrucks und der geringeren Inflationserwartungen dürfte sich die EZB unserer Meinung nach im Vergleich zur Bank von England sowie zur US-Notenbank Fed aber nur sehr langsam bewegen.

Deutscher Ifo-Index mit leichtem Rückgang

Der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im September leicht von 98,9 auf 97,7 Punkte zurück. Die Lageeinschätzung blieb mit 100,1 Punkten (100,4 Punkte) stabil, während die Erwartungen um zwei auf 95,4 Punkte nachgaben.

Bei den Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal lag der Anstieg in den USA mit 2,0 Prozent um einiges unter den Erwartungen (2,6 Prozent). Im Euroraum übertrafen hingegen die Daten sowohl zum Vorquartal als auch zum Vorjahr mit 2,2 und 3,7 Prozent knapp die Einschätzungen der Analysten.

Das deutsche BIP ist im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 1,8 Prozent gewachsen und hat damit das Vorkrisenniveau fast wieder erreicht. Der Zuwachs ist vor allem dem starken privaten Konsum zu verdanken. Mit der Wiedereröffnung von immer mehr Wirtschaftsbereichen in den Sommermonaten haben die Verbraucher mehr Geld ausgegeben. Dazu kam, dass viele Menschen den Sommerurlaub in Deutschland verbrachten. Das stützte die Dienstleister. Ein weiterer Grund für das gute Abschneiden liegt an einem eher mechanischen Effekt: Weil im April noch die Corona-Notbremse in Kraft war und die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal belastete, bestand im dritten Quartal viel Potenzial für kräftiges Wachstum. Gebremst wird die Erholung aber vom verarbeitenden Gewerbe. Anhaltende Lieferprobleme und Angebotsengpässe setzen der deutschen Wirtschaft deutlich zu - angesichts der vergleichsweise großen Bedeutung der Industrie im Vergleich mit vielen europäischen Nachbarn. Dieses Bild dürfte uns den Winter über begleiten. Zudem belasten die höheren Energiepreise. Aber: Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll und sie wachsen weiter. Die deutlich gestreckten Lieferzeiten führen bislang nur vereinzelt zu Auftragsstreichungen. Die aktuellen Produktionseinbußen dürften also nur eine vorübergehende Delle sein und im nächsten Jahr von wieder stärkeren Zahlen abgelöst werden.

    Aktien: Überwiegend leicht im Plus

Trotz steigender Rohölpreise traten die Inflationssorgen an den Aktienmärkten in den Hintergrund. Gute Unterstützung erhielten die Märkte durch die solide Quartalsberichterstattung. Die Stimmung unter den Investoren verbesserte sich deutlich, was auch an den zum Teil stark steigenden Indikatoren abzulesen war. Der breite Markt zeigte sich in den USA wieder robuster. Mit Blick auf die Unternehmensdaten haben dort beispielsweise bereits etwas mehr als 50 Prozent der im S&P 500-Index gelisteten Unternehmen berichtet. 67 Prozent konnten beim Umsatz, 82 Prozent beim Gewinn positiv überraschen. Im STOXX 600 Europe-Index berichteten 62 Prozent beim Umsatz über den Erwartungen, während beim Gewinn mit ebenfalls 62 Prozent der Vergleich zum US-Markt etwas schlechter ausfiel. Enttäuschungen blieben aber dennoch nicht aus, wie prominente Beispiele wie Apple und Amazon zeigten. Nach deren Zahlenwerken lagen beide Aktien vor dem Start in den Freitagshandel mit jeweils vier Prozent im Minus. Bei Apple belasteten die weltweit zu beobachtenden Lieferprobleme, während bei Amazon hohe Kosten im Vorfeld des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts auf die Stimmung der Anleger drückten.

Der MSCI World-Index lag per Freitagvormittag mit 0,9 Prozent leicht im Plus, was sich entsprechend in der Entwicklung der großen Aktienbörsen widerspiegelte. Die Ausnahme war der chinesische HSCEI-Index, der in der Berichtswoche nach der jüngsten Erholungsbewegung erneut 4,2 Prozent verlor.

Automobilbranche in der Berichtswoche Spitzenreiter

Im STOXX Europe 600-Index (plus 0,1 Prozent) lag die Automobilbranche vorne. Bezüglich des Chipmangels scheint es nun Fortschritte zu geben. Marktseitig wird mit einer Zunahme der Automobilproduktion gerechnet. Der Branchenindex legte 2,2 Prozent zu. Telekommunikationswerte bildeten mit minus 2,8 Prozent das Schlusslicht.

Im DAX 40 gab die Aktie der Deutsche Wohnen um 13 Prozent nach. Nach der vollzogenen Übernahme durch Vonovia wird die Aktie nach einer Entscheidung der Deutschen Börse den DAX 40 im Rahmen des sogenannten Fast-Exit-Verfahrens verlassen und im Index durch Beiersdorf ersetzt. Die Beiersdorf-Aktie verlor allerdings in der Berichtswoche ebenfalls rund 6,3 Prozent.

    Renten: Zinsdifferenz in der Euro-Peripherie weitet sich aus

An den Euro-Staatsanleihemärkten zeigte sich in der Berichtswoche ein zweigeteiltes Bild. Zunächst waren Kursgewinne zu beobachten, die zum Wochenende hin jedoch wieder abgegeben wurden. Bei den deutschen Bundesanleihen tendierte die Zinskurve letztlich etwas flacher. Laufzeiten bis zu zehn Jahren wiesen leichte Renditesteigerungen (maximal vier Basispunkte) auf. Bei den Langläufern prägten hingegen Renditerückgange das Bild, 30-jährige Bundesanleihen verzinsten sich mit plus 0,18 Prozent sechs Basispunkte tiefer.

Peripherie-Spreads weiten sich aus

In der Euro-Peripherie war das Handelsgeschehen von Verlusten geprägt. Das bevorstehende Auslaufen des PEPP-Ankaufsprogramms und die zumindest bis Dezember anhaltende Ungewissheit über das weitere Vorgehen der EZB brachte die Peripheriemärke etwas unter Druck. Aus Portugal kamen zudem politische Unsicherheiten von Regierungsseite (Neuwahlen) ins Spiel. Zusammen mit rückläufiger Liquidität, das kommende Jahresende rückt allmählich in den Blickpunkt, ergab sich in der laufenden Woche für Peripherieanleihen kein allzu positives Umfeld. Die Renditeaufschläge (Spreads) der jeweiligen Südländer gegenüber deutschen Bundesanleihen stiegen an, besonders in Italien. Dort weitete sich die Renditedifferenz im Zehnjahresbereich von 110 auf 124 Basispunkte aus.

Kräftige Renditesprünge in Australien

Am US-Markt verlief die Entwicklung vor der Fed-Sitzung in der kommenden Woche parallel zu den Bundesanleihen: Leichte Renditeansteige im vorderen Bereich der Zinskurve standen Renditerückgänge am langen Ende (30 Jahre minus sechs Basispunkte) gegenüber.

Kräftige Renditesprünge waren in der Berichtswoche in Australien zu beobachten. Die dortige Zentralbank hat im Rahmen einer restriktiveren Geldpolitik die Kontrolle der Zinskurve aufgegeben. In der Folge sprang beispielsweise die Zweijahresrendite deutlich um 65 Basispunkte auf 0,78 Prozent an. Insgesamt hat sich die australische Zinskurve in der Berichtswoche in Erwartung kommender Leitzinserhöhungen deutlich nach oben verschoben.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am Mittwoch tagt die US-Notenbank. Angesichts der jüngsten Inflationsdaten wird nun der Startschuss für das Fed-Tapering, also die Rückführung bzw. Drosselung der von der Notenbank durchgeführten Anleiheankäufe, erwartet. Am Donnerstag folgt dann die Bank von England. Diese war zuletzt geldpolitisch sehr restriktiv eingestellt, sogar ein erster Zinsschritt wird nicht ausgeschlossen. Möglicherweise könnte sich zum Ende der neuen Handelswoche damit auch in den bedeutenden Finanzräumen eine vorsichtige geldpolitische Wende ergeben haben. In jüngster Vergangenheit hatte schon eine ganze Reihe kleinere Zentralbanken, darunter viele aus den Schwellenländern, mit ersten Zinserhöhungen restriktivere geldpolitische Signale gesetzt.

Darüber hinaus dürfte neben den Einkaufsmanagerindizes aus China der US-Arbeitsmarktbericht im Blickpunkt stehen. Die Zahl der im Oktober neu geschaffenen Arbeitsplätze wird im Bloomberg-Konsens mit plus 425.000 veranschlagt. Im Vormonat lag der Stellenzuwachs bei enttäuschenden 194.000 neuen Jobs.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 29. Oktober 2021, soweit nicht anders angegeben.

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