MarktTicker 35. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 26. – 30. August 2019

    Was diese Woche wichtig war:

China reagiert seinerseits mit Strafzöllen

Zahlreiche Ereignisse nahmen in der Berichtswoche Einfluss auf die Finanzmärkte. Am späten Freitagnachmittag der Vorwoche hat China mit der Ankündigung zusätzlicher Zölle in Höhe von fünf bis zehn Prozent auf US-amerikanische Waren im Gegenwert von 75 Milliarden US-Dollar überrascht. Ab 1. September und 15. Dezember werden vor allem wichtige Produkte wie Soja, Erdöl und Autos hiervon betroffen sein. Dies sorgte für großen Ärger bei der US-Aministration, die darauf ebenfalls neue Zölle verhängte. Präsident Trump schlug dann aber, auch im Rahmen des G7-Gipfels am Wochenende, wieder sanftere Töne an. Auf US-Seite zeigte man sich überzeugt, dass die chinesischen Unterhändler wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren werden. Zunächst gaben die Aktienmärkte deutlich ab, konnten im Verlauf der Berichtswoche angesichts der jüngsten eher freundlichen Rhetorik zum Handelskonflikt aber zumeist ins Plus drehen.

Jackson Hole: US-Notenbank mit Zinssenkungsbereitschaft

In seiner Rede im US-amerikanischen Jackson Hole deutete Fed-Chef Jerome Powell auf die weitere Zinssenkungsbereitschaft der Zentralbank hin: Die US- Wirtschaft sei in gutem Zustand, es gebe jedoch auch signifikante Risiken. Dies schürte weitere Zinssenkungserwartungen unter Anlegern, wenngleich vorerst aber keine radikale geldpolitische Lockerung durch die Fed zu erwarten ist.

Deutsche Wirtschaftsdaten weiter schlecht

Der zum Wochenauftakt mit Spannung erwartete Ifo-Geschäftsklimaindex zeigte sich im August wie befürchtet schwächer. Mit 94,3 Punkten lag das Konjunkturbarometer der deutschen Wirtschaft so niedrig wie zuletzt im November 2012. Der Umfrage unter 9.000 deutschen Führungskräften zufolge verdichten sich die Anzeichen für eine Rezession in Deutschland. Neben der schon länger anhaltenden Schwäche im Industriebereich verschlechtert sich zuletzt auch die Stimmung im Dienstleistungssektor.

Die Daten zum deutschen Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal wurden in der zweiten Berechnung mit minus 0,1 Prozent bestätigt. Vor allem war der Außenhandel mit minus 0,5 Prozent enttäuschend. Auch dies verstärkte - vor dem Hintergrund des verschärften Handelskonflikts zwischen den USA und China - die Rezessionsbefürchtungen. Die Gefahr eines ausgeprägten Abschwungs der deutschen Wirtschaft ist deutlich gestiegen.

Die deutsche Inflation zeigte sich im August vorläufig mit -0,1 Prozent gegen Vormonat und 1,4 Prozent zum gegen Vorjahr weiter auf niedrigem Niveau.

Neue Koalition in Italien, Johnson setzt britische Parlamentssitzungen aus

Entwarnung in Italien, der geschäftsführende Ministerpräsident Conte ist mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Neuwahlen sind vom Tisch, das neue Linksbündnis aus den Sozialdemokraten (PD) und der 5-Sterne-Bewegung wird Italiens Geschicke leiten.

Gleichzeitig wird der britische Premier Boris Johnson nach Absprache mit der Queen die Parlamentssitzungen vom 12. September bis zum 14. Oktober aussetzen. Dies erhöht die Gefahr eines No-Deals-Brexits erheblich. Ein Misstrauensvotum und die Einsetzung einer Übergangsregierung ist nicht unwahrscheinlich. Der britische Aktienmarkt zeigte sich hiervon aber kaum beeindruckt und legte in der Woche um 1,7 Prozent (FTSE 100) zu.

    Aktien: Erhoffte Entspannung im Handelskonflikt – Märkte im Plus

Angesichts einer moderateren Rhetorik im Handelskonflikt USA/China konnten die Aktienmärkte in der Berichtswoche überwiegend Zugewinne verbuchen. Der MSCI-World-Index lag am Freitagmittag 1,8 Prozent höher.

Am US-Aktienmarkt bewegte sich der S&P 500-Index leicht im Plus, der Dow Jones Industrial Average gewann hingegen 3,3 Prozent hinzu.

Im Euroraum gewann der EURO STOXX 50-Index 3,1 Prozent hinzu. Der marktbreite STOXX Europe 600-Index stieg um 2,3 Prozent an. In Italien kletterte der MIB-Index aufgrund der politischen Entspannung sogar um 5,1 Prozent nach oben.

Zyklische Branchen vorne

Bei der Branchenentwicklung im STOXX Europe 600-Index hatten die zyklischen Sektoren wie Autos&Teile (plus 4,9 Prozent) sowie die Grundstoffe (plus 4,2 Prozent) die Nase vorn. Letztere konnten von einem Anstieg der Rohstoffpreise profitieren.

Der DAX-Index legte in der Berichtswoche um 3,0 Prozent zu. Wochengewinner waren ThyssenKrupp (plus 7,3 Prozent), Lufthansa (plus 6,0 Prozent) und Henkel Vz (plus 5,8 Prozent). Ungeachtet des wöchentlichen Kurszuwachses steht ThyssenKrupp Ende September der Abstieg aus dem DAX-Index bevor. Nach dem Kursrutsch im laufenden Jahr wird das aus den beiden DAX-Gründungsmitgliedern geformte Unternehmen im MDAX-Index gelistet werden. Die Entscheidung hierzu wird am 4. September von der Deutschen Börse getroffen.

Berlin sorgte für hohe Schwankungen bei Immobilienaktien

Der Pläne des Berliner Senats zur Mietendeckelung in Berlin haben in der Berichtswoche zu hohen Schwankungen bei den Immobilienaktien geführt. Es kam zu deutlichen Verlusten bei den Aktienkursen von Wohnungsunternehmen wie Deutsche Wohnen, Ado Properties, Vonovia und Grand City Properties. Angesichts einer drohenden Einschaltung des Bundesverfassungsgerichts beziehungsweise eines Normenkontrollverfahrens hat nun ein deutlich abgemilderter Vorschlag gute Chancen, verabschiedet zu werden. Im Rahmen der Erholungsbewegung stiegen am Freitag die Kurse der Wohnungsunternehmen zwischen 4,4 und 9,7 Prozent (gegenüber Vorwochenschluss) an.

    Renten: Kaufinteresse hält an

Die Staatsanleihen aus dem Euroraum tendierten in der Berichtswoche im Rahmen des Marktumfeldes und der Erwartung auf eine kommende geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank (EZB) freundlich. Der aktuelle EZB-Kurs wurde am Donnerstag von einem Statement der designierten EZB-Chefin Lagarde bestätigt. Frau Lagarde bezog klar Position im Sinne der Geldpolitik Mario Draghis. Der bisherige EZB-Kurs wird damit aller Wahrscheinlichkeit nach auch unter neuer Leitung fortgesetzt werden. Für Moll-Töne sorgten hingegen EZB-Ratsmitglieder Klaas Knot und Sabine Lautenschläger, die sich in Sachen geldpolitischer Lockerung und den damit verbundenen Wertpapierankäufen durch die EZB (Quantitative Easing) viel zurückhaltender ausdrückten. Somit kam die Rallye am Rentenmarkt zum Wochenschluss etwas ins Stocken. Auf Gesamtmarktebene (iBoxx € Sovereigns) war bis Donnerstagabend aber ein Zuwachs von rund einem Prozent zu verzeichnen. Die Zugewinne dürften im Verlauf des Freitags, soweit im Handelsgeschehen zu beobachten, weitgehend gehalten worden sein.

Italien im Blickpunkt – Renditeabschwung hält an

Im Blickpunkt stand der italienische Rentenmarkt. Die Vermeidung von Neuwahlen und die nun anstehende Regierungsbildung hielt die Anleger in Kauflaune. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen fiel unter die Ein-Prozentmarke bis auf 0,93 Prozent.

Damit einhergehend gelang es dem italienischen Schatzamt, sich am Donnerstag sehr günstig zu verschulden. Zehnjahrespapiere wurden mit 0,96 Prozent emittiert. In der Juli-Auktion betrug die Rendite noch 1,56 Prozent. Fünfjahrestitel wurden zu 0,32 Prozent emittiert. Die geringeren Refinanzierungskosten erleichtern der italienischen Regierung die Haushaltsplanung. Der designierte Ministerpräsident Conte will diese für 2020 sobald wie möglich vorlegen.

In Spanien und Portugal hat sich die Zehnjahresrendite in Richtung Ein-Prozentmarke bewegt, wurde aber nicht nach unten durchbrochen.

Kernmärkte nur wenig verändert

Am deutschen Rentenmarkt waren minimale Zugewinne zu beobachten, die Zehnjahresrendite fiel per Freitagmittag bis auf minus 70 Basispunkte zurück. Die deutsche Zinskurve tendierte über die langen Laufzeiten etwas flacher.

Am US-Markt gab die Zehnjahresrendite ebenfalls ganz leicht nach. Die US-Kurve zeigte sich insgesamt im Wochenvergleich kaum verändert. Dort wird verstärkt die Emission von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einhundert Jahren diskutiert.

Neuemissionswelle im Unternehmensanleihesektor

Im Blickpunt standen zudem europäische Unternehmensanleihen. Dort gab es in der Berichtswoche eine massive Neuemissionswelle. So wurden alleine in den vergangenen fünf Handelstagen 35 Emissionen im Gegenwert von 24 Milliarden Euro emittiert. Die hohe Emissionstätigkeit drückte allerdings etwas auf den Sekundärmarkt.

Argentinien mit Schuldenrestrukturierung

Im Bereich der Schwellenländer-Anleihen dominierte Argentinien das Geschehen. Dort wurde angesichts von Zahlungsschwierigkeiten beschlossen, einen Teil der Verbindlichkeiten zu restrukturieren. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei zunächst um Laufzeitverlängerungen verschiedener Papiere. Die Zinszahlungen werden weiterhin geleistet.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am Freitag steht mit dem US-Arbeitsmarktbericht und damit der Anzahl der im August neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) der wohl wichtigste Datenpunkt der neuen Handelswoche an. Der Konsens rechnet mit einem Rückgang um 10.000 auf 140.000 Stellen. Darüber hinaus werden am Dienstag und Donnerstag aus den USA die Daten zum ISM-Index erwartet. Hierin könnte sich die Verschärfung des Handelskonfliktes bereits widerspiegeln. Im Dienstleistungsbereich rechnet der Konsens aber mit einem geringfügigen Anstieg. Für Deutschland stehen am Donnerstag die Auftragseingänge in der Industrie (Juli) und am Freitag die Industrieproduktion (August) zur Veröffentlichung an.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 30. August 2019, soweit nicht anders angegeben.

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