Marktrückblick und -ausblick 46. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 15. bis 19. November 2021

    Diese Woche: Inflation bleibt das zentrale Thema

Nach Europa und den USA präsentierte nun auch das Vereinigte Königreich seine aktuellen Inflationszahlen. Wie sollte es anders sein, auch dort nahm die Teuerung zuletzt weiter rasant zu. Im Jahresvergleich stiegen die Preise um 4,2 Prozent und damit stärker als von jedem einzelnen Analysten erwartet. Neben den hohen Energiepreisen waren die typischen Corona-Muster erkennbar, wonach die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen stark anzogen und für jene Güter, die von der Öffnung der Volkswirtschaften nach dem Lockdown besonders profitierten. Der starke Preisanstieg dürften jenen Geldpolitikern in die Karten spielen, die sich innerhalb der Bank of England für eine baldige Zinserhöhung aussprechen. Auf dem letzten Treffen blieb der Leitsatz noch unverändert. Eine Anhebung im Dezember ist nun wahrscheinlicher geworden, da neben den Inflationsdaten auch einige britische Wirtschaftsdaten in dieser Woche besser als erwartet ausfielen. So deuten höhere Einzelhandelsumsätze auf eine anziehende konjunkturelle Dynamik im vierten Quartal hin. In Erwartung eines möglichen Zinsschritts wertete das Britische Pfund gegenüber dem Großteil anderer Währungen auf.

US-Konjunkturdaten überzeugen

Auch in den USA wurden in den letzten Handelstagen über den Erwartungen der Analysten liegende Konjunkturdaten veröffentlicht. Regionale Frühindikatoren wie der Empire State und der Philadelphia Fed Index deuten somit auf eine wirtschaftliche Belebung hin. Gute Nachrichten kamen zudem vom US-Arbeitsmarkt. Sowohl die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe als auch die Zahl der registrierten Arbeitslosen fiel auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Corona-Krise. Zu Wochenbeginn überzeugten auch die Einzelhandelsumsätze, die im Monatsvergleich um 1,7 Prozent zulegten. Einen derart hohen Zuwachs hatte selbst der optimistischste Analyst nicht prognostiziert. In das Bild passten dann auch diverse Meldungen verschiedener US-Einzelhändler, die von einer starken Geschäftsentwicklung sprachen. So verwunderte es nicht, dass auch in den USA die Zinserhöhungsfantasien der Marktteilnehmer weiter befeuert wurden.

Erste Anzeichen für Entspannung bei Lieferkettenproblemen

Neben den hohen Energiepreisen sind insbesondere die Probleme in den Lieferketten für die aktuellen starken Preissteigerungen verantwortlich. Zuletzt gab es hier erste vorsichtige Anzeichen für eine Entspannung. So gingen die Frachtraten für die Containerschifffahrt etwas zurück und auch aus der Automobilbranche war zu hören, dass es bei der Beschaffung von Halbleitern inzwischen weniger Probleme geben soll.

Infektionsgeschehen blieb bislang ohne Auswirkungen

Besonders in Europa steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus weiter sprunghaft an. Die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte blieben dabei bislang überschaubar. Zwar wurden in einigen Ländern neue Beschränkungen notwendig, solange aber flächendeckende Lockdowns ausbleiben, die Geschäfte weiter öffnen dürfen und geimpfte Verbraucher weiterhin konsumieren dürften, sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen im Rahmen bleiben. In Deutschland läuft die pandemische Lage Ende des Monats aus. Dann liegt es im Ermessen der Länderchefs, welche Maßnahmen verhängt werden. Die Möglichkeiten sind dadurch zugleich eingeschränkt. So ist die Schließung von Restaurants oder Schulen dann nicht mehr möglich.

Aufschub von Nord Stream 2 führt zu weiterer Erhöhung der Gaspreise

Die europäischen Gaspreise stiegen in der vergangenen Woche weiter an. Getrieben wurde der Anstieg durch den Aufschub der zweiten Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2. Die Bundesnetzagentur stoppte den Zertifizierungsprozess und damit einhergehend die Inbetriebnahme der Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland. Der höhere Gaspreis wirkte sich auch unmittelbar auf den Strompreis aus, der in zweistelliger Höhe zulegte. Mit dem Aufschub von Nord Stream 2 verzögert sich die erhoffte Entlastung der zuletzt stark gestiegenen Gaspreise. Russland reagierte auf die Verlangsamung der Inbetriebnahme gelassen.

    Aktien: DAX setzt Rekordfahrt trotz Corona fort

Trotz steigender Rohstoffpreise, Inflationssorgen und neuen Rekordständen von Corona-Neuinfektionen setzte der DAX 40 in dieser Handelswoche seine Rekordfahrt fort. Angetrieben durch die weitere Aufwertung des US-Dollars und damit der Abschwächung des Euros, die der exportorientierten deutschen Wirtschaft zugutekommt, konnte das wichtigste deutsche Börsenbarometer drei Tage in Folge einen neuen Höchststand markieren. Aufgrund schwächerer Vorgaben der Börsen in Asien und den USA gab der deutsche Leitindex zum Wochenschluss etwas nach, die Marke von 16.300 Punkten bleibt aber in Reichweite.

Neues Rekordhoch bei Siemens Healthineers

Der im DAX 40 vertretene Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers erhöhte am vergangenen Mittwoch seine Wachstumsprognose. Besonders die US-Neuerwerbung Varian mit der die Siemens-Tochter ihr Krebsgeschäft ausbauen möchte, soll für die Zielerhöhung maßgeblich verantwortlich sein. Unmittelbar nach Bekanntgabe der neuen Unternehmensziele legte die Aktie um mehr als fünf Prozent zu. Im weiteren Wochenverlauf setzte die Aktie ihre Rekordjagd fort und lag im Vergleich zur Vorwoche zehn Prozent im Plus.

Zweistellige Kurszuwächse gab es auch noch bei weiteren Werten. Von den steigenden, aktuellen Corona-Neuinfektionen sowie verschärften Beschränkungen profitierten in dieser Handelswoche die Online-Einzelhändler Delivery Hero (14 Prozent), HelloFresh (12 Prozent) und der Mode-Versandhändler Zalando (13 Prozent). Zu den Verlierern der Woche gehörte die Aktie von MTU Aero Engines. Der führende Hersteller von Triebwerksmodulen und -komponenten büßte rund zehn Prozent ein. Auch wenn sich der DAX 40 in Summe also nur um ein Prozent aufwärts bewegte, fiel die Wertentwicklung der Einzelwerte wenig homogen aus.

Im internationalen Vergleich bewegten sich die großen Leitindizes nahezu durchweg seitwärts. Größere Aufschläge gab es lediglich im US-Technologiesektor Nasdaq, der um 1,7 Prozent zulegen konnte. Der breigefasste S&P 500-Indez für US-Standardwerte kletterte um 0,5 Prozent nach oben. Ähnliche Zuwächse gab es in Europa beim EURO STOXX 50 und STOXX Europe 600 Index. Aktien aus den Schwellenländern gaben hingegen weiter nach. Der MSCI Emerging Markets Index verlor 0,9 Prozent an Wert. Größere Einbußen von knapp fünf Prozent gab es dabei vor allem in Lateinamerika. Aufgrund der enttäuschenden Geschäftszahlen des chinesischen Internetriesen Alibaba fiel der Leitindex in Hongkong um 1,6 Prozent. Branchenseitig führten in Europa der Technologiesektor (+2,7 Prozent) und der Einzelhandel (+2,4 Prozent) die Gewinnerliste an. Die größten Einbußen musste der Reisesektor mit 2,5 Prozent hinnehmen, da dieser unter den höheren Infektionszahlen besonders litt.

    Renten: Hohe Nachfrage nach Anleihen aus den Kernstaaten

In den vergangenen Handelstagen entwickelten sich die als sicher geltenden Staatsanleihen aus Frankreich und Deutschland deutlich besser als Papiere aus den Peripherieländern. So kam die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen gegen den Trend in anderen Märkten im Wochenvergleich sogar weiter zurück und betrug Freitagmittag minus 0,32 Prozent. Bundespapiere erwiesen sich in dieser Woche als knappes Gut. Viele Banken bereiten sich bereits auf den Jahreswechsel und damit auch auf den Jahresabschluss vor. Bundesanleihen waren in diesem Zusammenhang für die Einlieferung bei der Zentralbank stark gesucht. Zudem gab es einige spekulative Marktteilnehmer wie Hedgefonds, die Bundesanleihen als Sicherheit für ihre Verluste benötigten. Obwohl die Bunderepublik Deutschland ein großer Emittent ist, befinden sich inzwischen vergleichsweise wenig Anleihen im Umlauf. Hierzu trägt auch die Europäische Zentralbank bei, die in der vergangenen Woche Anleihen im Wert von 30 Milliarden Euro brutto erwarb. Damit reduziert die Notenbank sukzessive das frei verfügbare Angebot. Die wöchentliche Kaufsumme lag damit auf einem durchschnittlichen Niveau der Käufe im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres. Von der angekündigten Reduzierung war somit noch nichts zu merken. Zum Wochenschluss sorgte zudem die Sorge um die anhaltend hohen Infektionszahlen für Verunsicherung und einer entsprechend hohen Nachfrage nach Bundesanleihen.

Unternehmensanleihen standen unter leichtem Abgabedruck

Vor dem Jahreswechsel ist es üblich, dass große Handelshäuser ihre Wertpapierbestände reduzieren, da diese sonst im Rahmen des Jahresabschlusses mit teurem Eigenkapital unterlegt werden müssen. So ist es gang und gäbe, dass der Handel im Dezember nahezu zum Erliegen kommt. Ungewöhnlich früh starteten einige Händler damit nun bereits im November. Dies führte dazu, dass die Liquidität deutlich nachließ und Unternehmensanleihen unter leichtem Abgabedruck standen. Emittenten, die sich in diesem Umfeld an den Markt wagten, hatten ihre Not, die neuen Anleihen zu platzieren. Vielfach gelang dies nur, indem attraktive Prämien gezahlt wurden.

Starker US-Dollar belastet einige EM-Währungen

Die bereits erwähnten US-Zinserhöhungsfantasien und die gestiegene Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung des Konjunkturpakets „build back better“ noch vor Weihnachten haben zu einer weiteren Aufwertung des US-Dollar geführt. Für einen Euro mussten Freitagmittag weniger als 1,13 Euro bezahlt werden. Der Greenback wertete zudem auch gegen eine Reihe an Währungen aus den Schwellenländern auf. Schlusslicht war abermals die Türkische Lira, die auch in dieser Woche mehr als zehn Prozent abwertete. Am Donnerstag senkte die Notenbank trotz enorm hoher Inflationszahlen von rund 20 Prozent abermals den Leitzins um zwei Prozentpunkte und schloss einen weiteren Zinsschritt im Dezember nicht aus. Seit Anfang September verlor die Lira zum US-Dollar ein Viertel an Wert. Andere Notenbanken in den Schwellenländern hoben die Leitsätze hingegen leicht an. Neben Südafrika ist hier auch Ungarn zu nennen.

    Ausblick auf die kommende Woche

Die wichtigsten Konjunkturdaten der kommenden Woche werden am Dienstag erwartet, wenn die vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht werden. Die Umfragewerte sind ein wichtiger Frühindikator für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Im Euroraum wird mit einem leichten Rückgang auf hohem Niveau gerechnet. In den USA könnte der Wert sogar wieder zulegen und würde sich damit dann in die zuletzt guten US-Konjunkturdaten einreihen.

Mittwoch folgt dann noch die Veröffentlichung des jüngsten Sitzungsprotokolls der US-Notenbank. Dies dürfte Aufschluss darüber geben, wie die Stimmung innerhalb der Fed ist. Bis dahin dürfte wohl auch bekannt sein, ob Jerome Powell eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der US-Notenbank bevorsteht. Zum Wochenende hin dürfte es vor allem in den USA deutlich ruhiger werden. Am Donnerstag steht das traditionelle Thanksgiving-Fest an. Einen Tag später läutet der inzwischen auch hier bekannte „Black Friday“ dann das Weihnachtsgeschäft ein. Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen ist in Deutschland mit einem erhöhten Kontrollaufwand für den Einzelhandel sowie einen durch weltweite Produktions- und Lieferengpässe verbundenen Mangel zu rechnen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 19. November 2021, soweit nicht anders angegeben.

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