MarktTicker 30. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 20. bis 24. Juli 2020

    Diese Woche: Einigung nach EU-Marathon

Die nach langen und zähen Verhandlungen erzielte Einigung zum EU-Wiederaufbaufonds sowie fortgesetzt positive Nachrichten zu den Fortschritten bei der Forschung hinsichtlich eines Corona-Impfstoffs habe die Märkte in der Berichtswoche unterstützt. Auf der anderen Seite belasteten sowohl die weiterhin hohen Corona-Ansteckungsraten in den USA und in Asien als auch die diplomatischen Verspannungen zwischen den USA und China. Die Aktienmärkte entwickelten sich uneinheitlich. Festverzinsliche Wertpapiere tendierten leicht freundlich.

Einigung beim EU-Gipfel

Nach den Marathon-Verhandlungen bis in den Dienstagmorgen hinein haben sich die am EU-Gipfel beteiligten Regierungschefs auf einen Wiederaufbaufonds geeinigt. Das unter „Next Generation EU“ firmierende Projekt sieht neben einem Finanzrahmen in Höhe von 1,07 Billionen Euro für 2021-2027 einen Wiederaufbauplan im Volumen von 750 Milliarden Euro vor. Letzterer gliedert sich in Kredite über 360 Milliarden Euro und nicht-rückzahlbare Zuschüsse im Wert von 390 Milliarden Euro auf. Zur Finanzierung des Fonds wird die EU als Schuldner gemeinsame Anleihen am Kapitalmarkt begeben.

Fortschritte beim Corona-Impfstoff

Des Weiteren gab es verschiedene Meldungen aus der Pharmaindustrie zu Fortschritten bei der Impfstoffentwicklung gegen Corona. Die Unternehmen Moderna, BioNTech/Pfizer sowie Astra Zeneca in Zusammenarbeit mit der Oxford Universität stehen mit ihren unterschiedlichen Impfstoffen vor der Entwicklungsphase 3 oder haben bereits damit begonnen. Die Forscher sind auf einem guten Weg, aber die Einführung eines Impfstoffes wird noch dauern, da ohne erfolgreichen Phase 3-Abschluss keine Freigabe erteilt wird.

Zunehmende diplomatische Verspannungen zwischen den USA und China

Mit der Anordnung der Schließung des chinesischen Generalkonsulats im amerikanischen Houston hat sich die diplomatische Verstimmung zwischen den USA und China zugespitzt. Peking forderte darauf im Gegenzug Washington auf, das US-Konsulat in Chengdu zu schließen. Dies verunsicherte die Anleger und hat in der Berichtswoche einiges an möglicher Performance an den Aktienbörsen gekostet.

Positive Konjunkturdaten

Mit Blick auf die Konjunkturdaten, die diese Woche eher spärlich waren, zeigte sich der GfK Konsumklimaindex für Deutschland unerwartet positiv. Für August lag dieser mit minus 0,3 Punkten deutlich über dem Konsens (minus 4,5 Zähler). Für Juli befand das Stimmungsbarometer mit minus 9,4 Zähler noch deutlich im Keller. In den USA verzeichnete der Immobilienmarkt mit den Existing Home Sales ebenfalls einen positiven Datenpunkt, es wurden 4,72 Millionen Häuser verkauft. Die Erwartung lag bei rund 3,9 Millionen Einheiten. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA sind hingegen erstmals seit März wieder angestiegen. Die 1,416 Millionen Anträgen spiegeln die Infektionsdynamik klar in der geschäftlichen Lage wider.

Die am heutigen Freitag veröffentlichen Markit-Schnellschätzungen der Einkaufsmanager aus dem Euroraum (PMI) haben im Juli sowohl bei den Dienstleistungen als auch im verarbeitenden Gewerbe überzeugt. Beide PMIs lagen über der 50er Marke und deutlich über der Konsensschätzung der von Bloomberg befragten Analysten.

Gold auf Rekordhoch

Beim Blick auf die Edelmetalle verzeichnete Gold weitere Zugewinne und erreichte am Donnerstag mit knapp 1.900 US-Dollar je Feinunze ein Rekordhoch. Auch der Silberpreis stieg auf ein Sieben-Jahreshoch und notierte zeitweilig bei 23 US-Dollar. Noch Anfang Juli lag die Notierung bei 18 US-Dollar. Die Nachfrage zeigt, dass trotz einer positiven Aktienmarktentwicklung aber auch Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen besteht.

Der Euro hat in der Berichtswoche ebenfalls eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Mit der Einigung auf dem EU-Gipfel konnte die Gemeinschaftswährung zum US-Dollar deutlich aufwerten und hatte am Mittwoch den höchsten Stand seit Oktober 2018 erreicht. In der Spitze mussten 1,16 US-Dollar je Euro gezahlt werden.

    Aktien: DAX 30-Index für das laufende Jahr zeitweise im Plus

Aber in der Berichtswoche uneinheitliche Entwicklung

Die Gesamtmarktentwicklung kann mit Blick auf den MSCI-World-Index als leicht freundlich bezeichnet werden. Der Leit-Index legte per Freitagvormittag 0,6 Prozent zu. Das deutsche Aktienbarometer DAX 30 lag in der Berichtswoche im Vergleich zum Jahresende 2019 mit 13.314 Punkten zeitweise sogar im Plus. Die Gewinne konnten - wie an vielen anderen Märkten - aber nicht gehalten werden. Per Freitagvormittag steht ein leichtes Minus von 0,5 Prozent zu Buche. Dies traf auch für die anderen Börsen in Europa zu, die Verluste liegen im Wochenvergleich zwischen 0,5 bis 2,5 (FTSE) Prozent. In den USA waren die Märkte vor dem Start in den letzten Handelstag kaum verändert. Beim Nasdaq-Index prägten Gewinnmitnahmen und eine Konsolidierung das Geschehen. Die Technologiebörse lag zunächst im Plus und arbeitete sich an das Hoch der Vorwoche heran, gab die Gewinne aber wieder ab. So auch die Tesla-Aktie, die in der Berichtswoche überraschend einen Quartalsgewinn von 50 US-Cents pro Aktie auswies. Am Donnerstag kam es zu Gewinnmitnahmen, die Aktie gab im Handelsverlauf gegenüber dem Tageshoch (1.700 US-Dollar) fast 200 US-Dollar ab.

Daimler sorgt für Zuversicht im Automobilsektor

Bezüglich der europäischen Branchenentwicklung wiesen der Reisesektor, Gesundheit sowie Medien mit 4,7 bis 3,5 Prozent die höchsten Verluste im STOXX Europe 600-Index (minus 1,4 Prozent) auf. Der Automobilsektor war mit einem leichten Zugewinn von 0,6 Prozent hingegen der Wochengewinner. Trotz tiefroter Quartalszahlen hat Daimler mit zuversichtlichen Aussagen zum operativen Geschäft die Anleger überzeugt. Vor allem sorgte die Wiederbelebung des chinesischen Automobilmarkts für Zuversicht. Daimler (plus 2,9 Prozent) war nach Continental (plus 3,6 Prozent), die besser als erwartet berichteten, der Gewinner der Woche im DAX 30.

Mit Blick auf die laufende Quartalsberichtssaison hat sich die Stabilisierung der Gewinnerwartungen bei globalen Aktien zuletzt bestätigt. Der Auftakt in die Berichtssaison für das zweite Quartal war etwas besser als erwartet. Dennoch reichen die Konjunktur- und die Gewinndynamik nicht aus, um dem Aktienmarkt in der Breite Rückenwind zu verleihen.

    Renten: Italienische Zehnjahresrendite unter einem Prozent

Italienische Anleihen profitieren vom EU-Gipfel

An den Rentenmärkten waren vor dem Hintergrund der diplomatischen Krise zwischen den USA und China sichere Papiere aus den Kernländern gefragt. Sowohl deutsche Bundesanleihen als auch US-Treasuries verzeichneten leicht rückläufige Renditen. Die US-Zinskurve tendierte wie auch die deutsche Bundkurve über das lange Laufzeitende leicht flacher.

Italien profitierte hingegen rentenseitig vom EU-Gipfel. Die Zehnjahresrendite lag zwischenzeitlich unter der Ein-Prozentmarke. Der Zehnjahres-Spread gegenüber Bundesanleihen fiel auf 147 Basispunkte. Auch in Spanien, Portugal und Griechenland engten sich in der Berichtswoche die Renditeaufschläge zu Bundespapieren ein.

Freundlich tendierten auch die Euro-Unternehmensanleihen. Die Risikoprämien (Asset Swap Spreads) haben sich in der Berichtswoche der Marke von 100 Basispunkten angenähert. Nach dem Höchststand Ende März mit 200 Basispunkten ist damit nunmehr eine Halbierung erfolgt.

In US-Dollar und Euro notierte Anleihen aus den Schwellenländern verzeichneten ebenfalls eine freundliche Woche. Das Segment verbuchte in der Berichtswoche einen massiven Zufluss von Anlagegeldern.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Zentrale Themen werden die aktuelle Krisenpolitik (QE-Maßnahmen) sowie die Anpassung der Forward Guidance in Bezug auf langfristig niedrige Zinsen sein. Darüber hinaus stehen zahlreiche Daten zur Veröffentlichung an. Vor allem am Freitag dürften die ersten Daten zum Q2-Bruttoinlandsprodukt zahlreicher Länder aus dem Euroraum von Interesse sein.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 24. Juli 2020, soweit nicht anders angegeben.

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