Marktrückblick und -ausblick 47. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 22. bis 26. November 2021

      Diese Woche: Corona beherrscht die Märkte

Hatte die Corona-Krise die Kapitalmärkte zuletzt eher wenig beeinflusst, so kam diese relative Ruhe in den vergangenen Tagen zu einem jähen Ende. Grund dafür waren ansteigende Neuinfektionszahlen sowohl in Europa als auch in den USA. Mehrere Länder sahen sich zu einer erneuten Verschärfung der Gegenmaßnahmen gezwungen. In Irland wurden Bars, Restaurants und Nachtclubs geschlossen - trotz einer Impfquote von 93 Prozent der über Zwölfjährigen. Österreich verhängte angesichts einer Inzidenz von mittlerweile über 1.000 Neuinfizierten je 100.000 Einwohner sogar einen Lockdown, auch für Geimpfte. Und in Deutschland wird über ein Vorziehen des für 9. Dezember geplanten Bund-Länder-Gipfels, weitere Kontaktbeschränkungen und sogar eine allgemeine Impfflicht diskutiert. Weiterhin warnt die US-Regierung angesichts der steigenden Ausbreitung des Coronavirus und der damit einhergehenden Gefahr einer Corona-Infektion vor Reisen nach Deutschland. Damit steht das Land in den USA auf der Liste der Hochrisikogebiete. Hinzu kommt die in Südafrika entdeckte und neue Corona-Variante, die für große Verunsicherung sorgt. Bislang ist die Informationslage zu der B.1.1.529 getauften Mutation sehr dünn. Befürchtet wird aber, dass die Ansteckungsgefahr im Vergleich zur bislang vorherrschenden Delta-Variante nochmals deutlich erhöht sein könnte.

Konjunkturdaten uneinheitlich

Auch vor den konjunkturellen Entwicklungen machte die Corona-Pandemie in dieser Woche keinen Halt. Positiv fielen die Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe aus, der Wert erreichte das niedrigste Niveau seit 1969. Negative Daten lieferte die Veröffentlichung des wichtigsten US-Inflationsmaßes, die PCE-Inflationsrate. Diese stieg um 4,1 Prozent und verzeichnete den größten Anstieg seit den 1990er Jahren. Damit liegt die PCE-Inflationsrate derzeit doppelt so hoch wie das von der US-Notenbank gesetzte Inflationsziel von zwei Prozent.

Auch für Europa und Deutschland wurden zahlreiche Stimmungsindikatoren von Verbrauchern und Unternehmen veröffentlicht, die aufgrund der jüngsten Corona-Entwicklungen zum Wochenende aber eher in den Hintergrund rückten. Positiv überraschte der Einkaufsmanagerindex. Trotz steigender Corona-Infektionen, erster Restriktionen einzelner Länder und anhaltender Logistikprobleme im November, übertraf dieser die Erwartungen vieler Ökonomen und stieg um 1,6 Punkte auf 55,8 Zähler. Dabei ist allerdings zu beachten, dass der Erhebungszeitraum die Entwicklungen am aktuellen Rand im November (noch) nicht abbilden konnte. Weniger erfreulich war das Ergebnis des ifo-Geschäftsklimaindex, der den fünften Rückgang in Folge verzeichnete. Ein ähnliches Bild zeigte derweil die Bekanntgabe des GfK-Verbrauchervertrauens für Deutschland am vergangenen Donnerstag. Die deutschen Verbraucher schätzen sowohl die volkswirtschaftliche als auch ihre persönliche finanzielle Situation schlechter ein als in den Vormonaten.

Ampel-Parteien stellen Koalitionsvertrag vor

Knapp zwei Monate nach der Bundestagswahl einigte sich die Ampel-Koalition auf einen Vertrag für die kommende Bundesregierung. Der Koalitionsvertrag bestätigt die großen Linien der deutschen Politik (z.B. im Hinblick auf Europa), enthält aber auf einigen Politikfeldern auch neue Impulse. Digitalisierung, die Modernisierung des Staatswesens und die „grüne Transformation“ hin zu einer klimafreundlichen Volkswirtschaft sollen vorangetrieben werden. Die Volkswirte von Union Investment sehen die wirtschaftspolitischen Inhalte des Vertrages daher insgesamt positiv.

      Aktien: Börsen unter Druck

Am deutschen Aktienmarkt führte die Mischung aus gedämpften Konjunkturdaten und Sorgen vor den Folgen der Corona-Pandemie zu einer schwachen Entwicklung des deutschen Leitindex. Nachdem der DAX 40 bereits in der ersten Wochenhälfte leichte Verluste verzeichnete, konnte er sich auch zum Wochenausklang nicht erholen und rutschte deutlich abwärts. So begann der Freitagmorgen mit einem Absturz des Index um 2,6 Prozent auf 15.505 Zähler. Besonders die in Südafrika entdeckte neue Coronavirus-Variante sorgt für große Verunsicherung am Kapitalmarkt. Damit bleibt das kürzlich markierte Allzeithoch von 16.290 Zählern in weiter Ferne. Aufgrund “Thanksgiving“ und damit verbundenen, geschlossenen US-Börsen gab es am Donnerstag keine Impulse aus New York.

Wochengewinner aus der Vorwoche bleiben weiterhin stark

Beflügelt durch den jüngst veröffentlichten Koalitionsvertrag bewegten sich insbesondere die Titel der Energie- und Ökobranche am vergangenen Donnerstag zunächst aufwärts. So kletterten unter anderem die Aktienkurse von RWE (6,8 Prozent) und Siemens Energy (3,1 Prozent) in die Höhe. Aufgrund der verschärften Corona-Maßnahmen und der Furcht vor einem erneuten Lockdown waren zum Wochenschluss besonders die Papiere aus der Reise- und Freizeitbranche unter Druck. Verstärkt wurde diese Tendenz auch dadurch, dass Großbritannien den Reiseverkehr in sechs afrikanischen Ländern aus Sorge vor der neuen Virusmutation eingestellt hat. So fiel Airbus am Freitagmorgen um rund zehn Prozent, MTU Aero Engines startete in den letzten Handelstag mit minus 7,1 Prozent. Die Wochengewinner aus der Vorwoche blieben weiterhin stark. So führten auch zum Ende dieser Handelswoche Hellofresh (plus 5,9 Prozent) und Delivery Hero (plus 3,9 Prozent) den deutschen Leitindex an. Damit orientierten sich die Einzelwerte in dieser Woche einmal mehr an der aktuellen Corona-Situation.

Tech-Aktien unter Druck

Besonders Tech-Aktien gerieten aufgrund der aktuellen Zinsdiskussion in dieser Woche unter Druck. Unterstützt wurde diese Tendenz durch den aktuellen und neuen US-Notenbankchef Powell, der in dieser Handelswoche auf einen rasanten Preisanstieg hinwies. Da nach Zentralbank-Kommentaren (vgl. Kapitel zum Rentenmarkt) vermehrt die Erwartung einer rascheren Straffung der US-Geldpolitik aufkam, bestimmte die US-Geldpolitik kurzfristig auch die Wall Street und die Technologiebörse Nasdaq gab nach. Feiertagsbedingt findet in den USA heute kaum Handel statt. Die US-Börsen dürften die Geschehnisse dann vermutlich erst Anfang kommender Woche verarbeiten. Der EURO STOXX 50 und STOXX Europe 600 Index schlossen sich der Talfahrt der meisten Indizes zum Wochenende an und verzeichneten am Freitagmorgen ein Minus von jeweils knapp drei Prozent. Ebenfalls Aktien aus Fernost spiegelten die Angst vor neuen weltweiten Lockdowns wider. Sowohl der japanische Nikkei als auch der Hang Seng-Index in Hongkong fielen um jeweils etwa 2,5 Prozent auf 28.752 beziehungsweise 24.162 Punkte. In das Bild passte ebenfalls die Börse in Shanghai, die 0,6 Prozent auf 3.564 Zähler nach.

Lage an den Ölmärkten beruhigt sich etwas

Die Ölpreise gingen in dieser Woche leicht zurück. Nach der Freigabe strategischer Ölreserven von Verbrauchsländer blickte man in dieser Woche zunächst auf die Reaktion der Öl-Förderländer. Der von den USA initiierte Schritt erfolgte in Absprache mit ähnlichen Maßnahmen in China, Indien, Südkorea, Japan und Großbritannien. Hintergrund der Reservefreigabe sind die hohen Ölpreise, die als Bedrohung für die wirtschaftliche Erholung angesehen werden. Hinsichtlich der Freigabe stellt sich die Frage, ob die sogenannte OPEC-plus-Allianz um Saudi-Arabien und Russland ihren bisherigen Kurs beibehält und die Produktion weiterhin um 400.0000 Barrel je Monat anhebt. Die Allianz trifft sich in der kommenden Woche, um über die Förderpolitik zu beraten.

    Renten: Euro verliert weiter an Boden

Vor dem Hintergrund der gestiegenen Risikoaversion waren am Rentenmarkt sichere Anleihen gefragt. Zu Beginn der Woche stiegen die Renditen für 10jährige US-Staatsanleihen vor dem Hintergrund hoher Inflationszahlen und der Aussicht auf eine baldige Straffung der Geldpolitik zwar zunächst von 1,55 Prozent um 13 Basispunkte bis auf 1,68 Prozent in der Spitze. Auch deutsche Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit verzeichneten einen leichten einen Renditeanstieg. Ausgehend von einem Handelsstart bei minus 0,33 Prozent kletterte die Rendite zunächst bis minus 0,21 Prozent.

Am Freitag kam es dann aber im Zuge der allgemein ansteigenden Unsicherheit über den Fortgang der Corona-Pandemie zu einem deutlichen Renditerückgang in den „sicheren Häfen“. Sowohl US-Staatsanleihen als auch deutsche Bundesanleihen waren stark nachgefragt. Zum Ausklang der Handelssession lagen Bunds wieder auf den Niveaus vom Wochenstart, während US-Treasuries sogar mit einer Rendite von 1,51 einen leichten Renditerückgang verbuchten. Anleihen aus den europäischen Peripherieländern verzeichneten dabei bislang nur eine geringe Ausweitung der Risikoaufschläge (Spreads), während in den Schwellenländern vor allem bonitätsschwache Emittenten mit spürbar steigenden Spreads konfrontiert waren.

Personelle Kontinuität bei der US-Notenbank

Neben der Corona-Krise war die Zukunft der Geldpolitik ein bestimmendes Thema am Rentenmarkt. Wie vergangene Woche bekannt wurde, will US-Präsident Joe Biden den amtierenden Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, für eine weitere Amtszeit vorschlagen. Die Nachricht stieß an den Märkten überwiegend auf Wohlwollen. Denn: Powell steht im Ruf, die für die weltweiten Kapitalmärkte enorm wichtige Geldpolitik der Vereinigten Staaten mit einer Mischung aus Bedachtsamkeit und Entschlossenheit erfolgreich durch die Corona-Krise manövriert zu haben. Im nächsten Schritt steht nun eine Anhörung vor dem US-Kongress am 30. November an. Marktbeobachter sehen gute Chancen für Powell, da er auch mit Unterstützung aus den Reihen der Republikaner rechnen darf. Eine Amtszeit stünde für personelle Kontinuität und dürfte daher das Vertrauen in US-Anlagen (wie US-Treasuries oder den US-Dollar) weiter stärken.

Wie lange bleibt die Geldpolitik so locker?

Darüber hinaus kamen in der vergangenen Woche vermehrt Stimmen aus den Zentralbanken auf, die vor dem Hintergrund anhaltend hoher Inflationszahlen möglicherweise eine schnellere Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik ins Spiel brachten. In den USA wurden die sog. Fed Minutes, also das Protokoll der letzten Sitzung des Offenmarktausschuss, veröffentlicht. Darin ist nachzulesen, dass eine Reihe von Mitgliedern des Gremiums sich besorgt über die Höhe der Inflation zeigten. Offenbar gab es eine lebhafte Diskussion, in der einige Stimmen eine möglicherweise schnellere Rückführung der Anleihekäufe (Tapering) als bislang beschlossen ins Spiel brachten.

So weit ist man bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zwar noch lange nicht. Aber auch in Frankfurt wird zunehmend kontrovers über den richtigen Kurs der Notenbank diskutiert. EZB-Direktorin Isabel Schnabel warnte beispielsweise am Donnerstag in einem Zeitungsinterview vor Inflationsrisiken. Die Äußerung ist insofern bemerkenswert, als Schnabel bislang eher den vorübergehenden Charakter der aktuellen Teuerungsraten hervorhob. Die Marktteilnehmer erwarten daher mit zunehmender Spannung die nächste EZB-Sitzung am 16. Dezember, von der sie sich Aufschluss über das im März 2022 auslaufende Notfallprogramm PEPP erhoffen. Es wird zwar allgemein damit gerechnet, dass die EZB dieses auf dem Hochpunkt der Pandemie geschaffene Instrument auslaufen lassen wird. Dennoch dürften die Frankfurter Währungshüter auch danach weiter am europäischen Anleihemarkt aktiv bleiben und noch für einen langen Zeitraum Papiere erwerben.

Euro seit Jahresbeginn deutlich schwächer

Diese Diskrepanz zwischen den geldpolitischen Kursen auf beiden Seiten des Atlantiks hat zuletzt zu einer erneuten Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro geführt. Auch in der abgelaufenen Handelswoche tendierte die Gemeinschaftswährung zur Schwäche, wenngleich sie sich von ihrem Tiefpunkt zum Wochenende hin wieder etwas erholen konnte. Zuletzt kostete ein Euro noch 1,1232 US-Dollar. Zum Vergleich: Zu Jahresbeginn hatte der Wert noch bei 1,2338 gelegen. Ursache für die Abwertung ist die Annahme der Marktteilnehmer, dass die Geldpolitik in Washington und Frankfurt sich weiter auseinanderentwickeln dürfte. Ein strafferer Kurs der Fed steht demnach eine weitere lockere Politik der EZB gegenüber. Ein stärkerer Zinsanstieg in den USA wäre die Folge, was einen entsprechenden Kapitalstrom und eine korrespondierende Devisennachfrage auslösen könnte.

      Ausblick auf die kommende Woche

Nach den Nachrichten über eine neue, möglicherweise ansteckendere Corona-Variante in Südafrika, dürften die Märkte auch in der folgenden Woche verunsichert bleiben. Die nächste Woche wird zudem weitere Konjunkturzahlen bringen. Unter anderem werden Umsatzdaten der „Black Week“ und des „Black Friday“ veröffentlicht, die eine erste Indikation über die Stärke des anstehenden Weihnachtsgeschäfts geben sollten. In Europa werden zudem Inflationsdaten für Deutschland und den Euroraum erwartet. Wie immer zu Monatsbeginn findet auch die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes für China, den Euroraum und die USA statt. Am Ende der kommenden Woche folgt der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für den November.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 26. November 2021, soweit nicht anders angegeben.

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