MarktTicker 39. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 21. bis 25. September 2020

    Diese Woche: US-Konjunkturpaket in weiter Ferne?

Seit Wochen streiten Republikaner und Demokraten über ein weiteres Konjunkturpaket für die US-Wirtschaft. Knackpunkt sind sowohl Umfang als auch Inhalt. Je näher der Wahltermin rückt, desto unwahrscheinlicher wird eine Einigung. In dieser Woche wurde ein möglicher Stimulus nun offenbar endgültig ausgepreist. Auslöser ist ein Streit über die Neubesetzung des Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten (Surpreme Court). Am vergangenen Wochenende verstarb mit der Richterin Ruth Bader Ginsburg ein liberaleres Schwergewicht. Nun gilt es den Posten neu zu besetzen. Brisant dabei ist, die Bundesrichter sind auf Lebenszeit berufen. Gelingt es den Republikanern, den Sitz mit einem konservativen Juristen zu besetzen, wird es zu einer nachhaltigen Kräfteverschiebung am Supreme Court kommen, die das Leben der amerikanischen Bürger in zahllosen Punkten prägen dürfte. US-Präsident Trump hat während seiner Amtszeit das Kräfteverhältnis bereits auf 5:4, hin zu einer konservativen Rechtsprechung verschoben. Setzt der von den Republikanern beherrschte Senat nun die Nominierung eines weiteren Kandidaten durch, dann wäre das Gremium demnächst mit sechs konservativen Juristen besetzt. Da Trump viele junge Richter nominierte, würde sich an dieser Ausrichtung über eine ganze Generation hinweg wohl nichts ändern. Es wäre das wohl langfristigste Vermächtnis von Trump, sollte er im November nicht wiedergewählt werden.

Vor einer Wahl ist es unüblich, solch einen Posten neu zu besetzen. Die Spielregeln in Washington sahen bisher vor, dies der neu gewählten Regierung zu überlassen. Trump sieht in einer Nominierung aber die Chance, ein deutliches Ausrufezeichen bei seinen Wählern zu setzen. Unter diesen Voraussetzungen könnte das Tischtuch mit den Demokraten nun endgültig zerschnitten sein, was eine Einigung auf ein Konjunkturpaket sehr unwahrscheinlich macht.

Konjunkturdaten: Zweite Infektionswelle lastet auf dem Dienstleistungssektor

In dieser Woche wurden die vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone veröffentlicht. Der absolute Wert blieb weitgehend unverändert. Schaut man sich die Daten jedoch genauer an, dann fällt auf, dass sich die zweite Corona-Infektionswelle bereits bemerkbar macht. Während es im Verarbeitenden Gewerbe weiter aufwärts geht, neigt der Dienstleistungssektor angesichts der örtlichen Lockdowns bereits zur Schwäche. In Europa liegt der Umfragewert bereits wieder unterhalb der Wachstumsschwelle und verdeutlicht die weiter schwierige Lage.

Währungen: US-Dollar zieht wieder fester

Über Monate hinweg zog der Euro zum US-Dollar fester und konsolidierte dann unterhalb der Marke von 1,20 US-Dollar je Euro. In dieser Woche war der Greenback wieder stärker gefragt und bewegte sich in Richtung 1,16. Größere Bewegungen gab es auch an den Devisenmärkten der Schwellenländer. Gerade die Währungen von Ländern mit hohen Renditeniveaus und entsprechend schlechterer Bonitätseinschätzung werteten in dieser Woche ab.

    Aktien: Anleger sind verunsichert und nehmen Gewinne mit

Mehrere belastende Faktoren drücken auf die Stimmung

Die Handelswoche begann mit einem deutlichen Kursrutsch. Neben der Enttäuschung über ein US-Konjunkturpaket gab es weitere belastende Nachrichten, die Anleger letztlich dazu bewogen, Gewinne mitzunehmen. In vielen Ländern steigen die Corona-Infektionszahlen merklich an. Neben den USA sind auch einige europäische Staaten betroffen. In Großbritannien wurden bereits wieder vergleichsweise strikte Beschränkungen beschlossen. Die Regierung um Premier Boris Johnson handelte im Frühjahr sehr spät und steckte dafür viel Kritik ein. Auch in Spanien und Frankreich schossen die Infektionszahlen in die Höhe. Darüber hinaus fielen die Konjunkturdaten gemischt aus, es gab negative Botschaften aus einigen Branchen (Geldwäsche im Finanzsektor) und politische Themen wie der wieder aufflammende Zwist zwischen China und Taiwan. In Summe eine schwierige Gemengelage, die letztlich zu Kursverlusten führte. Der ein oder andere Investor sieht zudem die US-Wahl mit ihrem ungewissen Ausgang immer näherkommen, und letztlich steht auch noch das Quartalsende an, bei dem es die eine oder andere Position zu bereinigen gilt.

Die nächsten Tage werden zeigen, wohin die Reise geht. Einige Marktteilnehmer sprechen von einer Kaufgelegenheit und halten ein US-Konjunkturprogramm noch für möglich. Andere bleiben angesichts des nun kühleren Wetters mit Blick auf das Corona-Virus skeptisch.

Banken und Reisebranche führen Verliererliste an

Weltweit verloren die Aktienmärkte in den vergangenen Handelstagen rund drei Prozent. Technologiewerte zeigten sich vergleichsweise resistent, was sich in einem nur geringen Kursrutsch des Nasdaq-Composite-Index äußerte. Europäische Leitindizes aus Frankreich und Deutschland gaben hingegen stärker nach. Schlusslicht waren Titel aus den aufstrebenden Volkswirtschaften aus Lateinamerika.

Unter den europäischen Branchen gab es keine Gewinner. Einbußen von mehr als sechs Prozent mussten Banken und Werte aus der Reisebranche hinnehmen. Letztere litten unter neuen Reisewarnungen für die Herbstferien. Defensive Branchen wie Versorger und Aktien von Lebensmittelherstellern verloren weniger als ein Prozent.

    Renten: Peripherieanleihen als Hort der Stabilität

Regionalwahlen in Italien

Mit einer gewissen Anspannung schauten Anleger auf die Regionalwahlen in Italien. Auch wenn dadurch die Politik in Rom letztlich nicht beeinflusst wird, ist eine Kräfteverschiebung im Kleinen immer auch ein Beleg dafür, wie zufrieden die Bürger mit der Regierung in Rom sind. Am Ende kam es zu einem „neutralen“ Wahlergebnis, dass sich nicht negativ auswirkte. Trotz des risikoaversen Marktumfeldes handelten Staatsanleihen aus Italien nahezu unbeeindruckt seitwärts, wie auch die als sicher geltenden Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Papiere schwankte um die Marke von -0,52 Prozent.

Höhere Risikoaufschläge bei Unternehmens- und EM-Anleihen

Der geringere Risikoappetit der Anleger machte sich auch in den risikobehafteten Rentenmärkten bemerkbar. Sowohl bei Unternehmensanleihen als auch bei Papieren aus den Schwellenländern kam es zu Kursverlusten. Händler waren zudem deutlich weniger bereit Anleihen anzukaufen, wodurch sich die Liquidität etwas verschlechterte. Einige Neuemissionen wurden zwar noch begeben, diese konnten aber merklich schwerer platziert werden. Viele Emittenten verschoben ihr Vorhaben daher zunächst.

      Ausblick auf die kommende Woche

Die kommende Woche bringt einen bunten Strauß an Konjunkturdaten mit sich. Von besonderer Bedeutung dürften jedoch zwei Datenpunkte sein. Zum einen hier die Inflationsdaten aus dem Euroraum zu nennen. Angesichts der zuletzt rückläufigen Energiepreise kann die Zahl nach unten überraschen, negative Vorzeichen sind dabei nicht auszuschließen.

Zum anderen folgt am Freitag der wichtige US-Arbeitsmarktbericht. Sollte die Zahl der neu geschaffenen Stellen deutlich niedriger als erwartet ausfallen, dürfte das den Druck auf Washington erhöhen, sich doch noch auf ein Konjunkturpaket zu erhöhen.

Ihr Portfoliomanagement

Union Investment Privatkunden

Disclaimer

Die Inhalte in diesem Dokument wurden von der Union Investment Privatfonds GmbH nach bestem Urteilsvermögen erstellt und herausgegeben. Eigene Darstellungen und Erläuterungen beruhen auf der jeweiligen Einschätzung des Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung, auch im Hinblick auf die gegenwärtige Rechts- und Steuerlage, die sich jederzeit ohne vorherige Ankündigung ändern kann.

Als Grundlage dienen Informationen aus eigenen oder öffentlich zugänglichen Quellen, die für zuverlässig gehalten werden. Für deren Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit steht der jeweilige Verfasser jedoch nicht ein. Alle Index- bzw. Produktbezeichnungen anderer Unternehmen als Union Investment werden lediglich beispielhaft genannt und können urheber- und markenrechtlich geschützte Produkte und Marken dieser Unternehmen sein.

Alle Inhalte dieses Dokuments dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie dürfen daher weder ganz noch teilweise verändert oder zusammengefasst werden. Sie stellen keine individuelle Anlageempfehlung dar und ersetzen weder die individuelle Anlageberatung durch die Bank noch die individuelle, qualifizierte Steuerberatung. Für die Eignung von Empfehlungen zu Fondsanteilen oder Einzeltiteln für bestimmte Kunden oder Kundengruppen übernimmt Union Investment daher keine Haftung.

Dieses Dokument wurde mit Sorgfalt entworfen und hergestellt, dennoch übernimmt Union Investment keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit. Es wird keinerlei Haftung für Nachteile, die direkt oder indirekt aus der Verteilung, der Verwendung oder Veränderung und Zusammenfassung dieses Dokuments oder seinen Inhalt entstehen, übernommen.

Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 25. September 2020, soweit nicht anders angegeben.

Ihre Kontaktmöglichkeiten

Union Investment Service Bank AG, Weißfrauenstraße 7, 60311 Frankfurt am Main

Telefon 069 58998-6060, Telefax 069 58998-9000, www.union-investment.de


Börse

Loading:
Data

from
Server Uhr
DAX ESTOXX50 Bund-Future

Kontakt

Tel. 00352 2640-9500