MarktTicker 34. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 19. – 23. August 2019

- Diese Woche: Deutsches Konjunkturprogramm/Regierungsgespräche in Italien

- Aktien: Weltweit im Plus

- Renten: Konsolidierung

- Ausblick: Verbraucherpreise im Euroraum

Was diese Woche wichtig war:

Deutsches Konjunkturprogramm?

In der Berichtswoche prägten mehrere Faktoren das Geschehen an den Finanzmärkten. Zum Wochenauftakt machten Meldungen die Runde, dass die Bundesregierung im Falle einer Rezession ein Konjunkturprogramm auflegen wolle. Der Bundesfinanzminister brachte in diesem Zusammenhang eine Summe von 50 Milliarden Euro ins Spiel. Die Politik verhielt sich zurückhaltend, die Aktienmärkte reagierten aber wohlwollend und konnten Zugewinne verbuchen. An den Anleihemärkten im Euroraum kam der Renditeabschwung und damit die Kursgewinne hingegen zumeist ins Stocken. Gegen Ende der Woche gewann dann die Debatte über den Fiskalstimulus etwas an Fahrt. Sowohl die Deutsche Bundesbank als auch der Chef der Wirtschaftsweisen, Christof Schmidt, meldeten sich zu Wort. Diese sehen derzeit keinen Bedarf für ein Konjunkturpaket. Die aktuelle Situation sei nicht mit der im Jahre 2008 vergleichbar.

Einkaufsmanagerindex im Euroraum nicht so schlecht wie erwartet

Mit Blick auf die Konjunkturdaten zeigte sich am Donnerstag die Schnellschätzung für die Einkaufsmanager des Euroraums für das Verarbeitende Gewerbe und für die Dienstleistungen im August gar nicht so schlecht. Beide Sektoren lagen sowohl in Deutschland als auch in Frankreich etwas über den Erwartungen der befragten Analysten.

Die Inflation im Euroraum lag im Juli laut der endgültigen Berechnung (Jahresrate) bei 1,0 Prozent, die um Nahrung und Energie bereinigte Kernrate bei 0,9 Prozent. Beide Daten wurden somit um 0,1 Prozent nach unten revidiert.

Sitzungsprotokolle der Notenbanken

Darüber hinaus wurden die Sitzungsprotokolle (Juli) sowohl der US-Notenbank Fed als auch der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlicht. Die US-Fed zeigte sich hinsichtlich des jüngsten Zinsentscheids uneinig, die Senkung war im Ausschuss wohl umstritten. Sowohl mit einer Ablehnung des Zinsschritts als auch der Forderung nach einer noch stärkeren Zinssenkung stand die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten in der Diskussion. Letztlich stellte die Fed noch einmal klar, dass mit der Leitzinssenkung kein fundamentaler Kurswechsel vollzogen worden sei und die Zinspolitik weiter datenabhängig betrieben werden.

Die Ratsmitglieder der EZB diskutierten intensiv die Ausgestaltung des kommenden Maßnahmenpakets im September. Dies sorgte für eine stärkere Bewegung der Anleihenotierungen. Letztlich bestand in der EZB wohl Konsens, dass die Implementierung eines Maßnahmenpakets deutlich effektiver sei als die Abfolge nur vereinzelter Maßnahmen.

In Italien gab es hinsichtlich der Regierungskrise keine substanziellen Neuigkeiten. Die Akteure haben nun bis kommenden Dienstag Zeit, um weitere Koalitionsverhandlungen zu führen. Zentraler Punkt scheint die Vermeidung von Neuwahlen zu sein. Der italienische Rentenmarkt hat in Erwartung der Vermeidung eines kommenden Wahlgangs sehr positiv mit rückläufigen Risikoprämien reagiert.

Aktien: Weltweit im Plus

Hoffnung auf Konjunkturmaßnahmen

Die weltweiten Aktienmärkte lagen in der Berichtswoche – mit Ausnahme der Schwellenländer Lateinamerikas – im Plus. Am Freitagmittag kündigte die chinesische Administration aber überraschend Zölle auf verschiedene US-Waren an, sodass die in der Berichtswoche erzielten Kursgewinne teils wieder abgegeben wurden.

Im Euroraum stützten sich die Hoffnungen auf Konjunkturmaßnahmen und eine Lösung der italienischen Regierungskrise. Auch machten Gerüchte über zusätzliche Steuersenkungen durch die US-Regierung die Runde. Zudem gab es am Freitag Meldungen hinsichtlich eines „produktiven“ Telefonats zwischen US-amerikanischen und chinesischen Unterhändlern im Rahmen des Handelskonfliktes.

In den USA konnten der Dow Jones Industrial Average und der marktbreite S&P 500-Index jeweils rund 0,8 Prozent hinzugewinnen. Die US-Technologiebörse Nasdaq lag noch leicht im Plus.

Im Euroraum gewann der EURO STOXX 50-Index 1,3 Prozent hinzu. Der marktbreite STOXX Europe 600-Index stieg ebenfalls um 1,3 Prozent. Mit Blick auf die Branchenentwicklung konnten vor allem der Reisesektor (plus 3,8 Prozent) sowie der Einzelhandel und Finanzdienstleistungen (plus 2,6/2,3 Prozent) am deutlichsten hinzugewinnen. Die in der Vorwoche im schwierigen Kapitalmarktumfeld präferierte defensive Versorgerbranche zeigte sich mit plus 0,3 Prozent weit abgeschlagen.

ThyssenKrupp und Bayer im Blickpunkt

Am deutschen Aktienmarkt legte der DAX-Index um 1,5 Prozent zu. Spitzenreiter bei den Einzelwerten war die Aktie von ThyssenKrupp. Presseberichten zufolge bereitet ThyssenKrupp offenbar den Zusammenschluss seines Stahlgeschäfts mit Klöckner vor. Konkrete Gespräche werden wohl bereits geführt. In diesem Zusammenhang stünde der Börsengang eines Teils des Aufzugsgeschäfts von ThyssenKrupp in Planung. Damit würden sich die Übernahmekosten für Klöckner und weitere Akquisitionen finanzieren lassen. Die Aktie gewann in der Berichtswoche knapp 12 Prozent hinzu. Mit rund zehn Prozent Kursgewinn folgte die Deutsche Bank, deren Kurs in der Vorwoche deutlich unter die Räder gekommen war. Sehr positiv verlief die Woche auch für die Notierung von Bayer. Diese verkauft ihr Tiermedizingeschäft für rund 7,6 Milliarden US-Dollar an das US-Unternehmen Elanco. Bayer soll 5,3 Milliarden US-Dollar in bar und weitere 2,3 Milliarden US-Dollar an Elanco-Aktien erhalten. Die Bayer-Aktie gewann knapp acht Prozent hinzu.

Renten: Konsolidierung

30-jährige Bundesanleihe mit negativer Rendite emittiert

In der Finanzpresse wurde sie als Meilenstein am Rentenmarkt bezeichnet: Die neue 30-jährige Bundesanleihe. In der Auktion zur Wochenmitte war dieser Langläufer erstmals mit einem Zinskupon von null Prozent ausgestattet. Da der Emissionskurs rund 103,6 Prozent betrug, ergab sich eine negative Emissionsrendite von minus 0,11 Prozent. Zum Vergleich: Noch am 17. Juli brachte die Auktion der vorhergehenden 30-jährigen eine Rendite von plus 0,3 Prozent. Ursprünglich stand ein Volumen von zwei Milliarden Euro zur Platzierung an. In die Zuteilung gingen jedoch nur gut 824 Millionen Euro, sodass für mehr als die Hälfte der Papiere eine sogenannte Unterdeckung vorlag.

Langläufer scheinen angesichts der aktuellen Renditeniveaus zusehends in Mode zu kommen. So prüft Presseberichten zufolge das für die Refinanzierung der USA zuständige US-Treasury die Erweiterung des Laufzeitenspektrums von US-Staatsanleihen. Die bislang emittierten Papiere haben eine maximale Laufzeit von 30 Jahren. Nun wird bei den Investoren ausgelotet, ob eine Resonanz für 50- oder gar 100-jährige Papiere besteht. Zur Erinnerung: Österreich hatte vor zwei Jahren eine 100-jährige Anleihe mit einem Zinskupon von 2,1 Prozent emittiert. Deren Kurs hat sich im Rahmen des allgemeinen Renditeabschwungs fast verdoppelt.

Keine neuen Renditetiefs

In der Berichtswoche wurden - außer in Italien - keine neuen Renditetiefs erzielt. Die Diskussion um ein Konjunkturpaket, die Interpretation des EZB-Protokolls und die leicht besseren Einkaufsmanagerindizes des Euroraumes waren Einflussfaktoren, die einem weiteren Renditeabschwung bei den Bundespapieren entgegenstanden. Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten am Freitagmittag mit minus 0,63 Prozent und damit um sechs Basispunkte höher als zum Schluss der Vorwoche. Die deutsche Zinskurve tendierte über die ganz langen Laufzeiten in der Berichtswoche steiler. 30jährige Papiere rentierten mit minus sieben Basispunkten, 14 Basispunkte höher als vergangene Woche. Dennoch lag die deutsche Zinskurve nach wie vor komplett im Minus.

Italien weiter freundlich

Italien steht unvermindert im Blickpunkt der Anleger. Derzeit führt der italienische Staatspräsidenten Gespräche mit verschiedenen Parteivertretern. Die Hoffnung auf eine stabile Regierungskoalition, die bis Ende der Legislaturperiode 2023 durchhalten könnte, stützt den Rentenmarkt. Die Aussicht auf die Vermeidung von Neuwahlen ließ die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen bei auf 1,3 Prozent sinken. In Spanien und Portugal waren wie an den Kernmärkten hingegen leichte Anstiege der Renditen zu beobachten.

Dies traf auch auf den US-Rentenmarkt zu. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries stieg um zehn Basispunkte auf 1,65 Prozent an. Die US-Zinskurve verschob sich in der Berichtswoche parallel um gut 10 Basispunkte nach oben.

Primärmärkte kommen langsam in Fahrt

An den Neuemissionsmärkten war in der Berichtswoche eine leichte Belebung zu beobachten. Im Bereich der Unternehmensanleihen brachte der deutsche Versorger Eon zwei Green Bonds an den Markt. Laufzeiten von fünf und zehneinhalb Jahren konnten gezeichnet werden. Der fünfjährige Bond wurde mit einer Rendite von minus 0,15 Prozent platziert. Damit gehören am Unternehmensanleihemarkt negative Emissionsrenditen zunehmend zum Handelsalltag. Dies gilt auch für den Pfandbriefmarkt (Covered Bonds). Erstmals seit vielen Wochen trat mit der Deutschen Pfandbriefbank ein Emittent an den dortigen Primärmarkt. Die Emissionsrendite lag bei rund minus 0,59 Prozent und damit deutlich unter dem Einlagensatz der EZB. Dennoch wurde das Papier erfolgreich bei den Anlegern untergebracht. Dies zeigt: Solange ein Renditeaufschlag gegenüber Bundespapieren vorhanden ist, können auch Pfandbriefe mit hohen negativen Emissionsrenditen am Markt platziert werden. Die Anleger müssen sich daran gewöhnen, denn selbst bei den hochverzinslichen Papieren (High Yield) notieren mittlerweile 10 Prozent der gehandelten Euro-Papiere im negativen Renditeterrain.

Ausblick auf die kommende Woche

Verbraucherpreise im Euroraum

Die am heutigen Freitag für 16.00 Uhr unserer Zeit geplante Rede des US-Notenbankpräsidenten Jerome Powell im amerikanischen Jackson Hole wird mit großer Spannung erwartet. Mögliche Hinweise zur künftigen US-Geldpolitik könnten Einfluss auf die Marktentwicklung in der kommenden Woche haben.

Mit Blick auf die Daten stehen am kommenden Freitag die Verbraucherpreise im Euroraum für den August im Mittelpunkt. Der Konsens liegt mit einem Anstieg von jeweils einem Prozent sowohl für die Gesamt- als auch die Kernrate weiterhin deutlich unter der von der EZB gesteckten Zielmarke von gut zwei Prozent. Darüber hinaus wird der Ifo-Index weiter Aufschluss über die Stimmung in der deutschen Wirtschaft geben. Es wird mit einem leichten Anstieg auf 96 Punkte gerechnet.

Am US-Markt steht der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter im Juli an. Nicht zuletzt wird aufgrund der schwankungsreichen Flugzeugbestellungen ein Plus in Höhe von 1,1 Prozent erwartet.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 23. August 2019, soweit nicht anders angegeben.

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