Marktrückblick und -ausblick 35. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 30. August bis 3. September 2021

    Diese Woche: Inflation steigt weiter deutlich an

Die Preissteigerung in Deutschland und im Euroraum liegt weiter auf hohem Niveau. Gleichzeitig mehren sich vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Donnerstag im Rat die kritischen Stimmen zur expansiven Geldpolitik. Vor allem stehen dort die Anleiheankäufe im Blickpunkt. Ungeachtet dessen hat aber die Aussicht auf ein lang anhaltend niedriges Zinsniveau und die fortgesetzte Erholung der Wirtschaft die Aktienbörsen in der Berichtswoche wieder begünstigt. Die großen Märkte lagen durchweg im Plus, teils wurden wieder Rekordstände erreicht. Im Staatsanleihesektor tat sich vor der EZB-Sitzung eher wenig. Bundesanleihen gaben etwas nach, deren Renditen stiegen leicht an.

Inflation auf hohem Niveau, sowohl in Deutschland als auch in der gesamten Eurozone

Die deutsche Inflation bewegte sich auch im August auf erhöhtem Niveau. Mit einem Anstieg von 3,4 Prozent gemäß EU-Berechnung (harmonisierter Verbraucherpreisindex, HVPI) respektive 3,9 Prozent nach nationaler Rechnungslegung (ein 28-Jahreshoch) hat die Preissteigerung weiter kräftig zugelegt. Die Inflation im Euroraum sprang im August ebenfalls stark an und kletterte von 2,2 auf 3,0 Prozent. Basis- bzw. Sondereffekte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gelten immer noch als Haupttreiber dieser Entwicklung. Auffällig war jedoch, dass sich die um schwankungsanfällige Energie- und Nahrungsmittelpreise bereinigte Kernrate ebenfalls deutlich von 0,7 auf 1,6 Prozent erhöhte.

Dies ging in der Berichtswoche nicht spurlos an der Europäischen Zentralbank vorbei. Einige Ratsmitglieder, die einen eher restriktiven geldpolitischen Kurs befürworten, haben sich entsprechend zum Geschehen geäußert. In erster Linie wurden die Debatte über die Wertpapierankaufprogramme angestoßen. Das EZB-Treffen am kommenden Donnerstag dürfte damit an Brisanz gewinnen. Bleibt die Frage, ob sich innerhalb des EZB-Rats wirklich Mehrheiten finden lassen, die einen Umschwung der expansiven Geldpolitik ermöglichen würden. Ein „Wegschauen“ bei der Inflationsentwicklung mit Verweis auf vorübergehende Effekte dürfte angesichts der aktuellen Zahlen immer schwieriger werden. Dennoch dürfte mit Blick auf 2022 von einer „Normalisierung“ der Preissteigerungsraten im Rahmen wegfallender Sondereffekte auszugehen sein.

Wirtschaftsstimmung im Euroraum weiter gut

Der für August ermittelte Economic Sentiment Index (ESI) für die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich im August mit 117,5 Punkten gegenüber Juli um 1,5 Punkte und damit etwas stärker als erwartet abgeschwächt. Dieser bleibt aber auf hohem Niveau und oberhalb des langfristigen Durchschnitts. Damit verbunden geht ein klares Wachstumssignal einher, wenngleich die Ausbreitung der Delta-Variante die Stimmung sowohl bei Dienstleistern als auch Konsumenten etwas dämpfte. Auf Länderebene zeigte sich Deutschland mit einem Rückgang von 0,3 Punkten im Vergleich mit anderen größeren Volkswirtschaften sehr stabil.

China enttäuscht mit Einkaufsmanager-Daten

Die für den Monat August veröffentlichten chinesischen Einkaufsmanagerindizes riefen unter den Anlegern alles andere als Begeisterungsstürme hervor. Der offizielle Gesamtindex tendierte schwach und fiel mit 48,9 Zählern seit langem erstmals unter die 50-Punkte-Marke. Tendenziell zeigten sich alle Komponenten mit Ausnahme des Bausektors rückläufig. Wir dürften insgesamt ein schwächeres drittes Quartal sehen, hoffen aber aufgrund der Zahlen aus der Baubranche dann auf eine Erholung im vierten Quartal des laufenden Jahres.

Schwacher US-Stellenzuwachs im August

In den USA zeigte sich das Konsumentenvertrauen (Conference Board) rückläufig. Von 129,1 ging es deutlich auf 113,8 Punkte runter. Am US-Arbeitsmarkt war die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche mit 340.000 leicht rückläufig und auch geringer als erwartet. Bei den im August neu geschaffenen Stellen (non farm payrolls) gab es dann am Freitagnachmittag noch eine herbe Enttäuschung. Mit 235.000 neuen Jobs blieb die Erholung am US-Arbeitsmarkt deutlich hinter den Erwartungen der befragten Analysten zurück. Laut Bloomberg hatten diese im Durchschnitt mit einem Aufbau von 725.000 Arbeitsplätzen gerechnet. Die Arbeitslosenquote ging wie erwartet von 5,4 auf 5,2 Prozent zurück.

    Aktien: Rekordjagd setzt sich fort

An den Aktienbörsen setzte sich in der Berichtswoche der positive Trend fort. Die Diskussion um eine Reduzierung der Anleihekäufe durch die Zentralbanken lastete nicht auf der positiven Stimmung. Mit der Rede des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell auf dem Finanzkongress im US-amerikanischen Jackson Hole setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Niedrigzinspolitik noch lange Bestand haben dürfte. Wenngleich die jüngsten Inflationsdaten für Unsicherheit sorgten. Dennoch floss auch zuletzt wieder massiv Anlagekapital in die Aktienmärkte.

So konnten in der Berichtwoche wieder einige Indizes neue Rekordstände verzeichnen. In den USA betraf dies den S&P 500-Index sowie den Nasdaq 100-Index. In Europa kletterten der EURO STOXX 50-, der STOXX Europe 600-Index sowie der MDAX auf neue Höhen. Aus markttechnischer Sicht sind die Aufwärtstrends intakt. Insgesamt tendierten nahezu alles großen Aktienbörsen in der Berichtswoche ins Plus. Vor allem die in jüngster Vergangenheit stark unter Druck geratenen asiatischen Märkte konnten in der Berichtswoche deutlich zulegen. Der Nikkei 225- und der chinesische HSCEI-Index stiegen um 5,4 bzw. 3,7 Prozent an. Der MSCI-World-Index verbuchte per Freitagmorgen ein Plus von einem Prozent. Die Zugewinne der großen Indizes in den USA und Europa lagen zwischen 0,5 und 1,5 Prozent. Der DAX 30 tat sich etwas schwerer und blieb unterhalb der 16.000er-Marke zur Vorwoche unverändert (per Freitagvormittag).

Technologie und Versorgertitel gefragt

Hinsichtlich der Branchenentwicklung im STOXX Europe 600-Index lagen Technologieaktien vorne, der entsprechende Sub-Index gewann 2,3 Prozent hinzu. Es folgten die als defensiv einzustufenden Versorgertitel, die 1,7 Prozent im Plus lagen. Dividendentitel aus der Telekommunikationsbranche gaben hingegen 1,5 Prozent ab und bildeten branchenseitig das Schlusslicht. Insgesamt zeigte sich die Sektorentwicklung in der Berichtswoche mit zahlreichen kleinen Zugewinnen und Verlusten recht uneinheitlich.

    Renten: Kritischen EZB-Stimmen zur Geldpolitik folgen Kursverluste

Die Entwicklung an den Kern-Staatsanleihemärkten war in der Berichtswoche uneinheitlich. Während US-Treasuries nahezu unverändert tendierten, kam es bei den Bundesanleihen zu Kursverlusten. Die Bund-Renditen stiegen im richtungsweisenden Zehnjahresbereich um vier Basispunkte an. Die zunehmende Tapering-Diskussion und die zuletzt kritischen Stimmen innerhalb der EZB haben für etwas Abkopplung vom US-Markt gesorgt. Der Fokus der Anleger befand sich zuletzt eher auf dem deutschen Staatsanleihemarkt. Die als Transatlantik-Spread bezeichnete Renditedifferenz zwischen bundesdeutschen und US-Staatspapieren mit zehn Jahren Laufzeit hat sich seit Mitte August sukzessive von 182 auf zuletzt 168 Basispunkte eingeengt. Die US-Zinskurve zeigte sich in der Berichtswoche kaum verändert, während die Bund-Kurve über die langen Laufzeiten (30 Jahre plus sechs Basispunkte) etwas steiler tendierte. In den südlichen Peripherieländern des Euroraums waren parallel zur Bund-Entwicklung leicht ansteigende Renditen zu beobachten. Der Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereigns) gab bis Donnerstagabend leicht um 0,2 Prozent nach.

Trotz der eher verhaltenen Stimmung konnte der Bund in der Berichtswoche problemlos einen neuen Langläufer mit Fälligkeit in 30 Jahren platzieren. Die 5,5 Milliarden Euro schwere Anleihe verzeichnete eine Nachfrage in Höhe von gut 18 Milliarden Euro. Darüber hinaus wurde das Volumen einer bereits platzierten Bundesobligation erfolgreich erhöht. Letzteres war auch am griechischen Bond-Markt der Fall. Die Aufstockungen der beiden 2026 und 2052 fälligen Titel waren mehrfach überzeichnet. Der Neuemissionsmarkt kommt nun vor dem Hintergrund der auslaufenden Sommerpause auch auf Staatsanleiheseite langsam aber sicher in Schwung.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am Donnerstag tagt die Europäische Zentralbank. Zuletzt verschafften sich kritische Stimmen im EZB-Rat über die Presse deutliches Gehör und verschärften die Diskussion hinsichtlich einer Reduzierung der Anleiheankäufe. Zudem betonte EZB-Vizepräsident de Guindos, dass es bei einer Erholung der Euro-Wirtschaft und der Inflationsentwicklung zu einer schrittweisen Normalisierung der Geldpolitik kommen werde. Damit besteht viel Diskussionsbedarf, der Ausgang des Treffens wird mit großer Spannung erwartet.

Darüber hinaus werden am Dienstag die deutsche Industrieproduktion für Juli und der ZEW-Index für September bekanntgegeben.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 3. September 2021, soweit nicht anders angegeben.

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