MarktTicker 13. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 29. März bis 01. April 2021

    Diese Woche: Anleger weiter zuversichtlich

Trotz der laufenden dritten Pandemiewelle und der damit einhergehenden Lockdown-Maßnahmen herrschte in der verkürzten Handelswoche vor Ostern vor allem in Europa Optimismus unter den Anlegern. Die in den USA auf Hochtouren laufende Impfkampagne und das dortige Konjunkturpaket, die fortgesetzt lockere Geldpolitik der Zentralbanken sowie das Ende der Blockade des Suezkanals sorgten für gute Unterstützung. Der DAX 30-Index überschritt erstmals die 15.000er-Marke. An den Anleihemärkten waren weitere Verluste zu verzeichnen, wenngleich die Dynamik des damit einhergehenden Renditeanstiegs merklich nachließ.

Deutsche Inflation im März bei 2,0 Prozent

Die über den Harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI errechnete deutsche Inflationsrate stieg im März auf Basis einer ersten Schnellschätzung im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent an. Damit wurde die Zwei-Prozentmarke erstmals seit zwei Jahren wieder erreicht.

Für den Euroraum ergab sich im gleichen Zeitraum ein Anstieg von 0,9 auf 1,3 Prozent, der damit leicht unterhalb der von Bloomberg befragten Analysten (1,4 Prozent) lag. In erster Linie zeigt sich die Energiekomponente für den Anstieg verantwortlich, diese lag 4,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Kernrate war mit 0,9 Prozent hingegen rückläufig (zuvor 1,1 Prozent). Die Europäische Zentralbank peilt für den Euroraum eine Preissteigerung von mittelfristig um die zwei Prozent an.

Positive Daten aus China und den USA

Die chinesischen Einkaufsmanagerindizes (PMIs) wiesen im März unerwartet hohe Steigerungsraten auf. Das Verarbeitende Gewerbe lag bei 51,9 (50,6) Punkten, der Dienstleistungssektor schoss von 51,4 auf 56,3 Punkte.

In den USA stieg das Conference Board-Verbrauchervertrauen im März deutlich von 91,3 auf 109,7 Punkte an und lag weit über den Schätzungen (96 Punkte). Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen zogen deutlich an. Die dynamische Erholung der amerikanischen Wirtschaft erhält somit von Konsumentenseite eine sehr gute Unterstützung.

Mit der Freilegung des havarierten Frachters im Suezkanal hat sich zudem die internationalen Lieferketten betreffend eine Entspannung eingestellt.

    Aktien: DAX 30-Index überschreitet erstmals 15.000er Marke

In der Berichtswoche zeigten sich vor allem die europäischen Börsen von ihrer freundlichen Seite. Der DAX 30-Index kletterte am Donnerstag auf fast 15.100 Punkte und knackte damit die 15.000er Marke. Dies entspricht einem Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Schluss vom Vorfreitag. Im ersten Quartal legte der deutsche Leitindex um 9,4 Prozent zu. Auch der EURO STOXX 50-Index schwang sich zu neuen Höhen auf und legte um knapp zwei Prozent zu. Der Trend zu Investments in zyklische bzw. Value-Aktien hielt unvermindert an. Etwas abgeschlagen zeigten sich im Vergleich die US-Börsen, die eher mit dem jüngsten Renditeanstieg am US-Staatsanleihemarkt zu kämpfen hatten. Der Dow Jones Industrial Average lag vor dem Start am Donnerstag mit 0,2 Prozent im Minus, der S&P 500-Index tendierte seitwärts. Der Nasdaq 100-Index lag mit 0,9 Prozent leicht im Plus wie auch der japanische Nikkei 225, der 0,8 Prozent zulegte. Der MSCI World-Index tendierte nahezu unverändert seitwärts.

Branchen: Hedgefonds-Schieflage drückt zwischenzeitlich auf Bankensektor

Die Schieflage eines eher weniger bekannten US-Hedgefonds (Archegos Capital Management) sorgte in der Berichtswoche für Schlagzeilen. Presseberichten zufolge hatte der Hedgefonds sowohl in verschiedene US-Medien- und Internettitel als auch in chinesische Unternehmen investiert. Da die erhoffte Kursentwicklung ausblieb, wurden weitere Sicherheiten seitens der Banken bzw. Broker fällig gestellt. Da sich der Fonds jedoch nicht mehr in der Lage sah, die Marginvereinbarungen einzuhalten, kam es zu Zwangsverkäufen der hinterlegten Aktienpakete im Volumen von rund 20 Milliarden US-Dollar.

Neben Großbanken wie Nomura und der Credit Suisse wurden in der Presse Goldman Sachs und Morgan Stanley als involvierte Institute benannt. Sowohl Nomura als auch vor allem die Credit Suisse scheinen Berichten zufolge nach den Glattstellungen auf größeren Verlusten sitzenzubleiben. Beide Finanzinstitute gaben gleich zu Wochenbeginn Gewinnwarnungen aus. Bei der Credit Suisse scheint ein Dividendenausfall wahrscheinlich.

Der STOXX 600 Europe-Bankenindex kam zum Wochenauftakt zunächst unter Druck, konnte sich aber nach Abwicklung der Zwangsverkäufe und im freundlichen Aktienmarktumfeld wieder rasch erholen. Der Branchenindex lag per Donnerstagvormittag mit 0,5 Prozent leicht im Plus. Auf Einzeltitelebene notierte die Aktie der Deutschen Bank - als einziger DAX 30-Wert - mit 1,8 Prozent im Minus. Die Commerzbank tendierte mit 1,2 Prozent gegenüber Vorfreitagsschluss hingegen ins Plus. Die Aktie der Credit Suisse stand im Berichtszeitraum hingegen mit 18,5 Prozent im Minus. Dort schauen nun auch die Ratingagenturen genauer hin.

      Renten: Renditen legen wieder etwas zu

Bundesverfassungsgericht stoppt Ratifizierung des EU-Wiederaufbaufonds

Es war eine kurze, aber ungewöhnliche Mitteilung: Am Nachmittag des 26. März informierte das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) über einen „Hängebeschluss zur Ausfertigung des Eigenmittelbeschluss-Ratifizierungsgesetzes“. Dahinter verbirgt sich ein kleiner Paukenschlag. Karlsruhe untersagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bis auf Weiteres die Ausfertigung des Zustimmungsgesetz zum Corona-Wiederaufbaufonds „Next Generation EU“ (NGEU). Die Ratifizierung des 750 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramms liegt damit zunächst auf Eis, obwohl sowohl Bundesrat und Bundestag mit breiter Mehrheit zugestimmt haben. Ohne die Unterschrift Steinmeiers tritt das Gesetz nicht in Kraft und der Vertrag gilt völkerrechtlich für Deutschland als nicht bindend.

Mit den Gipfelbeschlüssen vom Juli 2020 hat sich die EU auf einen umfangreichen Wiederaufbauplan geeinigt. Die Idee: Besonders stark von der Pandemie betroffene Länder sollen Hilfe bei der Überwindung der wirtschaftlichen Folgeschäden erhalten. Das Gesamtpaket teilt sich in Kredite über 360 Milliarden Euro zu günstigen Konditionen und – neu für europäische Verhältnisse – relativ bedingungslos vergebene, nicht zurückzuzahlende Zuschüsse über 390 Milliarden Euro. Neu ist auch die Finanzierung. Die EU soll über Kreditvergabe die Ausgaben finanzieren, während die Mitgliedsländer über ihre jährlichen Beiträge (also die „Eigenmittel“) im Zeitverlauf Tilgung und Zinsdienst sicherstellen.

Die Kläger argumentieren, dass die EU gemäß der Europäischen Verträge (Artikel 311 AEUV) gar keine eigenen Schulden aufnehmen darf. Es wird der Einstieg in eine Haftungs- bzw. Transferunion befürchtet, wenn in der Zukunft finanzschwache Mitglieder ihren Teil der Rückzahlungsverpflichtungen ggf. nicht mehr übernehmen könnten. Wie sich das Karlsruher Gericht gegenüber der Klage auf „Erlass einer einstweiligen Anordnung“ schließlich verhalten wird, ist offen. In der Vergangenheit hat sich das BVerfG zwar häufig kritisch zu Verlagerungen fiskal- oder geldpolitischen Entscheidungsbefugnisse auf die europäische Ebene geäußert, aber nie eine Maßnahme gestoppt.

Das wahrscheinlichste Szenario könnte aus einem positiven „ja, aber“-Entscheid des BVerfG, das den Spielraum der Bundesregierung zwar einengt, ihn aber nicht gänzlich nimmt, bestehen.

Peripherieanleihen: Risikoprämien zu Bundesanleihen seitwärts

An den Bondmärkten war mit Blick auf die Euro-Peripherie die Reaktion auf das Bundesverfassungsgericht verhalten. Die Renditen in den Südländern zogen im richtungsweisenden Zehnjahresbereich zumeist leicht um fünf bis sechs Basispunkte an. Da auch die zehnjährige Bundrendite in gleichem Maße anstieg, war die Spreadentwicklung letztlich seitwärtsgerichtet. Die deutsche Zinskurve tendierte über alle Laufzeiten um bis zu fünf Basispunkte nach oben.

Am US-Anleihemarkt setzte sich der Zinsanstieg ebenfalls fort. In der gesamten Woche lag die Zehnjahresrendite der US-Treasuries über der 1,7-Prozentmarke (zuletzt 1,72 Prozent). Auf der US-Zinskurve fiel der Renditeanstieg vor allem im Laufzeitbereich von fünf bis zehn Jahren deutlich aus. Die langen Laufzeiten waren hiervon weniger betroffen. Die Renditedifferenz zwischen US-Treasuries und Bundesanleihen (Transatlantikspread) hatte sich in der Berichtwoche auf ein Jahreshoch bei 204 Basispunkten ausgeweitet.

      Ausblick auf die kommende Woche

In der um den Ostermontag verkürzten Handelswoche stehen vergleichsweise wenige Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Mit dem Auftragseingang am Donnerstag und der Industrieproduktion am Freitag stehen für die deutsche Wirtschaft zwei nennenswerte Daten auf der Agenda. Bei der Industrieproduktion soll es den Schätzungen zufolge im Februar zu einem deutlichen Umschwung ins Plus gekommen sein. In den USA dürften neben dem Protokoll der letzten Notenbanksitzung die Produzentenpreise von größerem Interesse sein.

Wir wünschen Ihnen ein frohes Osterfest!

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