MarktTicker 15. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 06. bis 09. April 2020

    Diese Woche: EU-Finanzministertreffen bislang ohne Ergebnis

Freundliche Aktienbörsen

In der um den Karfreitag verkürzten Handelswoche setzte sich die Erholungsbewegung an den Finanzmärkten fort. Auch wenn noch keine Entwarnung bei der Corona-Ausbreitung gegeben werden kann, verbuchten die Aktienbörsen weltweit Zugewinne. So konnte ein weiterer Teil der im März erlittenen hohen Verluste wieder aufgeholt werden. Vor allem in den USA kam es zu größeren Kursgewinnen, dort waren bei den großen Indizes bis Donnerstagmittag Zuwachsraten zwischen zehn und elf Prozent zu beobachten. Einhergehend mit der rückläufigen Risikoaversion erlitten die als sichere Anlagehafen geltenden Staatsanleihen aus den USA und Deutschland Kurseinbußen. Entsprechend zogen dort die Renditen etwas an.

Noch keine Einigung in der Eurogruppe, Treffen wird heute fortgesetzt

Für Enttäuschung sorgte die bislang erfolglose Vertagung der Eurorunde auf den heutigen Donnerstag. Trotz einer nach Presseberichten wohl starken Annäherung der Positionen blieb eine Übereinkunft zu Maßnahmen hinsichtlich der Stimulierung der europäischen Wirtschaft bisher aus. Beim heutigen Nachsitzen scheint neben Italien wohl auch die französische Seite für eine gemeinschaftliche Haftung für die Kapitalmarktrefinanzierung des Fonds, im Raum stehen 400 bis 500 Milliarden Euro, zu votieren. Was jedoch für Deutschland und die Niederlande nicht in Frage kommt. Italien wird es vermeiden, ESM-Hilfe mit entsprechenden Bedingungen zu akzeptieren. Jedenfalls wird ein Anstieg des italienischen Schuldenstandes auf 145 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in 2020/2021 unvermeidlich sein. Die nächsten Ratingüberprüfungen für Italien stehen Ende April und Anfang Mai an, wir rechnen zunächst nicht mit einer Veränderung der aktuellen Einschätzungen. Am italienischen Anleihemarkt hat sich die Lage beruhigt, die Risikoaufschläge zu Bundesanleihen tendierten zuletzt, auch mit Unterstützung des Ankaufprogramms der EZB, eher seitwärts.

US-Arbeitsmarkt: Erstanträge wieder bei über sechs Millionen

Die am heutigen Donnerstagmittag in den USA veröffentlichten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen genauso desaströs aus wie in der Vorwoche. Mit 6,6 Millionen Anträgen wurde fast auf den Punkt das Vorwochenniveau erreicht. Gleichzeitig hat die US-Notenbank Fed weitere Maßnahmen zur Abfederung der Belastung durch das Corona-Virus bekanntgegeben. Dabei sollen sowohl kleine als auch mittelgroße Unternehmen sowie die Kommunen und die Bundesstaaten unterstützt werden. Das Volumen hierfür beläuft sich auf 2,3 Billionen US-Dollar.

    Aktien: DAX wieder über 10.000 Punkten

An den Aktienbörsen setzte sich in der Berichtswoche die seit Mitte März zu beobachtende Erholungsbewegung fort. Der DAX 30-Index kletterte wieder über 10.000er Marke und stieg bis auf 10.600 Punkte an. Damit nähern wir uns dort allmählich einer 50-Prozentreaktion auf die vorangegangenen Verluste an. Insgesamt lagen sämtliche internationalen Aktienindizes im Plus. Vor allem stachen die US-Börsen (S&P 500- und Nasdaq-Index sowie DJIA) heraus, die mit rund 10,5 Prozent im Schnitt zweistellig zulegen konnten. Der MSCI World-Index gewann 7,6 Prozent hinzu

Branchen: Bis auf den Ölsektor alles im grünen Bereich

Bei den im STOXX Europe 600-Index gelisteten Branchen lagen nahezu alle im Plus. Ganz weit vorne stand der zuletzt stark unter Druck geratene Reise- und Freizeitsektor (plus 21,1 Prozent). Darüber hinaus waren zyklische Sektoren wie etwa der Automobilbereich gefragt (plus 12,6 Prozent). Entgegen den freundlichen Gesamttrend wurden Firmen aus dem Bereich Öl&Gas gehandelt. Diese lagen mit drei Prozent im Minus. Der Ausgang des heutigen OPEC+-Treffens war mit Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Es steht in Frage, ob es wirklich zu Förderkürzungen kommen wird. Auf jeden Fall herrscht angesichts der aktuellen Wirtschaftslage nach wie vor ein enormes Überangebot an Rohöl an den Märkten.

Berichtssaison läuft an

Mit dem Ablauf des ersten Quartals nimmt nun langsam die Berichtssaison an Fahrt auf. Die Datenlage ist von den Auswirkungen der Corona-Ausbreitung geprägt. Die Unternehmen zeigen sich bezüglich ihrer Ausblicke und Einschätzungen mehr oder weniger auskunftsfreudig. Insgesamt ist die Situation von geringer Visibilität geprägt. Die Analysten reagieren nur verzögert mit deutlich nach unten reduzierten Gewinnschätzungen.

    Renten: Angebotsdruck sorgt für steigende Renditen

Diskussion über Schulden-Vergemeinschaftung belastet Bundesanleihen

An den Euro-Staatsanleihemärkten (iBoxx € Sovereigns-Index) prägten weitere Kursverluste das Geschehen. Die steigende Verschuldung im Euroraum und eine künftig verstärkte Neuemissionstätigkeit auf Staatsanleiheseite als Folge der Corona-Finanzierungsmaßnahmen wirkte sich belastend aus. Die deutsche Finanzagentur beispielsweise hat hinsichtlich ihrer Emissionsankündigungen jüngst für das zweite Quartal wie auch für das zweite Halbjahr noch einmal ordentlich nachgelegt. Es wird hierbei wohl auch erweiterte Anleiheformate geben, so will der Bund künftig auch Bundesanleihen mit Laufzeiten von sieben sowie 15 Jahren emittieren.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die Zehnjahresrendite in der Berichtswoche um 14 Basispunkte auf minus 0,31 Prozent an. Die Zinsstrukturkurve verschob sich nach oben und tendierte zudem etwas steiler.

Bei den US-Treasuries zog die Zehnjahresrendite ebenfalls um 15 Basispunkte an. Die dortige Zinskurve nahm auch einen etwas steileren Verlauf an.

Ruhiger Handel in der Peripherie

Steigende Renditen, aber ein vergleichsweise ruhiger Handel, waren auch in der Peripherie zu beobachten. Der Renditespread spanischer und italienischer Papiere zu Bundesanleihen weitete sich aber nicht aus, die Tendenz war seitwärtsgerichtet. Anleihen aus Portugal und Griechenland verzeichneten hingegen einen leichten Rückgang bei den Aufschlägen zu Bundespapieren. Italien platziert am heutigen Donnerstag einen Bond mit einem Volumen von neun Milliarden Euro, woraufhin der BTP-Future etwas zur Schwäche neigte.

Euro-Unternehmenspapiere und EM-Anleihen stabilisiert

Mit etwas Verzögerung setzte auch am Markt für Euro-Unternehmensanleihen die Erholung ein. Dieser zeigte sich zuletzt so gut wie leergefegt, das Kaufinteresse der Anleger überwog deutlich. Noch zu Wochenbeginn hatte die hohe Anzahl von Neuemissionen für etwas Unbehagen gesorgt. Dennoch konnte sich die verbesserte Stimmung auch dort durchsetzen. Die Risikoprämien engten sich auf Gesamtmarktebene (ICE BofA Euro Corporate-Index) bis Mittwochabend um zehn auf 184 Basispunkte ein. Die in der Berichtswoche am Primärmarkt offerierten Neuemissionen wurden weitestgehend erfolgreich platziert.

Sehr erfreulich verlief auch der Primärmarkt für Anleihen aus den Schwellenländern. Dort waren vor allem Papiere von Emittenten mit gutem Rating gesucht. Diese konnten im folgenden Handel weitere Kursgewinne verbuchen. Mit Abu Dhabi und Katar platzierten zuletzt Emittenten aus diesem Bereich erfolgreich neue Papiere, die Orderbücher waren sehr hoch überzeichnet. Auch bei den in US-Dollar und Euro denominierten EM-Anleihen haben sich die Spreads auf Gesamtmarktebene wieder eingeengt. Nach in der Spitze 720 Basispunkten Aufschlag zu US-Schatzanweisungen lagen diese aktuell bei 620 Basispunkten.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am kommenden Freitag geben in China die BIP-Daten zum 1. Quartal Auskunft darüber, wie stark die dortige Wirtschaft unter der Corona-Pandemie gelitten hat. Weitere wichtige Daten kommen aus den USA. Die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion werden Aufschluss über das Ausmaß des dortigen wirtschaftlichen Einbruchs geben. Die je nach US-Bundesstaat bei den Maßnahmen unterschiedlich getroffenen Zeitpunkte und Vorgehensweisen dürften eine Gesamtschau auf die USA etwas erschweren, aber immerhin einen ersten Eindruck vermitteln.

Wir wünschen unseren Lesern ein frohes (und gesundes) Osterfest!

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 9. April 2020, soweit nicht anders angegeben.

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