MarktTicker 9. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 24. bis 28. Februar 2020

    Was diese Woche wichtig war: Virusausbreitung - Anleger fliehen in Sicherheit

Aktien unter starkem Abgabedruck, sichere Staatsanleihen gesucht

Die zunehmende Verbreitung der SARS-CoV-1-Erkrankungen außerhalb Chinas und deren Folgen für den Welthandel führte in den vergangenen Tagen zu deutlichen Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten. Im Gegenzug waren die als sicher geltenden Staatsanleihen aus den USA sowie deutsche Bundespapiere gesucht. Deren Renditeentwicklung war infolge der Kursgewinne deutlich nach unten gerichtet. Die Marktentwicklung wurde von einer hohen Volatilität begleitet. Angesichts der drohenden wirtschaftlichen Folgen steigen die Erwartungen der Anleger in Hinsicht auf Unterstützungsmaßnahmen sowohl von fiskalischer Seite als auch seitens der Notenbanken. Bislang ergab sich hierbei aber wenig Konkretes. Sowohl bei der Fed als auch bei der Europäischen Zentralbank sind die Debatten über die künftigen geldpolitischen Strategien schon länger im Gange, ohne dass heute schon Ableitungen daraus gezogen werden könnten. Die Zinssenkungserwartungen gegenüber der Fed spiegelten sich auch am Devisenmarkt wider. Der US-Dollar verlor in der Berichtswoche in der Spitze knapp zwei Prozent gegenüber dem Euro und notierte bei 1,1050 (US-Dollar je Euro).

Konjunktur: Ifo-Index

Die aktuelle Entwicklung hat die in der Berichtswoche anstehenden Konjunkturdaten weitgehend überdeckt. Am Montag überraschte der Ifo-Geschäftsklimaindex für die deutsche Wirtschaft im Februar. Das Stimmungsbarometer kletterte gegenüber Januar um 0,1 auf 96,1 Punkte. Positiv war vor allem, dass die Erwartungskomponente zulegte und die 9.000 befragten Unternehmen etwas optimistischer in die Zukunft schauen. Angesichts der aktuellen Entwicklung dürfte aber die Aussagefähigkeit der jüngst ermittelten Zahlen mit einigen Fragezeichen versehen sein.

    Aktien: Deutliche Kursverluste

MSCI-World verliert knapp zehn Prozent

Stand Freitagvormittag waren an den Aktienbörsen im Wochenverlauf zumeist zweistellige prozentuale Einbußen zu beobachten. In den USA verloren Dow Jones Industriel Average, S&P 500-Index sowie Nasdaq im Durchschnitt zwölf Prozent.

Im Euroraum lagen DAX30-Index, Euro STOXX 50-Index sowie STOXX Europe 600-Index jeweils mit etwas mehr als 13 Prozent im Minus. In Asien verbuchte der Hang Seng China Enterprise-Index mit 4,5 Prozent etwas geringere Verluste. Der Nikkei 225 büßte rund zehn Prozent ein. Aus Gesamtmarktsicht gab der MSCI World-Index 9,4 Prozent ab.

Branchen prozentual zweistellig im Minus

Bei der Branchenentwicklung im STOXX 600 Europe ragte der Reisesektor mit einem Verlust in Höhe von 19 Prozent heraus. Grundstoffe folgten mit minus 17 Prozent. Letztlich verloren aber alle Branchensektoren im Wochenvergleich zweistellig.

Lufthansa-Aktie verliert 21 Prozent

Im DAX30-Index erlitt im Rahmen der Branchenentwicklung die Aktie der Lufthansa den größten Verlust. Auf rund minus 21 Prozent belief sich der Kurseinbruch bis Freitagvormittag. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank und die Münchener Rück folgten mit 17 beziehungsweise 16 Prozent. Die geringsten Verluste auf der durchweg im roten Bereich liegenden Wertentwicklungsliste des DAX 30-Index verzeichneten die Deutsche Börse, Eon sowie Vonovia, die im Schnitt jeweils knapp 8,5 Prozent einbüßten.

    Renten: Zehnjährige US-Staatsanleihen auf historischem Renditetief

Zinsstrukturkurven nach unten verschoben

Am US-Rentenmarkt gingen mit der Verunsicherung deutlich rückläufige Renditen einher. Die Flucht in sichere Anlagen führte zu einem historischen Renditetief (1,16 Prozent) bei zehnjährigen US-Treasuries. Dabei spekulierten die Anleger auf mehrere Leitzinssenkungen durch die US-Notenbank Fed. Dies war an den Fed Funds-Futures abzulesen, dort waren marktseitig für Temin Dezember 2020 zwischenzeitlich drei Zinssenkungen durch die Zentralbank eingepreist. Die Zinssenkungserwartungen spiegelten sich vor allem in der Entwicklung der kurzen Laufzeiten auf der Zinsstrukturkurve wider. Fälligkeiten in einem, zwei oder drei Jahren verzeichneten Renditerückgänge zwischen 34 und 38 Basispunkten. Dies war mehr als in den langen Laufzeitbereichen, sodass sich die Zinskurve nicht nur deutlich nach unten verschob, sondern sich über die kurzen Laufzeiten auch versteilte.

Die Bundkurve tendierte, ebenfalls deutlich nach unten verschoben, hingegen etwas flacher. Die Zehnjahresrendite lag mit minus 0,6 Prozent aber noch über dem Tief vom August 2019 (minus 0,72 Prozent). Auch gegenüber der Europäischen Zentralbank hat sich die Erwartungshaltung in Hinsicht auf einen weiteren abwärts gerichteten Zinsschritt im Juni erhöht. Eine Leitzinssenkung um zehn Basispunkte bis September gilt am Markt als eingepreist.

Die als Transatlantikspread bezeichnete Renditedifferenz zwischen deutschen und US-amerikanischen Staatsanleihen engte sich bis Freitag aufgrund des starken Anstieges der US-Treasuries auf rund 180 Basispunkte ein.

Euro-Peripherie: Deutliche Renditeausweitung zu Bundesanleihen

Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie litten hingegen unter einem Abverkauf. Im Rahmen der Virusverbreitung sind die Risiken für ein Abgleiten der Volkswirtschaften in eine Rezession gestiegen. Die Aussicht auf fiskalische Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft ist zwar begrüßenswert, würde jedoch die Verschuldungssituation der Südländer, in erster Linie Italien, verschlechtern. Nach der guten Wertentwicklung in den vergangenen Monaten kam es daher an den Peripherie-Rentenmärkten zu einer deutlichen Gegenbewegung. Die Zehnjahresrenditen zogen zwischen zehn (Spanien) und 40 (Griechenland) Basispunkte an. Griechische Anleihen lagen mit 1,35 Prozent wieder deutlich oberhalb der Ein-Prozentmarke. Die Renditedifferenz zwischen deutschen und italienischen Papieren sprang auf 175 Basispunkte an. Noch Mitte Februar lag diese bei 122 Basispunkten. Der Gesamtmarkt für Euro-Staatsanleihen (iBoxx € Sovereigns) gab bis Donnerstagabend trotz der starken Bundbewegung leicht ab, was sich auch am Freitag fortgesetzt haben dürfte.

Europäische Unternehmensanleihen und auch Rentenpapiere aus den Schwellenländern gaben etwas ab, waren aber weit von einem Panikmodus entfernt. Es kam auf Indexebene zu leichten Spreadausweitungen. Der für Euro-Unternehmensanleihen repräsentative ICE BofA Euro Corp-Index etwa wies eine Spreadausweitung um acht auf 71 Basispunkte auf.

    Ausblick auf die kommende Woche

Die Entwicklung an den Finanzmärkten wird auch in der neuen Woche zweifellos von der Ausbreitung des Virus geprägt sein. Unter den anstehenden Konjunkturdaten werden die chinesischen Einkaufsmanagerindizes (Samstag, Montag und Mittwoch) am meisten Beachtung finden, mit erwartet deutlich rückläufigen Daten allerdings kaum für Überraschung sorgen. Dies gilt auch für die weiteren Veröffentlichungen, die nun zusehends unter dem Eindruck des Virus ihre Datenbasis fanden. Zu den wichtigen Zahlen gehören am Dienstag die Verbraucherpreise in der EWU für Februar, am Freitag die deutschen Auftragseingänge (Januar) sowie die US-Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls).

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 28. Februar 2020, soweit nicht anders angegeben.

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