MarktTicker 31. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 27. bis 31. Juli 2020

    Diese Woche: Erwartet starke BIP-Einbrüche im 2. Quartal, Fed hält still

Neben gemischten Wirtschaftsdaten hatten vor allem die Ausbreitung des Corona-Virus und die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen den größten Einfluss auf das Marktgeschehen. Die Aktienbörsen reagierten uneinheitlich. In den USA sorgten dann Apple, Amazon und Facebook mit ihren Quartalsberichten für eine etwas freundlichere Stimmung zum Wochenschluss. Sichere Staatsanleihen waren aufgrund der erhöhten Unsicherheit gesucht, die Renditen gaben etwas nach.

Deutsches BIP minus 10,1 Prozent im 2. Quartal

Bas deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im zweiten Quartal der ersten Schnellschätzung zufolge so stark wie nie zuvor in Nachkriegsdeutschland gefallen. Der historische Rückgang um 10,1 Prozent im Quartalsvergleich markiert den stärksten Einbruch der Wirtschaftsaktivität seit 75 Jahren. Selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise war das Minus nur etwa halb so groß. An den Finanzmärkten hat dies jedoch niemanden überrascht, denn das Ausmaß war absehbar. Wichtig wird nun, wie schnell die Wirtschaft wieder auf die Füße kommt. Es gibt ermutigende Anzeichen, dass der Tiefpunkt hinter uns liegt. Industrieproduktion, Einzelhandel und Export haben sich deutlich erholt. Eine Rückkehr zu alten Niveaus wird es aber so schnell nicht geben. Die Zweitrundeneffekte der Corona-Krise auf Konsum und Investitionen sowie die weltweit nach wie vor steigenden Neuinfektionen verhindern einen schnellen Aufschwung. Die Konjunkturerholung hat zwar begonnen, wird aber dauern.

In den Vereinigten Staaten fiel das US-BIP der ersten Schätzung des Handelsministeriums zufolge im zweiten Quartal um 9,5 Prozent, was einer (in den USA präferierten) annualisierten Rate von minus 32,9 Prozent entspricht. Die Erwartungen hatten mit minus 34,5 Prozent sogar noch tiefer gelegen.

US-Verbrauchervertrauen leicht angeschlagen

Etwas besser tendierten im Juni die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter. Nach einer schwachen Phase zeichnet sich dort mit einem Plus von 7,3 Prozent eine Erholung ab (Konsens 6,9 Prozent). Für moll-Töne sorgte hingegen das US-Verbrauchervertrauen (Conference Board), welches mit 92,6 Punkten im Juli auch unter den Erwartungen, die mit 95 Punkten bereits unterhalb des Vormonatswertes angesetzt waren, lag. Die Stimmung hat sich vor allem durch die verstärkte Corona-Ausbreitung in den bevölkerungsreichen US-Bundesstaaten eingetrübt. Zudem lagen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 1,434 Millionen weiterhin auf einem hohen Niveau.

Unser Konjunkturbild, das eher eine moderate und langsame Erholung der US-Wirtschaft vorsieht, wird somit bestätigt.

Die am Freitag veröffentlichten chinesischen Einkaufsmanagerindizes (PMI) belegen mit 54,1 Punkten, das sich die chinesische Wirtschaft weiter auf dem Erholungspfad bewegt. China scheint im Vergleich mit anderen Regionen besser durch die Krise zu kommen. Eine erneute Ausbreitung von Corona mahnt aber auch hier zur Vorsicht.

Ifo-Index steigt deutlich an

In Deutschland zeigte sich der Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli vor allem dank einer optimistischen Erwartungskomponente mit 90,5 Punkten deutlich besser. Dies war mehr, als die durch die Agentur Bloomberg befragten Analysten (89,3 Punkte) erwartet hatten. Erfreulich war vor allem, dass sich der Anstieg in voller Breite über die Gesamtwirtschaft hinweg vollzog.

 

US-Notenbank Fed hält wie erwartet an geldpolitischer Ausrichtung fest

Die US-Notenbank Fed hielt auf ihrer Sitzung am Mittwoch die Leitzinsen unverändert. Zur Förderung der günstigen Refinanzierungsbedingungen für Haushalte und Unternehmen wird die Fed auch in den kommenden Monaten Wertpapiere erwerben. Der Fed-Vorsitzende Powell unterstrich in der Pressekonferenz mehrfach, dass das Fed-Board zudem bereitstünde, jederzeit zu reagieren und im Bedarfsfalle alle Instrumente nutzen würde, um eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft sicherzustellen. Darüber verlängerte die Fed bereits am Dienstag vorzeitig einige Kreditfazilitäten, die Ende September ausgelaufen wären, bis zum 31.12.2020. Letztlich sieht die Fed zum aktuellen Zeitpunkt keine Notwendigkeit für weitere geldpolitische Maßnahmen. Powells Äußerungen auf der Pressekonferenz legen aber nahe, dass konkrete Ankündigungen auf der nächsten FOMC-Sitzung im September folgen dürften.

Edelmetalle weiter auf Rekordjagd

Gold setzte in der Berichtswoche seinen beschleunigten Aufwärtstrend fort und erreichte bei sehr hoher Nachfrage seitens der Anleger mit zeitweise fast 2.000 US-Dollar je Feinunze wieder einen Höchststand. Der Goldpreis wird derzeit in erster Linie von der Entwicklung der amerikanischen Realrenditen (Nominalzins minus Inflationserwartung) beeinflusst. Angesichts zuletzt rekordverdächtig negativer US-Realrenditen erscheinen Edelmetalle derzeit zusehends attraktiver, was die Notierungen entsprechend nach oben treibt.

US-Dollarabwertung gewinnt an Dynamik

Die europäische Gemeinschaftswährung hat sich auch in den vergangenen Handelstagen zum US-Dollar weiter befestigt und damit im Aufwärtstrend noch einmal an Dynamik zugelegt. Die Einigung zum EU-Wiederaufbaufonds und die Aussicht auf eine - zumindest kurzfristig – positivere wirtschaftliche Erholung des Euroraums im Vergleich zu den USA ließ den Euro weiter aufwerten. Dabei waren teilweise etwas mehr als 1,19 US-Dollar für einen Euro aufzuwenden.

    Aktien: US-Tech-Giganten mit überraschend guten Quartalszahlen

Die Berichtswoche war, was die Anzahl der veröffentlichten Unternehmensergebnisse zum 2. Quartal angeht, der Höhepunkt der aktuellen Berichtssaison. Vor allem stand der Donnerstag im Blickpunkt. Nachbörslich berichteten die großen Tech-Unternehmen, Apple, Amazon, Facebook und Alphabet über den Geschäftsverlauf von April bis Ende Juni. Kurz zusammengefasst übertrafen Apple, Facebook und Amazon die Erwartungen der Analysten teils deutlich. Apple hat zudem einen Aktiensplitt im Verhältnis 1:4 angekündigt. Die Ergebnisse sorgten am Freitagvormittag für etwas Stabilisierung an den Aktienmärkten.

Mit Blick auf die deutsche Börsenlandschaft gab BASF einen sehr vorsichtigen Ausblick auf das 3. Quartal und machte wenig Hoffnung auf eine Besserung der Geschäftsentwicklung. Die Aktie fiel bis Freitagvormittag im Wochenvergleich um 9,2 Prozent. Nur die Volkswagen-Aktie lag noch tiefer im Minus. Die Vorzugsaktien verloren zehn Prozent, nachdem der Konzern in der Berichtswoche schlechte Quartalsdaten veröffentlichte.

Der MSCI-World-Index lag mit 0,5 Prozent leicht im Plus. In den USA gab der Dow Jones Industrial Average bis Donnerstagabend 1,3 Prozent ab, während der NASDAQ hingegen in gleicher Höhe zulegte. Im Euroraum verloren DAX 30- und EURO STOXX 50-Index 2,8

beziehungsweise 2,4 Prozent. Der japanische Nikkei 225-Index verzeichnete sogar ein Minus von 4,6 Prozent.

Bei der europäischen Branchenentwicklung (STOXX Europe 600-Index) erlitten sowohl der Banken– als auch der Automobilsektor mit minus 5,8 beziehungsweise 5,1 Prozent hohe Verluste. Der Immobiliensektor lag mit plus 2,2 Prozent hingegen vorne.

    Renten: Kern-Staatsanleihen mit Zugewinnen

Leicht rückläufige Renditen in den Kernländern

An den Rentenmärkten waren die Kursbewegungen im Rahmen der Sommerpause sehr überschaubar. Die mit der Zunahme der Corona-Infektionen einhergehende Unsicherheit ließ die Anleger aber wieder zu sicheren Staatspapieren greifen. Steigende Anleihekurse und damit einhergehende leicht rückläufige Renditen prägten das Handelsgeschehen. Sowohl in den USA als auch in Deutschland waren leicht nach unten verschobene Zinskurven zu beobachten. Der Renditerückgang lag je nach Laufzeit zwischen vier und zehn Basispunkten. In der südeuropäischen Peripherie weiteten sich die Risikoprämien etwas aus, was aber im Wesentlichen auf die abwärts gerichtete Renditebewegung der Bundesanleihen zurückzuführen war, denn in der Peripherie war der Renditetrend eher seitwärts bis leicht abwärtsgerichtet.

    Ausblick auf die kommende Woche

Der US-Arbeitsmarktbericht steht am kommenden Freitag im Blickpunkt. Die Corona-Ausbreitung und die neuerlichen Einschränkungen dürften die Entwicklung am Arbeitsmarkt zuletzt wieder gebremst haben. Der Konsens rechnet mit 1,6 Millionen neu geschaffenen Stellen. Der Auftragseingang in der deutschen Industrie im Juni wird am Donnerstag von größerem Interesse sein. Darüber hinaus tagt ebenfalls am Donnerstag die Bank of England.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 31. Juli 2020, soweit nicht anders angegeben.

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