MarktTicker 21. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 18. bis 22. Mai 2020

    Diese Woche: Freundlich, aber China verstimmt zum Wochenschluss

In den vergangenen Handelstagen zeigte sich an den Finanzmärkten ein überwiegend freundliches Bild. Die großen Aktienbörsen konnten trotz der am Freitag im Zusammenhang mit China/Hongkong aufkommenden Moll-Töne mehrheitlich zwischen zwei und vier Prozent zulegen. Bei den Staatsanleihen tendierten US-Schatzanweisungen und Bundespapiere weitgehend seitwärts. Am Markt für Peripherie-Staatsanleihen war die Stimmung freundlich, rückläufige Renditen prägten das Geschehen.

Nach einer insgesamt sehr erfreulichen Entwicklung an den Finanzmärkten trübte sich am Freitag die Stimmung unter den Marktteilnehmern wieder etwas ein. Es gab weniger gute Nachrichten aus Asien. China hat im Rahmen des Nationalen Volkskongresses ein neues Sicherheitsgesetzt für die Sonderverwaltungszone Hongkong eingereicht. Dies dürfte zu weiteren Spannungen mit den USA führen, zumal sich in den letzten Wochen die Stimmung zwischen den beiden Großmächten verschlechtert hat. Der Phase 1-Deal im Handelsstreit wurde dabei immer wieder in Frage gestellt. Darüber hinaus hat China erstmals seit vielen Jahren auf ein Wachstumsziel verzichtet und damit seine BIP-Prognose kassiert. Zwar wurden weitere wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen beschlossen, letztlich haben die Signale aus Asien aber für etwas Verunsicherung gesorgt.

Für Auftrieb sorgten hingegen Nachrichten des US-Pharmaunternehmens Moderna, das bei der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus über positive Ergebnisse in der klinischen Phase 1-Studie berichtete. Phase 2 und Phase3-Tests stehen allerdings noch aus, aber die Märkte reagierten insgesamt sehr euphorisch auf die Nachrichten. Die Moderna-Aktie stieg zum Wochenauftakt von 67 auf in der Spitze 87 US-Dollar an. Allerdings fiel die Aktie am Donnerstag wieder auf den Vorwochenschluss zurück. Zum Vergleich: Zum Jahresauftakt 2020 notierte das Papier noch knapp unterhalb von 20 US-Dollar.

EWU-Aufbaufonds

Die Veröffentlichung eines von Deutschland und Frankreich favorisierten EU-Wiederaufbaufonds im Volumen von 500 Milliarden Euro wurde von den Finanzmärkten in einer ersten Reaktion positiv aufgenommen. Pro Jahr könnten im Rahmen dieses auf drei Jahre angelegten Verfahrens mittels einer Erhöhung der Ausgabenobergrenzen etwa 165 Milliarden Euro an zusätzlichen Haushaltsmitteln generiert werden. Eine EU-weite Einigung und die bedarfsgerechte Verteilung der Mittel wird allerdings nicht einfach werden. Einige Länder (Österreich, Dänemark, Niederlande und Schweden) sind dabei, einen Gegenvorschlag zu erarbeiten. Jedenfalls sind zähe Verhandlungen innerhalb der EU zu erwarten.

Konjunkturdaten gemischt

Mit Blick auf die Konjunkturdaten setzte sich der Negativtrend am US-Arbeitsmarkt fort. Mit zuletzt 2,4 Millionen und damit über den Erwartungen liegenden wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sind die Amerikaner nun bei einer Erwerbslosenquote von 15 Prozent. Wir halten einen weiteren Anstieg der Rate in Richtung 20 Prozent bis zum Sommer für plausibel.

Ansonsten zeigten sich die in der Berichtswoche veröffentlichten Daten wie etwa der ZEW-Index oder die Markit-Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum zumeist besser als zuletzt. Die Anstiege erfolgten allerdings von sehr geringen Niveaus aus und entsprachen zumeist den Erwartungen der Analysten.

    Aktien: Positive Faktoren überwiegen

Trotz der am Freitag zu beobachtenden Eintrübung der Stimmung unter den Anlegern war eine positive Woche am Aktienmarkt zu konstatieren. Die Zugewinne in den großen Indizes wie S&P 500 und Dow Jones Industrial Average in den USA oder DAX 30- und EUROSTOXX 50-Index im Euroraum lagen bis Freitagmittag mehrheitlich zwischen rund zwei und vier Prozent. Dem DAX war es aus technischer Sicht im Rahmen der Erholungsbewegung bislang jedoch nicht gelungen, über die Marke von 11.200 Punkten zu springen. Der japanische Nikkei 225-Index tendierte am Freitag zwar etwas schwächer, ging aber mit einem Plus von 1,8 Prozent aus der Handelswoche. Der Hang Seng China Enterprise-Index verlor aufgrund der China-Problematik in der Berichtswoche 2,6 Prozent. Auf Gesamtmarktebene verbuchte der MSCI World-Index ein Plus in Höhe von 3,3 Prozent.

Branchen: Zykliker gesucht

Branchenseitig lagen im STOXX Europe 600-Index (plus 2,9 Prozent) der Automobilsektor, Reisen und Freizeit (jeweils plus 6,8 Prozent) sowie die Grundstoffindustrien (plus 6,2 Prozent) vorne. Schwächste Branchen waren in der Wochenentwicklung die als defensiv geltenden Nahrungs- und Getränketitel (plus 0,4 Prozent) sowie die Telekommunikationswerte (plus 0,7 Prozent).

Lufthansa im Blickpunkt

Die im Rahmen der Corona-Krise stark angeschlagene Lufthansa stand im Blickpunkt der Anleger. Pressemeldungen über fortgeschrittene Gespräche hinsichtlich einer konkreten Ausgestaltung des staatlichen Rettungspaketes in einer Gesamthöhe von neun Milliarden Euro machten die Runde. Unterschrieben war per Stand Freitagvormittag aber noch nichts. Die Hilfsmaßnahmen für die Airline sollen drei Stufen umfassen: Einen KfW-Kredit, die direkte Beteiligung des Staates sowie eine Wandelanleihe. Die Lufthansa-Aktie gewann in der Berichtswoche knapp elf Prozent hinzu.

    Renten: Kernmärkte kaum verändert, Peripherie sehr freundlich

BTP-Italia großer Erfolg

An den Kern-Staatsanleihemärkten hat sich in der Berichtswoche per saldo wenig ereignet. Nach zunächst im Rahmen der risikofreundlichen Stimmung (leicht) ansteigenden Renditen respektive entsprechenden Kursverlusten hat der Markt am Freitag etwas gedreht. Letztlich haben sich die Renditeniveaus kaum verändert. Bei der Entwicklung der Zinskurven war, den Bund betrachtend, ein Anstieg von zwei bis vier Basispunkten je nach Laufzeit zu verzeichnen.

In der Euro-Peripherie waren hingegen - trotz der Aussicht auf kommende hohe Neuemissionsvolumina - durchweg Kursgewinne bzw. rückläufige Renditen zu beobachten. Dass Spanien im laufenden Jahr eine im Vergleich zur ursprünglichen Planung nunmehr Vervierfachung der Nettokreditaufnahme plant, beeindruckte die Anleger kaum. Die Renditeaufschläge zu Bundesanleihen im Zehnjahresbereich gingen in der Berichtswoche um 17 auf 111 Basispunkte zurück. Die gute Stimmung war auch nicht zuletzt auf den Erfolg der jüngsten italienischen Anleiheemission, der BTP-Italia, zurückzuführen. Die Nachfrage nach dem neuen Papier lag zuletzt bei rund 22 Milliarden Euro. Hiervon entfielen 14 Milliarden Euro auf private Anleger, acht Milliarden Euro verteilten sich auf institutionelle Investoren. Der Spread zehnjähriger italienischer Anleihen zu laufzeitgleichen Bundespapieren fiel in der Berichtswoche um rund 30 auf nunmehr 210 Basispunkte. Zudem waren sowohl in Portugal als auch vor allem in Griechenland, dort fiel die Zehnjahresrendite mit 1,66 Prozent in der Berichtswoche deutlich unter die Zwei-Prozentmarke, sehr erfreuliche Entwicklungen zu beobachten.

    Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Handelswoche stehen US-Konjunkturdaten im Vordergrund. Die den Schätzungen zufolge stark rückläufigen Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter und Verkäufe von Neubauten dürften die bislang veröffentlichten schlechten April-Daten komplettieren. Darüber hinaus stehen am Dienstag und am Freitag einige US-Stimmungsindikatoren auf der Agenda. Im Euroraum (Freitag) und auch in Deutschland (Donnerstag) wird die Preisentwicklung von Interesse sein. Angesichts der durch die Corona-Beschränkungen bestehenden Schwierigkeiten bei der Erhebung von Preisdaten kann es durchaus zu Verzerrungen bei der Ermittlung der Teuerungsraten kommen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 22. Mai 2020, soweit nicht anders angegeben.

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