MarktTicker 4. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 20. bis 24. Januar 2020

    Was diese Woche wichtig war: Coronavirus in China verunsichert

Aufwärtsbewegung bei den Aktien gestoppt

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in China hat die Märkte in der Berichtswoche verschreckt. Der Aufwärtstrend an den Aktienbörsen wurde unterbrochen, die Notierungen gaben zeitweise deutlich nach. Die als sicher geltenden Staatsanleihen wie etwa US-Schatzanweisungen und deutsche Bundesanleihen waren hingegen gesucht. Am Freitag prägte aber im Tagesverlauf im Euroraum eine deutliche Erholung das Geschehen.

Mit der virusbedingten Quasi-Isolierung der chinesischen Millionenstädte Wuhan und Huanggang stieg weltweit die Verunsicherung auch unter den Anlegern. Die Weltgesundheitsorganisation verzichtet aber bislang darauf, den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Marktseitig gab der chinesische CSI 300-Aktienindex bis Börsenschluss 23. Januar 3,6 Prozent ab. Aufgrund der chinesischen Feiertage ruht vorerst der Handel. Mit Blick auf die asiatische Region lag der MSCI EM Asia-Index am Freitagvormittag mit 2,5 Prozent im Minus. Der MSCI World-Index tendierte mit minus 0,4 Prozent nur leicht schwächer.

Sitzung der Europäischen Zentralbank ohne Überraschung

Wie erwartet wurden auf der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag keine geldpolitischen Beschlüsse getroffen. Dennoch ergaben sich unserer Meinung nach zwei interessante Themen. Zum einen die im Rahmen der angekündigten Überarbeitung der EZB-Strategie aufgekommene Frage nach der künftigen Inflationsmessung. Die EZB-Vorsitzende Lagarde gab sich gegenüber Nachfragen hinsichtlich einer fundamentalen Änderung der Berechnungsweise des Preisanstiegs skeptisch. Diese war nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem starken Anstieg bei eigengenutzten Wohnimmobilien aufgeworfen worden. Eine Anpassung dürfte, sollte sie überhaupt letztlich in Betracht gezogen werden, sehr lange Zeit in Anspruch nehmen. Zumal mit dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) eine weitere Institution hierfür zuständig ist.

Zu anderen zeigt sich die EZB mit dem Tiering, also der Freistellung eines Teils der bei der EZB angelegten Überschussreserven vom negativen Einlagenzins, wohl sehr zufrieden. Daraus lässt sich schließen, dass es wohl auch auf längere Zeit bei negativen Zinsen bleiben wird. Die schwedische Zentralbank (Riksbank) mit ihrer Abkehr von den Negativzinsen vor der Jahreswende gab immer wieder Anlass zur Diskussion. Die EZB scheint den jüngsten Aussagen zufolge weiter ihrer aktuellen Zinspolitik und nicht dem Weg der Schweden zu folgen.

Konjunktur: Daten eher erfreulich

Die in der Berichtswoche veröffentlichten Konjunkturdaten waren überwiegend positiv. Der für Deutschland am Dienstag publizierte ZEW-Konjunkturindex für Deutschland legte im Januar unerwartet kräftig zu. Die Erwartungskomponente stieg im Monatsvergleich um 16 auf 26,7 Punkte an. Auch fiel die Lagebeurteilung besser aus, die Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Ähnlich positiv zeigten sich die Erwartungen auch für den Euroraum. Darüber hinaus gab es zur Wochenmitte erfreuliche Daten zum US-Immobilienmarkt. Am heutigen Freitag kamen auch zu den Einkaufsmanagerindizes positive Nachrichten. In Deutschland stieg der Index nach IHS-Markit (Composite) im Januar auf 51,1 und lag damit über dem Konsens. Das verarbeitende Gewerbe schrumpft zwar noch, aber nicht mehr so stark wie befürchtet. Die Dienstleistungen konnten zudem positiv überraschen. Im Euroraum lag der Composite mit 50,9 Punkten allerdings leicht unter der Erwartung. Doch auch hier konnte das angeschlagene verarbeitende Gewerbe (unterhalb der 50-Punkteschwelle) zuletzt wieder merklich zulegen.

    Aktien: Aufwärtstrend unterbrochen

DAX auf historischem Höchststand

Zu Wochenbeginn setzte sich zunächst der Aufwärtstrend an den Aktienbörsen fort. Der deutsche Leitindex DAX-30 erzielte am Mittwoch nach mehreren Anläufen mit 13.640 Punkten (nun endlich) einen historischen Höchststand. Dieser hielt aber nicht lange, denn am gleichen Tag ging es aufgrund der rasch zunehmenden Verunsicherung (Stichwort China) unter den Anlegern mit den Aktienkursen wieder südwärts. In den USA erzielte der marktbreite S&P 500-Index ebenfalls am Mittwoch ein neues Hoch, ehe es zur Korrektur kam. Per saldo ergab sich für die Mehrheit der großen Indizes im Wochenverlauf ein leichter Verlust, wobei auf US-Seite sowohl der S&P 500- als auch der Nasdaq-Index bis Donnerstagabend noch leicht im Plus lagen. Im Verlaufe des Freitags war in Europa eine Erholungsbewegung zu beobachten. Der DAX 30-Index handelte beispielsweise nur noch mit 0,3 Prozent im Minus.

Branchen: Versorger und Finanzdienstleister gefragt, Autos weiter unter Druck

Der STOXX Europe 600-Index zeigte sich nahezu unverändert. Branchenseitig lag erneut der Automobilsektor im Minus (2,7 Prozent). Ebenso die Grundstoffe (minus 2,2 Prozent) sowie der - aufgrund der Lage in China - der Reisesektor (minus 1,5 Prozent). Im Gegenzug waren Aktien aus den Bereichen Versorger (plus 2,2 Prozent) und Finanzdienstleistungen (plus 2,3 Prozent) gefragt.

Tesla überholt VW bei Marktkapitalisierung

Die derzeit laufende Berichtssaison zeigte sich zusammenfassend beurteilt bislang als sehr solide. Im Automobilsektor ergab sich diese Woche eine interessante Note: Der US-Elektroautomobilhersteller Tesla hat im Rahmen des starken Kursanstieges seiner Aktie bei der Marktkapitalisierung den Volkswagenkonzern überholt. Der Börsenwert der Amerikaner liegt aktuell bei 110 Milliarden US-Dollar, während Volkswagen mit knapp 89 Milliarden Euro (oder 99 Milliarden US-Dollar) bewertet wird. Zum Vergleich: Der Wolfsburger Autobauer produzierte im vergangenen Jahr rund elf Millionen Fahrzeuge, Tesla hingegen 368.000. Volkswagen plant, 2021 rund 330.000 Elektrofahrzeuge des neuen Typs ID.3 absetzen zu können und würde – den Elektrobereich betreffend – im kommenden Jahr zu Tesla aufschließen (ein mögliches Steigerungspotenzial von Tesla dabei einmal unbeachtet). Die gesamte Verbrennersparte von VW gibt es derzeit – etwas vereinfacht skizziert – somit gratis dazu.

    Renten: Staatsanleihen gesucht

Renditen geben nach

Die Suche nach Sicherheit bescherte den Staatsanleihemärkten Kursgewinne. Darüber hinaus steht auch nach den Rekord-Neuemissionsvolumen aus den Vorwochen weiterhin sehr viel Liquidität zur Anlage an. Die Suche nach Rendite geht unvermindert weiter. Während Bundesanleihen und US-Schatzungen von ihrem Ruf als sichere Anlagen profitieren konnten, waren Peripherieanleihen aus dem Euroraum wegen ihrer Renditeaufschläge gesucht. An allen Staatsanleihemärkten kam es in der Berichtwoche zu Renditerückgängen. Auch in Italien, obwohl dort trotz des angekündigten Rücktritts von Außenminister Luigi Di Maio als Parteichef der Fünf-Sterne-Bewegung eine neue Regierungskrise in Rom befürchtet wurde. Di Maio wird sein Amt als Außenminister im Kabinett von Regierungschef Conte aber weiterhin beibehalten. Am Wochenende steht zudem in Italien die Regionalwahl in der Emilia Romagna an.

Auf Gesamtmarktebene (iBoxx € Sovereigns) waren bis Donnerstagabend im Euroraum deutliche Zugewinne in Höhe von 0,8 Prozent zu beobachten. Die deutsche Zinsstrukturkurve tendierte im Laufzeitbereich von bis zu zehn Jahren etwas flacher, und verschob sich in den längeren Laufzeiten um bis zu acht Basispunkte nach unten. Die US-Zinskurve tendierte über die langen Laufzeiten ebenfalls flacher. Die Zehnjahresrendite fiel im Wochenvergleich um acht Basispunkte auf 1,74 Prozent.

Am Primärmarkt war auffällig, dass in der Berichtswoche zahlreiche Kandidaten aus den Schwellenländern neue Papiere in Euro platzierten. Rumänien, die Ukraine, die Philippinen sowie Chile (mit einem Green Bond) kamen mit auf die Gemeinschaftswährung lautenden Anleihen an den Markt. Alle Emissionen stießen bei den Anlegern auf ein großes Interesse.

    Ausblick auf die kommende Woche

Die US-Notenbank tagt am Mittwoch, die Bank of England am Tag darauf. Und Großbritannien wird die EU am 31. Januar verlassen. Umfassende Handelsabkommen sind in den kommenden Monaten auszuhandeln. Sowohl für den Euroraum als auch die US-Wirtschaft stehen in der zweiten Wochenhälfte das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal auf der Agenda. In China werden zum Wochenschluss die Einkaufsmanagerindizes bekanntgegeben. Weitere wichtige Daten sind die Verbraucherpreise im Euroraum und Deutschland für Januar sowie die US-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter im Dezember.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 24. Januar 2020, soweit nicht anders angegeben.

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