Marktrückblick und -ausblick 48. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 29. November bis 3. Dezember 2021

      Diese Woche: Omikron-Variante und US-Notenbank im Blickpunkt

Eine große Portion Unsicherheit bestimmte in der Berichtswoche das Handelsgeschehen. Die Ausbreitung der Omikron-Variante des Corona-Virus und die Befürchtung erneuter Einschränkungen sowohl wirtschaftlicher als auch gesellschaftlicher Aktivitäten führte an den Märkten zu großen Kursausschlägen. Zudem besteht bis zum jetzigen Zeitpunkt Unklarheit über die Gefährlichkeit der neuen Virus-Variante, was dem Vertrauen der Anleger nicht gerade förderlich war. Zudem scheint die US-Notenbank hinsichtlich ihrer restriktiveren Geldpolitik einen schnelleren Kurs einzuschlagen. In der Berichtswoche nahm die Aussicht auf eine zügigere Normalisierung der US-Geldpolitik schärfere Konturen an. In der Folge verbuchten sichere Staatsanleihen wie deutsche Bundespapiere oder US-Schatzanweisungen Kursgewinne. Die Aktienmärkte gaben in einem schwankungsreichen Handel per saldo ab.

US-Notenbank denkt über schnelleres „Tapering“ nach

Angesichts der aktuellen Lage geht es der US-Notenbank wohl nicht schnell genug. Die hohe Inflation und die gute Verfassung der US-Wirtschaft nähren in der Fed die Zweifel am nur temporären Charakter bei der Preisentwicklung. Fed-Chef Powell hat in der Berichtswoche in einer Kongressanhörung durchblicken lassen, dass sich die Inflationsentwicklung wohl doch hartnäckiger zeigt als zunächst angenommen. Zumindest scheint die Fed nunmehr auf das Wort „vorübergehend“ bei der Beurteilung der Lage zu verzichten. Eine schnellere Beendigung der Anleiherückkäufe (Tapering) würde der Fed Spielraum verschaffen, an der Zinsschraube zu drehen und so inflationären Entwicklung entgegenzutreten. Da eine Zinsanhebung erst nach Beendigung des Tapering erfolgen wird, wäre der Fed an einer schnelleren Beendigung der Ankäufe gelegen. Bislang war die Einstellung der Ankäufe für Mitte 2022 vorgesehen. Zwar sieht die Fed auch weiterhin Corona-Risiken, aktuell steht jedoch die Teuerungsdebatte im Blickpunkt. Eine gewichtige Rolle dürfte zudem der amerikanische Wahlkampf einnehmen. Mit Blick auf die Zwischenwahlen 2022 wird die Inflationsbekämpfung in den USA auch zum Politikum. Auf Fed-Chef Powell kommt mit fortgesetzter Amtszeit auch eine politische Aufgabe zu. Denn eine hohe Geldentwertung würde den Republikanern im Wahlkampf in die Hände spielen.

Euro-Inflation wenig überraschend hoch

Weitere Rekordwerte gab es bei der Inflationsentwicklung. Die Teuerungsrate im Euroraum stieg im November auf 4,9 Prozent und lag damit auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euro im Jahre 1999. Stärkster Treiber dieser Entwicklung waren einmal mehr die Energiepreise. Aber auch die um die schwankungsreichen Nahrungs- und Energiepreise bereinigte Kernrate steig mit 2,6 Prozent recht deutlich an. Zumal der Preisdruck zunehmend an Breite gewinnt. Die Euro-Hüter beschwichtigen weiter die Entwicklung. Die EZB geht gemäß Direktoriumsmitglied Schnabel davon aus, dass im November der Höhepunkt bei der Inflationsentwicklung erreicht wurde. Doch auch der Druck auf die EZB dürfte zunehmen. Wenn auch Vergleiche zwischen der US-Notenbank und der EZB nicht angebracht erscheinen. Das Niedrigzinsumfeld im Euroraum dürfte noch lange Bestand haben, während in den USA nach Beendigung der Anleiheankäufe wohl mit ersten Zinsschritten zu rechnen ist.

Die deutsche Inflation sprang, berechnet nach dem EU gemäßen HVPI-Index, im November sogar auf 6,0 Prozent. Nach nationaler Berechnung lag die deutsche Teuerung immerhin noch bei plus 5,2 Prozent.

US-Arbeitsmarkt mit enttäuschenden Daten zum Wochenschluss

Die am Freitagnachmittag mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten sorgten für eine herbe Enttäuschung unter den Anlegern. Statt der erwarteten 550.000 wurden im November nur 210.000 neue Stellen geschaffen. Dies war der geringste monatliche Zuwachs im laufenden Jahr. Die Arbeitslosenrate belief sich auf 4,2 Prozent. Es stellt sich die Frage, ob die US-Notenbank angesichts dieser Entwicklung wirklich zügig zu einer restriktiveren Geldpolitik umschwenken kann.

Mit Blick auf weitere US-Daten hat sich das Verbrauchervertrauen gemäß Conference Board etwas eingetrübt. Erfreulich zeigte sich hingegen der ISM-Index, der sich in allen Komponenten verbessern konnte.

      Aktien: Schwankungsreicher Handel, Märkte knapp im Minus

Gedrückte Stimmung

An den Aktienmärkten kam es in der Berichtswoche zu deutlichen Schwankungen. Die neue Coronavirus-Variante und restriktive Töne seitens der US-Notenbank drückten auf die Stimmung der Anleger. Markttechnisch hat sich die Lage kurzfristig etwas verschlechtert, langfristig zeigen US-Stimmungsindikatoren aber noch einen hohen Optimismus an. Zumal die Unternehmen von der Gewinnlage weiter unterstützt sind. Nach den Abverkäufen konnten sich die Aktienbörsen wieder erholen, tendierten aber per Freitagmittag vor den wichtigen US-Arbeitsmarktdaten zumeist leicht ins Minus. Die Verluste an den US-Börsen lagen unterhalb der Ein-Prozentmarke. Die asiatischen Märkte gingen mit minus 2,5 Prozent (Nikkei 225) und minus 1,4 Prozent (Hang Seng-Index) aus der Handelswoche. Aktien aus den Schwellenländern legten insgesamt zu.

Öl- und Gastitel vorne, Technologie weniger beliebt

In Europa pendelten die Aktienmärkte leicht um die Nulllinie. Der STOXX Europe 600-Index lag mit 0,3 Prozent im Plus. Branchenseitig waren Öl- und Gasaktien mit 3,9 Prozent am stärksten im Plus, gefolgt von Versicherungstiteln (plus 2,5 Prozent). Die überwiegende Mehrheit der Branchen wies jedoch (leicht) negative Vorzeichen auf. Die Verliererliste wurde von Technologiewerten angeführt (minus 1,5 Prozent).

Versicherer im DAX 40 gesucht

Im DAX 40, der gegen Mittag leicht ins Minus drehte, lagen spiegelbildlich zur Branchenentwicklung im STOXX Europe 600-Index die Aktien der Allianz und der Münchener Rückversicherung mit 4,3 bzw. 3,8 Prozent vorne. Mit jeweils etwas mehr als zehn Prozent Kursverlust mussten hingegen die Lieferdienste Hellofresh sowie Delivery Hero dieses Mal deutlich Federn lassen.

    Renten: Sichere Staatsanleihen bevorzugt

Deutsche Zinskurve im negativen Renditebereich

An den Rentenmärkten waren infolge der aufkommenden Risikoaversion sichere Staatsanleihen mit längeren Fälligkeiten gefragt. Im Euroraum profitierten hiervon vor allem Papiere aus den Kernstaaten. Der Gesamtmarkt (iBoxx € Sovereign-Index) legte etwas zu. Mit Blick auf die deutsche Zinsstrukturkurve war eine leichte Verflachung zu beobachten. Während im Bereich bis siebe Jahren die Renditen um bis zu drei Basispunkte anstiegen, wiesen längere Laufzeiten Renditerückgänge um bis zu acht Basispunkten (30 Jahre) auf. Per Freitagvormittag lag die komplette deutsche Zinskurve im negativen Renditebereich. Die richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen rentierten mit minus 0,37 Prozent drei Basispunkte unter dem Handelsschluss der Vorwoche.

Leichte Spreadausweitung in Italien

Die Euro-Peripherie tendierte ebenfalls zu leichten Renditerückgängen. Favorisiert wurden griechische Staatsanleihen. Deren Zehnjahresverzinsung fiel von 1,26 auf 1,18 Prozent. Auffällig war, dass sich der Renditeabstand zwischen bundesdeutschen und italienischen Staatsanleihen ausweitete. Eine womöglich striktere Geldpolitik der EZB mit Blick auf die Anleiheankäufe hat etwas verunsichert, auch mit Blick auf das Jahresende. Im Rahmen der Positionierung zum kommenden Jahresende werden aktuell sichere Anlagen wie etwa Bundespapiere verstärkt gesucht. So sind aktuell Verspannungen im Geldmarktbereich zu beobachten, bei denen die Renditen kurzlaufender solider Staatsemittenten im negativen Bereich weiter deutlich rückläufig sind. Nach dem Jahreswechsel sollte dort aber wieder Normalität einkehren.

Am US-Staatsanleihemarkt tendierte die Zinskurve ebenfalls flacher, aber etwas ausgeprägter als die Bundkurve. Die Aussicht auf eine striktere US-Geldpolitik ließ die Renditen im kurzen Laufzeitbereich deutlich steigen (Zwei Jahre plus 12 Basispunkte). Bei den langen Laufzeiten gaben die Renditen im einstelligen Bereich nach. Zehnjährige US-Treasuries rentierten mit 1,43 Prozent (Vorwoche 1,47 Prozent).

Türkische Lira wertet trotz Deviseninterventionen weiter ab

Euro-Unternehmensanleihen erholten sich zuletzt von den vorangegangenen Verlusten, die Risikoaufschläge (Spreads) engten sich nach der Ausweitung in der Vorwoche zuletzt wieder etwas ein. Am Markt für Rentenpapiere aus den Schwellenländern (Emerging Markets) waren ebenfalls rückläufige Spreads zu beobachten. Allerdings wurde einiges an Anlagekapital aus diesem Sektor abgezogen, sowohl was die Hartwährungs- (US-Dollar und Euro) als auch die lokalen Währungsmärkte betrifft. Die Investoren positionieren sich angesichts des kommenden Jahreswechsels dort etwas vorsichtiger. So war etwa in der Berichtswoche eine fortgesetzte Abwertung der Türkischen Lira zu beobachten. Ein erneuter Wechsel an der Spitze des türkischen Finanzministeriums führte zu weiterem Abwertungsdruck auf die türkische Währung. Für einen Euro mussten in der Spitze knapp 16 Türkische Lira (Vorwoche 14 Lira) gezahlt werden. Politisch motivierte massive Zinssenkungen der Zentralbank trotz sehr hoher Inflationsdaten schlagen sich entsprechend im Wechselkursgefüge nieder. Direkte Deviseninterventionen seitens der Türkischen Zentralbank zur Stützung der Lira blieben bislang eher erfolglos. Zum Vergleich: Noch zu Jahresbeginn 2021 wurden rund neun Lira für einen Euro gezahlt.

      Ausblick auf die kommende Woche

Zum Schluss der neuen Handelswoche sind die US-Verbraucherpreise für November von übergeordneter Bedeutung. Sowohl die Gesamt- als auch die Kernrate (ohne Nahrungsmittel- und Energiepreise) dürften den Schätzungen zufolge noch einmal gestiegen sein. Der Inflationstrend dürfte sich also erst einmal weiter fortsetzen. Darüber hinaus stehen für die deutsche Wirtschaft einige Veröffentlichungen aus dem Monat Oktober an. Neben den Auftragseingängen in der Industrie (Montag) wird die Industrieproduktion (Dienstag) bekanntgegeben. Zudem steht am Dienstag der ZEW-Index zur Lage und den Erwartungen im November auf der Agenda.

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