MarktTicker 10. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 08. bis 12. März 2021

    Diese Woche: US-Konjunkturpaket auf dem Weg/EZB will Ankäufe erhöhen

Das lang erwartete US-Konjunkturpaket ist auf dem Weg. Mit der Unterzeichnung durch US-Präsident Biden erwartet die Amerikaner ein Stimulus im Gesamtvolumen von 1,9 Billionen US-Dollar. Die Aktienmärkte regierten in der Berichtswoche, auch aufgrund moderater US-Inflationsdaten, mit Zugewinnen. In Europa erreichten Leitindizes wie der DAX 30 oder der EURO STOXX 50 Rekordstände. An den Staatsanleihemärkten erholten sich die Notierungen zunächst, zum Wochenschluss stiegen die Renditen aber wieder etwas an. Die Europäische Zentralbank reagiert auf den jüngsten Renditeanstieg mit einem erhöhten Tempo bei den Anleiheankäufen im Rahmen des Ankaufprogramms PEPP.

US-Konjunkturpaket auf dem Weg

Beide Kammern des US-Kongresses haben grünes Licht für Joe Bidens „American Rescue Plan“ gegeben. Der Präsident hat das Gesetz nur einen Tag später mit seiner Unterschrift in Kraft gesetzt. Es ist mit 1,9 Billionen US-Dollar bereits das dritte Konjunkturpaket, das der Wirtschaft der Vereinigten Staaten nach der Corona-Krise wieder auf die Beine helfen soll. Das Paket besteht aus einer Vielzahl verschiedener Maßnahmen. So sollen etwa Erwachsene, die bis zu 75.000 US-Dollar im Jahr verdienen, einen Stimulus-Scheck in Höhe von 1.400 US-Dollar erhalten. Darüber hinaus wird das wöchentliche Arbeitslosengeld aufgestockt, allerdings nur um 300 US-Dollar – nicht wie ursprünglich vorgesehen um 400 US-Dollar. 170 Milliarden US-Dollar fließen in die Öffnung von Schulen und Universitäten. Weitere 160 Milliarden US-Dollar gehen an das Test- und Impfprogramm. Ob der Stimulus vollends in die Wirtschaft fließen wird, bleibt dahingestellt. Eine erhöhte Sparneigung der US-Bürger ist ebenso gut denkbar.

EZB erhöht Ankäufe, wird aber im Quartalsturnus überprüfen

Die EZB hat auf ihrer Sitzung am Donnerstag ihren geldpolitischen Rahmen nicht verändert. Es wird aber beabsichtigt, die monatlichen Anleiheankäufe im Rahmen des PEPP im kommenden Quartal temporär zu erhöhen. Das geplante Gesamtvolumen soll jedoch unverändert bleiben. Diese Entscheidung wurde im Rat einstimmig nach einer gemeinsamen Bewertung der Finanzierungskonditionen und der Inflationsentwicklung getroffen.

Damit reagiert die EZB schlussendlich auf den Renditeanstieg an den Anleihemärkten in den vergangenen Wochen. Weniger ausschlaggebend war die Inflationseinschätzung, die im Rahmen der aktualisierten Projektionen am Ende des Projektionshorizonts mit 1,4 Prozent unverändert blieb.

Der Markt hatte zuletzt darüber spekuliert, ob und wie die EZB auf den jüngsten Renditeanstieg reagiert. Am Donnerstag wurde dann klar, dass die EZB mit dem Ankaufprogramm in der letzten Phase steigender Renditen nicht stärker am Markt aktiv gewesen war. Zunächst sollte die Diskussion der Ratsmitglieder auf der Sitzung am Donnerstag abgewartet werden.

Nunmehr sollen die erhöhten Ankäufe zunächst für ein Quartal gelten, um dann mit den kommenden Juni-Projektionen die Situation neu zu bewerten. Es klang durch, dass künftig das monatliche Kauftempo wohl in jedem Quartal (mit den jeweils neuen Projektionen) im EZB-Rat diskutiert wird. Zu der beabsichtigten Höhe der Kaufvolumina in den nächsten Monaten äußerte sich die EZB nicht.

Die verstärkten Ankäufe der EZB dürften vor allem langlaufende Papiere aus den Euro-Kern- und Peripherieländern stärkten. Von einer vollständigen Immunisierung der Bundesanleihen gegenüber (im Falle weiter steigender US-Renditen) übergreifender Effekte aus dem US-Staatsanleihesektor sollte jedoch nicht ausgegangen werden.

Wirtschaftsdaten: US-Inflation wie erwartet

Die US-Verbraucherpreise entsprachen im Februar mit plus 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat den Erwartungen der Analysten. Die um die schwankungsreichen Energie- und Nahrungsmittel bereinigte Kernrate lag mit plus 0,1 Prozent sogar etwas unter den Erwartungen (0,2 Prozent). Als Haupttreiber für den Anstieg erwiesen sich in erster Linie die Benzinpreise. Im Vergleich zum Vorjahr lag die Inflationsrate bei 1,7 Prozent (Januar 1,4 Prozent).

Die deutsche Industrieproduktion enttäuschte im Januar mit minus 2,5 Prozent. Allerdings unterlagen die Dezember-Daten einer Aufwärtsrevision, sodass sich die Basis für die Veränderung im Januar entsprechend verschob und sich der Rückgang damit etwas weniger dramatisch darstellt als es auf den ersten Blick vermuten lässt.

Die chinesischen Import- (plus 22,2 Prozent) und Export-Daten (plus 60,6 Prozent) waren im Februar sehr stark und lagen, vor allem beim Export, deutlich über dem Konsens.

Die US-Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung gingen in der Vorwoche auf 712.000 (Vorwoche 745.000) zurück. Im Nachgang zum Vorwochenschluss sei noch auf den US-Arbeitsmarkt hingewiesen. Mit 379.000 neuen Jobs war der Anstieg der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft im Februar deutlich höher als erwartet. Die von Bloomberg befragten Volkswirte waren von lediglich 200.000 neuen Stellen ausgegangen. Der zuletzt harte Wintereinbruch in den USA hat Brokeranalysen zufolge sogar noch einen höheren Anstieg verhindert. So hätten Schätzungen zufolge ohne die (negativen) winterlichen Einwirkungen auf den Bausektor sogar insgesamt bis zu 500.000 neue Jobs geschaffen werden können.

    Aktien: Auf zu neuen Höhen

Die Aktienbörsen zeigten sich in der Berichtswoche nahezu ausnahmslos in sehr freundlicher Verfassung. Das US-Konjunkturpaket, geringe US-Inflationsdaten und angekündigte umfangreichere Anleiheankäufe der Europäischen Zentralbank sorgten für gute Stimmung unter den Anlegern.

Der MSCI-World stieg bis Donnerstagabend um 2,8 Prozent an. In den USA legten S&P 500-Index und Dow Jones Industrial Index um 4,5 beziehungsweise fünf Prozent zu und erreichten neue Höchststände. Der Nasdaq 100-Index gab zunächst weiter nach, erholte sich im Zuge der Gesamtbewegung und gewann letztlich 4,7 Prozent hinzu.

In Europa touchierte der DAX 30-Index die Marke von 14.600 Punkten – ebenfalls ein neuer Rekordstand. Dies galt auch für den EURO STOXX 50-Index mit knapp 3.850 Punkten.

Lediglich der chinesische Hang Seng China Enterprise-Index tendierte mit 1,1 Prozent ins Minus. Ein am Geldmarkt etwas rigiderer Kurs der People’s Bank of China (PBOC) hat dort seine Bremsspuren am Aktienmarkt hinterlassen.

Alle Branchen im STOXX Europe 600-Index im Plus

Im STOXX Europe 600-Index lagen in der Berichtswoche sämtliche Branchen im Plus. Vor allem waren Einzelhandelsaktien gefragt, der Index legte um fast sieben Prozent zu. Die eher als defensiv geltenden Telekommunikationswerte folgten mit 5,9 Prozent Zugewinn. Auch Chemie- und Bauwerte tendierten mit jeweils plus fünf Prozent auf Branchenebene fester. Grundstoffe und Banken bildeten mit jeweils 1,2 Prozent Zuwachs die Schlusslichter.

Im DAX-30 lagen die Aktien der Deutschen Post sowie Linde mit einem Aufschlag von jeweils zehn Prozent vorne. Die Deutsche Post kam mit einer durchweg positiven Umsatz- und Ertragsentwicklung durch das Geschäftsjahr 2020 und damit auch durch die Corona-Pandemie. Eine erhöhte Dividende für die Anleger sowie geplante Aktienrückkäufe sorgten für gute Stimmung. Knapp dahinter lag Adidas mit plus 9,7 Prozent. Das Unternehmen stellte in der Berichtswoche seine Strategie bis 2025 vor. Hierbei soll der eigene Onlinehandel eine stärkere Stellung einnehmen. Der Erlös über diesen Vertriebsweg soll sich bis 2025 auf acht bis neun Milliarden Euro mehr als verdoppeln.

Schlusslicht im DAX 30 war hingegen die Continental-Aktie. Der Automobilzulieferer hat Presseberichten zufolge auf seinem Kapitalmarkttag nicht überzeugen können und gab einen eher enttäuschenden Ausblick. Die Aktie lag gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag 7,4 Prozent im Minus.

    Renten: Weiterer Renditeanstieg (vorerst) gebremst

Nach dem Zinsanstieg in der Vorwoche kam es an den Kern-Staatsanleihemärkten zunächst zu einer Entspannung. Zum Wochenschluss hin war die Renditebewegung aber wieder leicht aufwärtsgerichtet. In den USA notierten Zehnjahrespapiere an der 1,6 Prozentmarke. Auf der dortigen Zinskurve bewegte sich der Renditeanstieg in einer Größenordnung zwischen drei und sechs Basispunkten.

Die deutsche Zinsstrukturkurve zeigte sich hingegen per saldo so gut wie unverändert. Zehnjährige Bundesanleihen schwankten zwischen minus 0,3 und 0,35 Prozent. Die als Transatlantikspread bezeichnete Renditedifferenz zwischen den US-Schatzanweisungen und deutschen Bundesanleihen weitete sich auf 192 Basispunkte deutlich aus.

In der Peripherie zeigte sich eine sehr erfreuliche Entwicklung, die Zehnjahresrenditen fielen dort zwischen zehn (Spanien, Portugal) und 17 Basispunkte (Griechenland). Italienische Papiere rentierten mit 0,6 Prozent und damit 15 Basispunkte tiefer als zum Vorwochenschluss. Der aktuelle Spread (93 Basispunkte) italienischer Papiere zu deutschen Bundesanleihen näherte sich wieder dem Tiefstand von 90 Basispunkten im Februar. Der Gesamtmarkt (iBoxx € Sovereigns-Index) legte bis Donnerstagabend, im Wesentlichen durch die Peripherie, um 0,6 Prozent zu.

Darüber hinaus war die neue Sure-Anleihe der EU ein voller Erfolg. Die Refinanzierung konjunktureller Maßnahmen wie etwa der Kurzarbeiterprogramme der EU läuft derzeit prima. Einem Bondvolumen in Höhe von neun Milliarden Euro stand eine Nachfrage von zuletzt 86 Milliarden Euro gegenüber.

      Ausblick auf die kommende Woche

Nach der EZB ist vor der Fed, am Mittwoch tagt die US-Notenbank. Die Fed dürfte auf der Sitzung bei ihrem eingeschlagenen geldpolitischen Kurs bleiben und die Geldpolitik nicht ändern. Den aktuellen Renditeanstieg wird die Fed als Normalisierung betrachten, Zinserhöhungen liegen in ferner Zukunft. Auch wird die amerikanische Zentralbank ihre Anleiheankäufe erst einmal unvermindert weiterführen.

Darüber hinaus stehen am Dienstag die US-Einzelhandelsumsätze im Blickpunkt. Nach dem starken Jahresauftakt wird für Februar mit einer Gegenbewegung gerechnet. Der Rückschlag dürfte durch das kommende US-Konjunkturprogramm aber nur von kurzer Dauer sein. Für den März gehen die Analysten wieder von besseren Daten aus. Aus Deutschland wird dann ebenfalls am Dienstag der ZEW-Index berichtet. Die laufenden Lockerungen im Corona-Lockdown sollten zu einem merklichen Anstieg des Index führen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 12. März 2021, soweit nicht anders angegeben.

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