MarktTicker 20. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 11. bis 15. Mai 2020

    Diese Woche: Verhaltene Stimmung

In der Berichtswoche war die Stimmung an den Finanzmärkten eher verhalten. Vor allem an den Aktienbörsen waren rückläufige Kurse zu beobachten. Im Rentenbereich war der Handel von tendenziell leicht steigenden Notierungen beziehungsweise leicht rückläufigen Renditen geprägt.

Wohl keine schnelle Erholung der Weltwirtschaft zu erwarten

Insgesamt waren es mehrere Faktoren, die in den vergangenen Handelstagen in der Tendenz zu einer Verschlechterung der Gemütslage der Anleger führten. Mahnende Worte zu den Lockerungen des Lockdowns in den USA ließen die Investoren einen Gang zurückschalten. Zudem bestehen zunehmend Zweifel, ob es wirklich zu einer von zahlreichen Volkswirten bislang erwarteten V-förmigen Erholung der Weltwirtschaft kommt. Derzeit werden die Prognosen am Markt eher tendenziell weiter nach unten angepasst. Wir rechnen ebenfalls damit, dass sich die Erholungsbewegung über einen weitaus längeren Zeitraum als zunächst erwartet erstrecken wird. Darüber hinaus blieben die wieder aufflackernden Spannungen zwischen den USA und China im Rahmen des Handelsstreits nicht ohne Beachtung. Zudem geraten die in einigen Schwellenländern stark steigenden Infektionszahlen immer mehr in den Blick. Vor diesem Hintergrund konnten die Aktienmärkte ihre im Rahmen der Erholungsbewegung jüngst erzielten Hochpunkte nicht weiter überwinden. Nach dem starken Anstieg in den letzten Wochen spricht auch aus markttechnischer Sicht einiges für eine Pause.

Fed hält (noch) nichts von negativen Zinsen

Der Fed-Vorsitzende Powell warnte in einer Rede vor den konjunkturellen Auswirkungen der Corona-Pandemie. Seinen Aussagen zufolge ist eine schnelle (v-förmige) Erholung der US-Wirtschaft nicht zu erwarten. Die US-Notenbank stehe aber als „lender of last resort“ zur Unterstützung bereit. Gleichzeitig forderte Powell die Politik auf, mehr gegen Firmenpleiten und Massenarbeitslosigkeit zu unternehmen. Dem Thema Negativzinsen gegenüber blieb der Fed-Chef zurückhaltend. Angesichts der bisherigen Erfahrungen anderer Länder mit negativen Zinsen herrschen im Fed-Gremien gemischte Auffassungen, sodass dieser Thematik (vorerst) eine Absage erteilt wurde. Die US-Terminmärkte hatten in der letzten Woche erstmals angezeigt, dass die Händler mittelfristig mit negativen Leitzinsen der Fed rechnen.

Deutsches Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal minus 2,2 Prozent

Das deutsche Bruttoinlandprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent. Verglichen mit anderen europäischen Ländern kommt die deutsche Wirtschaft somit bislang mit einem blauen Auge davon. Hierzulande konnte es nämlich vermieden werden, die Wertschöpfung in nahezu allen Sektoren für Wochen einzustellen. Frankreich, Italien oder Spanien hat die Krise viel härter getroffen. Die Wirtschaft wurde dort deutlich umfassender lahmgelegt, um die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren.

In den USA waren in der Woche zum 9. Mai knapp drei Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zu verzeichnen. Dies waren mehr als der Durchschnitt (2,5 Millionen) der von Bloomberg befragten Analysten erwartet hatte.

Die britische Wirtschaft erlitt im März einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um knapp sechs Prozent. Für das laufende Quartal erwartet die Bank von England Medienberichten zufolge einen deutlichen Einbruch um 25 Prozent

Die veröffentlichten China-Daten ergaben für April einen Anstieg der Industrieproduktion um knapp vier Prozent. Allerdings zeigte sich der Konsum von seiner schwachen Seite, die Einzelhandelsumsätze fielen im Vergleich zum Vorjahr um 7,5 Prozent und damit deutlich zurück.

    Aktien: Märkte im Minus

Per Stand Freitagmittag führte die „Risk off“-Stimmung und damit verbundene Zurückhaltung der Anleger zu Verlusten an nahezu allen großen Aktienbörsen. Der MSCI World-Index gab drei Prozent ab. Die US-Indizes S&P 500 und Dow Jones Industrial Average verloren jeweils ein Prozent. Die Technologiebörse Nasdaq war nahezu unverändert. Im Euroraum lagen DAX 30- und EUROSTOXX 50-Index mit jeweils rund vier Prozent deutlicher im Minus.

Branchen: Altbekannte Muster

Im STOXX Europe 600-Index (minus 3,3 Prozent) verfiel aus Branchensicht die Entwicklung wieder in altbekannte Corona-Muster: Reise und Freizeitunternehmen führten die Verliererliste im Gleichschritt mit dem Automobilsektor an (jeweils minus 7,4 Prozent). Es folgten Versicherungen (minus 6,7 Prozent), der Immobiliensektor (minus 6,4 Prozent) und Banken (minus 5,8 Prozent). Die als defensiv geltenden Telekommunikationsunternehmen lagen hingegen als einzige Branche mit 0,5 Prozent leicht im Plus.

In der noch laufenden Berichtssaison zum ersten Quartal waren teils auch ordentliche Ergebnisse zu vernehmen. Der Chemiesektor scheint bislang deutlich besser durch die Krise gekommen zu sein als der Automobilsektor. Auch die Technologie- und die Softwarebranche haben sich vergleichsweise gut geschlagen.

    Renten: Leichter Renditerückgang

Bund mit neuer 7-jährigen Anleihe

Am deutschen Rentenmarkt tendierte die Rendite im Zehnjahresbereich seitwärts (minus 55 Basispunkte). Die Zinskurve tendierte etwas flacher, da die ganz langen Laufzeitbereiche einen Renditerückgang um bis zu fünf Basispunkte verzeichneten. Nach der Emission der 15-jährigen Anleihe in der Vorwoche kam nun mit sieben Jahren Laufzeit eine weitere neue Fälligkeit hinzu. Die Nachfrage war gut und überwog das Angebot trotz negativer Rendite von minus 62 Basispunkte fast um das Vierfache. Das Interesse an Bundesanleihen ist weiterhin groß. Die gute Stimmung am Rentenmarkt dürfte mit Blick auf die neuesten Schätzungen der Bundesregierung hinsichtlich der Steuereinnahmen nötig sein. Die Corona-bedingten Steuerausfälle für das laufende Jahr werden mit knapp 100 Milliarden Euro veranschlagt. Der Funding-Bedarf des Bundes wird somit auf jeden Fall zunehmen und künftig zu einem verstärkten Neuemissionsaufkommen führen.

Peripherie gesucht

Staatsanleihen aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland waren in der Berichtswoche gesucht, es waren durchweg rückläufige Rendite zu verzeichnen. Das Rating Italiens steht nach den jüngsten Überprüfungen kurzfristig nicht unter Druck. Die Peripherie hat sich somit in der Berichtwoche erfreulich entwickelt. Die Entwicklung der Risikoprämien gegenüber deutschen Bundesanleihen war somit in der Berichtswoche nach unten gerichtet.

US-Zinskurve flacht wieder etwas ab

Auch in den USA zeigten sich die Rentenmärkte freundlich. Die US-Treasury-Kurve tendierte ebenfalls über die langen Laufzeiten etwas flacher. Die in der Berichtswoche umfangreichen Neuemissionen an US-Staatspapieren vermochten den Markt nicht zu schwächen. Die richtungsweisenden Zehnjahrespapiere gaben sieben Renditestellen (0,62 Prozent) ab.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am kommenden Freitag stehen die Einkaufsmanagerindizes im Euroraum für Mai zur Veröffentlichung an. Nach dem zuvor starken Rückgang wird mit einer Erholung gerechnet. Die bislang sukzessiv erfolgte Lockerung der Beschränkungen bei der Bekämpfung von Corona dürfte sich aufgrund des Zeitpunktes der Befragung aber noch nicht umfänglich in den Daten widerspiegeln.

In den USA wird weiterhin mit umfangreichen Erstanträgen zur Arbeitslosenunterstützung (Donnerstag) gerechnet. Die Anzahl der Anträge wird im Vergleich zur Vorwoche allerdings geringer veranschlagt. Wir gehen davon aus, dass der Höhepunkt der US-Arbeitslosigkeit erst im Juni/Juli erreicht sein wird.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 15. Mai 2020, soweit nicht anders angegeben.

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