Marktrückblick und -ausblick 33. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 16. bis 20. August 2021

    Diese Woche: China-Sorgen belasten Aktienmärkte

Nach zahlreichen Rekordständen in der Vorwoche bestimmten in den vergangenen Handelstagen Moll-Töne das Geschehen an den Aktienbörsen. Das Zusammentreffen mehrerer Belastungsfaktoren führte zu Verlusten. Neben Befürchtungen, dass die US-Notenbank Fed die Drosselung ihrer Anleiheankäufe (Tapering) bereits im laufenden Jahr beschließen könnte, verunsicherte auch die sich abschwächende Wachstumsdynamik in China. Zudem drückten die dortige Regulierungswelle und nicht zuletzt auch die weltweit zu beobachtende Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus auf die Stimmung der Anleger. Sichere Staatsanleihen konnten hiervon im Gegenzug profitieren. Infolge der Kursgewinne waren, wenngleich auch nur geringe, Renditerückgänge zu verzeichnen.

Konjunkturdaten – Abkühlung in China setzt sich fort

Zum Wochenauftakt wurden aus China für Juli jeweils rückläufige Einzelhandelsumsätze, Industrieproduktion sowie Investitionen veröffentlicht. Mit den durch die Bank schlechteren Konjunkturdaten setzt sich die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft fort. Zahlreiche Research-Häuser und Broker überarbeiten derzeit ihre Wachstumsprognosen für 2021 und werden ihre Einschätzung wohl etwas zurücknehmen.

In den USA überwogen konjunkturell auch die rückläufigen Signale. Die Einzelhandelsumsätze fielen im Juli um 1,1 Prozent und damit deutlicher als vom Konsens (Bloomberg) erwartet. Damit geht zwar die Dynamik aus der Entwicklung, bewegt sich aber lediglich in Richtung Normalisierung. Immerhin flossen zuletzt 100 Milliarden US-Dollar in den privaten Konsum. Effekte der Ausbreitung der Delta-Variante waren (noch) nicht zu beobachten. Die Industrieproduktion stieg hingegen unerwartet um 0,9 Prozent an, was aber auch auf statistische Effekte im Rahmen ausgefallener Betriebsferien bei der Automobilproduktion zurückzuführen war.

Unterdessen fiel der Philadelphia Fed-Index für August entgegen den Erwartungen von 21,9 auf 19,4 Punkte zurück. Damit gesellte sich ein weiterer Puzzlestein ins aktuelle Makrobild, in dem sich eine rückläufige Dynamik der Wirtschaftsentwicklung widerspiegelt. Der laufende Aufschwung gilt damit aber nicht als beendet.

Der Interpretation des jüngsten Sitzungsprotokolls der US-Notenbank Fed zufolge ist die Frage bezüglich der Rückführung der Anleiheankäufe (Tapering) nicht mehr ein ob, sondern ausschließlich ein wann und wie. Erste Maßnahmen noch im kommenden September halten wir für eher unwahrscheinlich. Aber von einer Umsetzung gegen Ende 2021 ist mittlerweile auszugehen. Mit großem Interesse wird in der kommenden Woche der Auftritt des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell im US-amerikanischen Jackson Hole erwartet. Dort treffen sich einmal jährlich Notenbanker und Ökonomen aus aller Welt. Die Finanzgemeinde erhofft sich von Powell weitere Aufschlüsse beziehungsweise Signale zur aktuellen Tapering-Debatte. Laut einem Bericht der Börsen-Zeitung soll es US-Quellen zufolge schon einen Zeitplan geben, der nach der FOMC-Sitzung im September bekanntgegeben werden könnte.

    Aktien: Sämtliche Börsen im Minus

Nach den zuvor erzielten zahlreichen Rekordständen gab es in der Berichtswoche an sämtlichen Aktienbörsen rote Vorzeichen. Zuvor überschritt in Deutschland der MDAX für mittelgroße Unternehmen noch die Marke von 36.000 Punkten und erzielte damit ein historisches Hoch. Aber dann ging es auch dort im Anschluss nach unten. Mit der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in China, der Ausbreitung der Delta-Variante und den Tapering-Bestrebungen der Fed kamen zuletzt einige ungünstige Faktoren zusammen. In der Folge legten die Märkte den Rückwärtsgang ein. Am ausgeprägtesten waren die Verluste in Asien. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung lastete zudem die Regulierungswelle in China auf der Stimmung, der Tech-Sektor stand unter Druck. Der repräsentative HSCEI-Index verlor in der Berichtswoche weitere 6,8 Prozent. Die Aktienbörsen der Schwellenländer verloren in der Gesamtentwicklung überdurchschnittlich.

In den USA zeigten sich die Verluste vor dem Freitagsstart mit maximal 1,7 Prozent (Nasdaq 100-Index) überschaubar. Beim Blick auf den US-Markt ist bezüglich des S&P 500-Index nebenbei zu konstatieren, dass mit dem jüngsten Rekordstand von 4.480 Punkten eine Verdoppelung des Index in nur 345 Handelstagen erfolgte. Dies war der schnellste Indexanstieg seit dem Ende des zweiten Weltkriegs.

Im Euroraum litt der EURO STOXX 50-Index mit minus 2,5 Prozent am deutlichsten. In der Gesamtbetrachtung verlor der MSCI World-Index vor dem Start der US-Börsen am Freitag zwei Prozent.

Grundstoffe und Automobilwerte unter Abgabedruck

Einhergehend mit den Wirtschaftssorgen bezüglich China tendierten bei der Branchenbetrachtung die Grund- bzw. Rohstoffaktien besonders schwach. Der im STOXX Europe 600-Index abgebildete Branchenindex verlor knapp neun Prozent. Es folgte der Automobilsektor mit minus sieben Prozent. Der weltweite Chipmangel setzt sich unvermindert fort und sorgt bei der Automobilherstellung für Produktionsausfälle. So hat der japanische Automobilriese Toyota Presseberichten zufolge eine Drosselung der Septemberproduktion um 40 Prozent angekündigt und damit die Märkte schockiert. Auch kamen Aktien aus dem Einzelhandel (minus 6,7 Prozent) sowie persönlichen Haushaltsgütern (minus 6,2 Prozent) nicht allzu gut weg. Klassische defensive Sektoren wie Versorger und auch Gesundheitswerte (plus drei bzw. plus 1,5 Prozent) konnten hingegen hinzugewinnen.

Im DAX 30 gehörten daher die Aktien von RWE und E.ON mit einem Plus von 5,9 bzw. 4,5 Prozent zu den Spitzenreitern, während sich Anteile von BMW, Daimler und Volkswagen (Vorzüge) mit Verlusten von acht bis neun Prozent ganz oben auf den Verliererrängen bewegten.

    Renten: US-Schatzanweisungen und Bundesanleihen gefragt

Die in der Berichtswoche zu beobachtende Risikoaversion hat die als sicher geltenden Staatsanleihemärkte gestützt. Sowohl bei US-Schatzanweisungen als auch deutschen Bundesanleihen waren leichte Renditerückgänge zu beobachten. Am US-Markt fiel die Verzinsung im richtungsweisenden Zehnjahresbereich um fünf Basispunkte. Die US-Zinskurve tendierte über die langen Laufzeiten - 30-jährige Papiere rentierten sieben Basispunkte tiefer - leicht flacher.

Bei Bundesanleihen sanken die Renditen um zwei Basispunkte auf knapp minus 0,5 Prozent. Die deutsche Zinskurve verschob sich um bis zu drei Basispunkte nach unten.

An den Peripheriemärkten tat sich nicht viel. Die beim Bund leicht abwärts gerichtete Renditeentwicklung ließ die Spreads in den jeweiligen Peripheriemärkten leicht ansteigen. Letztlich war dort, auch der Sommerpause geschuldet, kaum ein Eigenleben zu beobachten.

    Ausblick auf die kommende Woche

Jackson Hole - das traditionelle Treffen der Finanzwelt in Wyoming - findet in diesem Jahr vom 26. – 28. August statt. Die Geister scheiden sich, ob dort seitens der US-Notenbank wirklich neue finanzpolitische Signale ausgesendet werden. Die nächste Fed-Sitzung wird, dann mit neueren Arbeitsmarktdaten, am 22. September stattfinden. Dieser Zeitpunkt wird für weitere Impulse als geeigneter erachtet.

Bei den Konjunkturdaten stehen in der neuen Woche Einkaufsmanagerindizes aus einigen Ländern auf der Agenda. Mit Blick auf die Vorabschätzungen dürften sich die August-Daten im Vergleich zum Vormonat gut gehalten haben. Am Mittwoch wird der Ifo-Index aus Deutschland bekanntgegeben. Größere Aufmerksamkeit wird am Freitag der US-Preisindex für Konsumausgaben inklusive der Entwicklung der Kernrate hervorrufen. Zumal die US-Notenbank dort genauer hinschauen dürfte. Darüber hinaus werden Daten zum Verbrauchervertrauen im Euroraum und in den USA veröffentlicht.

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