Marktrückblick und -ausblick 3. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 17. bis 21. Januar 2022

    Diese Woche: Omikron hinterlässt Spuren, Wirtschaftsdaten schwächen sich ab

Rekordinfektionszahlen in vielen Ländern hinterlassen auch ihre Spuren in den Wirtschaftsdaten. Alles in allem befinden sich die großen Volkswirtschaften der Industriestaaten weiterhin in einer guten Verfassung, die aktuelle Lagebeurteilung verschlechtert sich jedoch. So auch in der aktuellen Umfrage des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung). Die Omikron-Welle lässt Finanzinvestoren kritisch auf die aktuelle Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts blicken. Aber, und das ist die gute Nachricht, für die zukünftige Entwicklung ist man deutlich optimistischer geworden. Nachrichten aus den USA oder Großbritannien, wonach die Omikron-Welle bereits wieder abebbt und die Zahl der Krankenhausaufenthalte nicht signifikant gestiegen ist, lassen auf eine umso höhere Dynamik im Frühjahr hoffen.

China steht vor einigen Herausforderungen

Die jüngsten Wirtschaftsdaten in China fielen leicht besser aus, deuten aber auf wenig Dynamik hin. Viele Analysten zeigten sich skeptisch, angesichts der anstehenden Herausforderungen. Lange Zeit gelang es dem Reich der Mitte recht gut, sich gegen das Corona-Virus abzuschirmen. Gerade die Null-Toleranz-Politik mit der sofortigen Abriegelung ganzer Millionenstädte beim Auftreten von nur wenigen Infektionsfällen, ließ die Inzidenz kaum steigen. Doch die
Omikron-Variante ist wesentlich ansteckender. Zudem hilft der chinesische Impfstoff weniger gut. Bislang wollte man es vermeiden, mRNA-Impfstoffe aus dem Westen einzukaufen, doch die Entwicklung eines eigenen Vakzins benötigt nun etwas Zeit. Ende des Monats beginnen die Feierlichkeiten zum Chinesischen Neujahrsfest. Dann ist eigentlich Hochkonjunktur in den Reisebüros. Hinzu kommen die Olympischen Spiele im Februar, die trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wohl dazu führen dürften, dass die Infektionsfälle steigen. China wird darauf mit der bislang bewährten Strategie der Abriegelung reagieren. Hier bleibt abzuwarten, was das für die Lieferkettenproblematik heißt, die sich gerade erste ein wenig entspannt hatte.

Konsumenten mit Kaufzurückhaltung

Sowohl die Einzelhandelsumsätze als auch die Verbraucherstimmung ging in den USA zuletzt mitunter deutlich in den Keller. Der so wichtige US-Konsument hält sich mit Käufen zurück. Als Ursache hierfür werden die hohen Preise und die Omikron-Welle genannt. Der nächste Datenpunkt im Januar wird zeigen, ob nicht auch eine saisonale Verschiebung die Ursache ist. Dass die Umsätze im Dezember so zurückgingen, könnte auch an den starken Vormonatswerten gelegen haben. Bereits im Oktober gab es Warnungen vor möglichen Lieferproblemen und die Botschaft, doch möglichst früh die Weihnachtseinkäufe vorzunehmen.

    Aktien: Zinssorgen lassen die Investoren nicht los und sorgen für leichte Verluste

Die erste Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) rückt näher und wird fest für März eingepreist. Dies geht auch an den Aktienmärkten nicht spurlos vorbei. Gerade Technologieaktien reagierten besonders sensibel auf die geldpolitischen Nachrichten. Höhere Zinsen entwerten bei Growth-Aktien die erst in (ferner) Zukunft liegenden Gewinne. Der technologielastige Nasdaq gab in der aufgrund eines US-Feiertages verkürzten Handelswoche 4,9 Prozent ab. Auch der Dow Jones Industrial startete mit drei verlustreichen Börsentagen in Folge in die Woche, verlor jedoch nur 3,5 Prozent an Wert. Etliche Erholungsversuche kamen rasch zum Erliegen und die Kurse gerieten im späten Handel unter Druck.

In Deutschland zeigte sich ein ähnliches Bild. Der DAX, der vergangene Woche noch die 16.000 Punkte-Marke überschritt, konnte sich auf diesem Level nicht halten. Vor allem zum Wochenausklang musste das Börsenbarometer den geopolitischen Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Tribut zollen. Zu den Wochengewinnern des deutschen Leitindex gehörten, stand Freitagvormittag, die Aktien des Forschungsinstituts Qiagen (plus drei Prozent) sowie der Deutschen Börse (plus sechs Prozent). Zu den Schlusslichtern zählten der Automobilzulieferer Continental und der Halbleiterhersteller Infineon Technologies (jeweils minus sieben Prozent). Dies übertraf nur noch Siemens Energy, die ihre Gewinnprognose am Freitag kassierten und auf Wochensicht zehn Prozent nachgaben.

Die Berichtssaison geht weiter

Traditionell starteten die US-Banken in die Berichtssaison für das abgelaufene Quartal. Das Investmentgeschäft bleibt weiterhin ein Ertragsbringer, doch die schwächeren Handelsgeschäfte wirken belastend auf die Bilanz. JP Morgan und die Citigroup enttäuschten mit Gewinneinbrüchen. Anders als die anderen Banken konnte die Bank of America das Jahr überraschend gut beenden und die Markterwartungen übertreffen. Durch gestiegene Erträge und die Auflösung von Rückstellungen konnten rund sieben Milliarden US-Dollar erwirtschaftet werden. Die Quartalszahlen des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble waren so gut, dass sie ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2021/22 leicht angehoben haben. Das Unternehmen erwartet nach starken Verkaufszahlen einen höheren Umsatz. Der Konzern, zu dem Marken wie Gillette, Pampers und Oral B gehören, profitiert von einer erhöhten Nachfrage durch die Corona-Pandemie, unter anderem nach Reinigungsmitteln. Der Nettoumsatz lag im abgelaufenen Quartal mit ca. 21 Milliarden US-Dollar über den Analystenerwartungen. Trotz der überwiegend guten Firmenbilanzen kam es zwischenzeitlich zu einem starken Verkaufsdruck an den Aktienmärkten, welcher auf die Zinssorgen zurückzuführen ist. In der kommenden Woche werden die großen Technologiewerte ihre Zahlen vorstellen.

Übernahmeangebot von Microsoft

Der Softwarekonzern Microsoft steht vor einer Übernahme des Computer- und Videospiel-Unternehmens Activision Blizzard, welcher für Spiele wie „Call of Duty“ oder „World of Warcraft“ bekannt ist. Damit würde Microsoft zum drittgrößten Spieleanbieter der Welt nach Sony und Tencent aufsteigen. Microsoft bietet 95 Dollar je Activision-Blizzard-Aktie. Insgesamt 68,7 Milliarden US-Dollar soll die Übernahme kosten. Bezahlt werden soll der Kaufpreis aus dem Free Cash-Flow, also in bar. Es wäre der größte Deal in der Branche und der Geschichte Microsofts überhaupt. Daraufhin konnte die Aktie von Activison Blizzard nach Börsenöffnung um 30 Prozent zulegen. Die Aktie von Sony stand stark unter Druck, der Titel verlor an der Börse in Tokio am Mittwoch 12,8 Prozent. Die Investoren des Playstation-Herstellers befürchten, dass der Konkurrent Microsoft mit seiner Xbox durch die geplante Übernahme deutlich stärker wird. Damit könnte sich die Fehde um die bessere Konsole verschärfen und das Kerngeschäft von Sony einbrechen.

Valneva steht vor Zulassung eines Corona-Totimpfstoffs

Die Aktie des französisch-österreichischen Biotechunternehmen konnte unter der Woche über ein Drittel Kurszuwachs verzeichnen. Das Unternehmen steht vor einer möglichen Zulassung eines Corona-Totimpfstoffs, der einer Studie zufolge auch gegen die Omikron-Variante wirken soll. Er soll eine Wirksamkeit von 87 Prozent gegen die aus Südafrika kommende Virusmutation besitzen. Valneva rechnet mit einer Zulassung seines Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA noch im ersten Quartal des Jahres. Erste Auslieferungen könnten voraussichtlich im April durchgeführt werdend. Die EU-Kommission hatte bereits im November einen Vertrag mit Valneva über 60 Millionen Impfdosen abgeschlossen – vorbehaltlich einer Zulassung. Zu Wochenbeginn gab die EMA jedoch bekannt, dass sie noch zusätzliche Daten benötigen, um über eine Zulassung entscheiden zu können. Daraufhin kam es zu einem Kurseinbruch der Valneva-Aktie.

    Renten: Bundrendite nach 141 Wochen wieder positiv

An den europäischen Rentenmärkten setzte sich der Renditeanstieg fort. Am Dienstag kratzten zehnjährige Bundesanleihen an der Null-Marke, blieben im Tagesverlauf aber mit -0,0046 Prozent noch knapp darunter. Am Mittwoch war es dann soweit und die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen durchbrach erstmals seit dem 7. Mai 2019 die Nullprozentschwelle wieder nach oben. Insgesamt hat es zwar stolze 141 Wochen gedauert, aber zuletzt war die Rückkehr zur positiven Verzinsung nur noch eine Frage der Zeit. Hohe Inflationsraten und die geldpolitische Wende der US-Notenbank Federal Reserve und anderer wichtiger Notenbanken lassen fast überall auf der Welt die Anleiherenditen steigen. Die Eurozone macht da keine Ausnahme. Aber: Hier fiel der Renditeanstieg flacher und langsamer aus als in anderen Erdteilen. Das wird wohl auch so bleiben, denn die Inflationsdynamik ist im Euroraum geringer als in den USA. Darüber hinaus wird die Europäische Zentralbank (EZB) weiter Anleihen erwerben und das Neuangebot an Bundesanleihen sollte parallel dazu abnehmen.

Geo- und Notenbankpolitik bleiben entscheidend

Ende der Woche flüchteten sich Anleger dann wieder in sichere Staatsanleihen, angesichts der Verluste am Aktienmarkt und den weiter zunehmenden Spannungen zwischen Russland und den USA in der Ukraine-Frage. Am heutigen Freitag findet ein Treffen der Außenminister beider Länder statt. Bislang gelang jedoch keine Annäherung. Im Wochenvergleich verbuchten sowohl Staatsanleihen aus den USA als auch dem Euroraum nur kleinere Verluste. Anleihen aus den Peripherieländern profitierten von Kommentaren der EZB, wonach die Währungshüter wohl gute Gründe hätten, nicht so energisch zu reagieren wie die Fed.

Ölpreis steigt auf höchsten Stand seit sieben Jahren

Bis zur Wochenmitte war der Ölpreis auf den höchsten Stand seit sieben Jahren geklettert. Zuletzt hatten sich die Notierungen von den Fundamentaldaten abgekoppelt und lediglich auf solche Nachrichten reagiert, die eine Angebotsverknappung zur Folge haben. Auf Basis der OPEC-Daten scheint die Lage jedoch weniger angespannt. Am Freitag kam es in Folge einer allgemeinen Risikoaversion zu wieder rückläufigen Notierungen. Es verblieb dennoch ein Zuwachs zur Vorwoche.

    Ausblick auf die kommende Woche: Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe dürfte weiter gut sein

Die kommende Woche ist vollgepackt mit wichtigen Konjunkturdaten. Den Auftakt machen gleich am Montag die diversen Einkaufsmanagerindizes. Gemäß den Prognosen der Analysten sollte sich das Bild kaum eingetrübt haben.

Am Mittwoch folgt die Sitzung der Fed. Es wird das letzte Treffen vor der mit Spannung erwartet März-Entscheidung sein. Die Währungshüter dürften daher Kurs halten und die Marktteilnehmer auf eine Zinserhöhung am 16. März vorbereiten.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 21. Januar 2022, soweit nicht anders angegeben.

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