MarktTicker 39. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 23.- 27. September 2019

    Was diese Woche wichtig war: Schwache Konjunkturdaten im Euroraum

Rezessionsbefürchtungen

Die zum Wochenauftakt veröffentliche Schnellschätzung zum Markit-Einkaufsmanagerindex für Deutschland, Frankreich und den gesamten Euroraum führte aufgrund schlechter Zahlen zur Verunsicherung. Im gesamten Euroraum lag der Index mit 50,4 Punkten zwar noch knapp oberhalb der Wachstum signalisierenden Expansionsschwelle. Die Entwicklung der heimischen Wirtschaft gibt aber Anlass zur Sorge. Der Gesamtindex für Deutschland fiel für September erstmals seit 2013 mit 49,1 Punkten unter die Marke von 50 Zählern. Neben dem Industriesektor (41,2 Zähler) neigt nun auch der Dienstleistungsbereich nach längerer Abkopplung zur Schwäche und gab um 2,3 auf 52,5 Punkte ab. Ein weiterer erwarteter BIP-Rückgang für das dritte Quartal wird wohl die Bedingung einer technischen Rezession erfüllen. Eine schwere Rezession dürfte auf dem jetzigen Stand allerdings nicht zu erwarten sein. Die kritische Lage wurde dann auch am Dienstag vom deutschen Ifo-Index bestätigt. Der Gesamtwert lag zwar etwas oberhalb der Schätzungen, die Erwartungskomponente fiel jedoch auf den tiefsten Stand seit August 2009 und bestätigte damit den negativen Trend.

Etwas positiver zeigt sich die wirtschaftliche Lage in den USA. Dort konnte der Einkaufsmanagerindex leicht auf 51 Punkte zulegen. Positiv war zudem der Verkauf neuer Häuser am US-Markt zu werten, der mit plus sieben Prozent im August deutlich über den Erwartungen lag.

    Aktien: Konjunkturdaten belasten

Überwiegend Verluste

Angesichts der negativen Konjunkturdaten gewannen die Rezessionsängste der Anleger in der Berichtswoche die Oberhand. Seit der Handelseröffnung am Montagmorgen verzeichnen die Aktienmärkte Kursabschläge. Zur Wochenmitte hin konnten sich die Börsen aber wieder etwas fangen. US-Präsident Trump hatte in Aussicht gestellt, dass es schneller als gedacht eine Handelsvereinbarung mit den Chinesen geben könnte. Darüber hinaus sorgte eine Einigung der USA und Japan bezüglich eines ersten, begrenzten Handelsabkommens für weiteren Optimismus. Hierbei bleibt der Automobilsektor jedoch vorerst außen vor. Im Durchschnitt lagen die Aktienindizes per Freitagmittag im Wochenvergleich aber mit einem Prozent fast ausschließlich im Minus. Eine Ausnahme bildete der britische FTSE-100-Index, der zum Wochenschluss mit einem Prozent im Plus lag. Großbritannien hat mit der vom Supreme Court erklärte unrechtmäßigen Aussetzung des britischen Parlaments durch Boris Johnson wieder eine turbulente Woche hinter sich. Die Bank of England hat aufgrund der Brexit-Unsicherheiten mögliche Zinssenkungen ins Gespräch gebracht. Für Schlagzeilen sorgte auch ein drohendes Amtsenthebungsverfahren gegenüber US-Präsident Trump, was bislang aber ohne Auswirkungen auf die Aktienbörsen blieb.

Defensive Sektoren gefragt

Die konjunkturelle Unsicherheit ließ die Anleger zu defensiven Titeln greifen. Auf Sektorenebene (STOXX Europe 600-Index) konnten sich Dividendentitel aus den Bereichen Immobilien, Versorger sowie Nahrung & Getränke mit einem Zuwachs von 1,0 bis 1,7 Prozent am besten entwickeln. Im Gegenzug gaben zyklische Branchen wie Automobile, die Banken sowie Grundstoffe mit bis zu 2,6 Prozent merklich nach. Bei den Einzeltiteln im DAX-30-Index verlor in der Berichtswoche die Deutsche Bank-Aktie mit minus 5,5 Prozent am deutlichsten. Wochengewinner war Vonovia (plus 4,6 Prozent), dessen Expansion in Schweden am Markt von Analystenseite her positiv bewertet wurde.

Im Bankensektor gab es zudem weitere deutliche Verluste. Die Commerzbank-Aktie, die im Rahmen ihres Umbauprogramms ihren Ertragsausblick für 2019 nach unten korrigierte, verlor sechs Prozent. Einen Abschlag von 15 Prozent musste zudem die Aktie der ABN Amro hinnehmen. Nach Presseberichten wurden staatsanwaltliche Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche aufgenommen.

Börsengang von Teamviewer gestaltet sich holprig

Seit Wochenmitte ergänzt ein weiterer Titel die deutsche Börsenlandschaft. Die schwäbische Software-Schmiede Teamviewer kam neu an den Markt. Mit einem Emissionsvolumen von rund 2,2 Milliarden Euro und eines - im Falle der Platzierung aller Aktien – Börsenwertes von 5,3 Milliarden Euro belegt das Unternehmen Platz fünf unter den zehn größten Börsengängen (IPO) des laufenden Jahres. Allerdings zeigte sich der Auftakt etwas holprig. Mit 26,25 Euro lag der Ausgabepreis nach mehrfacher Überzeichnung am oberen Ende der Spanne. Nach der Erstnotiz, die dem Ausgabepreis entsprach, gab der Kurs bis Freitagmittag um sieben Prozent nach.

Insgesamt zeigt sich international das Geschäft für Börsengänge nach einem Bericht der Börsenzeitung, die eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young veröffentlichte, im laufenden Jahr eher mau und war auch im dritten Quartal weltweit rückläufig.

    Renten: Renditerückgang

Deutsche Zinskurve etwas flacher

Der verhaltene wirtschaftliche Ausblick ließ die Anleger verstärkt zu sicheren Staatsanleihen greifen. Am Markt für deutsche Bundesanleihen waren vor allem lange Laufzeiten gefragt. Die deutsche Zinsstrukturkurve tendierte in der Berichtswoche über die langen Laufzeiten etwas flacher. Der Renditerückgang betrug bei den Zehnjahrespapieren fünf, bei den 30-jährigen Anleihen zehn Basispunkte.

Auch an den Peripheriemärkten zeigte sich eine leicht freundliche Tendenz. In Spanien gab die Zehnjahresrendite um gut zehn Basispunkte auf 0,14 Prozent nach. Die Ratingagentur S&P hatte die Kreditwürdigkeit Spaniens um eine Stufe auf A angehoben, der Ausblick auf die Verschuldungslage blieb stabil. Die Entscheidung wurde in erster Linie mit den guten Wachstumsdaten in der jüngeren Vergangenheit begründet. Für etwas Unsicherheit sorgten die für November anberaumten Neuwahlen in Spanien, dies wurde jedoch von der Ratingentscheidung weitestgehend überdeckt. Auch in Italien und in Portugal gab die Zehnjahresrendite um bis zu zehn Basispunkte nach. Der europäische Gesamtmarkt (iBoxx € Sovereigns) legte bis Freitagmorgen um 0,7 Prozent zu.

Am US-Rentenmarkt war in der Berichtswoche mit rund 1,7 Prozent Rendite im Zehnjahresbereich eine Seitwärtsbewegung auszumachen. Die amerikanische Zinskurve lag nahezu unverändert.

Viele Neuemissionen aus den Schwellenländern

Der Primärmarkt für Anleihen aus den Schwellenländern sah sich in der Berichtswoche einer wahren Neuemissionsflut ausgesetzt. Zahlreiche Staaten nutzten das stabile Umfeld zur Platzierung neuer Anleihen. Die größte Neuemission lieferte Abu Dhabi und platzierte - über drei Tranchen - Anleihen im Umfang von zehn Milliarden US-Dollar. Darüber hinaus begaben Uruguay, Ecuador und Südafrika neue US-Dollarpapiere. Kasachstan und Montenegro emittierten hingegen auf Euro lautende Papiere. Alle Titel wurden erfolgreich platziert. Allerdings konnten sich die Euro-Anleihen besser als ihre US-Dollar-Pendants entwickeln. Die Masse an Dollarpapieren drückte auf den Markt, sodass sich die Risikoprämien (Spreads) gegenüber US-Staatsanleihen auf Indexebene (JP Morgan EMBIG-Index) im Wochenverlauf etwas ausweiteten.

Bei den europäischen Unternehmensanleihen nahm die starke Neuemissionstätigkeit in den vergangenen Handelstagen ab. Im Blickpunkt stand Vonovia, dass zur Finanzierung der Übernahme eines schwedischen Immobilienkonzerns neue Anleihen emittierte.

    Ausblick auf die kommende Woche

In den USA stehen in der neuen Woche wichtige Daten zum Arbeitsmarkt sowie den Einkaufsmanagerindizes an. Bei den neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft wird im Konsens mit einem Plus von 140.000 neuen Jobs gerechnet. Darüber hinaus wird der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe mit 50,5 Zählern wieder über der Expansionsschwelle erwartet.

Im Euroraum werden am Dienstag die Verbraucherpreise für September veröffentlicht. Mit einer im Schnitt erwarteten Preissteigerung von einem Prozent sollte die Inflation weiter auf niedrigem Niveau verharren. Dies dürfte in erster Linie auf die im Vergleich zum Vorjahr geringeren Energiepreise zurückzuführen sein.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 27. September 2019, soweit nicht anders angegeben.

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