MarktTicker 10. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 02. bis 06. März 2020

    Was diese Woche wichtig war: US-Notenbank Fed senkt Leitzins

Zeitpunkt überrascht

Für die Finanzmärkte zu diesem Zeitpunkt eher überraschend, senkte die US-Notenbank Fed am Dienstagnachmittag den Leitzins um 50 Basispunkte. Die neue Spanne des Schlüsselsatzes liegt nun bei 1,0 bis 1,25 Prozent. Die Aktienmärkte zeigten sich in der Folge hiervon eher unbeeindruckt, die Zinssenkung verpuffe außerordentlich schnell am Markt. Darüber hinaus stellte die Fed erneut kurzfristige Liquiditätsspritzen im Repo-Markt zur Verfügung, um zu verhindern, dass Verspannungen am Geldmarkt die Wirkung der gesenkten Leitzinsen aushebeln. Fed-Chef Jerome Powell sagte, die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft blieben zwar stark, doch das Corona-Virus berge Konjunkturrisiken, die sich noch weiter entwickeln könnten. Der US-Zinssentscheidung folgten sowohl die Australische als auch die Kanadische Notenbank mit Zinssenkungen von 25 beziehungsweise 50 Basispunkten. Eigentlich war ein Zinsschritt der US-Notenbank erst auf der regulären Sitzung am 18. März erwartet worden. Erstmals seit der weltweiten Finanzkrise 2008 wurde nun eine außerplanmäßige Zinssenkung im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus vorgenommen.

EZB-Zinssenkung am Markt eingepreist

Auch die Europäische Zentralbank sagte, sie sei bereit, „angemessene und zielgerichtete Maßnahmen“ zu ergreifen, sofern dies nötig sei und im Verhältnis mit den zugrundeliegenden Risiken stehe. Am 12. März findet die nächste EZB-Zinssitzung statt. Dann werden auch die neuen Konjunkturprognosen veröffentlicht. Am Markt wird derzeit eine Leitzinssenkung um zehn Basispunkte mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit eingepreist. Wir erachten eine Zinssenkung als eher unwahrscheinlich und gehen von Liquiditätsmaßnahmen wie eine Erhöhung der Unternehmensanleiheankäufe oder Kreditprogrammen aus, um in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen mit Liquidität aushelfen zu können.

US-Staatsanleihen und deutsche Bundespapiere reagierten hingegen mit einem deutlichen Renditerückgang. Die Verzinsung der richtungsweisenden zehnjährigen US-Treasuries fiel deutlich von 1,15 auf ein neues Tief bei 0,75 Prozent.

Angesichts der hohen Marktschwankungen liefern wir folgend zum Markt per Freitagmittag nur eine Momentaufnahme, die auch schnell wieder in die eine oder andere Richtung getrieben werden kann.

Konjunktur: Verbesserte Daten ohne Beachtung – Corona überschattet

Wir hatten in der Berichtswoche eher positive Konjunkturdaten. Die ISM-Indizes für Februar aus den USA lieferten gute Werte. Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich im Februar mit 273.000 neu geschaffenen Arbeitsplätzen sehr robust. Im Schnitt wurden lediglich 175.000 neue Stellen erwartet. Auch die deutschen Auftragseingänge im Januar waren mit plus fünf Prozent überraschend positiv. Vor allem die Bestellungen aus dem Euroraum waren ermutigend. Angesichts der aktuellen Entwicklung bei der Corona-Ausbreitung und ihrer möglichen Folgen sind diese Daten allerdings nur Makulatur und fanden somit marktseitig kaum Beachtung. Die Blicke sind nun nach dem Fed-Beschluss auf den weiteren Verlauf der US-Konjunktur gerichtet.

Die OECD hat zudem in dieser Woche ihre Prognose für die globale Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) im laufenden Jahr um minus 0,5 auf 2,4 Prozent gesenkt.

    Aktien: Nach Zwischenerholung wieder im Minus

Aktienmärkte im Euroraum geben am Freitag wieder nach

Nach den starken Verlusten zum Vorwochenschluss war im Verlauf der Berichtswoche zunächst eine Erholung zu beobachten. Der MSCI-World lag per Freitagmorgen mit 2,4 Prozent im Plus. Die sich mit Dauer und Ausmaß der Corona-Erkrankung zunehmend eintrübende Stimmung führte aber am heutigen Freitag die Aktienindizes im Euroraum wieder ins Minus. Der DAX30-Index, Euro STOXX 50-Index sowie STOXX Europe 600-Index lagen zwischen zwei und drei Prozent gegenüber Vorfreitagsschluss im Minus. In den USA eröffneten die Börsen zunächst leichter. Dow Jones Industriel Average, S&P 500- sowie Nasdaq-Index lagen leicht im Minus.

Branchen: Reisesektor weiterhin deutlich unter Druck

Bei der Branchenentwicklung im STOXX 600 Europe ragte wie schon in der Vorwoche der Reisesektor negativ heraus. Der Verlust war mit 10,2 Prozent wieder zweistellig. So gab beispielsweise der internationale Dachverband der Fluggesellschaften IATA bekannt, dass sich die durch den Corona-Virus ausfallbedingten Einbußen im Flugverkehr im laufenden Jahr auf etwas mehr als 110 Milliarden US-Dollar summieren könnten. Deutliche Einbußen aus Branchensicht erlitten im Wochenverlauf zudem der Bankensektor (minus neun Prozent) sowie die Automobile (minus sieben Prozent). Der als defensiv geltende Versorgersektor gewann hingegen etwas mehr als drei Prozent hinzu. Zudem lagen Aktientitel aus der Gesundheitsbranche mit 1,1 Prozent im Plus.

Continental Wochenverlierer im DAX 30

Im DAX30-Index büßte die Conti-Aktie in der Berichtswoche knapp 20 Prozent ein. Neben einem Nettoverlust von 1,2 Milliarden Euro in 2019 schockte vor allem der negative Ausblick des Unternehmens. Ebenfalls zweistellig verlor die Deutsche Bank. Die Aktie gab im schwachen Bankensektor um 15 Prozent nach. Es gab aber auch Dax-Aktien, die Kursgewinne verzeichneten: Vonovia lag mit einem Zuwachs von etwas mehr als sechs Prozent im Plus, die Aktie der Deutschen Börse gewann rund vier Prozent hinzu. Beiersdorf folgte mit 3,6 Prozent.

    Renten: US-Staatsanleihemarkt mit starken Zugewinnen

US-Zinsstrukturkurve steiler

Am US-Rentenmarkt fielen die Renditen in der Berichtswoche deutlich. Die US-Zinssenkung drückte vor allen die Verzinsung in den kurzen Laufzeiten. Im Einjahresbereich gaben US-Treasuries 60 Basispunkte ab, die Rendite fiel von einem Prozent am Freitag der Vorwoche auf nunmehr 40 Basispunkte. Im unterjährigen US-Bereich verringerte sich die Rendite sogar um bis zu 73 Basispunkte. Bei den langen Laufzeiten fielen die Renditen ebenfalls, wenngleich auch weniger. 30-jährige Papiere rentierten am Freitagmittag mit 1,35 Prozent. Die US-Zinskurve tendierte somit über das sogenannte kurze Ende steiler.

Bund auf neuem Renditetief

Die Bund-Kurve verschob sich hingegen um zwölf bis 14 Basispunkte nahezu parallel nach unten, der Renditeverfall war geringer als am US-Markt. Zehnjährige Bundespapiere verzinsten sich am Freitagnachmittag mit minus 75 Basispunkten und unterschritten damit das bisherige Renditetief vom August 2019. In Spanien, Italien und Portugal gaben die Renditen um ein paar Basispunkte nach. Durch die Renditebewegung beim Bund weiteten sich die Spreads gegenüber den Peripherie-Staatsanleihemärkten letztlich aber deutlich aus. Der Gesamtmarkt für Euro-Staatsanleihen (iBoxx € Sovereigns) lag per Donnerstagabend mit 0,5 Prozent im Plus.

Risikoassets partizipieren am Renditeverfall

Bei den europäischen Unternehmenspapieren konnten Ausweitungen bei den Risikoprämien durch die abwärts gerichtete Zinsbewegung aufgefangen werden. Der Renditeverfall wirkte sich auch bei den Anleihen aus den Schwellenländern positiv aus. Entsprechende Indizes für in Euro und US-Dollar notierte Titel lagen im Plus.

    Ausblick auf die kommende Woche

Der Datenkranz bleibt in der neuen Woche überschaubar, die hinter uns liegenden Konjunkturdaten spielen angesichts des ungewissen Fortgangs der Corona-Erkrankungen und deren Auswirkungen derzeit eine untergeordnete Rolle. Wichtigstes Ereignis ist die Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Die Markterwartungen hinsichtlich geldpolitischer Maßnahmen sind hoch.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 6. März 2020, soweit nicht anders angegeben.

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