MarktTicker 16. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 14. bis 17. April 2020

    Diese Woche: Schwache Wirtschaftsdaten aus den USA und China

Aktienmärkte kaum verändert

In der Berichtswoche standen die erwartet schlechten Wirtschaftsdaten im Blickpunkt. Pläne der US-Regierung, den Lockdown zu lockern und das Land wieder hochzufahren, stimmten aber in Richtung Wochenende vorsichtig optimistisch. Die Aktienmärkte zeigten sich im Vergleich zum Vorwochenschluss kaum verändert. Der MSCI World-Index verlor per Freitagmittag 0,4 Prozent. An den Staatsanleihemärkten konnten Bundespapiere und US-Treasuries Zugewinne verbuchen, es waren leichte Renditerückgänge zu beobachten.

Harte US-Daten aufgrund Corona mit deutlichem Einbruch

Zunächst senkte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf minus drei Prozent. Für 2021 wird hingegen nunmehr mit einem Zuwachs von 5,8 Prozent gerechnet.

Aus den USA folgten die unter dem Corona-Einfluss für März erhobenen Wirtschaftsdaten. Diese lagen teils unter den bereits sehr negativen Erwartungen. So gingen etwa die US-Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vormonat um 8,7 Prozent zurück. Teilkomponenten wie etwa Bekleidung hatten sogar einen Einbruch von 50 Prozent hinzunehmen. Die Umsätze im Auto- und Autoteilesektor wiesen Rückgänge in einer Größenordnung von 26 Prozent auf.

Auch die US-Industrieproduktion zeigte sich im März mit minus 5,4 Prozent sehr schwach und fiel so stark wie seit den 1940ern nicht mehr. Vom US-Immobilienmarkt kamen ebenfalls erste Daten. Der NAHB-Hausindex (National Association of Home Builders) fiel von 72 auf 30 Punkte, erwartet wurden 55 Punkte. Der schlechte Datenkranz wird sich wohl bis auf Weiteres fortsetzen: Der als volkwirtschaftlicher Frühindikator bekannte Empire State Manufacturing-Index der Fed von New York fiel im April auf minus 78 Punkte. Zum Vergleich: Während der Lehman-Krise bewegte sich das Barometer bei minus 34 Punkten. Am US-Arbeitsmarkt wurden zudem in der Vorwoche weitere 5,2 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt.

China Q1-BIP unter Erwartung, Industrieproduktion als Lichtblick

Am heutigen Freitag kamen dann noch die mit Spannung erwarteten Wachstumsdaten aus China: Das chinesische Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Quartal (gegenüber Vorjahr) um 6,8 Prozent eingebrochen und lag damit unter den Erwartungen. Die Daten zeigen die drastischen wirtschaftlichen Folgen der Eindämmungsmaßnahmen. Doch es gibt auch ermutigende Signale: Die chinesische Industrieproduktion und die Investitionen haben sich im März bereits spürbar von ihrem vorangegangenen Einbruch erholt. Das kann zwar eine deutliche Konjunkturverlangsamung in diesem Jahr nicht verhindern. Die Stabilisierung lässt allerdings auf eine Erholungsbewegung in der zweiten Jahreshälfte hoffen, wenn auch in anderen Staaten die Infektionsraten beherrschbar geworden sind. Das Potenzial für eine Erholung ist allerdings durch die globale Rezession und den Kollaps des Welthandels klar begrenzt. Es gibt also Licht am Ende des Tunnels, der Weg dahin ist aber noch lang.

    Aktien: Überwiegend unverändert

Die großen Aktienmärkte zeigten sich in der Berichtswoche wenig verändert. Es gab überwiegend leichte Verluste unterhalb der Ein-Prozentmarke. Der Nikkei 225-Index setzte sich ein wenig hiervon ab und konnte zwei Prozent hinzugewinnen.

Amazon und Netflix im Höhenrausch

Darüber hinaus wies in den Staaten der Nasdaq-Index mit einem Plus von etwas mehr als sechs Prozent im Wochenverlauf deutliche Zugewinne aus. Der Index befindet sich nach einer massiven Aufholbewegung mittlerweile wieder auf dem Stand vom Jahresbeginn 2020. Hierin spiegelt sich auch der Kursverlauf derzeit „krisenfester“ Aktien mit entsprechenden Geschäftsmodellen wider. Dies betrifft vor allem Unternehmen wie Amazon oder Netflix. Die Amazon-Aktie erreichte in der Berichtswoche mit mehr als 2.400 US-Dollar einen historischen Höchststand. Auch Netflix legte mit zuletzt fast 440 US-Dollar kräftig zu. Noch Mitte März notierte die Aktie bei 300 US-Dollar. Die bisherige Entwicklung zeigt sich konträr zur Masse der mittleren und kleineren US-Unternehmen. Im Vergleich zum Nasdaq-Index liegt der diese US-Unternehmen repräsentierende Russel 2000-Index abgeschlagen noch weit von seinem Stand per Jahresbeginn entfernt.

Branchen: Sehr differenzierte Wochenentwicklung

Aus Branchensicht zeigte sich die Wertentwicklung im STOXX Europe 600-Index sehr differenziert. Die großen US-Banken haben in den vergangenen Tagen zum ersten Quartal berichtet. Dabei hat sich, resultierend aus der aktuellen Wirtschaftslage, vor allem großer Rückstellungsbedarf für mögliche Kreditausfälle ergeben. Die Aussichten sind sehr unsicher. In der kommenden Woche berichten nun die ersten europäischen Großbanken. Da die US-Pendants als wesentlich besser aufgestellt gelten, hat sich die Skepsis gegenüber dem europäischen Bankensektor in einem Minus von 5,6 Prozent niedergeschlagen.

Des Weiteren lag der Sektor Öl&Gas mit rund acht Prozent deutlich im Minus. Zwar einigte sich die Opec+ auf vorübergehende Förderkürzungen beim Öl. Die Nachfrageseite bleibt aber derzeit so schwach, dass weiterhin ein deutlicher Angebotsüberhang besteht.

Der Pharmasektor führt mit fünf plus Prozent die Gewinnerliste an, gefolgt von Nahrungsmitteln und Getränken (plus drei Prozent).

    Renten: Renditerückgang bei Bundesanleihen und US-Treasuries

Zinskurven leicht nach unten verschoben

Die Euro-Staatsanleihen bewegten sich in den vergangenen Handelstagen auf Gesamtmarktebene (iBoxx € Sovereigns-Index) in engen Bahnen. Papiere aus den Kernländern waren eher gesucht, es gab Zugewinne und damit leichte Renditerückgänge. Die deutsche Zinsstrukturkurve verschob sich nach unten, in den längeren Laufzeitbereichen von zehn Jahren an fielen die Renditen um bis zu 13 Basispunkte. Gleichzeitig tendierte die Kurve ein wenig flacher. Auch am US-Staatsanleihemarkt verschob sich die Zinskurve infolge des Renditerückgangs um fünf bis zehn Basispunkte nach unten.

Peripherie von Unsicherheit geprägt

An den Peripheriemärkten überwog hingegen die Unsicherheit. Kursverluste prägten das Handelsgeschehen. Die Verschuldungssituation Italiens und die für die am 23. April angesetzte EU-Spitzenrunde mit der anhaltenden Diskussion über eine Vergemeinschaftung von Schulden sorgte für Druck auf die Notierungen. Der Renditespread zwischen Bundesanleihen und italienischen Bonds (zehn Jahre) weitete sich in der Berichtswoche um 35 auf 226 Basispunkte aus. Darüber hinaus wurden weitere Neuemissionen, so etwa aus Griechenland, platziert. Die Nachfrage war gut, wenngleich starke Überzeichnungen nicht mehr zu beobachten waren. Dennoch stieg die griechische Zehnjahresrendite im Wochenverlauf von 1,74 auf 2,07 Prozent an.

Rückläufige Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen

Am Markt für Euro-Unternehmensanleihen setzte sich die Erholung fort. Die Risikoprämien engten sich innerhalb weniger Tage auf Gesamtmarktebene (ICE BofA Merrill Lynch Euro Corp-Index, ER00) um zehn auf 166 Basispunkte ein. Im März lag der Aufschlag in der Spitze noch bei rund 200 Basispunkten. Die nun im Rahmen der Quartalsberichtssaison einhergehende „blackout period“ wird nun zu geringerem Neuemissionsvolumen am Primärmarkt führen. Die Platzierungstätigkeit ist schon merklich zurückgegangen. Dies dürfte, zusammen mit den Zentralbankankäufen, den Markt gut unterstützen. In den Anleihemärkten der Schwellenländer tendierten die Risikoaufschläge von in Euro und US-Dollar notierten Papieren unter leichten Schwankungen weitgehend seitwärts. Zunächst fielen diese in der Berichtswoche sogar unter die Marke von 590 Basispunkten (JP Morgan EMBI Global Div. Sovereign Spread), stiegen zuletzt ab er wieder über die 600er-Marke.

    Ausblick auf die kommende Woche

Am kommenden Donnerstag treten die EU-Staats- und Regierungschefs zu Beratungen über die Ausgestaltung des Fonds zum Aufbau der europäischen Wirtschaft zusammen. Die Finanzminister hatten vergangene Woche im zweiten Anlauf ein 500 Millionen Euro schweres Hilfspaket beschlossen. Dennoch besteht weiterhin Uneinigkeit in Bezug auf eine Vergemeinschaftung der Schulden. Frankreich und vor allem Italien votieren für eine solche Lösung. Am Freitag steht zudem eine Ratingüberprüfung Italiens an. Eine Herabstufung scheint derzeit eher unwahrscheinlich.

Mit Blick auf die Wirtschaftsdaten sind am Dienstag die ZEW-Konjunkturerwartungen und am Donnerstag die Einkaufsmanagerindizes im Euroraum von Belang. Bei letzteren ist die Stimmung im Dienstleistungssektor bereits im Keller, im Verarbeitenden Gewerbe scheint die Stimmung immer noch zu positiv. Am Freitag stehen dann der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland und die Auftragseingänge in der US-Wirtschaft auf der Agenda. Die schlechte Datenlage sollte sich zunächst weiter fortsetzen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 17. April 2020, soweit nicht anders angegeben.

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