MarktTicker 33. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 12. – 16. August 2019

- Diese Woche: Rezessionsängste nehmen zu

- Aktien: Weltweit im Minus

- Renten: Kursgewinne und inverse US-Zinskurve, EZB befeuert Markt

- Ausblick: Einkaufsmanagerindizes im Euroraum

Was diese Woche wichtig war: Rezessionsängste nehmen zu

Angst vor Rezession verstärkt Flucht in sichere Anlagen

Die Angst vor einer wirtschaftlichen Rezession steigt spürbar an. Die in der Berichtswoche veröffentlichten Konjunkturdaten haben die Befürchtungen der Anleger, vor allem im Euroraum, bestärkt. So fiel etwa der für Deutschland ermittelte ZEW-Konjunkturindex im August um fast 20 Punkte und damit deutlich stärker als erwartet auf minus 44 Zähler. So tief lag das Barometer zuletzt im Jahr 2011. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal war mit minus 0,1 Prozent leicht rückläufig und lässt vorerst wenig Raum für Hoffnung auf eine Besserung. Auch China enttäuschte, war dort die Industrieproduktion im Juni mit plus 4,8 Prozent so schwach wie seit gut eineinhalb Jahren nicht mehr.

Das deutlichste Signal kam aber vom US-Anleihemarkt. Dort tendierte die Zinsstrukturkurve für US-Staatsanleihen invers. Das heißt zweijährige Laufzeiten rentierten höher als zehnjährige Bonds. Dies war bislang allerdings nur innerhalb eines Handelstages und nicht per Schlusskurs zu beobachten. Eine Kurveninversion wird als klares Indiz für eine deutliche Eintrübung der Konjunktur erachtet, da allen Rezessionen der vergangenen Jahrzehnte eine entsprechende Kurvenverschiebung vorausging. An den aktuellen Fundamentaldaten aus der US-Wirtschaft lässt sich unserer Meinung nach derzeit allerdings kein Abgleiten in eine Rezession ablesen. So deuten beispielsweise die am Donnerstag veröffentlichten US-Einzelhandelsumsätze für Juli mit plus 0,7 Prozent (Schätzung plus 0,4 Prozent) auf alles andere als eine schlechte Stimmung im Konsumsektor hin.

US-Zusatzzölle auf Dezember verschoben

Dabei startete die Berichtswoche zunächst gar nicht so schlecht. Zur Überraschung aller wird die US-Administration die Erhebung der jüngst verkündeten 10-prozentigen Zusatzzölle auf chinesische Importwaren verschieben. Erst ab 15. Dezember soll die neue Regelung greifen. Mit Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft soll die Belastung der US-Bürger erst einmal vermieden werden. Es ist möglich, dass die US-Verwaltung die Erhebung der Zölle bislang technisch noch nicht im Griff hat. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber, dass Vertreter der chinesischen Handelsadministration wie ursprünglich geplant im September nach Washington reisen werden, um die Handelsgespräche fortzusetzen. Dies sorgte zunächst für positive Stimmung an den Märkten. Vor allem konnten die Aktienmärkte hiervon profitieren und deutlich zulegen. Die gute Stimmung hielt jedoch nicht lange an. Zur Wochenmitte setzten sich die Bären an den Aktienbörsen durch. Sichere Anlagehäfen waren im Gegenzug einmal mehr gefragt.

Aktien: Weltweit im Minus

Rezessionsängste überwiegen

Die Aktienmärkte standen in der Berichtswoche weltweit (MSCI World-Index minus 2,5 Prozent) aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Aussichten unter Druck, nicht zuletzt auch wegen der schwachen Daten aus China. Nachdem Präsident Trump die Verschiebung der Zölle verkündet hatte, ging es zwar zunächst aufwärts. Die Rezessionsängste nahmen jedoch überhand, sodass die Bären an den Aktienbörsen die Oberhand gewannen. US-Dividendenpapiere verloren mit Blick auf Dow Jones Industrial Average und den marktbreiten S&P 500-Index jeweils rund zwei Prozent an Wert. Die US-Technologiebörse Nasdaq lag mit rund einem Prozent im negativen Terrain.

Europa verliert weniger als die USA

Im Euroraum verloren DAX30- sowie der EURO STOXX 50-Index mit minus 1,8 und minus 0,8 Prozent. Der marktbreite STOXX Europe 600-Index gab per Freitagmittag 1,0 Prozent ab.

Branchenseitig waren der zyklische Automobilsektor sowie die Banken, die unter der allgemeinen Zinsentwicklung zu leiden haben, deutliche Verlierer in der Berichtswoche. Die Sektorenverluste betrugen jeweils 3,6 Prozent. Im Plus lagen defensive Branchen wie etwa Versorger (plus 2,1 Prozent) sowie Nahrung und Getränke (plus 1,0 Prozent).

Deutsche Bank größter Wochenverlierer im DAX-Index

Bei den Einzelwerten setzte sich der Kursverfall der Deutschen Bank-Aktie weiter fort. In der Berichtswoche gab der Kurs um etwas mehr als zwölf Prozent ab. Damit gehört die Aktie, noch knapp vor der Lufthansa, zu den größten Wochenverlieren im DAX-Index. Auch die Aktie der Commerzbank gab in der Berichtswoche etwas mehr als acht Prozent ab. Neben dem für Banken derzeit ungünstigen allgemeinen Zinsumfeld dürfte die unklare Strategie der Unternehmen für Zurückhaltung bei den Anlegern sorgen. Die Verluste lagen jedenfalls deutlich über dem Durchschnitt des europäischen Bankensektors. Darüber hinaus hat der deutsche Konsumgüterhersteller Henkel nach einem enttäuschenden zweiten Quartal die Jahresprognose zum zweiten Mal nach unten revidiert. Das Umsatzwachstum wurde von zwei bis vier auf nunmehr null bis zwei Prozent halbiert. Die Henkel-Aktie verlor im Wochenverlauf knapp 6,5 Prozent.

Renten: Deutsche Zinskurve komplett im Minus

US-Zinskurve (2 gegen 10 Jahre) im innertäglichen Handel invers

Die Flucht in sichere Anlagen spiegelte sich an den Staatsanleihemärkten deutlich wider, die Renditen fielen weiter. Am US-Markt kam es im innertäglichen Handel zur Kurveninversion bei zwei- und zehnjährigen Laufzeiten. Die US-Zinsstrukturkurve tendierte der Berichtswoche insgesamt flacher, 30-jährige Papiere gaben dabei um 24 Basispunkte nach und lagen per Freitagmittag nur noch knapp über der Zwei-Prozentmarke. Zehnjährige Titel rentierten mit 1,56 Prozent.

Euroraum: Peripherie inklusive Italien wieder gesucht

Auch an den europäischen Staatsanleihemärkten gaben die Renditen weiter nach. Die Nachfrage nach Anleihen bekam am Donnerstag weitere Unterstützung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB). EZB-Ratsmitglied Olli Rehn sagte in einem Interview mit dem Wall Street Journal, dass „es wichtig sei, mit einem signifikanten und wirksamen Maßnahmenpaket im September aktiv zu werden“. Dies trieb die Renditen weiter in den Keller. Die Messlatte für die EZB im kommenden September liegt nunmehr sehr hoch.

Die deutsche Zinsstrukturkurve tendierte ebenfalls über die langen Laufzeiten flacher und lag komplett im negativen Renditebereich. 30-jährige bundesdeutsche Langläufer rentierten zuletzt mit minus 0,26 Prozent. Im Zehnjahresbereich ging es zwischenzeitlich bis auf minus 71 Basispunkte herab.

Die Flucht in sichere Anleihen hat laut der Agentur Bloomberg weltweit die Summe aller Anleihen mit negativer Rendite auf mittlerweile 16 Billionen US-Dollar anschwellen lassen.

Auch an den Peripheriemärkten setzte sich ungeachtet der Unsicherheiten in der Vorwoche der Renditeverfall in der Berichtswoche eindrucksvoll fort. Am italienischen Bondmarkt hat sich die Lage entspannt. Die Regierungskrise ist erst einmal bis zur neuen Handelswoche vertagt. Ab Dienstag wird sich zeigen, wie es dort weitergeht und ob es eventuell zu Neuwahlen kommen wird. Italienische Zehnjahrespapiere rentierten am Freitagmittag nur noch mit 1,37 Prozent. Zum Vorfreitagsschluss waren diese noch auf 1,8 Prozent geklettert. Spanische und portugiesische Zehnjahrespapiere nähern sich mit nur noch 0,03 und 0,06 Prozent Rendite merklich der Nulllinie. Der europäische Gesamtmarkt (iBoxx € Sovereigns) lag bis zum Donnerstagabend mit 1,8 Prozent im Plus und dürfte den überwiegenden Großteil der Gewinne mit ins Wochenende nehmen.

Schwellenländer-Anleihen und Unternehmenspapiere nicht die erste Wahl

Anleihen aus den Schwellenländern (Emerging Markets, EM) gaben in der Berichtswoche nach. Der marktbreite Index (JP Morgen EMBI Global Div.-Index) wies eine Ausweitung der Risikoprämien um 36 Basispunkte auf. Vor allem kam es in Argentinien in Folge der Vorwahlen vom vergangenen Wochenende, aus denen Präsident Macri als klarer Verlierer hervorging, zu massivem Druck auf den Markt. Trotz Intervention der Zentralbank wertete der Peso um 26 Prozent ab. Argentinische Hartwährungsanleihen verloren durchschnittlich 34 Prozent.

Bei den europäischen Unternehmenspapieren liefen die Anleihemärkte und die synthetischen Indizes zweigeteilt. Während sich die Risikoprämien (Spreads) auf der Kasseseite (ICE BofA Merrill Lynch Euro Corporates-Index, ER00) ausweiteten, tendierte die Indexseite wie iTraxx Main nach Schwankungen unverändert. Der Primärmarkt ist derzeit sehr inaktiv. Die einzige Neuemission aus dem Industriebereich wurde diese Woche von Daimler (4 Milliarden Euro) platziert.

Ausblick auf die kommende Woche

Einkaufmanagerindizes im Euroraum

Mit den Einkaufsmanagerindizes aus dem Euroraum stehen am Donnerstag wichtige Konjunkturbarometer zur Veröffentlichung an. Die zuletzt schwachen Daten aus der Industrie dürften dem Konsens zufolge im Juli zumindest nicht weiter gefallen sein. Eine Trendwende ist aber vor dem Hintergrund des Handelskonfliktes zwischen den USA und China und der bislang ungelösten Brexit-Thematik derzeit noch nicht absehbar. Der Dienstleistungssektor wird dem Durchschnitt der Einschätzungen zufolge leicht rückläufig erwartet, sollte mit erwarteten 52,8 Zählern immer noch deutlich über der 50er Marke liegen. Ob dessen Abkopplung von der Industrie angesichts zuletzt schwächerer Stimmungsindikatoren wie etwa dem Ifo-Index auf Dauer gehalten werden kann, bleibt fraglich.

Zentralbankkonferenz in Jackson Hole

In der insgesamt eher datenarmen Woche dürften neben dem Sitzungsprotokoll der US-Notenbanksitzung vom 31. Juli (Mittwoch) die amerikanischen Wohnungsmarktdaten von größerer Relevanz sein. Die Zinswende am US-Markt könnte die Umsätze für neue und gebrauchte Immobilien angekurbelt haben. Darüber hinaus findet am 23. August die Zentralbankkonferenz im US-amerikanischen Jackson Hole statt. Dort wird auch Fed-Chef Jerome Powell eine Rede halten.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 16. August 2019, soweit nicht anders angegeben.

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