Marktrückblick und -ausblick 34. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 23. bis 27. August 2021

    Diese Woche: Ifo-Index im Rückwärtsgang

Nach den Verlusten in der Vorwoche waren die Anleger zuletzt wieder etwas zuversichtlicher gestimmt. Die meisten Aktienbörsen lagen, im Vorfeld des Finanztreffens in Jackson Hole, leicht im Plus. Der Dax 30 war hingegen bis Freitagmittag unverändert, der wichtige Ifo-Geschäftsklimaindex gab im August zum zweiten Mal in Folge nach. Dennoch konnten einige Indizes wie der MSCI World, S&P 500 sowie der Nasdaq 100 in den USA oder der MDAX in Deutschland wieder Rekordstände erzielen. Im Rahmen der verbesserten Stimmungslage hatten sichere Staatsanleihen hingegen das Nachsehen und erlitten Kursverluste. Am Neuemissionsmarkt für Euro-Unternehmensanleihen war eine deutliche Belebung zu beobachten, dort scheint die Sommerpause vorbei zu sein.

Ifo-Index fällt, aber kein Anlass zu großer Sorge

Der Ifo-Geschäftsklimaindex erlitt im August zum zweiten Mal in Folge einen Rücksetzer und fiel von 100,7 auf 99,4 Punkte. Der Rückgang war etwas stärker als allgemein erwartet. Sind dies nun die Vorzeichen eines starken wirtschaftlichen Abschwungs? Nein, wir erwarten vielmehr eine Normalisierung des Wachstums auf hohem Niveau. Die Lage der Unternehmen kann weiterhin als gut bezeichnet werden. Allerdings gibt es, bedingt durch ein knappes Angebot und die Unsicherheit durch die Delta-Variante, verschiedene Risiken, die genauer betrachtet werden müssen. Die Probleme bei den Lieferketten im verarbeitenden Gewerbe und im Handel bremsen zwar, doch entgangene Umsätze dürften sich aufgrund der robusten Nachfrage meist nur zeitlich nach hinten verschieben. Sorgen bereitet hingegen die Entwicklung in China, da dort das Risiko Corona-bedingter Schließungen von Container-Terminals zuletzt angestiegen war. Zusätzlich trübt auch der ungelöste Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn die Geschäftserwartungen.

Die Ausbreitung der Delta-Variante hinterlässt für Industrie und Handel bisher noch keine sichtbaren Spuren, stellt aber ein Risiko dar. Sollten die Krankenhauseinweisungen moderat bleiben, dürften sich die Geschäfte im Dienstleistungssektor weiterhin gut entwickeln. Insgesamt ist der Rückgang des Ifo-Index ein Warnzeichen. Anlass zu übertriebener Sorge gibt die jüngste Entwicklung jedoch noch nicht.

Rückläufige Einkaufsmanagerindizes

Darüber hinaus wurden zum Wochenauftakt zahlreiche Einkaufsmanagerindizes bekanntgegeben. Im Euroraum war mit dem Rückgang im August von 60,2 auf 59,5 Punkte eine Normalisierung zu beobachten – ausgehend von einem hohen Niveau. Die südlichen Peripherieländer haben sich dabei gut gehalten. Die Einschätzung der Lage zeigte sich zuletzt so positiv, dass von dem erreichten Niveau aus kaum noch eine Steigerung erwartet werden kann. Letztlich sind aufgrund der zumeist gestörten Lieferketten aber Probleme von der Angebotsseite her zu verzeichnen. In den USA bot sich ein ähnliches Bild. Insgesamt erwarten wir eine, von einem hohen Niveau ausgehende, Normalisierung. Aber kein Ende des laufenden wirtschaftlichen Aufschwungs. Das EU-Verbrauchervertrauen war im August rückläufig und fiel von minus 4,4 auf minus 5,3 Punkte.

Vom US-Immobilienmarkt kamen positive Daten, die leicht über den Erwartungen lagen. Der Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter war rückläufig, lag aber leicht über der Konsensschätzung der befragten Analysten. Die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe aus der Vorwoche war mit 353.000 um ein paar Tausend höher als veranschlagt. Dies ist aber auf saisonale Effekte zurückzuführen, der übergeordnete Trend ist weiterhin abwärtsgerichtet.

EZB Sitzungsprotokoll

Das in der Berichtswoche veröffentlichte Protokoll der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) deutet auf langfristig niedrige, aber nicht mehr weiter fallende Zinsen hin. Erste Zinsschritte (nach oben) dürften sich in Richtung 2025/2026 verschieben. Dies alles unter dem Vorbehalt, dass es nicht zu einem starken Anstieg der Inflation kommt. Die EZB sieht wohl zumindest kurzfristig Inflationsrisiken. Von einer Änderung der geldpolitischen Ausrichtung ist die EZB aber, im Gegensatz zur US-Notenbank Fed, weit entfernt.

    Aktien: Börsen auf Wochensicht leicht im Plus

Nach den Verlusten in der Vorwoche setzte sich in den vergangenen Handelstagen eine leicht freundliche Stimmung an den Aktienbörsen durch. Der MSCI World-Index gewann rund ein Prozent hinzu. Die zuvor unter Druck geratenen asiatischen Märkte lagen per Freitagmorgen im Plus. Der chinesische HSCEI stieg um 2,4 Prozent an, während der japanische Nikkei 225-Index 2,3 Prozent zulegte. In den USA gewannen S&P 500-Index und Dow Jones Industrial Average vor Beginn des Freitagshandels 1,5 bzw. 0,9 Prozent zu. Der Nasdaq 100-Index stand sogar 2,3 höher als zum Vorwochenschluss und erzielte dabei – wie auch der MSCI World- und der S&P 500-Index – wieder einen Rekordstand. In Europa waren zumeist geringe Zugewinne zu verzeichnen, der DAX 30 lag am Freitagvormittag nahezu unverändert. Der für mittelgroße deutsche Unternehmen relevante MDAX konnte in der Berichtswoche ein neues Hoch erzielen. Der Handel war, was die Impulse angeht, in den vergangenen Tagen eher überschaubar. Die Märkte befinden sich im Rahmen der positiven Wirtschaftsdaten – trotz nachlassender Dynamik – aber weiterhin im Aufwärtstrend. Wenngleich die weltweit zunehmende Ausbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus und deren Implikationen für die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin ein zentraler Einflussfaktor auf die Finanzmärkte bleibt.

Grundstoff- und Reiseaktien gefragt

Mit Blick auf die im STOXX Europe 600-Index abgebildeten Branchen konnte sich der in zuvor stark unter Druck geratene Grundstoffsektor zuletzt wieder erholen. Mit plus 3,1 Prozent wurde aber nur ein Teil der in der Vorwoche zu beobachtenden Verluste aufgeholt. Knapp dahinter folgte die Freizeit- und Reisebranche, die drei Prozent hinzugewann. Auch Öl- und Gaswerte waren gefragt und legten dabei 2,8 Prozent zu. Im Umkehrschluss gehörten die defensiven Versorgeraktien in der Berichtswoche zu den Verlierern und gaben nach den starken Zugewinnen in der vorherigen Handelswoche wieder 2,7 Prozent ab.

DAX-Umbau schreitet voran

Unterdessen läuft die Umgestaltung des DAX 30-Index in Richtung September langsam, aber sicher an. Die in der Presse als bedeutendste Veränderung in der Geschichte des deutschen Leitbarometers gefeierte Erweiterung auf 40 Titel wird mit großer Spannung erwartet. Am 3. September wird die Deutsche Börse nach Handelsschluss im Rahmen des Index-Prüfungstermins über die neue Zusammensetzung entscheiden, die ab dem 20. September erfolgt. Besonders gute Aussichten, zu einem neuen Schwergewicht im DAX 40 zu werden, hat nach den Ranglisten der Deutschen Börse unter anderem Airbus. In weiteren Indizes wie dem MDAX und dem SDAX gibt es gleichzeitig ein Stühlerücken. Bereits zum 1. September werden zudem die STOXX-Indizes neu adjustiert.

    Renten: Kursverluste an den Staatsanleihemärkten

Die zuletzt eher risikofreudige Stimmung der Anleger wirkte sich belastend auf die als sicherer Anlagehafen geltenden Staatsanleihen aus den USA und aus Deutschland aus. In beiden Kern-Rentenmärkten waren die Anleihenotierungen mit Verlusten behaftet. Die damit einhergehenden Renditeanstiege umfassten in beiden Märkten (Bundesanleihen und US-Treasuries) im Zehnjahresbereich jeweils rund acht Basispunkte. Die US-Zinskurve verschob sich ab dem Laufzeitbereich von fünf Jahren etwa in dieser Größenordnung nach oben. Die Bundkurve tendierte über die langen Laufzeiten etwas steiler. So rentierten 30-jährige Langläufer elf Basispunkte höher und lagen damit wieder im (leicht) positiven Renditebereich.

Neuemissionsmarkt für Euro-Unternehmensanleihen springt an

Vorzeitig aus der Sommerpause kam in der Berichtswoche der Primärmarkt für Euro-Unternehmensanleihen. Es wurden einige Neuemissionen platziert, dabei konnten die Anleger teils attraktive Zeichnungsprämien vereinnahmen. So emittierte beispielsweise das Immobilienunternehmen Vonovia sehr erfolgreich zur (Vor)Finanzierung der Übernahme von Deutsche Wohnen fünf Anleihetranchen mit verschiedenen Laufzeiten. Das Anleihevolumen von insgesamt vier Milliarden Euro rief im Orderbuch eine Nachfrage über 19 Milliarden Euro hervor. Darüber hinaus begab Evonik bei ebenfalls großem Anlegerinteresse eine grüne Hybridanleihe.

Eher verhalten zeigte sich der Primärmarkt für Anleihen aus den Schwellenländern (Emerging Markets, EM). Wir rechnen aber auch dort mit dem Startschuss spätestens in der übernächsten Woche, wenn die US-Investoren nach der Sommerpause wieder am Handelsgeschehen teilnehmen. In US-Dollar und Euro notierte EM-Bonds lagen auf Indexebene die Risikoprämien betreffend zuletzt stabil. Die jüngst weltweit zu beobachtenden Mittelabflüsse aus dieser Anlageklasse sind in der Berichtswoche komplett zum Stillstand gekommen.

    Ausblick auf die kommende Woche

Die US-Arbeitsmarktdaten mit der Anzahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (non farm payrolls) sind einer der wichtigsten Datenpunkte in der neuen Handelswoche. Die Beschäftigung dürfte den Schätzungen zufolge langsamer zunehmen, während sich die Arbeitslosenquote in den Staaten aber weiter leicht zurückbilden dürfte. Die Rede des US-Notenbank-Vorsitzenden Powell im amerikanischen Jackson Hole, die am heutigen Freitag erwartet wird, könnte vielleicht Implikationen für bzw. Nachwirkungen auf die Märkte mit sich bringen. Der Konsens erwartet mit Blick auf die US-Geldpolitik aber eine „neutrale“ Rede. Darüber hinaus gibt es einige Stimmungsindikatoren in Europa und den USA sowie neue Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise sowohl in Deutschland als auch im gesamten Euroraum.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 27. August 2021, soweit nicht anders angegeben.

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