MarktTicker 14. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 30. März bis 03. April 2020

    Diese Woche: Schulden-Vergemeinschaftung in der EU/Schock am US-Arbeitsmarkt

Die ersten in der Berichtswoche veröffentlichten Wirtschaftsdaten für den Euroraum und die USA, deren Erhebung unter dem vollen Eindruck der Corona-Ausbreitung erfolgte, entsprachen zumeist den geringen Markterwartungen. In den Vereinigten Staaten beunruhigt vor allem die Entwicklung am Arbeitsmarkt, auf den die Corona-Krise nun vollends durchschlägt. An den Aktienbörsen waren wieder Verluste zu verzeichnen. Diese fielen allerdings nicht mehr so stark aus, zudem ging die Schwankungsintensität (Volatilität) in den vergangenen Handelstagen deutlich zurück. An den Staatsanleihemärkten drängt sich die Diskussion hinsichtlich einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden in den Vordergrund und damit einhergehend auch die Rating-Thematik. Corona Bonds und Corona-Fonds bilden dabei die Grundlage. Zudem stehen Alternativen im Rahmen der ESM- beziehungsweise OMT-Programme zur Debatte. Die EU-Gremien beraten hierzu. Deutsche Bundesanleihen zeigten sich hiervon eher belastet, während US-Staatsanleihen etwas freundlicher tendierten.

Konjunkturdaten: China Daten überraschend freundlich

Die für China veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes (sowohl der Offizielle als auch der Chaixin) zeigten sich im März für die Anleger mit Werten von über 50 Punkten überraschend freundlich und lagen über den Erwartungen. Vor allzu viel Euphorie sei aber gewarnt. Der weltweite Lockdown dürfte zusehends seine Spuren in der Exporttätigkeit der Chinesen hinterlassen.

Weitaus weniger erfreulich, aber nicht überraschend zeigte sich das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum (ESI). Der Index fiel im März von 103,5 auf 94,4 Punkte. Dabei waren im Befragungszeitraum noch nicht einmal alle Maßnahmen zur Viruseindämmung beinhaltet. Auch die im Euroraum zuletzt veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes spiegeln den wirtschaftlichen Einbruch wider.

Schock am US-Arbeitsmarkt

Aus den USA kamen am Donnerstag schockierende Arbeitsmarktdaten: Mit 6,6 Millionen Erstanträgen zur Arbeitslosenversicherung hinterlässt der wirtschaftliche Lockdown tiefe Spuren. Zudem ist zu bezweifeln, dass alle Anträge angesichts des Ansturms berücksichtig werden konnten, die Zahl könnte somit noch höher ausgefallen sein. Zusammen mit den 3,3 Millionen Anträgen aus der Vorwoche gingen somit in kurzer Zeit rund 10 Millionen Jobs verloren. Das dabei hohe Tempo stellt alles in den Schatten, was jemals am US-Arbeitsmarkt zu beobachten war. Die Anzahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft war am Freitag dann auch mit minus 701.000 entsprechend hoch, lag aber unter den Erwartungen. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,4 Prozent an. Dies war nicht allzu hoch und ist dem Referenzzeitraum der Erhebung geschuldet, denn der Arbeitsmarkt kam erst danach so richtig ins Rutschen.

Ölpreis zieht stark an

Darüber hinaus geriet der Ölpreis ins Blickfeld. Zunächst beschloss China, die strategischen Reserven aufzufüllen. Äußerungen von US-Präsident Trump, sowohl Russland als auch Saudi-Arabien zu Förderkürzungen zu bewegen, sorgten dann am Donnerstag am Markt für einen deutlichen Preissprung. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent sprang um rund 40 Prozent von 25 auf 36 US-Dollar markant an, ließ sich aber nicht halten und liegt aktuell bei 31 US-Dollar. Demnächst sind Verhandlungen anberaumt, entscheidend ist aber die derzeit weltweit geringe Nachfrage und entsprechende Überkapazitäten am Weltmarkt.

    Aktien: Handelswoche mit vergleichsweise leichten Verlusten

Die Aktienbörsen verzeichneten in der Berichtswoche wieder Kursverluste, die aber geringer waren als während der großen Verkaufswelle in vorletzten Handelswoche. Die Schwankungsintensität (Volatilität) an den Märkten hat zudem deutlich nachgelassen. Der MSCI World-Index verlor Stand Freitagvormittag 1,3 Prozent. Andere große Indizes wie S&P 500, Dow Jones, FTSE 100 oder DAX 30 verloren zwischen vier und sechs Prozent. Der japanische Nikkei 225 ging mit einem Minus von acht Prozent aus der Handelswoche.

Branchen: Differenzierte Entwicklung

Bei den im STOXX Europe 600-Index gelisteten Branchen zeigt sich eine zunehmende Differenzierung. In der Berichtswoche gab es trotz insgesamt rückläufiger Märkte auch einige

Gewinner. Die Öl- und Gasbranche partizipierte am starken Ölpreisanstieg und gewann 12 Prozent hinzu. Darüber hinaus lagen der Gesundheitssektor (plus 5,3 Prozent), Grundstoffe (plus 3,0 Prozent), Chemie (plus 2,3 Prozent) sowie Nahrungsmittel (plus 1,4 Prozent) im positiven Terrain. Mit minus 11,3 Prozent lagen weit abgeschlagen die Banken, gefolgt vom Reisesektor (minus 7,0 Prozent) und den Versicherungen (minus 6,2 Prozent).

Das Thema Dividendenzahlung nimmt im aktuellen Marktumfeld an Fahrt auf

Die Dividenden wackeln. Einige Unternehmen wie Lufthansa oder viele Banken haben bereits den Verzicht auf die Ausschüttungen bekannt gegeben. Es dürfen noch deutlich mehr werden. Die Corona-Krise führt bei vielen Unternehmen zu einem Umdenken, ob vor der Krise angekündigten Dividenden in der angekündigten Höhe ausbezahlt werden. Ein wichtiger Faktor ist das konjunkturelle Umfeld, die Verfassung des Unternehmens und sein Bemühen, die Liquidität zu schonen und finanzielle Reserven für weitere schwierige Monate zu behalten. So haben beispielsweise die Lufthansa oder MTU Aero aus diesen Gründen ihre Dividenden ausgesetzt. Zudem besteht regulatorischer Druck, der vor allem den Bankensektor betrifft. Darüber hinaus werden staatliche oder gesellschaftliche Erwägungen herangezogen. Wer Staatskredite zur Überbrückung beansprucht, darf in der Regel keine Dividende zahlen oder eigene Aktien zurückkaufen. Von Kürzungen oder Streichungen betroffen sind angesichts des Umfelds vor allem konjunktursensitive Unternehmen und Branchen wie Industrie, Auto, Grundstoffe, Baustoffe, Transport, Fluggesellschaften, Hersteller langlebiger Konsumgüter und die Tourismusbranche. Hinzu kommen der Bankensektor aufgrund regulatorischer Vorgaben, sowie Unternehmen, die Staatshilfen in Anspruch nehmen. Derzeit noch nicht einheitlich geregelt ist die Lage im europäischen Versicherungssektor.

    Renten: Erhöhte Renditen im Euroraum

Diskussion über Schulden-Vergemeinschaftung belastet Bundesanleihen

An den Euro-Staatsanleihemärkten (iBoxx € Sovereigns) fielen in der Berichtswoche Verluste an. Die Diskussion zur Vergemeinschaftung von Staatsschulden bzw. die Schaffung von gemeinsamen Instrumenten zur Bekämpfung der Auswirkungen der Corona-Pandemie drückte vor allem auf die Kurse von Bundesanleihen. Denn die zur Diskussion stehenden Maßnahmen dürften tendenziell durch die großen Euroländer finanziert werden, die über eine starke Kreditqualität verfügen. Die deutsche Zinsstrukturkurve tendierte flacher, im Wesentlichen getrieben vom Renditeanstieg in den Laufzeiten von bis zu zehn Jahren (plus 5 Basispunkte). Ultralange Bundesanleihen (30 Jahres) gaben hingegen zwei Renditestellen ab.

Peripherie-Spreads weiter

Aber auch in der Peripherie (Spanien, Italien, Portugal) erhöhten sich die Zehnjahresrenditen um bis zu 20 Basispunkte. Die im Rahmen der Virusbekämpfung zu erwartende Schuldenlast drückte. Die Spreads gegenüber den Bundesanleihen haben sich somit in der Berichtswoche etwas ausgeweitet. Am Primärmarkt waren viele Neuemissionen aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien zu verzeichnen. Darüber hinaus emittierte Portugal einen Bond über fünf Milliarden Euro, dies war die größte Emission in der Geschichte des Landes. Mit letztlich 0,73 Prozent Zuteilungsrendite war die Anleihe sehr gefragt, das Orderbuch lag bei 30 Milliarden Euro. Das hohe Angebot an neuen Papieren sieht sich einer guten Nachfrage gegenüber. Derzeit hohe Fälligkeiten und Zinskupons wollen angelegt werden. Für heute Abend sind Ratingüberprüfungen von Deutschland, Frankreich und Belgien angekündigt. Mit Herabstufungen wird nicht gerechnet.

Am US-Staatsanleihemarkt überwog eine freundliche Tendenz. Die Zehnjahresrendite fiel um gut zehn Basispunkte auf 0,6 Prozent. Die US-Zinskurve tendierte insgesamt ebenfalls etwas flacher.

    Ausblick auf die kommende Woche

In der neuen Handelswoche dürften die US-Arbeitsmarktdaten aus den USA wieder im Blickpunkt stehen. Am Donnerstag werden dem Konsens der befragten Analysten zufolge weitere 3,3 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erwartet.

In den Februardaten zum Auftragseingang für die deutsche Industrie sowie der Industrieproduktion dürften sich die ersten Auswirkungen der rückläufigen chinesischen Nachfrage widerspiegeln. Dies trifft auch für die Industrieproduktion in Italien, Frankreich und Großbritannien zu.

Darüber hinaus werden in der kommenden Woche Verhandlungen auf EU-Ebene bezüglich Corona-Fonds beziehungsweise Corona-Bonds geführt.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 3. April 2020, soweit nicht anders angegeben.

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