Marktrückblick und -ausblick 36. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 6. bis 10. September 2021

    Diese Woche: Europäische Zentralbank wird Anleihekäufe etwas drosseln

Die Europäische Zentralbank (EZB) nimmt leicht den Fuß vom Gas und wird das Tempo ihrer PEPP-Anleihekäufe im vierten Quartal etwas drosseln. Dies wurde einstimmig vom EZB-Rat auf der Sitzung am Donnerstag beschlossen. Die Euro-Rentenmärkte reagierten mit rückläufigen Renditen auf den EZB-Entscheid. Im Vorfeld waren diese etwas angezogen, sodass in der Berichtswoche per saldo wenig Veränderung am Anleihemarkt zu beobachten war. In den USA verlief der Handel in engen Bahnen und unspektakulär. Die Aktienbörsen tendierten uneinheitlich, Asien zeigte sich weiterhin von der freundlichen Seite, während die Märkte in Europa und in den USA mehrheitlich leichte Verluste verzeichneten.

EZB-Drosselung soll nicht als „Tapering“ verstanden werden

Die Drosselung der Anleiheankäufe soll nach Aussage von EZB-Präsidentin Lagarde nicht als „Tapering“ missverstanden werden. Ansonsten gab es keine gravierend neuen geldpolitischen Erkenntnisse, die maßgeblichen Zinssätze wurden unverändert beibehalten. Entscheidend wird nun das EZB-Treffen im Dezember sein, denn dann steht die grundsätzliche Ausrichtung der Ankäufe sowie der Geldpolitik auf der Agenda. Am Donnerstag zeigte sich die Front im EZB-Rat noch geschlossen, zum Jahresende dürfte aber mit einer sehr kontroversen Diskussion um die zukünftige geldpolitische Strategie zu rechnen sein. Ein Ende der Anleiheankäufe und ein folgender erster Zinsschritt liegen nach unserer aktuellen Einschätzung noch in weiter Ferne. Wir gehen von noch langanhaltenden Anleiheankäufen aus. Eine erste Zinserhöhung durch die EZB sollte nicht vor 2025 erfolgen.

Mit Blick auf die Wirtschaftsprognosen hat die EZB das Wachstum für das laufende Jahr von 4,6 auf 5,0 Prozent heraufgeschraubt. Die Inflationsentwicklung schätzt die Zentralbank ab 2022 rückläufig ein und soll laut EZB-Prognose 2023 mit 1,5 Prozent deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent liegen.

Deutscher Konjunkturmotor brummt, aber läuft nicht richtig rund

Für Deutschland wurden in der Berichtswoche die Daten zur Industrieproduktion und zum Auftragseingang bekannt gegeben. Die deutsche Industrie hat im Juli ein Prozent mehr produziert als im Vormonat. Dies zeigt, dass der Konjunkturmotor zwar brummt, aber er läuft nicht rund. Denn die immer noch anhaltenden Lieferengpässe haben der Industrie das Geschäft teilweise verhagelt, die außerordentlich große Nachfrage hätte durchaus eine noch stärkere Ausweitung der Produktion erlaubt. So ist der Auftragseingang im Juli auf einen Rekordstand gestiegen und liegt nun gut ein Fünftel über dem Vorkrisenniveau. Die Produktion dagegen hat deutlich weniger aufgeholt und das Niveau vor der Corona-Krise noch nicht wieder erreicht. Damit der Konjunkturmotor in Schwung bleibt, dürfen sich die Lieferengpässe nicht weiter verschärfen, und die noch offenen Aufträge sollten bald abgearbeitet werden können. Doch auch dann wird sich die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot nicht von heute auf morgen schließen. Manche Branchen, wie etwa die Automobilindustrie, könnten mit einem Ende der Schwierigkeiten erst im Jahr 2023 rechnen. Immerhin sieht es aber danach aus, dass viele Aufträge nicht storniert werden, sondern sich nur in die Zukunft verschieben. Somit sprechen die prall gefüllten Auftragsbücher für eine anhaltend robuste Produktion und einen brummenden Konjunkturmotor.

Der ZEW-Index zeigte sich für September hinsichtlich der aktuellen Lage mit 31,9 nach 29,3 Punkten leicht verbessert. Bei den Erwartungen gab es jedoch einen starken Dämpfer. Mit dem jüngsten und vierten Rückgang in Folge fiel das Barometer von 40,4 auf 26,5 Punkte. Letztlich signalisiert die Entwicklung in Richtung Herbst eine nachlassende Dynamik. Vor allem zeigt sich die Erwartungshaltung von der angespannten Situation rund um die Lieferketten belastet.

China mit guten Außenhandelsdaten

Besser als erwartet zeigten sich die Außenhandelsdaten der chinesischen Wirtschaft. Sowohl die Importe (plus 23,1 Prozent) als auch die Exporte (plus 15,7 Prozent) haben im August gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich zugelegt und lagen weit über den Erwartungen der von Bloomberg befragten Analysten. Ein Lichtblick angesichts zuletzt rückläufiger China-Daten, aber dennoch bleibt dort die wirtschaftliche Erholung insgesamt von einer nachlassenden Dynamik geprägt.

    Aktien: Weltweit uneinheitliche Entwicklung

In der Gesamtbetrachtung ergab sich in der Berichtswoche beim repräsentativen MSCI World-Index ein Plus in Höhe von einem Prozent. Die internationalen Aktienbörsen entwickelten sich aber uneinheitlich. Asien tendierte weiter freundlich, der Nikkei 225-Index legte weitere 4,3 Prozent zu. Chinesische Aktien (HSCEI-Index) beendeten den Handel mit einem Aufschlag von einem Prozent. Insgesamt lagen Dividendentitel aus den Schwellenländern weltweit deutlich im Plus. In den USA waren hingegen vor der Freitagseröffnung ausschließlich Minuszeichen zu beobachten. Am US-Markt prägten nach dem um den Feiertag an Montag verlängerten Wochenende und zuvor erzielten neuen Allzeithochs Gewinnmitnahmen das Geschehen. Hinzu kam, dass einige US-Unternehmen für das laufende Jahr vorsichtige Gewinnwarnungen abgaben. Aktuell belasten die Corona-bedingten Schwierigkeiten in den Lieferketten die Geschäftsentwicklung und bremsen die Dynamik. Dow Jones Industrial Average und Co. wiesen per Schluss Donnerstagabend und damit vor dem Freitagsstart Verluste zwischen 0,3 und 1,6 Prozent auf.

Auch in Europa überwogen leichte Verluste, der DAX 30 etwa lag 0,7 Prozent im Minus. Wie auch der STOXX Europe 600-Index, dessen einzelne Sektoren ebenfalls mehrheitlich rote Vorzeichen aufwiesen.

Nur zwei Branchen im Plus

Mit Aktien aus dem Einzelhandel sowie dem Bereich persönlicher Haushaltsgüter lagen lediglich zwei Branchen im Plus (1,5 bzw. 1,3 Prozent). Ansonsten prägten durchweg negative Vorzeichen die Branchenentwicklung. Gesundheitstitel (minus 2,7 Prozent) und Immobilienwerte (minus 1,9 Prozent) führten die Verliererliste an. Versorgeraktien folgten mit minus 1,7 Prozent.

Deutsche Börse legt neue Unternehmen für den DAX 40 fest

Die Deutsche Börse hat entschieden. Ab dem 20.September wird sich der Kreis der dann im DAX 40 notierten deutschen Top-Unternehmen um folgende Firmen erweitern: Airbus, Zalando, Siemens Healthineers, Hellofresh, Symrise, Sartorius, Porsche Holding, Brenntag sowie Qiagen und Puma. Gleichzeitig wird der MDAX, der zehn seiner Schwergewichte verliert, um nahezu 50 Prozent seiner Kapitalisierung einbüßen.

    Renten: Anleihenotierungen kaum verändert

Nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank ging ein Aufatmen durch die Euro-Rentenmärkte. Mit der verkündeten moderaten Drosslung des PEPP im vierten Quartal war klar, dass seitens der EZB nicht mehr gekürzt wird als befürchtet. Der im Vorfeld der EZB-Sitzung seit Wochenbeginn zu beobachtende Renditeanstieg bei den Bundesanleihen wurde damit egalisiert. Dies war auch in den Peripheriemärkten der Fall, sodass die Euro-Rentenmärkte im Vergleich zum Vorwochenschluss nahezu unverändert lagen. Die Risikoprämien (Spreads) zu Bundesanleihen haben sich dabei um einige wenige Basispunkte eingeengt. Am US-Staatsanleihemarkt verlief der Handel in engen Bahnen, auch dort zeigten sich die Renditen kaum verändert. Die Zinskurven in beiden Märkten wiesen nur geringe Renditeveränderungen auf.

Spanien platziert Green Bond mit großem Erfolg

Der spanische Staat platzierte in der Berichtswoche einen Green-Bond im Gegenwert von fünf Milliarden Euro. Die Nachfrage der Anleger war groß, das Orderbuch war zuletzt mit Kaufaufträgen von über 60 Milliarden Euro gut gefüllt. Grüne Anleihen sind eine stark wachsende Anleiheklasse. Weltweit nimmt die Emissionstätigkeit in diesem Segment weiter zu. So plant beispielsweise Großbritannien für die übernächste Woche ebenfalls die Platzierung eines Green Bonds.

    Ausblick auf die kommende Woche

Die wichtigsten Konjunkturdaten kommen in der neuen Woche aus den USA. Die Inflationsrate für August wird am Dienstag veröffentlicht. Die Schätzungen liegen im Durchschnitt bei plus 5,3 Prozent und bleiben damit weiter hoch. Was auch für die Kernrate gilt, die mit 4,3 Prozent veranschlagt wird. Bei den Einzelhandelsumsätzen, die am Donnerstag bekannt gegeben werden, rechnen die Analysten hingegen mit weiter abnehmender Kaufbereitschaft. Darüber hinaus steht mit Daten aus Japan sowie China der asiatische Raum im Blickpunkt.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 10. September 2021, soweit nicht anders angegeben.

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