MarktTicker 8. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 22. bis 26. Februar 2021

    Diese Woche: Spannungsfeld Inflation vs. Wachstumshoffnungen

In der Berichtswoche waren die Aktienmärkte zwischen Inflationssorgen und Wachstumshoffnungen hin- und hergerissen. Zunächst reagierten die Börsen auf gute US-Wirtschaftsdaten und positive Nachrichten im Rahmen der Corona-Impfstoffe mit Zugewinnen. Der Dow Jones Industrial Average erreichte einen Rekordstand. Dann gewannen die Belastungen aus den anhaltenden Inflationssorgen aber die Oberhand. An den Staatsanleihenmärkten kam es zu Kursrückgängen. Die Renditen stiegen weiter an, zehnjährige US-Papiere verzinsten sich zeitweise mit 1,55 Prozent. Kommentare seitens der US-Notenbank Fed und auch der Europäischen Zentralbank bestätigten ein Fortbestehen der anhaltend lockeren Geldpolitik, dies stieß aber an den Märkten auf keine entsprechend positive Resonanz.

Wirtschaftsdaten: Ifo-Index legt zu

Es geht wieder aufwärts – und das deutlicher als gedacht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Februar um 2,1 auf 92,4 Punkte gestiegen. Ursächlich war vor allem der zunehmende Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe. Aber auch in den Sektoren Dienstleistungen und Handel zeigten sich erste Verbesserungen. Überraschend kommt das nicht: Beide Bereiche waren aufgrund des Lockdowns im Vormonat stark eingebrochen. Die Aussichten auf eine Lockerung bis zum Sommer haben nun zumindest die Erwartungen auf bessere Geschäfte erhöht. Der Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe, vor allem in der Automobilindustrie, konnte auch nicht durch die Furcht vor einer Unterbrechung der Lieferketten aufgrund der verschärften Grenzkontrollen gebrochen werden. Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Angst weitgehend unbegründet ist. Die Produktion läuft kraftvoll weiter. Der Zustand der Industrie ist ungeachtet der Corona-Einschränkungen äußerst robust. Die Auftragsbücher sind für die kommenden sechs Monate gut gefüllt. Im Anschluss sollte sich die Lage durch die Massenimpfungen und die Lockerung der Einschränkungsmaßnahmen weiter verbessern. Diese Perspektive sollte sich auch an den Kapitalmärkten niederschlagen. Besonders zyklischen Unternehmen dürften die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie in den kommenden Wochen in die Karten spielen.

Euro-Inflation im Januar bei 0,9 Prozent

Bei der Inflationsdynamik sehen wir aktuell eine deutliche Diskrepanz zwischen den USA und dem Euroraum. In den USA zogen die Konsumentenpreise im Januar 2021 nur geringfügig an. Ganz anders verlief der Jahresauftakt hingegen im Euroraum. Hier schnellte die Inflationsrate zu Jahresbeginn förmlich in die Höhe und sprang von minus 0,3 Prozent im Dezember auf plus 0,9 Prozent im Januar.

Ein genauerer Blick zeigt aber, dass der Januar-Wert nicht überinterpretiert werden sollte und kein Grund ist, von einem moderaten Inflationsbild, insbesondere in Europa, abzurücken. Zum einen steckt eine Reihe von länderspezifischen Ursachen hinter der kräftigen Kehrtwende bei der Inflation. In Deutschland lief Ende 2020 die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer aus. Gleichzeitig wurde in Deutschland zu Jahresbeginn 2021 eine CO2-Abgabe von 25 Euro pro Tonne eingeführt. Zum anderen sind die Inflationsdaten für den Januar die ersten Monatswerte unter Verwendung des aktualisierten Wägungsschemas des HVPI-Warenkorbs. Darüber hinaus war der Bereich Dienstleistungen maßgeblich für den jüngsten Inflationssprung im Euroraum verantwortlich. Kurzzeitig wird die Inflation zwar medienwirksame Marken überspringen. Mittelfristig dominieren aber weiterhin die Gründe für eine moderate Inflation.

2021 spricht wenig für starken Inflationsanstieg

Für 2021 spricht, sowohl für die USA als auch für den Euroraum, abseits einiger technischen Besonderheiten, wenig für einen starken unterliegenden Inflationsanstieg. Durch die Pandemie ist der Auslastungsgrad in vielen Sektoren stark gesunken. Die erhöhte Arbeitslosigkeit spricht zudem für absehbar niedrige Lohnsteigerungen. Auch gehen wir davon aus, dass sich die erhöhte Sparquote auf kurze Sicht nicht vehement in den Konsum fließen wird, sondern sich angesichts der weiterhin hohen Unsicherheit über die künftige Erholung nur sukzessive abbaut. Obwohl die fundamentalen Faktoren kaum auf eine hohe Preisdynamik schließen lassen, dürfte die Inflation im Euroraum in diesem Jahr zumindest für einige Zeit (auf Monatssicht) die Zwei-Prozent-Schallmauer durchbrechen. In den USA wird voraussichtlich für kurze Zeit sogar die Drei-Prozent-Marke übertroffen. Die Notenbanken Fed und EZB dürften aber durch den vorübergehenden Preisanstieg „hindurchschauen“ und keine unmittelbare Notwendigkeit zu einer Reaktion erkennen lassen.

US-Notenbank hält an lockerer Geldpolitik fest

Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell hat in der Berichtswoche in einem mit großem Interesse erwarteten Rede vor dem Bankenausschuss des Senats die lockere Geldpolitik der Notenbank bestätigt. Am Null-Zins und den monatlichen Anleiheankäufen in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar werde festgehalten. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird laut Powell stark vom Tempo des Impfverlaufs gegen Corona abhängen. Die Lage am Arbeitsmarkt wird in der Fed mit Blick auf die ungünstige Entwicklung in den unteren Einkommensschichten derzeit mit Sorge betrachtet. Bestätigt wurde die Flexibilisierung des Inflationsziels (um die zwei Prozent), die im Rahmen der jüngsten Preisanstiege und der damit einhergehenden erhöhten Inflationserwartungen etwas Druck von der Fed bezüglich Gegenmaßnahmen nimmt. Wichtig für die Anleger war die Bestätigung, dass die Fed einen Wechsel ihrer lockeren Geldpolitik mit einem entsprechenden Vorlauf zeitlichen kommunizieren werde.

Europäische Zentralbank hat Renditeentwicklung im Blick

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich in Berichtswoche zum jüngsten Renditeanstieg am Rentenmarkt gemeldet. EZB-Präsidentin Lagarde wies auf eine genaue Beobachtung der Entwicklung der Staatsanleiherenditen durch die Zentralbank hin. Mit dem Anstieg der Renditen, auch die Realrenditen (Nominalrendite abzüglich Inflation) gehen Befürchtungen hinsichtlich einer Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen einher. Dadurch werden die Maßnahmen der Zentralbank zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung konterkariert.

Die Stellungnahme der EZB wird als starke Intervention gewertet und könnte als Auftakt für umfangreichere Anleiheankäufe im Rahmen des PEPP gelten. Damit stellt sich unter den Marktteilnehmern die Frage, ob die EZB künftig zu einer stärkeren Kontrolle beziehungsweise Steuerung der Zinsstrukturkurve übergehen könne. Dies war beispielsweise in Japan durch die BoJ in der Vergangenheit der Fall gewesen.

Gute US-Wirtschaftsdaten

Mit Blick auf weitere wichtige Wirtschaftsindikatoren zeigte sich in den USA der vielbeachtete Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter (Durable Goods) im Januar mit plus 3,4 Prozent überraschend stark. Die bei Bloomberg gelistete durchschnittliche Erwartung lag bei 1,1 Prozent. Somit scheint die US-Wirtschaft Fahrt aufzunehmen. Auch die Neubauverkäufe zeigten sich im Januar mit 923.000 Einheiten über den Erwartungen. Der Arbeitsmarkt präsentierte sich mit 730.000 Neuanträgen auf Arbeitslosenunterstützung in der Vorwoche ebenfalls in besserer Verfassung als erwartet, wenngleich die absolute Zahl immer noch sehr wenig Entspannung verspricht.

    Aktien: Zinssorgen bremsen Aktienmärkte aus

Die Aktienmärkte reagierten mit fortgesetzter Aussicht auf eine Belebung der Wirtschaft zunächst verhalten freundlich. Positive Studien über die Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe und die unmittelbar bevorstehende Zulassung eines weiteren Impfstoffs durch das US-Unternehmen Johnson&Johnson unterstützten. Der Dow Jones Industrial Average erreichte mit 32.000 Punkten einen Rekordstand. Am Donnerstag drehten jedoch die Märkte ins Minus, die Inflationssorgen und der damit einhergehende Ausverkauf an den Staatsanleihemärkten belasteten zu sehr. Der technologielastige Nasdaq-Index war zuvor schon unter Druck geraten und gab bis Donnerstagabend 5,9 Prozent gegenüber dem Vorwochenschluss ab. Der Zinsanstieg an den Rentenmärkten wurde vor allem für Wachstumswerte zu einer Belastung, zu denen mehrheitlich Technologietitel gehören. Der Dow lag mit 0,3 Prozent hingegen nur leicht im Minus. Insgesamt wiesen alle großen Börsen weltweit negative Vorzeichen auf. In Asien gab der Hang Seng China Enterprises-Index 6,9 Prozent ab, der Nikkei 225-Index verlor 3,5 Prozent. Der MSCI World-Index lag 1,6 Prozent unter Vorwochenschluss.

Europäische Aktienbörsen aber gut gehalten

Im Euroraum hielten sich sowohl der DAX 30- als auch der EURO STOXX 50-Index nahezu unverändert. Dies galt auch für den in Europa repräsentativen STOXX Europe 600-Index. Die Branchenentwicklung verlief dort sehr heterogen. Der Reise- und Unterhaltungssektor wurde von der Hoffnung auf ein kommendes Ende der Corona bedingten Beschränkungen getragen und legte um 5,8 Prozent zu. Banken profitierten vom Zinsanstieg und lagen auf Indexebene mit plus 5,3 Prozent ebenfalls vorne. Auch Öl- und Gasaktien konnten mit 5,4 Prozent deutlich hinzugewinnen. Gesundheitsaktien (minus 4,2 Prozent), Technologiewerte und Versorger (jeweils minus 2,4 Prozent) gaben hingegen in der Berichtswoche ab.

Delivery Hero im DAX weit abschlagen

Bei den DAX-Werten lag die Deutsche Bank parallel zur guten Entwicklung im STOXX 600-Branchenindex mit 9,7 Prozent deutlich vorne. Auf der Verliererseite standen Delivery Hero, die sogenannten „Stay-at-Home-Aktien verlieren angesichts der Fortschritte bei den Corona-Impfungen und dem Anlaufen der Öffnungswelle zusehends an Interesse bei den Anlegern. Die Aktie gab bis Freitagmittag auf Wochensicht 12,6 Prozent ab. Mit minus 4,2 Prozent folgt Bayer. Der Konzern senkt nach einem eher wenig begeisternden Geschäftsjahr mit Rekordverlust die Dividende von 2,80 auf 2,00 Euro. Belastet hat zudem der Ausblick, im laufenden Geschäftsjahr wird von einem Rückgang im bereinigten operativen Ergebnis ausgegangen.

    Renten: Renditeanstieg bei Staatsanleihen setzt sich fort

Am Markt für US-Schatzanweisungen und deutsche Bundesanleihen kam es am Donnerstag zu einem Ausverkauf. Ungeachtet marktfreundlicher Notenbankkommentare gerieten die Anleihenotierungen - Stichwort Inflation - weiter unter Druck. Der hieraus resultierende Renditeanstieg führte am US-Staatsanleihemarkt bei den Zehnjahrespapieren bis auf 1,55 Prozent. Am Donnerstag geriet vor allem der mittlere Laufzeitbereich unter Druck, sodass sich die US-Zinskurve im Wochenvergleich eher parallel nach oben verschob denn steiler wurde.

Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten zeitweise mit minus 0,21 Prozent. Zum Vergleich: Im Januar lag die Zehnjahresrendite über weite Strecken bei minus 0,55 Prozent. Auf der Bundkurve zogen ebenfalls die Renditen in den mittleren Laufzeitbereichen an. Der deutsche Anleihemarkt bewegte sich letztlich im Fahrwasser der US-Rentenentwicklung. Deutsche Anleihen mit 30 Jahren Laufzeit rentierten am Freitag mit 0,2 Prozent wieder deutlich im positiven Bereich. Am Freitag wurde hinsichtlich des langen Laufzeitensegments bekannt, dass die deutsche Finanzagentur nicht mit lang laufenden Papieren (ultralange Laufzeiten) plant. 30-jährige Papiere dürften somit bezüglich der Fälligkeiten das Ende der Fahnenstange bedeuten.

Mit Blick auf die Peripherie machte auch dort der Renditeanstieg nicht halt. Griechische Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten wieder mit etwas mehr als einem Prozent. Laufzeitgleiche italienische Bonds lagen bei 0,8 Prozent. Der Spread zu deutschen Bundesanleihen hat sich vom Tiefstand bei 90 Basispunkten Mitte Februar wieder auf 104 Basispunkte ausgeweitet. Der Gesamtmarkt (iBoxx Euro Sovereigns) verlor bis Donnerstagabend 0,8 Prozent. Trotz einer leichten Erholung am Freitag ist die Wochenbewegung negativ. Deutliche Renditeanstiege waren zudem in Großbritannien und vor allem in Australien zu beobachten. Die Zehnjahresrendite australischer Staatspapiere sprang in der Berichtswoche von 1,43 auf 1,9 Prozent.

Euro-Unternehmensanleihen tendierten bis Donnerstagabend durch die Zinsbelastung etwas leichter, die Risikoprämien hielten sich hingegen relativ stabil. Dies traf auch für Schwellenländer-Anleihen in US-Dollar und Euro zu.

Der Euro wertete zum US-Dollar zunächst deutlich auf (1,2243 US-Dollar je Euro), gab aber am Donnerstag und Freitag die Aufwertungsgewinne wieder nahezu komplett ab.

      Ausblick auf die kommende Woche

Die Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum steht am Dienstag im Blickpunkt der Anleger. Die Februar-Daten dürften aufgrund der Verteuerung der Energie etwas zulegen. Bei der Kernrate sollte hingegen eine Entspannung zu erwarten sein. Aus den USA wird am Freitag der Arbeitsmarktbericht mit großer Spannung erwartet. Den Prognosen zufolge wird mit einem weiteren Beschäftigungsanstieg gerechnet.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 26. Februar 2021, soweit nicht anders angegeben.

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