MarktTicker 17. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 20. bis 24. April 2020

    Diese Woche: Der Ölpreis schreibt Geschichte

Ölpreis fällt zwischenzeitlich auf fast minus 40 US-Dollar

Erneut liegt eine ereignisreiche Woche hinter uns, die insbesondere am Ölmarkt für große Verwerfungen gesorgt hat. Erstmals notierte Öl der Sorte WTI im Minus. Damit wurde das Börsenlexikon um eine kuriose Geschichte reicher. Zwischenzeitlich kostete ein Fass minus 37 US-Dollar. Was war passiert? Öl wird über Derivate gehandelt, die monatlich auslaufen und mit denen eine feste Liefer- / Abnahmeverpflichtung einhergeht. Anders als bei Aktien- oder Rentenderivaten findet letztlich eine physische Lieferung statt. Wer also auf steigende Kurse setzt und damit Öl kauft, muss am Ende das entsprechende Öl abnehmen. In den USA gibt es ein zentrales Öllager in Cushing/Oklahoma, das angesichts der geringen Nachfrage auf dem Weltmarkt inzwischen nahezu randvoll gefüllt ist. Noch freie Lagerkapazitäten sind längst ausgebucht und genau hier wurden einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischt. Um kein Öl abnehmen zu müssen, mussten die Kontrakte am letzten Tag vor dem Kontraktwechsel noch schnell veräußert werden. Da sich in diesem Umfeld aber kein Abnehmer fand, fiel der Preis letztlich ins Bodenlose. Mit dem Kontraktwechsel am Folgetag korrigierte sich der Marktpreis wieder etwas, blieb aber unter Druck. Auch Öl der Sorte Brent wurde davon in Mitleidenschaft gezogen und fiel bis auf 16 US-Dollar pro Barrel.

Der Ölmarkt weist aufgrund der Corona-Situation einen nie dagewesenen Angebotsüberschuss auf. Angesichts begrenzter globaler Lagerkapazitäten muss – solange die Nachfrage aufgrund der weltweiten Lockdown-Maßnahmen weiterhin schwach bleibt – das Angebot eingedämmt werden. Dies muss kurzfristig geschehen. Die US-Regierung oder einzelne Bundesstaaten (v.a. Texas) dürften den Ölunternehmen nun – trotz vorheriger, anderslautender Bekundungen – Produktionskürzungen vorschreiben. Zusätzlich dürften Subventionen fließen, um einige Unternehmen längerfristig am Leben zu erhalten, zumal die weitgehende Unabhängigkeit von Energieimporten (die USA sind inzwischen ein Netto-Öl- und Gas-Exporteur) ein hohes Gut ist.

EU-Gipfel ohne große Ergebnisse zu Ende gegangen

Am Donnerstag fand ein weiterer EU-Gipfel statt. Die Staats- und Regierungschefs verabschiedeten das schon im Vorfeld von den Finanzministern ausgehandelte Hilfspaket in Höhe von 540 Milliarden Euro. Als problematisch erweist sich weiterhin die hohe Verschuldung Italiens, für die zumindest vorerst keine Lösung gefunden wurde. Anleihen mit gemeinschaftlicher Haftung (Corona-Bonds) scheinen nun vom Tisch zu sein. Stattdessen soll es nun einen großzügigen Wiederaufbaufonds geben. Nennenswerte Ergebnisse kamen damit nicht zustande, die Erwartungshaltung im Vorfeld war jedoch auch gering. Als Enttäuschung darf der Gipfel aber nicht gewertet werden. Die Gespräche verliefen durchaus harmonisch und es gelang Europa, mit einer Stimme zu sprechen. Im Vorfeld leistete Bundeskanzlerin Merkel hier viel Vorarbeit und telefonierte bereits zu Wochenbeginn mit Rom, Paris und Madrid.

Auch in den USA wurde ein weiteres Hilfspaket beschlossen

Am Dienstag verabschiedete der US-Senat das inzwischen vierte Hilfspaket zur Abfederung der Corona-Folgen einstimmig. Die Hilfen sollen vor allem an kleine Unternehmen und Krankenhäuser gehen. 310 Milliarden US-Dollar sind demnach zur Aufstockung der Mittel für Kredite an Kleinunternehmen vorgesehen, 75 Milliarden US-Dollar für Krankenhäuser und weitere 25 Milliarden US-Dollar sollen unmittelbar für Corona-Tests verwendet werden. Bereits im März hatte die USA ein Konjunkturprogramm in Höhe von 2,2 Billionen US-Dollar beschlossen, welches ca. 350 Milliarden US-Dollar für Kleinunternehmen vorgesehen hatte. Nach drei Wochen waren diese Hilfen jedoch aufgebraucht. Somit wird das neue Paket von den Unternehmen dringend erwartet. Die Verteilung erfolgt weiterhin über die Banken. Diese standen seit dem letzten Hilfspaket aber in der Kritik, da auch Restaurantketten Millionen-Summen erhalten hatten. Eigentlich sind die Gelder nur für Unternehmen mit maximal 500 Mitarbeitern gedacht. Große Ketten, die in Summe deutlich mehr Personen beschäftigen, hatten sich aber über einzelne Filialen Mittel beschafft. Gleichzeitig kamen Kleinstbetriebe zu kurz, da diese ihr Konto bei kleinen Regionalbanken, nicht aber bei landesweiten Großbanken unterhalten. Um diesen Fehler zu umgehen, sollen nun auch Regionalbanken das Geld an Kleinunternehmen ausgeben können, da meist bei ihnen die Anträge der Unternehmen eingehen.

    Aktien: Lufthansa mit Milliardenverlust

Der Ölpreisverfall sorgte vor allem am Dienstag für eine heftige Korrektur am Aktienmarkt. Für den DAX ging es um mehr als vier Prozent abwärts. Das war der höchste Tagesverlust seit Mitte März. Auch in den USA büßte der S&P 500 Index drei Prozent ein. Zum Wochenende hin erholten sich die Kurse wieder leicht. Mit Blick auf die einzelnen Sektoren des breiten europäischen Aktienmarktes STOXX Europe 600 bestätigten sich die Trends der vergangenen Wochen. Zu den Verlierern zählten unverändert Aktien aus dem Reisesektor, die durchschnittlich rund drei Prozent verloren. Auf der Gewinnerseite waren hingegen Titel aus dem Gesundheitssektor zu finden, die etwa zwei Prozent zulegen konnten.

Lufthansa mit Milliardenverlust

In den vergangenen Wochen ist der Flugverkehr fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Die Lufthansa hat inzwischen nahezu alle Flugzeuge am Boden und bereits harte Einschnitte angekündigt. Für das erste Quartal wurde nun ein Verlust von 1,3 Milliarden Euro gemeldet. Rückstellungen könnten das Ergebnis sogar noch nachträglich verschlechtern. Für das zweite Quartal muss mit einem noch höheren Verlust gerechnet werden, denn bislang ist unklar, wann die Kraniche wieder fliegen können. Noch verfügt der Konzern über ein Liquiditätspolster von etwa fünf Milliarden Euro. Eine staatliche Beteiligung rückt aber immer näher. Schon seit Wochen verhandelt die Unternehmensspitze mit der Bundesregierung. Allein in dieser Woche büßte der Aktienkurs 13 Prozent an Wert ein. Seit Jahresbeginn büßte die Aktie 55 Prozent ein. Wann und wie der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird, ist völlig offen. Profitabel sind Flüge dann, wenn die Sitzauslastung hoch ist. Sollte jedoch der Mittelplatz frei bleiben müssen, um einen Abstand zum Sitznachbarn zu wahren, dann wird der Ticketpreis wohl steigen müssen.

Biontech mit Kurssprung

Auf der anderen Seite der Kurstafel befinden sich Titel aus dem Gesundheitssektor. Das Mainzer Unternehmen Biontech hat diese Woche die Genehmigung für das Testen eines Impfstoffs an rund 200 Freiwilligen erhalten. Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts Klaus Cichutek hält es zwar für unwahrscheinlich, dass es noch in diesem Jahr zu einer Zulassung eines Impfstoffes für die gesamte Bevölkerung kommen wird. Die Nachricht löste dennoch in einer ersten Reaktion einen Kurssprung von fast 70 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von letzter Woche aus. Nach Gewinnmitnahmen dürfte das Plus zum Wochenausklang noch bei rund 25 Prozent liegen.

    Renten: Anleihen aus Südeuropa bleiben unter Druck

Hohe Neuemissionen aus Spanien und Italien

Zur Finanzierung weiterer Staatsausgaben emittierten in dieser Woche sowohl Spanien als auch Italien neue Anleihen. Beide Male war das Interesse angesichts der vergleichsweisen hohen Rendite, die den Investoren geboten wurde, sehr groß. Insgesamt summierte sich das Ordervolumen jeweils auf mehr als 100 Milliarden Euro. Beide Länder boten einen attraktiven Zinsaufschlag zu den bereits ausstehenden Papieren und sammelten 15 bzw. 16 Milliarden ein. Für die schon bestehenden Anleihen wurde dies jedoch zu einer Belastung und es kam zu höheren Risikoaufschlägen. Erst danach zeigte sich der Markt wieder etwas freundlicher, was auch an den starken Käufen der Europäischen Zentralbank (EZB) gelegen haben dürfte.

EZB ändert Vorgaben

Wenn das Tempo so hoch bleibt, dann stoßen die Währungshüter bei ihrem Kaufprogramm (PEPP) demnächst an ihre Grenzen. Marktteilnehmer rechnen daher mit einer Erhöhung auf der nächsten EZB-Sitzung. Schon in dieser Woche passten die Währungshüter die Vorgaben für bei ihr hinterlegte Sicherheiten an. Demnach können demnächst auch Anleihen mit schwächerer Bonität (High Yield) hinterlegt werden, sofern diese noch vor dem 7. April über eine gute Kreditwürdigkeit (Investment Grade) verfügten. Gut möglich, dass die Notenbank ihr Kaufprogramm perspektivisch auch um die Anlageklasse der hochverzinslichen Papiere (High Yield) erweitern wird, wie es bereits die US-Notenbank Fed getan hat. Die neue Regelung stützt die sogenannten „Fallen Angels“, die für gewöhnlich unter Druck geraten, wenn ihre Bonität abgestuft wird, weil viele Investoren ein Rating von schlechter als BBB nicht akzeptieren.

    Ausblick auf die kommende Woche

Es dürfte die Woche der Notenbanken werden. Die Währungshüter in Japan, den USA und vom Euroraum tagen. In Japan haben die Zentralbanker bereits weitere Maßnahmen angekündigt und auch in den USA und im Euroraum wären Änderungen/Aufstockungen nicht überraschend.

Darüber hinaus wird sich in den Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal ein deutlich negativer Corona-Effekt zeigen.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 24. April 2020, soweit nicht anders angegeben.

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