MarktTicker 32. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 05. – 09. August 2019

- Diese Woche: China lässt Yuan abwerten

- Aktien: Nach Verlusten folgt Erholungsbewegung

- Renten: Deutsche Zinskurve renditeseitig komplett im Minusbereich

- Ausblick: Deutschland mit Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal

Was diese Woche wichtig war: China lässt Yuan abwerten

Chinesische Reaktion auf Trumps Zollankündigung

Die Reaktion der Chinesen auf Trumps Zollankündigung ließ nicht lange auf sich warten. Die chinesische Zentralbank (PBoC) ließ eine Abwertung des Yuan zu, was chinesische Exporteure begünstigt, da ihre Ausfuhren günstiger werden. Dadurch können die Firmen die Zolleffekte zum Teil kompensieren. Am Montag wertete der Yuan stark ab. Für einen US-Dollar erhielt man mehr als 7 Yuan – das war zuletzt im Frühjahr 2008 der Fall. Diese Marke galt lange als „rote Linie“, die die chinesische Notenbank nicht überschreiten werde. Dass sie es jetzt doch zugelassen hat, rief bei den Marktteilnehmern Sorgen vor einem möglichen Währungskrieg hervor und führte zunächst zu einer erhöhten Unsicherheit am Kapitalmarkt.

Abwertung geringer als von Anlegern befürchtet

Allerdings verlief die Abwertung weniger deutlich als von den Anlegern befürchtet. Letztlich stabilisierte sich der Kurs im Wochenverlauf knapp oberhalb der Marke von 7 Yuan. Zwar wurde ein Elfjahrestief erreicht. Die Stabilisierung half jedoch, die Märkte zu beruhigen. Die unsichere Lage dürfte aber anhalten. Wir gehen nicht davon aus, dass es vor der US-Präsidentschaftswahl im November 2020 ein neues Handelsabkommen zwischen den USA und China geben wird.

Veröffentlichte Konjunkturdaten

Bei den Konjunkturdaten fiel die schwache Industrieproduktion Deutschlands im Juni auf. Mit minus 1,5 Prozent hat sich wie befürchtet die schlechte Einschätzung bestätigt. Der deutsche Auftragseingang lag hingegen bei plus 2,5 Prozent und konnte zumindest von einem Großauftrag aus dem Nicht-EWU Ausland profitieren.

Die Einkaufsmanagerindizes des Dienstleistungssektors im Euroraum zeigten sich im Juli mit 53,2 Punkten recht solide.

In den USA fiel der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe mit 53,7 Punkten etwas schwächer als erwartet aus.

Japan erzielte im zweiten Quartal 2019 ein BIP-Wachstum in Höhe von 0,4 Prozent, welches im Wesentlichen auf Vorzieheffekte der kommenden Mehrwertsteuererhöhung zurückzuführen war.

Aktien: Nach Verlusten folgt Erholungsbewegung

Angst vor Währungskrieg

Der anhaltende Handelskonflikt und die jüngste Eskalation mit der Abwertung des Renminbis setzte die Aktienmärkte weltweit zunächst unter Druck. Vor allem die asiatische Region litt unter der Yuan-Unsicherheit. Zwischenzeitlich lagen die Verluste bei den US-amerikanischen und europäischen Aktienindizes im Bereich von jeweils drei Prozent. Insbesondere die Konsumgüterhersteller wurden in Mitleidenschaft gezogen, da diese stärker von den Zöllen betroffen sein werden. So kam beispielsweise die Apple-Aktie unter Druck. Die Sorge kam auf, dass die neuen Zölle zu einer sinkenden iPhone-Nachfrage führen könnten. Zur Wochenmitte kam es dann aber an den Aktienmärkten zu einer Erholungsbewegung. Ermutigende Konjunkturdaten aus China und eine Stabilisierung des Yuan haben die Aktienmärkte unterstützt. Die chinesischen Ausfuhren stiegen trotz des Zollstreits mit den Vereinigten Staaten im Juli um 3,3 Prozent. Die Importe schrumpften zwar um 5,6 Prozent, Analysten hatten aber mit einem größeren Minus gerechnet. Nichtsdestotrotz bleibt die Sorge vor einem Währungskrieg groß.

Mit Blick auf die Indizes lagen der Dow Jones Industrial Average und der marktbreitere S&P 500-Index auf Wochensicht per Freitagmittag (circa 16.00 Uhr) mit 0,8 und 0,5 Prozent leicht im Minus. Im Euroraum bewegten sich der EURO STOXX 50- und der STOXX Europe 600-Index mit 1,2 beziehungsweise 1,6 Prozent im negativen Terrain. Der DAX 30-Index tendierte um 1,5 schwächer.

Rohstoffbranchen unter Druck

Die Angst vor einer Eskalation im Handelskonflikt spiegelte sich vor allem in den Rohstoffbranchen wider. Bezogen auf den STOXX Europe 600-Index lagen vor allem die Grundstoffe (minus 4,5 Prozent) sowie Öl & Gas (minus 3,5 Prozent) wegen rückläufiger Rohstoffpreise deutlich im negativen Bereich. Zudem gab der Bankensektor mit vier Prozent merklich nach. Leicht im Plus lagen mit 0,4 und 0,3 Prozent der Gesundheitssektor sowie Medien.

In Rahmen der noch laufenden Berichtssaison blieben in der Berichtswoche größere (negative) Überraschungen aus.

Renten: Deutsche Zinskurve renditeseitig komplett im Minusbereich

US-Treasuries drehen nach Auktion

Nach der US-Notenbank und auch der (zumindest angekündigt) EZB sind weitere Zentralbanken auf Zinssenkung eingestellt. So wurden in der Berichtswoche in Neuseeland, Indien und Thailand die Leitzinsen gesenkt. Bei gleichzeitig schwachen Konjunkturdaten gab dies dem Bondmarkt weitere Schubkraft. Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries fiel von 1,85 auf vorübergehend 1,6 Prozent. Eine eher mäßig verlaufene Auktion neuer Staatsanleihen stoppte dann den abwärts gerichteten Renditetrend. Mit 1,7 Prozent ging es in Richtung Wochenschluss. Die US-Zinskurve verschob sich im Wochenvergleich um 10 bis 14 Basispunkte nach unten.

Hohe Nachfrage, Bundesanleihen bei minus 60 Basispunkten

An den europäischen Staatsanleihemärkten hielt die Nachfrage im Umfeld rückläufiger Aktienmärkte zunächst weiter an. Über alle Märkte hinweg fielen, hauptsächlich von den Bundesanleihen getrieben, die Renditen. Bis zur Wochenmitte fiel auf Gesamtmarktebene (iBoxx € Sovereigns) zunächst ein Plus von einem Prozent an. Im weiteren Verlauf wurden die Gewinne im Zuge der Erholung an den Aktienmärkten aber wieder zum Großteil abgegeben.

Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit rentierten zwischenzeitlich mit minus 60 Basispunkten so tief wie nie zuvor. Die deutsche Zinsstrukturkurve lag in der Berichtswoche komplett im Minus. Auf der Suche nach Rendite waren nun auch ultralange Laufzeiten (30 Jahre) stark nachgefragt. Über nahezu alle Laufzeiten hinweg gaben die Renditen in der Berichtswoche um acht Basispunkte nach, sodass sich die Zinskurve parallel nach unten verschob.

Auch in der Peripherie waren - mit Ausnahme von Italien - weitere Zugewinne respektive rückläufige Renditen zu beobachten.

Bundesregierung: Abkehr von „schwarzer Null“?

Am Donnerstag kam die Aufwärtsbewegung bei den Anleihekursen aber zusehends ins Stocken. Zum einen machten Gerüchte die Runde, der Bund wolle sich im Hinblick auf die Verschuldung von der „schwarzen Null“ verabschieden. Die Regierung erwäge angeblich eine Erhöhung der Schuldenaufnahme zur Finanzierung von Klimaschutzplänen. Auch soll Presseberichten zufolge der Internationale Währungsfonds (IWF) darauf hingewiesen haben, dass Deutschland fiskalische Anreize bräuchte, um eine Wachstumsverlangsamung zu vermeiden. Der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte die Emission weiterer deutscher Bundesanleihen vor dem Hintergrund der voraussichtlichen Neuauflage des Anleiheankaufprogramms gerade recht kommen, das Volumen frei handelbarer Bundespapiere ist stark geschrumpft. Damit stünden der EZB zusätzliche Anleihen für den Ankauf im Rahmen ihrer geldpolitischen Lockerung zur Verfügung.

Italien im Euroraum unter Druck

Zum anderen spitzt sich in Italien die politische Lage zu. Lega-Chef Salvini arbeitet am Bruch der italienischen Regierungskoalition und strebt Neuwahlen an; ausgerechnet in der Sommerpause, in der sich das italienische Parlament im Urlaub befindet. Mögliche Neuwahlen könnten erst Mitte Oktober abgehalten werden, dies hängt jedoch von der Prozedur hinsichtlich der Vertrauensfrage und dem Willen des Parlamentspräsidenten ab, das Parlament auflösen zu wollen. Der italienische Bondmarkt reagierte hierauf mit erhöhter Volatilität und einem deutlichen Anstieg der Renditen. Im Zehnjahresbereich ging es nach 1,4 Prozent im Tief zur Wochenmitte am Freitagmittag in Richtung 1,8 Prozent.

Ausblick auf die kommende Woche

Deutschland: Bruttoinlandsprodukt im 2. Quartal

Am Mittwoch erwarten wir die Veröffentlichung des deutschen BIP im zweiten Quartal. Nach zuletzt insgesamt schwachen Wirtschaftsdaten rechnen die Analysten im Konsens mit einem leichten Rückgang in Höhe von 0,1 Prozent. Anschließend erfolgen die Daten für den gesamten Euroraum.

Ein Tag zuvor werden die ZEW-Konjunkturprognosen für Deutschland im August bekanntgegeben. Mit minus 26 Punkten wird ein weiteres Abrutschen im bereits negativen Bereich erwartet.

Marktrelevante US-Daten

Am US-Markt werden mit den Einzelhandelsumsätzen und der Industrieproduktion am Donnerstag sowie dem Verbrauchervertrauen am Freitag wichtige Konjunkturdaten veröffentlicht. Die Juli-Daten werden erste Aufschlüsse über den Start der US-Wirtschaft in das dritte Quartal geben.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 9. August 2019, soweit nicht anders angegeben.

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