Marktrückblick und -ausblick 24. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 14. bis 18. Juni 2021

    Diese Woche: US-Notenbank Fed bestätigt lockere Geldpolitik

Die US-Notenbank hält ihre expansive Geldpolitik (vorerst) bei, die Märkte nehmen eine Straffung jedoch langsam, aber sicher aufs Korn. Nach zunächst weiteren Indexrekorden gab ein Großteil der Aktienbörsen im Wochenverlauf etwas nach. Am US-Staatsanleihemarkt schwankten die Renditen merklich, vor allem im mittleren Laufzeitsegment gab es Verluste. Im Euroraum stand die erste Anleihe der Next Generation EU zur Platzierung an, die sehr erfolgreich verlief.

Fed-Zinserwartungen: FOMC- Mitglieder schwenken um

Die US-Notenbank Federal Reserve hält an ihrer lockeren Geldpolitik unverändert fest. Das Tempo der monatlich 120 Milliarden US-Dollar umfassenden Anleiheankäufe wird vorerst beibehalten. Beim in der Diskussion stehenden Thema Tapering, also der Rückführung der Anleiheankäufe, gab es am Mittwoch wenig Konkretes. Ab dem kommenden FOMC-Meeting im Juli wird die Fed den Fortschritt mit Blick auf ihre geldpolitischen Ziele beurteilen, aber eine konkrete Planung noch auf sich warten lassen. Wesentlich spannender zeigte sich hingegen die Entwicklung der Zinserwartungen bei den Fed-Mitgliedern. Die neuste mittels der mit „Dot Plot“ bezeichneten Punktematrix zeigt, dass nunmehr 13 der 18 FOMC-Mitglieder einen Zinsschritt bis Ende 2023 für angemessen erachten. Der Median liegt sogar bei zwei Zinsschritten und stieg von null auf zwei. Dies entspricht auch der derzeitigen Markterwartung. Ein erster Zinsschritt wird aber erst nach dem Beginn des Tapering erfolgen.

Bei den wirtschaftlichen Prognosen für das laufende Jahr ist die Fed optimistischer als noch im März. Zudem wurde die Inflationsprognose um einen Prozentpunkt auf 3,4 Prozent (PCE) deutlich erhöht und der aktuellen Entwicklung angepasst.

Im Fazit ist die Fed am Mittwoch mit ihren Prognosen „neutral zum Markt“ gegangen. Der mittlere Laufzeitbereich der US-Zinskurve reagierte zunächst mit Kursverlusten respektive einen Renditeanstieg von bis zu zwölf Basispunkten (Fünfjahrespapiere).

Unserer Einschätzung nach dürfte die Fed spätestens Anfang des zweiten Quartals 2022 beginnen, ihre Anleiheankäufe graduell zu reduzieren. Sollten sich die Beschäftigung am US-Arbeitsmarkt rascher erholen, könnte das Tapering bereits im ersten Quartal 2022 einsetzen. Mit einem ersten Zinsschritt durch die Fed rechnen wir im ersten Halbjahr 2023.

Konjunkturdaten

Die Industrieproduktion der EU war im April mit 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat recht ordentlich (Konsensschätzung bei Bloomberg: 0,4 Prozent).

In den USA gab es bei den Einzelhandelsumsätzen im Mai mit einem vorläufigen Minus in Höhe von 1,3 Prozent im Monatsvergleich einen deutlichen Rücksetzer. Die Analysten hatten einen Rückgang um 0,8 Prozent erwartet. Ein Abflauen der Umsatztätigkeit nach den von der Regierung in den Vormonaten ausgegebenen Haushaltsschecks war letztlich erwartet worden und im Wesentlichen für den Rückgang verantwortlich. Zudem ist im Rahmen des „Reopening“ der Wirtschaft nun die Tendenz zur verstärkten Inanspruchnahme von Dienstleistungen zu beobachten, was nun diesem Sektor Auftrieb verleiht. Die Industrieproduktion war ordentlich und lag im Mai mit 0,8 Prozent ein Zehntel über den Erwartungen. Am US-Immobilienmarkt zeigten sich eher widersprüchliche Signale. Während die Baubeginne leicht über Erwartung zulegten, gingen die Genehmigungen deutlich zurück. Am US-Arbeitsmarkt war die Zahl der Erstanträge mit 412.000 etwas höher als erwartet (360.000). Dies war der erste Anstieg seit Ende April.

In China lagen sowohl die Einzelhandelsumsätze als auch die Industrieproduktion im Mai (im Vergleich zum Vorjahr) ebenfalls unter den Erwartungen.

    Aktien: Zunächst weitere Indexrekorde, dann folgend die Marktkorrektur

Zunächst konnten die US-Aktienmärkte wie der S&P 500- oder auch der Nasdaq-Index in der Berichtswoche neue Höchststände erzielen. Im Euroraum kletterte der DAX 30-Index zum Wochenauftakt vorübergehend auf rund 15.800 Punkte, der EURO STOXX 50 folgte mit einem historischen Hoch. Doch die Fed sorgte trotz ihrer (vorläufigen) Beibehaltung der expansiven Geldpolitik für etwas Nervosität. Die in weiterer Zukunft erwartete Reduzierung der Anleiheankäufe und die Zinsdiskussion belasteten. Auf die Top-Stände hin folgte etwas Verkaufsdruck im Rahmen von Positionsbereinigungen bzw. Umschichtungen, sodass die Mehrzahl der Indizes per Freitagvormittag auf Wochensicht leicht im Minus lag. Die Bandbreite bei den großen Indizes lag bei plus 1,5 Prozent (Nasdaq-Index) und minus 1,9 Prozent (Dow Jones Industrial Average). Der MSCI World-Index lag ein halbes Prozent im Minus. Insgesamt zeigten die Stimmungsindikatoren bis zur Wochenmitte aber einen großen Optimismus an, wenngleich dieser in den USA zumindest kurzfristig etwas rückläufig war.

Rohstoffbranche deutlich im Minus

Mit Blick auf die Branchenentwicklung im STOXX Europe 600-Index lagen Haushaltsgüter und Technologierwerte mit Zugewinnen von 1,5 bzw. 1,3 Prozent an der Spitze, zahlreiche weitere Sektoren bewegten sich leicht im positiven Bereich. Der Rohstoffsektor (Basic Resources) kam hingegen mit minus 5,1 Prozent deutlich unter Druck. Einhergehend mit der Aufwertung des US-Dollar und des vorangegangenen Preisanstiegs kam es beim Ölpreis und anderen Rohstoffen in Richtung Wochenschluss zu deutlichen Rücksetzern. Gold verlor gegenüber letztem Freitag rund fünf Prozent.

Darüber hinaus lagen der Auto- und der Bankensektor im Minus. Im DAX 30-Index waren auch Volkswagen Vorzüge und Aktien der Deutschen Bank mit fünf bzw. vier Prozent die Wochenverlierer.

Unter den Einzeltiteln ist an dieser Stelle vielleicht noch die Aktie von CureVac erwähnenswert. In einer Studie wurde dem Impfstoff des Unternehmens im Rahmen einer zweiten Zwischenanalyse laut Presseberichten eine nur 47prozentige Wirksamkeit gegen Corona bescheinigt. Die an der Nasdaq gelistete Aktie verlor in der Berichtswoche bis Donnerstagabend rund 40 Prozent ihres Kurswertes.

Der US-Dollar wertete im Rahmen der Fed-Sitzung in Erwartung einer künftig strafferen US-Geldpolitik auf. Der Euro beispielsweise verlor seit vergangenem Freitag gut 1,5 Prozent zum Greenback.

    Renten: Next Generation EU (NGEU) mit erster Anleihe

Anfang Juni haben alle EU-Mitgliedsländer die Krisenhilfen der Europäischen Union (EU) durchgewunken. Nach der Ausgabe von Social Bonds zur Finanzierung von europäischen Arbeitslosenhilfen (SURE) legt die EU-Kommission – stellvertretend für die Europäische Union – nun nach. Am Dienstag nahm die Europäische Kommission nun erstmals Mittel zur Finanzierung des Wiederaufbaupakets Next Generation EU (NGEU) am Kapitalmarkt auf. Die NGEU-Bonds richten sich an institutionelle Investoren, aber auch an Privatanleger – Europa rückt am Kapitalmarkt näher an seine Bürgerinnen und Bürger. Bald sollen auch kurzlaufende Anleihen – T-Bills – und Grüne Anleihen (Green Bonds) folgen.

Die neue Anleihe stieß auf eine sehr hohe Nachfrage unter Investoren. Der letztlich 20 Milliarden Euro umfassende Bond mit einer Laufzeit von zehn Jahren rief im Orderbuch ein Zeichnungsvolumen von 142 Milliarden Euro hervor, was die Attraktivität der EU als sicheren Anlagehafen am Kapitalmarkt unterstreicht. Bis 2026 wird Europa zum größten supranationalen Emittenten und zum weltgrößten Emittenten von Grünen Anleihen werden. Bis 2026 will die Kommission für NGEU rund 800 Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln, um Krisenhilfen für einzelne EU-Länder zu finanzieren und die europäische Wirtschaft nachhaltiger zu machen. Nebenbei wird die EU damit auch zur größten Green-Bond-Emittentin der Welt und untermauert ihren Anspruch der nachhaltigen Transformation der Finanzmärkte. Voraussichtlich ab September sollen rund 250 Milliarden Euro des geplanten Finanzierungsvolumens über grüne Anleihen aufgenommen werden und zweckgebunden in Klimaschutzprojekte fließen.

Die EU-Mitgliedstaaten sind dabei verpflichtet, jederzeit sicherzustellen, dass das EU-Budget ausreicht, um die Verpflichtungen aus NGEU abzudecken. Damit gelten NGEU-Bonds in der Vermögensaufteilung als gern genutztes Substitut für erstklassige Adressen im Staatsanleihenmarkt. Zudem dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) perspektivisch diese Bonds - im Rahmen ihrer Anleihekaufprogramme - im Sekundärmarkt erwerben.

Mit Blick auf die Entwicklung an den Staatsanleihemärkten zeigte sich der Handel in der Berichtswoche recht volatil. Im Nachgang zur Fed-Sitzung schwankten die US-Renditen deutlich. Zunächst kam es zu einem deutlichen Renditeanstieg, infolge der Fed-Sitzung gerieten vor allem die mittleren Laufzeiten unter Druck (5 Jahre plus 12 Basispunkte). Zum Wochenschluss war dann vor allem in den langen Laufzeiten eine Gegenbewegung zu beobachten. Zahlreiche Positionsbereinigungen im Rahmen der Inflationserwartungen führten per saldo zu einer leichten Verflachung der US-Zinskurve. Während die mittleren Laufzeiten ansteigende Renditen verzeichneten, konnten Langläufer wie etwa die 30-jährigen US-Staatsanleihen Kursgewinne respektive rückläufige Rendite verbuchen.

Die Bundesanleihen folgten dem US-Markt, wenngleich in deutlich abgemilderter Form, das heißt die Renditeausschläge zeigten sich dort durchweg geringer als am US-Markt. Die Spreadentwicklung in der Peripherie war zumeist seitwärtsgerichtet. Der Gesamtindex für Euro-Staatsanleihen lag bis Donnerstagabend leicht im Minus.

Dies war auch bei Euro-Unternehmenspapieren mit Rating Investment Grade der Fall.

    Ausblick auf die kommende Woche

Zur Wochenmitte stehen zahlreiche Einkaufsmanagerindizes für den Monat Juni zur Veröffentlichung an. Im Euroraum wird mit einer Verbesserung des Dienstleistungssektor gerechnet. Die Lockerung der Corona-Beschränkungen dürfte dem kontaktintensiven Dienstleistungssektor wieder auf die Beine geholfen haben. Das verarbeitende Gewerbe wird nach dem Vorlauf einen kleinen Rückgang eingelegt haben.

Am Freitag steht in den USA mit dem Preisindex für Konsumausgaben (PCE) ein wichtiger Datenpunkt auf der Agenda. Die US-Notenbank Fed schaut mit besonderem Augenmerk auf diesen Indikator. Für den Mai rechnen die Analysten – im Trend der jüngst veröffentlichten Preisdaten – mit einem weiteren Anstieg.

Am Donnerstag steht zudem der Ifo-Index für Deutschland mit den Juni-Daten zur Lage und den Erwartungen an.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 18. Juni 2021, soweit nicht anders angegeben.

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