Marktrückblick und -ausblick 37. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 13. bis 17. September 2021

    Diese Woche: Immobilienentwickler Evergrande sorgt für Verunsicherung

Der drohende Zahlungsausfall des chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande machte Marktteilnehmer nervös. Der Hang Seng-Index verlor in dieser Woche 4,9 Prozent, angeführt wurde der Verlustreigen von den nach Verkäufen größten Immobilienentwicklern Country Garden Holding (-17,7 Prozent) und Sunac China Holdings (-22,5 Prozent). Der jüngste Verkaufsreigen setzte ein, nachdem Evergrande am Donnerstag die vorübergehende Aussetzung des Handels mit Anleihen seiner größten Sparte Hengda Real Estate beantragt hatte. Zuvor hatte die Ratingagentur China Chengxin International die Anleihen von Hengda auf herabgestuft. Auch in den Tagen zuvor wurde der Handel mit den Titeln aufgrund der hohen Schwankungen immer wieder ausgesetzt. Bereits im Juni geriet Evergrande mit Zinszahlungen für Anleihen in Verzug. Getrieben wurden die Verkäufe von der Angst um einen ungeregelten Zahlungsausfall von Evergrande. Dieser hätte nicht nur massive Auswirkungen auf die betroffenen Banken sowie auf andere Bauträger, sondern auf den gesamten chinesischen Kreditmarkt.

Die chinesische Regulierung arbeitet bereits an einem geregelten Zahlungsausfall, der zwar für institutionelle Anleger hart ausfallen dürfte. Denkbar wäre aber auch beispielsweise ein geringer Abschlag für Privatanleger und die Übernahme einzelner Assets und Immobilienprojekte durch Staatsunternehmen, was die Privatanleger beruhigen sollte. Doch selbst im Fall einer Insolvenz sollte ein Überschwappen der Risiken in andere Bereiche des chinesischen Marktes begrenzt bleiben. Ein internationaler „Lehman-Moment“ ist ebenfalls nicht zu befürchten: Die Probleme von Evergrande beschränken sich auf den chinesischen Markt, da das Unternehmen nicht stark global verflochten ist.

Chinesische Konjunkturzahlen fielen mehrheitlich schwach aus

Auch von konjunktureller Seite blieben die positiven Nachrichten aus. So schwächte sich die chinesische Industrieproduktion stärker als erwartet ab. Ein noch größerer Rückgang musste im Einzelhandel hingenommen werden. Die Regierung in Peking reagiert sehr strikt auf die auftretenden Corona-Fälle und verhängt schnell sehr umfangreiche Maßnahmen. Darunter leider vor allem Restaurants und viele Geschäfte, sodass es vielfach gar nicht die Möglichkeiten gibt, größere Ausgaben zu tätigen. Hinzu kommt die Immobilienschwäche, sodass kurzfristig wenig Hoffnung auf eine wirtschaftliche Trendwende besteht. Andererseits erhöht dies die Chancen, dass die Regierung früher als bislang angenommen gegensteuern wird, um die gesteckten Wachstumsziel auch zu erreichen.

Inflation in den USA bleibt hoch, starke Einzelhandelsumsätze

Auch im August blieb die US-Inflationsrate über der Marke von fünf Prozent. Nachdem die Teuerung im Juni und Juli jeweils um 5,4 Prozent zulegte, ermäßigte sich der Wert nun minimal auf 5,3 Prozent. Die Bewertung durch die Ökonomen fiel daher auch uneinheitlich aus. Zuletzt hatten vor allem die Preise für Neu- und Gebrauchtwagen einen großen Anteil am Preisanstieg. Diese gaben nun nach und waren Wasser auf den Mühlen derer, die der Meinung sind, es handele sich nur um ein kurzfristiges Überschießen. Ein Treiber waren diesmal die gestiegenen Preise für Flüge und Hotelübernachtungen, die ebenfalls nur vorrübergehend derart anziehen dürften. Der Hochpunkt könnte also in der Tat hinter uns liegen. Der Preisdruck ist aber dennoch in der Breite angekommen. Viele Komponenten des Warenkorbs, die nicht von der Wiederöffnung der Wirtschaft profitieren, legten ebenfalls zu. Die Mehrheitsmeinung bleibt aber dennoch, dass der Preisdruck in den kommenden Monaten wieder merklich abnehmen dürfte.

Die US-Einzelhandelsumsätze konnten in dieser Woche positiv überraschen. Erwartet wurde ein Rückgang um 0,7 Prozent. Letztlich wurde ein Zuwachs um den gleichen Betrag vermeldet. Ohne die schwankungsanfälligen Autoumsätze betrug das Plus sogar 1,8 Prozent. Da gleichzeitig jedoch die Werte aus dem Vormonat nach unten revidiert wurden, fällt das Fazit insgesamt doch gemischt aus.

Tarifabschluss bei der Deutschen Bahn

Pendler können aufatmen, die Deutsche Bahn hat sich mit der Lokführergesellschaft GDL auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Auch die Notenbanker dürften erfreut über die Nachricht gewesen sein. Nicht etwa, weil es unter den EZB-Mitgliedern viele Bahnfahrer gibt, sondern vielmehr, weil das Verhandlungsergebnis nur einen moderaten Lohnabschluss vorsieht. Offensichtlich gibt es seitens der Gewerkschaft keine Befürchtungen, die aktuell höhere Teuerungsrate wäre von längerer Dauer. Andernfalls hätte man sich auf größere Gehaltssprünge einigen müssen, um einen Reallohnverlust zu vermeiden.

    Aktien: Vonovia übernimmt Deutsche Wohnen

Bislang ist Vonovia mit ihrem Übernahmeangebot bei den Aktionären von Deutsche Wohnen abgeblitzt. In drei Anläufen gelang es Vonovia nicht, die Mehrheit der Deutsche Wohnen-Aktionäre von ihren Plänen zu überzeugen. Nun hat Vonovia die erforderliche Mindestannahmeschwelle komplett aus dem Angebot gestrichen, eine Übernahme gilt somit als sehr wahrscheinlich. Für die Kursentwicklung beider Aktien hatte dies keine großen Auswirkungen. Die Vorgehensweise von Vonovia gilt es aber deutlich zu kritisieren. Durch die nachträgliche Regeländerung wurden die Interessen der Eigentümer komplett ausgehebelt. Ein schwarzer Tag für die deutsche Aktionärskultur. Dass ein Unternehmen übernommen wird, ohne dass es die Zustimmung von zumindest 50 Prozent der Aktionäre des übernommenen Unternehmens gibt, dürfte hoffentlich einmalig bleiben.

Eine ruhige Aktienwoche liegt hinter uns

Abgesehen von den Turbulenzen in China liegt eine eher unspektakuläre Woche an den Aktienmärkten hinter uns. In den USA gab es leichte Zugewinne, die sich etwa um 0,5 Prozent oder darunter bewegten. Auch die europäischen Indizes traten weitgehend auf der Stelle. Zu den gesuchten Branchen in Europa gehörten Titel aus dem Öl & Gas-Sektor und Werte aus der Reisebranche. Hier waren es besonders die Fluggesellschaften, die gesucht waren und die auch in den USA kräftig im Kurs zulegten. Ausgangspunkt waren Pläne im Vereinigten Königreich, wonach man bisherige Einschränkungen im Flugverkehr demnächst aufheben möchte.

Der Chef des Ölkonzerns Chevron geht indes von steigenden Energiepreisen aus, da die Erdöl- und Erdgasproduzenten zunächst nicht auf neue Bohrungen aus seien. Ein möglicher Angebotsengpass spräche dann auch für höhere Erträge bei Titeln aus dem Öl & Gas-Sektor.

    Renten: EZB dementiert Pläne einer angeblichen Zinserhöhung

In der Presse tauchte ein Artikel auf, wonach das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank 2025 erreicht sei und die Währungshüter deshalb womöglich schon 2023 mit den ersten Zinserhöhungen beginnen könnten. Schnell folgte ein Dementi der Notenbanker. Solch eine Aussage habe man nicht getroffen. Viel spricht dafür, dass dies ein Ergebnis aus einer Modellrechnung gewesen sein könnte. Dennoch zeigt dies auch, dass die Meinungen innerhalb der EZB zunehmend auseinander gehen. Am Euro-Rentenmarkt setzte sich daher der Trend zu leicht steigenden Renditen fort. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen kletterte bis Freitagmittag auf -0,28 Prozent, den höchsten Wert seit Anfang Juli.

US-Staatsanleihen handelten hingegen eher seitwärts. Die guten US-Einzelhandelsumsätze belasteten die Rentenmärkte nur kurz. Vor der anstehenden Sitzung der US-Notenbank will sich offenbar kein Marktteilnehmer allzu offensiv in die eine oder andere Richtung positionieren. Unklar ist weiterhin, wann die US-Währungshüter mit der Drosselung ihrer Anleihekäufe beginnen könnten.

Hohe Nachfrage nach österreichischer Staatsanleihe

Trotz der leicht steigenden Renditen im Euroraum blieb die Nachfrage hoch. Österreich emittierte in dieser Woche ein neues 15-jähriges Papier im Umfang von fünf Milliarden Euro. Die Orderaufträge summierten sich dabei auf einen Rekordwert von 42 Milliarden Euro. Auch im Bereich der Unternehmensanleihen wurde wieder eine Reihe an Titeln platziert. Mitunter waren die Preisvorstellungen recht ambitioniert, sodass die Anleihen keine großen Prämien boten. Die Erstnotiz war letztlich aber dennoch in der Nähe des Ausgabepreises.

    Ausblick auf die kommende Woche

Das Großereignis der kommenden Woche ist die Sitzung der US-Notenbank Fed. Eine Entscheidung über den Beginn einer Reduzierung des Kaufprogramms gilt zwar als unwahrscheinlich, die zuletzt guten Konjunkturdaten lassen aber die Tür hierfür ein Stück offen. Nur einen Tag später, am Donnerstag, tagt die Norwegische Zentralbank. Diese hatte schon im Sommer avisiert, im September die Zinswende einzuläuten. Eine Anhebung des Leitzinses von 0,00 auf 0,25 Prozent gilt daher als ausgemacht.

Kurz vor dem Wochenende wird der ifo-Geschäftsklimabericht präsentiert. Angesichts der anhaltenden Lieferengpässe ist mit einem erneuten Rückgang zu rechnen. Denkbar ist auch, dass die anstehende Bundestagswahl auf der Stimmung lastet. Als weitere Frühindikatoren werden diverse Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 17. September 2021, soweit nicht anders angegeben.

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