Marktrückblick und -ausblick 50. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 13. bis 17. Dezember 2021

      Diese Woche: Notenbanken im Fokus

Zu Beginn der vergangenen Handelswoche drückten erneut die Sorgen vor der Omikron-Variante, der anstehende Kurswechsel der europäischen und US-amerikanischen Notenbank sowie die anhaltende Unruhe am chinesischen Immobilienmarkt auf die Stimmung an den Kapitalmärkten. Positive Nachrichten meldete das Robert Koch Institut. Nachdem Anfang Dezember die vierte Welle der Corona-Pandemie ihren Höhepunkt erreichte, sanken die Zahlen der Neuinfektionen. Darüber hinaus wurde in Deutschland ein neuer Impfrekord gemeldet. So wurden fast 1,5 Millionen Impfdosen an einem Tag in Deutschland verabreicht. Die Impfquote liegt nun oberhalb von 70 Prozent. Traurige Nachrichten gab es derweil bei der Anzahl der Todesopfer durch Corona-Infektionen, die kontinuierlich ansteigt.

Woche der Währungshüter

Ein besonderer Fokus lag in dieser Woche auf den Notenbanksitzungen am Mittwoch in den USA sowie der Eurozone, Großbritanniens und Japans an den Folgetagen. Die Nervosität vor den Sitzungen der Notenbanken führte zu Beginn der Handelswoche zu einer eher abwartenden Haltung der Investoren am Kapitalmarkt. Zur Wochenmitte haben dann der Anstieg der US-Erzeugerpreise im November um 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr die Aktienmärkte zusätzlich verunsichert und Sorgen vor einem Anstieg des Leitzinses erhöht.

Nach den mit Spannung erwarteten Sitzungen der Notenbanken erholten sich die Märkte zum Ende der Woche und reagierten positiv auf die neuen geldpolitischen Ausrichtungen der Währungshüter. Begonnen wurden die Sitzungen mit der Tagung der US-Notenbank Fed am Mittwoch. Jene gab bekannt, ihre milliardenschweren Anleihekäufe doppelt so schnell zurück zu fahren wie geplant.

Am Donnerstag tagte dann die Bank of England (BoE) und im Anschluss die Europäische Zentralbank (EZB). Beide überraschten zwar mit ihren Entscheidungen, die Marktreaktion fiel aber moderat aus.

Chinesisches Wachstum verlangsamt sich

China hält in der Bekämpfung der Corona-Pandemie an seiner Null-Toleranz-Politik fest. Dabei wird bereits bei kleinsten Ausbrüchen mit harten Maßnahmen durchgegriffen. So hat zu Beginn der Handelswoche ein Coronaausbruch in einem der wichtigsten Wirtschaftszentren Chinas zu Produktionsstopps in unter anderem mehr als 20 börsennotierten Firmen geführt. Bedingt durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Maßnahmen mit denen die Regierung lokale Ausbrüche verhindern möchte sowie Probleme in der Immobilienbranche, konnten die Wirtschaftszahlen für November die Erwartungen der Analysten nicht erfüllen. So ist der Umsatz im Einzelhandel im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 3,9 Prozent gestiegen. Im Vergleich dazu lag das Plus im Oktober bei 4,9 Prozent. Ebenfalls schwächer als erwartet entwickelten sich die Sachinvestitionen. Dabei ging besonders das Wachstum der Immobilieninvestitionen zurück. Die Industrieproduktion viel etwas stärker als geschätzt aus. Ob für die chinesische Volkswirtschaft das Schlimmste bereits vorüber ist, lässt sich zwar noch nicht endgültig sagen, aber es gibt erste Zeichen der Stabilisierung. Zuletzt haben die Regierung und die Zentralbank Schritte unternommen, um das makroökonomische Umfeld zu stabilisieren. Das Risiko einer weiteren Verschlechterung hat sich dadurch verringert.

Erholung des britischen Arbeitsmarkts setzt sich fort

Auch nach Ende des Corona-Unterstützungsprogramms der britischen Regierung erholt sich der britischen Arbeitsmarkt. So teilte das Statistikamt ONS am vergangenen Dienstag mit, dass die Beschäftigung im Oktober gestiegen und die Arbeitslosigkeit gesunken ist. Demnach lag die Arbeitslosenquote im Oktober bei 4,2 Prozent und damit bei 0,1 Prozentpunkte unter dem Vormonatswert. Trotz dessen, dass die Beschäftigungsquote in den drei Monaten bis Oktober um 0,2 Punkte auf 75,5 Prozent anstieg, liegt sie immer noch unter dem Vorkrisenniveau.

Ebenfalls wurden in dieser Woche die Verbraucherpreise in Großbritannien veröffentlicht. Jene stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,1 Prozent und erreichte damit die höchste Rate seit etwa zehn Jahren. Im Vormonat lag die Rate bei 4,2 Prozent.

      Aktien: Schwache Marktbewegungen

Die nun wieder eher größere Planungssicherheit über die künftigen Schritte in der US-Geldpolitik führten in dieser Woche zu eher ruhigen Kapitalmärkten. Zum Wochenschluss bewegten sich der MSCI World-Index sowie der Dow Jones Index eher seitwärts. Die asiatischen Börsen haben am Freitag etwas Bodenhaftung verloren. In Europa bewegten sich die Märkte nach den Notenbanksitzungen zunächst freundlich, konnten ihre Höchststände aber nur bedingt halten. Am letzten Handelstag stand der deutsche Leitindex unter Druck. Zuletzt verunsicherten die verschiedenen Herangehensweisen zur Bekämpfung der hohen Inflationsraten durch die Notenbanken die Märkte. So gab der DAX 40 in den ersten Handelsminuten am Freitag um 0,3 Prozentpunkte ab. Damit zeichnet sich auf Wochensicht eine Stagnation ab. Ebenfalls der MDAX der mittelgroßen Börsentitel bewegte sich kaum. Der EuroStoxx 50 verlor knapp 0,3 Prozent.

Zu den Wochengewinnern gehörten in dieser Woche E.ON SE (plus 3,9 Prozent) sowie die Münchener Rückversicherung (plus 3,4 Prozent). Im Vergleich dazu bildeten die bisherigen Gewinner der Corona-Pandemie Delivery Hero (minus 16,8 Prozent) und wie bereits in der letzten Woche Hellofresh SE (minus 14,2 Prozent) das Schlusslicht des DAX 40.

Novartis verkauft Roche-Aktienpaket

Anleger dürfen sich freuen: Der Schweizer Pharmariese Novartis gab in dieser Woche bekannt den Großteil des Erlöses aus dem Verkauf seines milliardenschweren Roche-Aktienpakets an seine Aktionäre auszuzahlen. Novartis erklärte, dass das Unternehmen dank einer starken operativen Geschäftsentwicklung, Aussichten auf Gewinnwachstum und dem Erlös der Roche-Beteiligung die Möglichkeit habe, den Großteil über ein Aktienrückkkaufprogramm an die Eigentümer zurückzuführen. Daraufhin schnellte die Aktie von Novartis an der Börse in Zürich mehr als vier Prozent hoch.

    Renten: Der geldpolitische Impuls nimmt ab

US-Notenbank wird im kommenden Jahr die Leitzinsen anheben

Wie erwartet hat die US-Notenbank Fed wesentliche Änderungen an ihrer geldpolitischen Ausrichtung vorgenommen. Diese betreffen insbesondere die schrittweise Reduktion ihrer monatlichen Anleihekäufe. Ab Januar 2022 erhöht die Fed das Tapering-Tempo von monatlich 15 Milliarden US-Dollar auf dann 30 Milliarden US-Dollar. Damit werden die Nettoanleihekäufe bereits Mitte März 2022 auf null heruntergefahren sein und nicht erst Mitte Juni, wie es der ursprüngliche Tapering-Plan vorgesehen hatte. Dies ermöglich der Fed, wenn nötig, schon im April die Leitzinsen anzuheben. Wir rechnen mit einem ersten Zinsschritt im Juni. Diesem könnten zwei weitere Zinserhöhungen folgen. Dies ergibt sich auch aus den Projektionen der Notenbank selbst. Stimmten im September noch neun Mitglieder des Offenmarktausschusses für einen Zinsschritt im kommenden Jahr und neun dagegen, geht die Mehrheit der Fed-Gouverneure nun von drei Zinserhöhungen aus. Die zuletzt weiter hohen Inflationsdaten haben offenbar zu einem Umdenken geführt. US-Staatsanleihen reagierten auf die Pläne mit überraschenden Kursgewinnen. Über alle Laufzeiten hinweg kamen die Renditen zurück. Die Ratio dahinter: Je aggressiver die Notenbank zu Beginn auftreten wird, desto kürzer sollte der Zinszyklus ausfallen.

EZB nimmt ebenfalls den Fuß vom Gaspedal, bremst aber noch nicht

Die europäischen Währungshüter werden ihr Ankauftempo ebenfalls verlangsamen. Im Rahmen den PEPP sollen in Q1 deutlich weniger Papiere erworben werden. Im März endet das Programm dann vollständig. Ab April wird das Asset Purchase Programm (APP) von 20 auf 40 Milliarden Euro aufgestockt. In Summe (PEPP und APP) wird die Kaufsumme Schritt für Schritt von 85 Milliarden Euro pro Monat in Q4 2021 auf 20 Milliarden Euro in Q4 2022 fallen. Die Grundlage für „besonders kraftvolle Maßnahmen“, wie in der Strategie der EZB zu lesen ist, sei weniger gegeben.

Ein Ende von PEPP war so erwartet worden. Positiv ist sicherlich zu erwähnen, dass schon jetzt klar ist, wie es danach weitergehen wird. Die EZB wird also nach wie vor Anleihen erwerben, jedoch in geringerem Maße als angenommen. Da kaum Bundesanleihen emittiert werden, dürfte die Nachfrage der EZB das Angebot weiterhin übersteigen und die Kurse stützen. Dementsprechend reagierten Bundesanleihen verhalten auf die Beschlüsse der EZB und zeigten sich zur Vorwoche unverändert. Für Staatsanleihen aus den Peripherieländern sind die Folgen jedoch ungleich größer. Wenn in der zweiten Jahreshälfte 2022 nur noch 20 Milliarden Euro pro Monat von der EZB gekauft werden, fällt die Unterstützung deutlich geringer aus. Fälligkeiten aus dem PEPP werden zwar reinvestiert, sollte es aber zu Stress an den Märkten kommen, dürfte es die EZB schwer haben sich einer möglichen Erhöhung der Risikoaufschläge entgegen zu stellen. Dementsprechend fiel auch die Marktreaktion aus. Bundesanleihen handelten gegenüber der Vorwoche unverändert. Papiere aus Italien reagierten direkt nach dem EZB-Treffen mit Kursverlusten. Freundlich zeigten sich hingegen Titel aus Griechenland. Hier bestand die Sorge, dass griechische Anleihen nach dem Ende des PEPP aufgrund der zu schlechten Bonitätseinschätzung der Ratingagenturen nicht mehr gekauft werden könnten. Im Rahmen der Reinvestitionen werden die europäischen Währungshüter aber auch diese Anleihen weiterhin erwerben.

Bank of England erhöht den Leitzins

Abermals erwischte die Bank of England (BoE) die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß. Waren diese beim letzten Treffen fest von einer ersten Zinserhöhung ausgeblieben, blieb diese aus. Angesichts der Unsicherheiten rund um die steigenden Infektionszahlen mit der Omikron-Variante des Corona-Virus rechnete man diesmal mit einer abwartenden Haltung. Stattdessen hob die BoE jedoch völlig unerwartet den Leitzins um 15 Basispunkte auf 0,25 Prozent an. Auf dem nächsten Treffen im Februar ist mit einer weiteren Anhebung zu rechnen.

Weihnachtliche Lethargie macht sich breit

Abgesehen von den Notenbanksitzungen machte sich an den Rentenmärkten in den letzten Handelstagen bereits eine vorweihnachtliche Lethargie bemerkbar. Die Umsätze gingen merklich zurück und vielfach handelten die Märkte seitwärts. Am Markt für Unternehmensanleihen zeigten sich Anleger auch mit Blick auf die Entscheidung der EZB entspannt. Schließlich wurden im Rahmen den PEPP zuletzt fast nur Staatsanleihen erworben.

Anleihen aus den Schwellenländern litten unter weiteren Mittelabflüssen. Hinzu kamen einige Unsicherheitsfaktoren wie der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. In Summe erhöhten sich die Risikoaufschläge leicht, die freundliche Entwicklung von US-Staatsanleihen wirkte dieser jedoch entgegen. Auch in den EM-Ländern standen die Notenbanken im Mittelpunkt. So wurden die Leitsätze in Chile und Mexiko erhöht. Aus dem Rahmen fiel erneut die Türkei, die politisch motiviert die Zinsen senkte und damit die Abwertung der Türkischen Lira nochmals beschleunigte.

      Ausblick auf die kommende Woche: Besinnliche Weihnachtsstimmung auch an den Kapitalmärkten

In der kommenden Woche erwarten uns eher wenige Konjunkturdaten und dem weihnachtlichen Anlass entsprechend eine ruhige Woche. Die Weihnachtwoche wird mit Wirtschaftszahlen aus Deutschland zu dem Konsumentenvertrauen beginnen und am Freitag, an Heiligabend, mit dem Konsumentenpreisindex aus Japan enden.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 17. Dezember 2021, soweit nicht anders angegeben.

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