MarktTicker 12. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 16. bis 20. März 2020

Liebe Leserinnen und Leser, folgend geben wir für die Berichtswoche wie üblich eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse an den Finanzmärkten. Angesichts der besonderen Situation und der damit verbundenen hohen Schwankungsintensität an den Märkten können wir bezüglich Indexständen etc. nur eine Momentaufnahme liefern, die sich in Betracht der allgemeinen Entwicklung jederzeit schnell und deutlich ändern kann. Die Erstellung folgender Zeilen erfolgt im Laufe des Freitagnachmittags.

    Diese Woche: EZB - „What-ever-it-takes” 2.0?

Massive Verunsicherung setzt sich fort

Mit der unverminderten Ausbreitung des Corona-Virus außerhalb Asiens setzte sich in der Berichtswoche zunächst die massive Verunsicherung an den Finanzmärkten fort. Angesichts der Unsicherheit über die weltweite Wirtschaftsentwicklung gab es sowohl an den Aktien- als auch den Anleihemärkten weitere Verluste. Die massiven Eingriffe der Notenbanken sorgten aber im Verlauf des Freitags zumindest für eine erste Stabilisierung an den Märkten. Dies galt auch für Gold, während der US-Dollar als sogenannte Funding-Währung in der Berichtswoche aufgrund einer weltweit hohen Nachfrage gesucht war und zum Beispiel gegenüber dem Euro aufwerten konnte.

Fed-Zinssenkung zum Wochenauftakt

Noch vor der ursprünglich anberaumten Mittwochs-Sitzung wurde zum Wochenauftakt die US-Notenbank aktiv. Die Fed beschloss eine weitere Zinssenkung um 100 Basispunkte auf null bis 0,25 Prozent sowie umfangreiche Wertpapierankäufe im Gegenwert von 700 Milliarden US-Dollar. Weitere Maßnahmen umfassen die Erhöhung von Repo-Geschäften sowie eine Reihe weiterer Operationen zur Liquiditätsbereitstellung. Für die kommende Woche kündigte die Fed US-Staatsanleiheankäufe im Umfang von 275 Milliarden US-Dollar an. Weitere Maßnahmen zur Stützung des US-Unternehmensanleihemarktes werden zudem noch erwartet.

EZB kauft umfangreich an

Die Europäische Zentralbank kündigte dann in der Nacht zum Donnerstag die Ausweitung ihrer Wertpapierankäufe an. Das neu geschaffene „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) sieht ein zusätzliches Ankaufvolumen von 750 Milliarden Euro vor. Die Bestandteile der beschlossenen Maßnahmen im Einzelnen:

    • Ausweitung der Anleihekäufe um 750 Milliarden Euro, bestehend aus Staats- und Unternehmensanleihen. Es werden nun auch griechische Staatsanleihen angekauft
    • Alle bereits bislang ankauffähigen Papiere fallen auch unter das PEPP
    • Aufteilung der Staatsanleihekäufe grundsätzlich nach Kapitalschlüssel, aber bei erhöhter Flexibilität
    • Dauer so lange wie notwendig, mindestens aber bis Ende 2020
    • Lockerung der Anlagerestriktionen unter dem „Corporate Sector Purchase Programme“ (CSPP) und Erweiterung der ankauffähigen Papiere
    • Erleichterungen für Geschäftsbanken bei den Collateral-Bestimmungen

Mit diesem Maßnahmenpaket hat die EZB ihre Bemühungen noch einmal drastisch intensiviert. Hinzu kommt eine viel stärkere verbale Untermauerung der Entschlossenheit der Zentralbank. Vertrauen und Zuversicht bei Öffentlichkeit, Regierungen und Finanzmärkten sind eindeutig das Ziel dieser Entscheidung. Daher erinnern die Schritte nicht nur in der Wortwahl an Mario Draghis „Whatever it takes“-Rückversicherung im Sommer 2012. Wir halten sowohl die Entscheidungen als auch die Betonung der Entschlossenheit der EZB für richtig.

Für eine nachhaltige Beruhigung an den Kapitalmärkten dürfte der PEPP-Beschluss aber nicht sorgen. Dafür ist in erster Linie eine deutliche, weltweite Eindämmung bei den Infektionszahlen notwendig. Die EZB mindert aber den Stresslevel im System. PEPP ist die notwendige Stabilisierungsmaßnahme, auf die alle gewartet haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Maßnahmen dürften daher bei besonders betroffenen Segmenten des Kapitalmarktes helfen, etwa bei Peripherieanleihen. Ein „Game Changer“ ist PEPP für die Märkte aber erst dann, wenn die Neuinfektionen zurückgehen.

Die wirtschaftlichen Folgen von Corona sind gravierend, eine Rezession kommt. Wir erwarten für 2020 in der Eurozone einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um mindestens 3,5 Prozent. Besonders betroffen wird Italien sein, welches aktuell die höchsten Infektionszahlen außerhalb Chinas aufweist. Auch für Deutschland gehen wir von einer Rezession aus. Das erste und insbesondere das zweite Quartal 2020 sollten schwach ausfallen, bevor in der zweiten Jahreshälfte nach und nach eine Stabilisierung einsetzt. Im Jahr 2021 rechnen wir wieder mit positiven Wachstumsraten.

Kurzfristig dürften die Kapitalmärkte turbulent bleiben. So lange das Wachstum der Infektionszahlen nicht zurückgeht, erscheint eine nachhaltige Aufwärtsbewegung bei Aktien- und Unternehmensanleihen unwahrscheinlich. Mittel- bis langfristig bleiben die Perspektiven aus unserer Sicht aber konstruktiv.

Darüber hinaus senkten zahlreiche Notenbanken im Wochenverlauf die Leitsätze und gaben zusätzliche Liquiditätsmaßnahmen bekannt.

    Aktien: Defensive Branchen gefragt

Erholung am Freitag

Mit Blick auf die großen Indizes gaben die Aktienmärkte bereits in der Vorwoche sehr stark nach. Der MSCI World-Index lag per Donnerstagabend mit rund zehn Prozent nochmals deutlich im Minus. Mit der Erholung am heutigen Freitag scheinen sich die Märkte, ausgehend von Europa, aber nunmehr zu stabilisieren. Der EURO STOXX 50-Index liegt heute gegen Mittag mit 0,5 Prozent auf Wochensicht sogar leicht im Plus. Der DAX 30-Index befindet sich mit 9.100 Punkten rund 1,4 Prozent im Minus. Im Wochentief sahen wir mit 8.250 Punkten Levels, die zuletzt Ende 2014 gehandelt wurden. Am US-Aktienmarkt fiel der Dow Jones Industrial Average bis auf 18.900 Punkte und verlor damit mehr als 10.000 Punkte seit dem Höchststand im Februar. Zur Freitagseröffnung starteten dann auch die US-Aktienbörsen mit Zugewinnen, auf Wochensicht blieb dennoch ein minus zwischen sieben (Nasdaq) und zwölf (Dow Jones Industrial Average) Prozent. Unvermindert deutlich unter Druck standen in der Berichtswoche die Aktienmärkte der Schwellenländer. Die Einbußen betrugen, wie etwa in Lateinamerika, bis zu 21 Prozent.

Branchen: Defensive Sektoren gefragt

Branchenseitig behalten die negativen Vorzeichnen weiter die Oberhand. Dennoch tendierten in Europa einige Sektoren am Freitag ins Plus. Branchenseitig (STOXX 600 Europe-Index) scheint es nach dem zunächst alle Aktien erfassenden Einbruch nun zu einer zunehmenden Differenzierung zu kommen. Die als defensiv eingestuften Versorger- sowie Telekommunikationswerte legten auf Sektorenebene mit Zuwächsen von rund fünf sowie etwa zwölf Prozent im Wochenvergleich deutlich zu. Auch Nahrungsmittel sowie der Gesundheitssektor tendierten mit sechs beziehungsweise sieben Prozent fester. Schlusslicht war die Reisebranche, deren Lage angesichts des weltweit eingeschränkten Reiseverkehrs erst einmal angespannt bleiben dürfte.

    Renten: Bundesanleihen mit weiterem Renditeanstieg

Bund-Future fällt weiter

Von der immensen Risikoaversion konnten die als sicher geltenden US-amerikanischen Staatsanleihen und auch die deutschen Bundespapiere abermals nicht profitieren. Angesichts kommender Konjunkturprogramme durch die Staaten, verbunden mit einer erhöhten Staatsverschuldung und entsprechenden künftigen Emissionsvolumen, waren Anleihen weniger gefragt. Die Anleger präferierten Liquidität. Aufgrund der guten Handelbarkeit an den großen Anleihemärkten kam es zu Abgaben, denen die Notenbanken mit ihren Ankäufen entgegenstanden.

Am US-Markt lag die Zehnjahresrendite nach einigen Schwankungen mit knapp einem Prozent nahezu auf Vorwochenschluss. Im Bereich der kürzeren Laufzeiten (ein bis fünf Jahre) war ein Renditerückgang zwischen zehn und 20 Basispunkten zu beobachten. Lediglich kurze Papiere wurden somit bevorzugt.

Am Euro-Markt fiel der Bund-Future deutlich. Die bundesdeutsche Zinskurve verschob sich um 20 bis zu 30 Basispunkte parallel nach oben. Die Zehnjahresrendite stieg um 15 Basispunkte auf minus 0,3 Prozent.

Euro-Peripherie: EZB fängt Renditeanstieg in Teilen ein

In der Euro-Peripherie prägten zunächst Renditeanstiege das Bild. In Italien und Griechenland zog die Verzinsung deutlich an. In Griechenland etwa stieg die Zehnjahresverzinsung auf rund 3,7 Prozent. Zum Vergleich: Mitte Februar lag diese noch bei unter einem Prozent. Ähnlich die Entwicklung am italienischen Anleihemarkt: 2,4 Prozent waren im Zehnjahresbereich in der Spitze renditeseitig zu erzielen. Mitte Februar waren es nur 0,9 Prozent gewesen. Mit den verstärkten Ankäufen der EZB gaben die Renditen am Donnerstag und Freitag aber insgesamt wieder etwas nach. In Italien lag die Rendite am Freitagmittag bei 1,6 Prozent.

Am Markt für Euro-Unternehmensanleihen hat sich ebenfalls am heutigen Freitag das Blatt gewendet. Nach zuletzt deutlichen Einbußen und teils illiquidem Handel hat sich die Lage dort entspannt. Sowohl der Unilever-Konzern als auch der französische Versorger Engie haben aktuell Neuemissionen angekündigt. Unilever platziert heute Papiere im Gegenwert von zwei Milliarden Euro. Die Nachfrage im Orderbuch liegt aufgrund für die Anleger generöser Risikoaufschläge (Spreads) derzeit bei zehn Milliarden Euro. An den Anleihemärkten der Schwellenländer war ebenfalls eine Stabilisierung zu beobachten.

    Ausblick auf die kommende Woche

Die Corona-Ausbreitung trifft die Volkswirtschaften des Euroraums mit voller Wucht. Die Lage – vor allem außerhalb Asiens – bleibt unvermindert angespannt. Trotz geldpolitischer Maßnahmen der Notenbanken und Regierungen liegt der Schlüssel in der Eindämmung der Virusausbreitung. Datenseitig ist angesichts der Entwicklung zunächst wenig Gutes zu erwarten. Der am 19. März veröffentliche Ifo-Index für Deutschland brach erwartungsgemäß im März um gut zehn auf 87,7 Punkte ein. In der neuen Woche stehen nur wenige relevante Wirtschaftsdaten an. Die Resonanz an den Finanzmärkten dürfte gering sein.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 20. März 2020, soweit nicht anders angegeben.

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