MarktTicker 13. Kalenderwoche

Wöchentliche Information zu den Kapitalmärkten für den Zeitraum vom 23. bis 27. März 2020

    Diese Woche: Beispiellose Maßnahmenpakete von Politik und Notenbanken

Massive Unterstützungsprogramme

Politik und Notenbanken haben in der Berichtswoche massive Hilfspakete auf den Weg gebracht. In zahlreichen Staaten wurden verschiedene Programme verabschiedet. Die Bundesregierung beschloss Maßnahmen über 750 Milliarden Euro zur Abfederung der Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Neben dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds in Höhe von 600 Milliarden Euro verabschiedete das Parlament einen Nachtragshaushalt, der die Aufnahme neuer Schulden in Höhe von 156 Milliarden Euro vorsieht und die Aussetzung der Schuldenbremse beinhaltet. Darüber hinaus wurden weitere kleinere Programme für Unternehmen und Arbeitnehmer auf den Weg gebracht.

Die EU-Finanzminister haben sich hingegen nicht auf eine gemeinsame Strategie zur Eindämmung der konjunkturellen Folgen einigen können. Damit sieht es zurzeit auch nicht nach einer Markteinführung gemeinsamer, sogenannter Corona-Bonds aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die selbst auferlegte Ankaufsobergrenze für Staatsanleihen von 33 Prozent bei ihrem Pandemie-Ankaufprogramm (750 Milliarden Euro) nicht anwenden.

Die US-Notenbank Fed hat in dieser Woche angesichts der sich zuspitzenden Lage noch einmal nachgelegt und geht nun „all in“. Nach der in der Vorwoche erfolgten deutlichen Zinssenkung sowie der Ankündigung weiterer Liquiditätsmaßnahmen hat sich die Fed nunmehr zu unbegrenzten Wertpapierankäufen entschlossen, die auch auf den Unternehmensanleihemarkt ausgeweitet werden. Darüber hinaus brachte die US-Regierung ein gut zwei Billionen US-Dollar schweres Programm mit direkten Finanzhilfen für die Bürger, auf den Weg. Die abschließende Zustimmung steht noch aus, wird aber für diesen Freitag erwartet.

Die Maßnahmen führten in Summe an den Finanzmärkten zu einer spürbaren Erholung. Die Aktienmärkte konnten in der Berichtswoche (per Stand Freitagvormittag), ausgehend von tiefen Indexständen nach einer sehr verlustreichen Vorwoche bis zu 17 Prozent (Nikkei 225-Index) hinzugewinnen. Bei den Staatsanleihen schwankten die Kernmärkte nur leicht, in der europäischen Peripherie gingen die zuvor in die Höhe geschossenen Renditeaufschläge deutlich zurück.

Konjunkturdaten: Ifo-Index schwach, US-Arbeitslosigkeit schnellt nach oben

Der zunächst auf Basis von 90 Prozent der Umfrage-Rückläufe veröffentlichte Ifo-Index zur Stimmung in den deutschen Unternehmen zeigte sich im März mit 86,1 Punkten (Februar 96 Punkte) deutlich schwächer. Vor allem war der Dienstleistungssektor so stark wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen (2005) gefallen. Die noch nachgelieferten restlichen 10 Prozent der Umfragen ließen zudem einen weiteren Einbruch des Stimmungsindikators erkennen.

In den USA wurden am Donnerstag die mit großer Spannung erwarteten Erstanträge zur Arbeitslosenversicherung im März bekannt gegeben. Mit rund 3,3 Millionen Erstanträgen (in „normalen“ Zeiten sind es 200.000 – 300.000) in der letzten Woche lag die Zahl aber noch unter den am Markt kursierenden Schätzungen, welche sich im Bereich von bis zu vier Millionen Anträge bewegten. Die Zahl wurde marktseitig sogar eher positiv aufgenommen.

    Aktien: Auf den Einbruch erfolgt deutliche Erholung im Wochenverlauf

Dow Jones mit größtem Tagesgewinn seit den 1930ern

Die umfänglichen Maßnahmenpakete haben in der Berichtswoche zu einer deutlichen Umkehrbewegung an den Aktienbörsen geführt. Die US-Börsen liefen in der Abwärtsbewegung zunächst den europäischen Börsen etwas hinterher und erreichten ihren Tiefpunkt erst zum Auftakt dieser Berichtswoche. Die europäischen Indizes hatten hingegen schon in der vergangenen Woche ihre niedrigsten Stände erreicht. Umso stärker fiel dann die Reaktion am US-Markt aus. Alleine am Dienstag konnte der Dow Jones Industrial Average 13,4 Prozent zulegen und erzielte dabei den höchsten Tagesgewinn seit 1933. Insgesamt bewegten sich sämtliche großen Aktienindizes im Wochenverlauf deutlich im Plus. Der MSCI World-Index legte bis Freitagmittag um 14 Prozent zu. Nikkei 225 und Dow Jones Industrial Average lagen mit rund 17 bzw. 12 Prozent zweistellig im Plus. DAX 30 sowie EURO STOXX 50-Index gewannen jeweils knapp zehn Prozent hinzu. Trotz der erfolgten Gegenbewegung liegen die Börsen weltweit mit Blick auf die Jahresentwicklung noch deutlich im Minus. Die Verluste seit dem 31.12. 2019 liegen mit minus 9,6 Prozent (Nasdaq-Index) und minus 42 Prozent (MSCI EM Lateinamerika) in einer weiten Spanne. Bei den führenden Indizes in den USA und im Euroraum liegt der durchschnittliche Rückgang derzeit bei rund 20 – 25 Prozent.

Branchen: Rating-Herabstufungen im Autosektor

Auch bei den im STOXX 600 Europe-Index gelisteten Branchen gab es durchweg nur Zugewinne. Spitzenreiter waren Öl- und Gasunternehmen (plus 21,5 Prozent), Versicherungen (16 Prozent) und Finanzservice (14,8 Prozent). Auch der in jüngster Zeit stark in Mitleidenschaft gezogene Reisesektor konnte um 13,4 Prozent hinzugewinnen, liegt aber mit rund 43 Prozent auf Jahressicht noch kräftig im Minus. Auch der Ölsektor ließ noch deutlich Federn. Der Automobilsektor stieg um 14 Prozent an. Aktuell finden Ratingüberprüfungen im Autosektor statt. Unter den deutschen Herstellern wurde aktuell die Kreditwürdigkeit sowohl von BMW als auch Daimler um eine Bonitätsstufe heruntergenommen. Defensive Branchen wie Nahrungsmittel, Gesundheit oder Versorger legten mit plus 1,7 bis 4,7 Prozent dieses Mal vergleichsweise gering zu.

    Renten: Kaufprogramme der Notenbanken stabilisieren

Mehr oder weniger ausgeprägter Renditerückgang

Im Rentensektor gaben die Renditen zumeist nach. Die EZB hat nun am Donnerstag damit begonnen, im Rahmen ihres Pandemie-Notfallankaufprogramms (PEPP), Anleihen anzukaufen. Die Bundkurve tendierte etwas steiler, die Renditen im Bereich von vier bis zehn Jahren gaben um bis zu 13 Basispunkte nach. Am langen Ende (30 Jahre) war hingegen ein leichter Renditeanstieg zu beobachten. Lange Laufzeiten standen letztlich eher unter Druck, da künftig eine zu erwartende Flut an Neuemissionen (induziert durch die Maßnahmenpakete) steigende Renditen nach sich ziehen dürfte. Dem stehen jedoch die Ankäufe der Notenbanken entgegen, die entsprechend Anleihematerial aus dem Markt nehmen und somit auf der Gegenseite entlasten.

Am Markt für US-Staatsanleihen verschob sich die Zinskurve hingegen nahezu parallel über alle Laufzeiten um bis zu zehn Basispunkte nach unten.

Euro-Peripherie: Spanische Neuemission gefragt

Mit dem PEPP-Ankaufprogramm hat sich die Lage am Markt für Euro-Peripherieanleihen deutlich entspannt. Insgesamt war der Renditetrend in der Peripherie unter dem Eindruck der EZB-Ankäufe nach unten gerichtet. Am Dienstag platzierte Spanien eine zehn Milliarden schwere Neuemission mit sieben Jahren Laufzeit. Diese war sehr gut nachgefragt, der Primärmarkt funktionierte wieder einwandfrei.

Die in der Vorwoche zu beobachtenden deutlichen Spreadausweitungen zu den Bundesanleihen haben sich in den vergangenen Handelstagen weiter zurückgebildet. Die im PEPP beschlossene Abweichung der EZB von der Begrenzung durch den Kapitalschlüssel eröffnet bei den Anleihekäufen enormes Potenzial. Zum einen sowohl für Italien als auch vor allem für die kleineren Peripherieländer. Die Marktlage hat sich aktuell insofern geändert, dass es sich gegen Ende der Woche schwieriger gestaltete, etwa griechische Staatsanleihen am Markt zu erwerben.

Risikoaufschläge wieder deutlich eingeengt

Die sich in der vergangenen Woche deutlich ausgeweiteten Renditeabstände der Peripherie zu Bundesanleihen haben sich wieder stark zurückgebildet. So lag der Renditeabstand zwischen italienischen und bundesdeutschen Anleihen am 17. März in der Spitze bei rund 280 Basispunkten. Am heutigen Freitagmittag liegt der Aufschlag nur noch bei rund 170 Basispunkten. In Griechenland engten sich die Prämien von 400 auf 190 Basispunkte ein. In Portugal beispielsweise hat sich die Zehnjahresrendite mit 0,6 Prozent gegenüber dem Höchststand in der Vorwoche zwischenzeitlich wieder mehr als halbiert.

Euro-Unternehmensanleihen: Primärmarkt springt erfolgreich an

Die stark angeschlagenen Unternehmensanleihemärkte konnte sich in den vergangenen Handelstagen gut stabilisieren. Die Ausfallerwartungen der Anleger lagen aus historischer Sicht zuvor auf noch nie dagewesenen Niveaus. Der für Euro-Investment Grade Unternehmensanleihen repräsentative ICE BofA Euro Corporate-Index dürfte einen Boden gefunden haben. Die Seitwärtstendenz war allerdings von noch ansteigenden Risikoprämien begleitet. Unter dem Eindruck der EZB-Ankäufe und auch des Einstiegs der amerikanischen Notenbank in den US-Unternehmensanleihemarkt kam es zu einer Beruhigung. Die ersten Unternehmen nutzten die Stabilisierung im Euroraum sogar zur Platzierung einiger Neuemissionen, die sehr gut bei den Anlegern nachgefragt waren. Die Renditeaufschläge waren zumeist sehr attraktiv, sodass die Anleger gerne zugriffen.

Am stark unter Druck geratene US-Unternehmensanleihemarkt kam es nach der Ankündigung der Fed-Ankäufe zu einer Erholung. Die Risikoprämien gingen wieder etwas zurück, bleiben aber mit aktuell 330 Basispunkten (ICE BofA US-Large Corp-Index) noch weit vom Ausgangsniveau der Krise (150 Basispunkte Ende Februar) entfernt.

Ähnlich zeigte sich auch die Entwicklung bei den Anleihen aus den Schwellenländern. Auch dort hat sich die Marktlage nach, auch liquiditätsbedingten, zwischenzeitlich zu beobachtenden Extrembewertungen wieder entspannt. Auch dort bildeten sich die Risikoprämien nach deutlichem Anstieg wieder zurück.

Der Euro wertete zum US-Dollar in der Berichtswoche um 3,2 Prozent auf.

    Ausblick auf die kommende Woche

Nach wie vor kann keine Entwarnung verkündet werden. Sowohl aus Europa als auch den USA wird eine unverändert hohe Zahl an Neuinfektionen gemeldet. Mit Hochdruck wird weltweit an Möglichkeiten zur Erweiterung an Testmöglichkeiten und an Impfstoffen geforscht bzw. gearbeitet. Die Blicke sind auf China gerichtet, ob es dort nach dem offiziell verkündeten Stillstand bei den Neuinfektionen zu einer möglichen zweiten Infektionswelle kommt.

Sowohl Politik als auch Notenbanken haben nun alles erdenkliche in Bewegung gesetzt, die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Entwicklung abzumildern und damit etwas an Zeit gewonnen.

In der neuen Handelswoche stehen zahlreiche Daten an. Die Zahlen aus dem Euroraum und den USA unterliegen dem Eindruck der aktuellen Lage um Corona. Seriöse Konsensusschätzungen sind deshalb Mangelware. In China hingegen dürften die ersten Daten vor dem Hintergrund abflauender Neuinfektionen und einem schrittweisen Hochfahren der Wirtschaftstätigkeit zu betrachten sein. Analysten erwarten in etwa eine V-förmige Entwicklung.

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Stand aller Informationen, Darstellungen und Erläuterungen: 27. März 2020, soweit nicht anders angegeben.

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